Freitag, 21. Februar 2020

Wo ist die Natur?-Tagebuch einer Suche: Natur und Mathematik - ein neuzeitlicher Wahn

Natur und Mathematik - ein neuzeitlicher Wahn


Today's scientists have substituted mathematics for experiments, and they wander off through equation after equation, and eventually build a structure which has no relation to reality. (Nikola Tesla)

Wir sind über Jahrzehnte daran gewöhnt worden, unser Gemeinschaftsleben, die „res publica“ als „Maschine“, als „Funktionsorganismus“, als einen „Apparat“ aufzufassen.
Dies geschah aufgrund eines schwerwiegenden Irrtums der Aufklärungszeit, die in der physischen Welt meinte überall nur „Maschinen“ zu sehen, nachdem man die entsprechenden Weichen zu einem solchen Denken in der Renaissance gestellt hatte.

Diese Irrung des 18. Jh fußte auf der neuzeitlichen Astronomie und Kosmologie. Die gepriesene „kopernikanische Wende“ war der Anfang vom Ende alles Friedens und Heils.
Kopernikus gab ja offen zu, dass seine „Welten“ auf Mathematik basieren, die aber nur das ausrechnete, was er zuvor in den „Rechenapparat“ an Daten eingespeist hatte. Seine potenziellen Kritiker giftete er in seinem Hauptwerk „De revolutionibus“ als „Schwätzer“ an, die nichts von Mathematik verstünden. Das ist wichtig zu bemerken, denn die Natur ist wie sie ist — jenseits irgendeiner Mathematik, die ja nur eine Abstraktion und zugleich Reduktion des Lebendigen in Totes ist. Mathematik vollzieht abstrakt das nach, was in Gen 3 als „Zurück zum Staub“ beschrieben wird. Nichts ist ungeeigneter, das Lebendige zu beschreiben als sie. Mathematik ist per se Ausdruck des Todes.
Galilei wird die Sentenz zugeschrieben:
Dieser Satz spricht den hochfahrenden und grundlegenden Irrtum aus, an dem wir immer schwerer leiden. Nicht die „Natur spricht“ die „Sprache der Mathematik“, sondern der verblendete Mensch zwingt mathematische und damit tödliche Abstraktion in die Natur hinein. Es sollte an der Stelle bedacht werden, dass die massive Umweltzerstörung und der Raubbau an der Natur erst mit diesen Denkern begann. Das christliche Mittelalter hat das trotz aller Kritik, die man an ihm übern mag, nicht gekannt!

„Mathematik“, so behauptete auch Galilei, sei das „Alphabet“, mithilfe dessen Gott das „Universum geschrieben“ habe. Die Hybris, die in diesen Gedanken steckt, begreifen heute die allermeisten nicht mehr, auch nicht, wie wahnhaft dieser Gedanke ist.
Francis Bacon, Hexenverfolger, Frauenverächter und Homoerotiker, ein Zeitgenosse Galileis, ging gleich noch wesentlich weiter, entlarvend sprach er aus, was in der kopernikanischen Wende impliziert war wie eine böse Saat: Die Natur, so meinte er, sei nicht „Mutter“ (wie man zuvor stets ehrfürchtig gemeint hatte), sondern verächtliche Frau und Sklavin, Hexe und Hure, sie müsse man „examinieren“ und „auf die Folter spannen, bis sie ihre Geheimnisse preisgibt“, sie „unter Druck setzen“ und sie sich „gefügig und zur Sklavin machen“.[1]
Es versteht sich von selbst, dass diese abscheulichen Auffassungen nicht den Schöpfungserzählungen entnommen werden können. Sie haben sich allerdings mit entsprechenden antiken Traditionen, die auch ins Judentum und Christentum eingedrungen sind, ins Abendland implementieren können.
Mit dieser Weichenstellung der Renaissance aufgrund verschiedener Philosophen, Theologen und Kosmologen begab sich unsere abendländische Kultur endgültig auf die schiefe Ebene, auf der wir sie heute noch antreffen. Was wir heute unreflektiert als fulminante „kopernikanische Wende“ feiern, stets unter der Zuweisung der Dummheit und Finsternis zu all jenen, die zuvor (und heimlich bis heute) anders gedacht und empfunden haben, war überhaupt erst der Absturz in tiefste Finsternis.

Die Natur wurde in Formeln und Gesetze gepresst, man trotzte ihr die eigenen Wahnideen ab. Man spielte Gott und Schöpfer. Die Natur funktionierte man in eine riesige Maschine um und lehrte die Kinder in den Schulen, die allgemein verpflichtend wurden, alles maschinell und apparatetechnisch aufzufassen, auch den Menschen selbst. Und man erfand allerlei Apparate, die Handarbeit erleichterten und Dinge schnell produzieren konnten. Vieles empfand man als „Segen“, v.a. in der Medizin, aber das schale Gefühl und die Erinnerung an ein reiches natürliches Heilwissen, das v.a. Frauen tradiert hatten, die mit dem Aufkommen der „Universitäten“ im späten Mittelalter, verdrängt und dämonisiert wurden, blieben in der Erinnerung haften bis heute. Mit der berühmten „Apparatemedizin“ sind immer mehr Menschen unglücklich. Assoziiert mit einer geldgeilen Pharmaindustrie hat sich diese medizinische „Wissenschaft“ längst unglaubwürdig gemacht und wir sind an einem Punkt angelangt, an dem zahlreiche Menschen die Wahrheit dieser neuzeitlichen Medizin bezweifeln und glauben, dass man sie überhaupt erst krank macht mit diesen „Wissenschaften“. In manchen Ländern ist es nahezu unmöglich geworden, mithilfe natürlicher Mittel zu heilen, weil sie kriminalisiert und verhetzt werden. Die Versetzung der Welt mit krankmachenden Chemikalien, die Erschaffung von biologischen Waffen, das Gerücht, dass mit Flugzeugen am Himmel schädigende Substanzen ausgesprüht werden, die uns krankmachen sollen — immer spürbarer wird das Unbehagen und das Misstrauen der Menschen, das keineswegs auf einer „Verschwörungstheorie“ basiert, sondern teilweise  — wenn auch nicht in Deutschland, dem Land der Schildbürger — inzwischen offen in Parlamenten diskutiert wird.[2]

Durch die Erfindung des „Weltraums“, des angeblich „unendlichen“, der deshalb materialistisch verstanden „unendlich“ sein müsse, weil schließlich Gott auch unendlich sei, wurde der Mensch aus einer grundsätzlichen Geborgenheit in der Schöpfung gerissen. Wo er sich zuvor vor dem Thron Gottes wusste, eingehüllt in die Gnade und das Erbarmen dessen, von dem alles kommt und durch dessen Wort alles zusammengehalten wird, geheimnisvoll, aber verlässlich, war er nun ausgesetzt in den Wüsteneien finsterer „Denker“, die an den Höfen als „Entdecker“ gefeiert wurden, obwohl sie nur Märchenerzähler und Trickkünstler waren und aus lebendigen Vollzügen Dreiecke, Kugeln, Formeln und Gleichungen machten.

Die schwallartig entstehenden Maschinen und Ingenieurswerke schienen diesem Ungeist recht zu geben: seht, alles ist eine Maschine, alles ist ein „System“, ein Funktionsmechanismus, ein Apparat. Entsprechende politische Theorien entstanden erst jetzt in dieser Schärfe. Der „Leviathan“ wurde erfunden, dieser Drache namens „Staat“, zu dessen Funktionen die einzelnen aufgrund einer unwiderruflichen persönlichen Überschreibung wurden. Die Erinnerung an magische Praktiken wurde von Hobbes sicher bewusst gesetzt, aber von vielen nicht mehr verstanden: Man kann zu einem solchen Selbstbild im Gemeinwesen nicht verpflichtet werden, sondern muss sich dem regelrecht verschreiben, wie alle jene, die ihre Seele dem Bösen verschrieben haben. Grundannahme war, es könne keine Ordnung herrschen, wenn eine solche Verschreibung nicht geschehe. Tragischerweise schien der berühmte Passus in Römer 13 diesem Wahn auch noch recht zu geben und viele Fromme verfielen diesem Wahn und machten alles mit, was die Abfahrt auf der schiefen Ebene beschleunigte, sobald die „Obrigkeit“ der Täter war. Wir kennen seither nur noch totalitäre, maschinell verstandene Gesellschaftssysteme und ein Heer an Soziologen, die es in diesem Sinne beschreibend verfestigen und jede Erinnerung an eine lebendige Gemeinschaft gelöscht haben. Auch die Kirche hat sich seit dem Beginn der Neuzeit ausdrücklich dogmatisch einem solchen maschinellen, hierarchischen Funktionsmechanismus verschrieben und behauptet, sie sei damit das „Ursakrament“. Die Konzilien von Konstanz, Trient, das Vaticanum I und II sind dabei eine feste Quadriga, die den Sack aufs Grausamste zusammengebunden hat. Das biblische Bild vom „mystischen Leib Christi“ wurde missgedeutet als Funktionsmechanismus. Die Erkenntnis eines lebendigen — nicht mechanischen und maschinellen — Leibes wurde dogmatisch verfehlt und für alle Zeiten verleugnet. Die braven Christen irren nun zwischen diesen vier Unglückskonzilien hin und her wie Fliegen in einem Glas und erkennen nicht, dass dies die vier Säulen einer Gegenwelt sind.
Heute macht sich keiner mehr die Mühe zu kaschieren, dass Ziel und Absicht unserer Trends ist, die Welt, wie sie natürlicherweise ist, abzuschaffen und neue zu kreieren. Derzeit kann man auf Karlsruher Straßenbahnen den Werbeslogan für Computerspiele lesen: „Wir sind Weltenbauer“. Wenn man es geschickt und manipulativ ausgeklügelt anfängt, kann man selbstverständlich in die vorhandenen natürlichen Phänomene eine künstliche Welt projizieren und suggerieren, sie sei unzweifelhaft so vorhanden.

Die Welt wurde entleert und unheimlich, eine Geisterstadt gewissermaßen. Um den erstickenden Menschen davon abzuhalten, sich zu besinnen auf das, was ihm Odem gibt, nämlich der wahre Schöpfer alleine, schuf man massenhafte und massenmedial-maschinelle vertriebene Ablenkung, die die Fixierung auf ein verkehrtes Weltbild immer weiter vertiefte. Science Fiction-Literatur schoss aus dem Boden wie Pilze, so lange, bis sich keiner mehr vorstellen konnte, dass die Welt vielleicht völlig anders ist als wir glauben gemacht werden.

In der Fantasyliteratur werden (oft unter Zuhilfenahme mythologischer Motive) eine Art "Paralleluniversen" erschaffen, in denen der Held allerlei Abenteuer in der Logik dieser erfundenen Welt besteht.
Der Autor samt seinen Lesern erliegt der Einbildung, man könne selbst so etwas wie eine „Natur“ iS eines „Systems“ erschaffen.

Manche postmoderne Menschen verwechseln daher Fantasyliteratur mit alten mythologischen Texten oder heiligen Schriften. Sie denken, Mythologisches oder Transzendentes könne jeder einigermaßen Begabte mal so eben erfinden. Ich halte das für einen schwerwiegenden Irrtum, der sich aus der genannten grundlegenden Irrung der modernen Kosmologie ergibt. Der grundlegende Irrtum ist die Mathematisierung, die Geometrisierung der Welt und der Wahn, sie in Reinform in den „Weltraum“ zu projizieren, wo sie doch in der sichtbaren empirischen Welt nirgends anzutreffen ist. Und dort kann niemand hin und niemand überprüfen, was dort wirklich ist. Dem wachen Geist aber wirkt diese naturferne Spirografenwelt da draußen all zu lächerlich, nachgerade infantil.

Wenn einer etwa die „Metamorphosen“ des Ovid oder das „Ramayana“ mit dem „Herrn der Ringe“ von Tolkien vergleicht und allen Ernstes der Meinung ist, es handle sich dabei um dieselbe literarische Gattung, sei er auf den Boden der literarischen Realität zurückgeholt:
Ovid ist dabei eher den Gebrüdern Grimm vergleichbar als einem Fantasy-Autor. Er hat bestehende, uralte Sagen und mythologische Fabeln im Prinzip "gesammelt" und literarisch schön aufgemacht (Hexameter etc). Er hat weder etwas Mythologisches er-funden, noch sind die Erzählungen in sich unbedingt innerhalb eines Systems schlüssig. Er hat einen vorgefundenen Stoff neu verarbeitet, ohne dabei eine neue mythologische Welt erzeugen zu wollen. Vieles sind „Spots“ in bestimmte Situationen und geben Hinweise auf Herkünfte etwa bestimmter Städte, Orte oder Namen.
Ovid ging es ganz sicher nicht drum, eine "Anderwelt" zu kreieren, in der er seine quasimenschlichen Helden Abenteuer bestehen lässt, die in der empirischen Welt grundsätzlich unerfahrbar sind, aber eine Allegorie auf sie darstellen sollen. Wie sehr antike Autoren dagegen kosmologischen Wahnideen ironisch gegenüberstanden, mögen satirische Schriften wie der „Goldene Esel“ des Apuleius oder die kryptische Posse „Cosmografia“ des Aethicus verdeutlichen. Zu einer solchen Ironie gelangen die humorlosen und verbissenen heutigen Kosmologen nicht mehr, und dies spricht deutlich für sich.

Der kardinale Denkfehler besteht mE hier darin zu meinen, jedermann könne "Mythologie" erfinden oder „Mythologie“ sei ja in Wahrheit nichts anderes als heutige Fantasyliteratur, eine Art „Ausspinnen“ dessen, was wir sinnlich wahrnehmen, in eine verformte, aber gänzlich von den Bedingungen der empirischen Welt abhängigen Parallelwelt. Tatsächlich ist heutige Fantasyliteratur die Rekonstruktion einer selbsterschaffenen, aber durchweg „technisch“ konzipierten Parallelwelt, nachdem man die echte Welt entleert und entseelt hat. Es ist, als könne man die echte Natur einfach verlassen und weiterziehen in die nächste Selbsterschaffung.
Fantasywelten sind grundsätzlich unfähig zu einer wirklich gänzlich anderen Welt. Sie denken sich zu der vorhandenen Vielfalt nur eine weitere aus. Im besten Fall sind sie gut geschriebene Allegorien oder Utopien. Mythologische Texte haben zwar auch eine allegorische, vielleicht auch eine visionäre Seite, bedeuten aber viel mehr noch Stimmen aus der Transzendenz.

Die echten mythologischen Texte stammen "von weit her" und tragen alle ähnliche Merkmale. In ihnen werden menschliche und menschheitliche Situationen thematisiert, wie zB die Erschaffung der Welt aus dem Chaoswasser oder die große Flut (Sintflut), allegorisch oder metaphorisch dargestellt, weil sie eben gerade kein „System“ der Welt annehmen oder glauben entdecken zu können. Zwar spielen hier Zusammenhänge eine Rolle, dies aber nicht funktional oder systemisch. Ein „System“ bleibt gerade in den alten Texten verborgen oder es gibt gar keines, um es vielleicht ehrlicher zu sagen. „Systemdenken“ erscheint hier durchaus als Denk- und Vorstellungs, ja sogar Erkenntnisschwäche und man kann mit Recht von Überwelten sprechen, die hier spürbar werden oder als historisches Agens ausgedrückt werden, aber es sind Über-, keine Anderwelten. Die Überwelt ist mit der empirischen Welt eins, umgreift sie, durchwirkt sie, kann von ihr nicht wirklich wesenhaft getrennt werden, während die Anderwelt, wie ihr Name schon sagt, etwas anderes sein soll als das, was wir empirisch erleben. Dass in beiden literarischen Gattungen bestimmte archetypische Figuren wie zB Drachen, Riesen oder Engelwesen vorkommen können, darf nicht darüber wegtäuschen, dass sie eine je verschiedene Bedeutung haben. Das bloße Auftreten solcher Figuren macht noch keine literarische Gattung.

Der Gedanke, man könne die Welt als System oder Mechanik beschreiben, ist in dieser Plattheit erst neuzeitlich ausgeformt und der gesamten Kultur eingepflanzt worden oder — wie es in der Fantasyliteratur geschieht — von einem solchen System, einer solchen „Weltmaschine“ abgeleitet werden. Egal welchem Ansatz man heute folgt, ob man quantenmechanisch denkt oder relativitätstechnisch: Immer geht man von einem „System“ aus, einer „Maschine“, einer meinetwegen hochkomplexen, aber immer liegt eine mentale Ingenieursleistung zugrunde, die die Welt als Apparat ansieht.
Man wird solche Motive in der klassischen Mythologie ebenso wenig finden wie in heiligen Texten. Was dort den Rahmen der scheinbaren „Naturgesetze“, die die Alten weder kannten noch formulierten, zu sprengen schien, tat dies nicht aufgrund mechanischer Funktionen.

Fantasy, die mythologisch tut, will an tief Erinnertes anknüpfen, um eine Verbindung zwischen wirklicher Schöpfung und artifiziellem Abklatsch herzustellen, wirkt dagegen unwirklich und in der Regel auch "zu perfekt". In der mythischen Erzählung bleibt immer viel offen, widerspricht sich oder verheddert sich. Sie ist systemisch niemals vollkommen, sondern sogar bewusst unlogisch.
Fantasy hat den Charme einer Ingenieursleistung. Es ist vielleicht typisch deutsch, solche literarischen Ingenieursleistungen als "Gefühlstrigger" zu erleben und nicht unterscheiden zu können von anderen Gattungen, in denen Mythologisches (echt) oder Transzendentes angedeutet wird. Dass viele katholische Traditionalisten die beiden berühmten christlich angehauchten Fantasyautoren, Tolkien und C.S. Lewis lesen, als seien jene die großen biblischen Allegoriker, kann man nur als ein tragisches Missverständnis bezeichnen. Das, was bei ihnen als „traditionell“ erscheint, ist historisch zwar möglicherweise traditionell, hat aber mit biblischer Erzählung so gut wie gar nichts zu tun. Tragischerweise halten darum einige skeptische Geister umgekehrt nun biblische Erzählung für Fantasyliteratur. Sie erkennen nicht, dass die Art der Anwesenheit Gottes in seiner Schöpfung in beiden Genres wesentlich unvereinbar ist. Im biblischen Kontext ist Gott verborgen, und dies wesenhaft. Wenn er sich doch zeigt, ist es unabsehbar und immer überraschend und kann nicht festgehalten werden. Kein System der Welt kann ihn halten oder aufspüren.

Unser modern-postmodernes Dilemma ist tatsächlich ein heilloses Missverständnis der Natur als einer mechanischen Anlage, die man vermessen könnte. Dieses falsche und absurde Denken deutete sich bereits in der Scholastik an, setzte sich ausdrücklich bei Kopernikus fort und gipfelte vorerst bei Newton, der unserer Kultur seither eine Art Todesimpuls versetzt hat: Er erschuf selbst ein Universum, tat aber so, als sei seine Schöpfung die Wirklichkeit, und bis heute glauben ihm das alle ohne Sinn und Verstand. Seine "Gesetze" müssen im "ganzen Universum" gelten, behauptete er - sagen wir mal bescheidener: in seinem selbstgestrickten Universum gelten sie vielleicht.

Wir finden in der Natur nirgends die mathematischen Abstraktionen und Funktionsmechanismen vor, die diese Herren ins "All" projiziert haben. Während es hier nirgends in der Natur echte Dreiecke, Kugeln oder rechte Winkel gib, auch keine Fibonacci-Kurven, sondern nur mathematisch interessierte Menschen das in die Natur in ihrer ganzen "Krummheit" hineinsehen, gewissermaßen als "transzendente Abstraktion" dahinter (daher auch die Metapher vom "Weltenbaumeister"), soll "da draußen" also eine Natur sein, die mehr wie ein Uhrwerk und ein Haufen Formeln wirkt, ein Materiallager für all die idealen Formen und Funktionen, "Naturgesetze" (die allerdings extrem widerspruchsbeschwert sind, wenn man diese Theorien mal genauer ansieht), die innerhalb des Orbits nun mal partout nicht gelten können, weil hier keine Abstraktionen, sondern etwas anderes lebendig ist. Kein Baum steht als gerade "Strecke" senkrecht auf dem Boden, keine Körperhälfte gleicht der anderen, der "goldene Schnitt" gilt nur dem Anschein nach - real weicht jeder noch so perfekte Menschenkörper doch davon ab etc. Alles Natürliche und Schöne ist immer "daneben" - neben der Abstraktion, "jenseits" der technischen Auffassung, die eben tot ist und den Tod bedeutet. Daher auch der Exodus der "Iwri", der "Jenseitigen" aus dem "technischen" Ägypten.

Der Charme des Natürlichen liegt darin, dass es im Prinzip nicht "funktionieren" dürfte, wenn man "ingenieurs- und naturgesetzemäßig" drauf sieht. Es ist aber jenseits der angeblichen Naturgesetze tatsächlich stabiler als alle unsere Maschinen, die nach den Prinzipien "funktionieren", die wir auch der Natur unterstellen, die dort aber jenseits unserer Maschinen nicht vorfindbar sind.

Die neuzeitliche Weltauffassung ist aus diesem Grunde durchweg und wesenhaft steril.

Hanna Jüngling, 21.2.2020 (Unter den Himmeln)


Tagebuchfolgen bisher:





[1] Zitiert nach: Patrick Becker/Christiane Heinrich (Hg): Theonome Anthropologie? Christliche Bilder von Menschen und Menschlichkeit, Freiburg 2016: Herder. S. 293
[2] Selbst Mainstreammedien geben inzwischen offen zu, dass über den Einsatz biologischer Waffen gegen die eigenen Bevölkerungen gesprochen wird, etwa die vorsätzliche Verseuchung von Zecken mit Borrelioseerregern: https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/borreliose-pentagon-soll-pruefen-ob-es-veraenderte-zecken-freigesetzt-hat-a-1277705.html

Sonntag, 16. Februar 2020

Wo ist die Natur? - Tagebuch einer Suche: Weder Scheibe noch Kugel — der Katechon

Weder Scheibe noch Kugel — der Katechon

Das alberne Gezänk sowohl des Mainstreams als auch der alternativen Medien gegen die Flacherdler-Bewegung, dem jede Gelassenheit, jeder Humor und auch jedes Bewusstsein dafür fehlt, dass die moderne Astrophysik und Kosmologie in Wahrheit auf keinerlei wissenschaflich zu nennender, wirklich haltbarerer Basis steht, sondern im Prinzip das technisch aufwendige Fortspinnen einer Traumidee ist, die ja niemals irgendeinen Beweis in der Realität antreten muss, den jedermann überprüfen könnte, nimmt inzwischen entlarvende Formen an.
Ein großer Teil der Streitenden v.a. auf der Seite der Globusgläubigen kann offenbar Theorie nicht mehr von Empirie unterscheiden und hält Filmanimationen und SciFi-Hollywoodproduktionen für Realität. Gerade auf deren Seite ist es nahezu unmöglich, noch klarzumachen, dass das Argument, wenn die empirische Wahrnehmung der Theorie widerspreche, müsse einem vernünftig denkenden Menschen doch weniger die Wahrnehmung als die Theorie fragwürdig erscheinen, intellektuell zu vermitteln. Die globalistische Seite ist euphorisch: ja, wir sehen alles verkehrt, Gott sei Dank hat die moderne Astronomie uns gelehrt, wie man alles richtig sieht. Dass aber auch im verkehrt-richtiggestellten Modell Winkel falsch sind, Berechnungen nicht hinhauen, der Nordstern niemals für alle sichtbar sein dürfte und v.a. nicht so, wie er es tut, dass man den Eindruck hat, jede Unstimmigkeit wird hechelnd durch einen Anbau an das monströse Gebäude schnell ausgebessert — das alles weist uns drauf hin, dass das Gebäude inzwischen seine statische Stabilität trotz größter medialer Anstrengungen verloren hat und demnächst zusammenbrechen dürfte. Und überhaupt: wenn "uns" (also uns Menschen) unsere empirische Wahrnehmung hier stets grundsätzlich trügt, welches Superhirn kann sich dann so sicher darüber sein, welcher wie immer definierte Blick auf das "All" nicht trügerisch ist?! Wer kann dann mit Berechtigung aussteigen und es "richtig sehen"?!

Ich möchte daher für die kommende, dringend notwendige, wissenschaftliche Debatte einen Gedanken in die Runde werfen:

Kopernikus argumentierte seinerzeit ja nicht mit empirischen Fakten — genauso wenig tat das Bruno, genauso wenig Galilei (wobei letzterer eigentlich ein Hanswurst war und überhaupt keine echten Konzepte hatte), erst recht nicht Newton.
Alle gingen sie von theoretischen Annahmen aus, die sie der wahrnehmbaren Realität überstülpen wollten. Dabei wurde nebenbei mal eine andere Schöpfung, genannt „Universum“ erschaffen. Der Begriff ist neumodisch, denn die Alten kannten nur die Schöpfung, die Natur. Der Begriff „Weltall“ taucht im Deutschen laut Grimmschem Wörterbuch erst im 18. Jh auf. Auch das kürzere „All“ im selben Sinn taucht erst im selben Zeitraum allmählich auf. Auch das lateinische „Universum“ wurde nicht als „Weltall“ verstanden, sondern als das Allgemeine oder Gesamte. Man sprach bei den Alten vom „Kosmos“, aber auch der meinte weniger das „Weltall“ als das „Weltsystem“ des „Äons“. „Kosmos“ wurde dabei auch politisch verstanden, als Herrschaftssystem.

Kopernikus also war wie manche andere der Meinung, der Kosmos — immer eingedenk dessen, dass das Bedeutungsfeld dieses Begriffes durchaus variabel sein konnte — müsse sich in ideale geometrische Figuren gebettet haben Er behauptet in seinem Hauptwerk ausdrücklich, dass die Himmelskörper deswegen Kugeln sein müssten, weil die Kugel die ideale geometrische Figur sei. Sei Argument stützte sich also gerade nicht auf eine empirische Beobachtung, sondern vollzog eine Geometrisierung der Welt, die schon zuvor von manchen Kreisen aus begonnen worden war.

Nun erkennen wir in der Natur tatsächlich idealiter solche geometrischen Gestalten: Kreise, Dreicke, Fibonacci-Kurven (Schnecken), die Swastika, Spiralen, Sternformen, Senkrechte, Geraden etc.
Nur haben wir eine kleine, aber wichtige Tatsache inzwischen verlernt:
Nirgends in der Natur finden wir wirklich diese ideale Form. Wir legen sie nur den Formen, die wir vorfinden, als Ideale zugrunde, weil wir diese ideale darin zu erkennen glauben.
Faktisch steht aber kein Halm, kein Baum senkrecht auf der Erde, wir werden nirgends eine echte Kugelform finden, auch nicht im berühmten Wassertropfen, der zwar irgendwie ein Tropfen ohne jede Kante ist, aber eben keine Kugel. Der Mensch sieht aus wie achsensymmetrisch gespiegelt, und doch stimmen seine beiden Hälften tatsächlich überhaupt nicht überein. Man könnte endlos so fortfahren, um am Ende zu fragen, ob diese scheinbar ideale geometrische Form nicht die einzige wirkliche Wahrnehmungstäuschung ist, während die empirisch wahrgenommene Welt sogar extrem real ist ohne diese zugrunde liegend gedachten Reduktionen? Die Geometrisierung der Dinge beruht auf einer Denkstörung. Denn alle Geometrisierung ist Reduktion, Vergrauung des Farbigen, Tötung des Lebendigen.
Kopernikus’ Thesen basieren — sagen wir es doch mal krass — auf einem veräußerlichenden, herabwürdigenden Zwangsgedanken und haben keinerlei Berechtigung, anstelle der wahrgenommenen Realität als „Wahreres“ gesetzt zu werden.

Anders herum wird ein Schuh draus: genauso wenig, wie irgendwo in der Natur ein Dreieck ist, das dem Ideal entspricht, genauso wenig sind dort Kugeln. Das alles gibt es nur in der abstrakten Welt, nicht in der Wirklichkeit.
Was immer äußerlich ein wenig geometrisch wirkt, ist nach innen zwar schon relational, aber nicht mathematisch — wie unsere beiden Körperhälften. Und so, wie überhaupt außen und innen nicht einfach nur äußerlich beschreibbar sind, und Physik ist nichts als Äußerlichkeit, die an ihrem grundsätzlich verwehrten Zugang zum Inneren scheitern muss. Es wäre an der Zeit, dahin zurück zu finden.
Was immer also im Kosmos dieses Äons ist, ist genauso wenig geometrisch ideal wie alles, was wir sonst in der Natur vorfinden! Daraus kann natürlich nicht geschlossen werden, dass es keine Ordnungen gibt. Das wäre falsch gedacht. Es gibt Ordnungen, aber sie bestehen wesentlich aus einer Übereinstimmung von Außen (zeitlich Manifestiertem) und Innen ("Herz"). Die kopernikanische Konzeption nimmt sich dagegen lächerlich und schizoid aus, weil sie Lebendiges in sich aufspaltet und anschließend das Ewige zur Unterfunktion des Zeitlichen macht.

Die gesamte moderne Astrophysik basiert auf diesen zwanghaften „Idealfiguren“ und kann daher nicht sein. Da draußen im „All“ sind weder Kugeln noch sonst etwas, das man mathematisch berechnen könnte. Man kann nur seine eigenen Schöpfungen und Maschinen berechnen, nicht aber die Natur. Ich gehe davon aus, dass die allermeisten diesen einfachen, aber unabweisbaren Gedanken intellektuell nicht mehr verstehen werden und sofort wieder losballern mit ihren materialistischen „Argumenten“.

Ich empfehle daher, erst einmal nachzudenken.

Und natürlich ist die Erde dann auch keine „Scheibe“, denn auch das ist nur ein geometrischer Idealbegriff.

Ich finde den alten Begriff des „orbis terrarum“ hier am meisten treffend. Hebräisch nennt man es „tewel“: den „Erdkreis“. Dieser Kreis ist nicht einfach äußerlich geometrisch gemeint, sondern als ein Gegenstand, in dem ein Außen mit einen Innen verbunden ist. Man spricht auch von „chug“, einem Kreis oder Gewölbe, vor allem einem „Horizont“, den Grenzen, keinesfalls einer „Kugel“, wie inzwischen bibelverfälschend auf evangelikaler Seite zB von Roger Liebi und vielen anderen ohne jede Hemmung durch die Wahrheit behauptet wird. Dabei hat noch niemals einer der älteren Übersetzer hier einen Übertragungsfehler gemacht. Alle wussten, dass der „Erdkreis“ keine Kugel ist und auch die LXX wäre niemals auf die absurde Idee gekommen, dies so zu übersetzen, ebenso wenig Hieronymus! Denn „Kugel“ heißt hebräisch „kaddur“ und nicht „chug“. In der Schrift gibt es für das kopernikanische Weltbild nicht einen einzigen validen Hinweis, im Gegenteil, denn ich habe noch einen erschütternden Fund gemacht bei meinen Recherchen:

Hochinteressant ist, dass in Jes 40,22 in der LXX, wo das Reizwort von der angeblich „chug“-Kugel steht, auch der berühmte „Katechon“ auftaucht, der im NT im 2 Thess 2,6f als der bzw das benannt wird, der die Entschleierung des Geheimnisses des Bösen und den Antichristen noch aufhält.
Die LXX übertrug hier so, dass dieser „katechon“ den Horizont der Erde kontrolliert bzw zusammenhält, ja es ist dieser „katechon“, der überhaupt mit seinem Thron die Grenzen dieses Erdkreises setzt.
Man kann daraus schlussfolgern, dass die Beiseiterückung des „katechon“, von der der Thess spricht, den Antichristen heraufbringen wird also nun auch insofern als zuvor die Grenzen der Erde nicht mehr ihm, sondern einer abstrakten geometrischen und extrem unanschaulichen Figur zugeordnet werden: auf der Kugel gibt es weder oben noch unten, weder Ost noch West, keiner weiß, wo er wirklich ist, und eine Horizontlinie kann niemals mit der des „katechon“ zusammenschmelzen. Der griechische „katechon“ ist hebräisch „hajoschev“, der Sitzende, der Draufsitzende gewissermaßen, höchst anschaulich, und ja, er muss weg nach 2 Thess, damit der andere kommen kann. „Hajoschev“ saß aber im gesamten AT nie auf einem Gymnastikball, dessen Unterseite er damit auch noch gequetscht und vor allem nicht gesehen hätte, sondern auf einer Kuppel und gab mit seinem Thron der Erde ihre Form.
Damit wäre, theologisch gesprochen, angedeutet, dass das moderne Weltbild die notwendige Grundlage für die Hervorbringung des Antichristen ist.

Hanna Jüngling, 16. Februar 2020 (Zuhause auf dem Erdkreis)


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Mittwoch, 5. Februar 2020

Wo ist die Natur? - Tagebuch einer Suche: Korrespondenzen zum Klima

Wo ist die Natur? - Tagebuch einer Suche


Korrespondenzen zum Klima

Die Pfinz war zum reißenden Fluss geworden, heftige tagelange Regenfälle setzten die Bäume am Ufer unter Wasser. Auch das ist Klima — verschwiegenes, aus dem Ruder laufendes Klima, das doch immer trockener und heißer werden soll, Malefiz, wenn es nach den Prophezeiungen des Club of Rome geht, und jetzt wird es feuchter, aber nicht kälter … warum auch, denn hier war es ja nie wirklich kälter. Dem benebelten Geist erscheinen die Wintertage der Kindheit alle schneeumstürmt. Die Wetterstatistiken für den Ort sagen uns allerdings etwas anderes. Würde mich nicht wundern, wenn man für den Klimafake Daten vernichtet.
Es macht eben wie schon immer, was es will, das Klima. Und wenn es sich nicht framen lässt, das renitente, unabhängige Klima, dieses ungezogene Weib, dann gehört es gebändigt, inklusive Hexenprozesse dazu, denn irgendwer muss ja schuld sein daran, dass die Natur größer ist als das Gehirn einzelner Spatzen. Unsere Wettermacherinnen träumen alte erfolglose Träume, wie schon seit je: der Wahn hat immer seine Vollstreckerinnen. Ohne Binnen-I.
In der Stadt die „KünstlerInnen für die Zukunft“ in altbewährter deutscher Hybris: „Karlsruhe macht Klima“.
Die kleine Hexe ließ Tannenzapfen regnen. Und weiße Mäuse. Man sollte Hirn regnen lassen heute.
Sie bemerken ihren Grenzübertritt zum Kitsch genauso wenig wie den zum Größenwahnsinn. Woher der Hass gegen das Freie, nicht Genormte, Überraschende, Sich-Wandelnde? Oder dekonstruieren sie einfach nur das ungebändigte Klima, wollen es in eine sterile Vertaktung zwingen, auf Teufel komm raus? Erinnert das Klima sie daran, dass sie den ganzen Kopf voller Normen haben, Sklavengeister sind, triebhaft hin und hergeschickt, ohne Ziel und Sinn, aber aufgeladen mit Arroganz bis in die Haarspitzen?
Mir geht es übrigens gut, ich fühle mich wohl, die Kleidung vom Vorjahr passt heute auch noch, und die Skipisten machen schon lange nicht jede geldgeile Verkaufambition mit. Kunstschneemaschinen gibt es seit den 1940ern. Fürs Geldmachen macht man alles, auch Klima.
Mein Vorschlag wäre: „Backe, backe Klima“.
Ich bin nicht dabei. Ich mache einfach Kunst in einer Schöpfung, die niemand bis heute verstanden hat.
Wir wissen fast nichts über sie, aber eines ist gewiss: die Alten wussten mehr als wir, mehr von Energien, von Kräften und Gewalten, vom Mittelpunkt. Ich taste mich an das heran, was von ihnen noch überliefert ist und staune.

Misteln in den kahlen Bäumen und Maulwurfshügel auf grauen Wiesen. Daneben der reißende Bach mit seinen Stundenkilometern in Rennradstärke. Lehmgelb. Als ich im Wald bei Kleinsteinbach über eine kleine Holzbrücke übersetze, treibt eine riesige, feuergelb ausgewaschene Baumwurzel im Wasser und überschlägt sich dabei wie ein Zirkusartist, der räderschlagend in die Manege stürmt, unterm tobenden Beifall der Zuschauer.

Hanna Jüngling, 5. Februar 2020 (An der Pfinz hinter Berghausen talaufwärts)

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16.1.2020:    Wo ist die Natur? - Tagebuch einer Suche: Spechtbalz, frühe Singdrossel und der erste wilde Uhu meines Lebens