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Mittwoch, 8. Februar 2017

Neuerscheinung zum Thema "Theologie der Frau"

Was lange währt...


...das lange angekündigte Buch zum Thema "Frau und Kirche" ist endlich erschienen.

Kann auf Booklookerbestellt werden.



Email: hanna.juengling@zeitschnur.de 

ISBN 978-3-940764-17-1

Seiten: 376

Einband: Softcover

Bindung: fadengeheftet

Auflage:

Preis: 18,00 €  




Beschreibung: 

Papst Franziskus hat 2013 vorgeschlagen, eine „Theologie der Frau“ zu entwickeln. Seine Vorstellungen scheinen sowohl von konservativen Unterordnungs- als auch von progressiven Gleichstellungswünschen abzuweichen. Sie haben Enttäuschung aufseiten derer, die für den Zugang der Frauen zu Weiheämtern plädieren, hervorgerufen, und Misstrauen bei denen, die sich an der Präsenz der Frau in der Kirche mehr oder weniger stoßen und befürchten, Franziskus wolle mit seinem Vorschlag in einem ersten Schritt der Priesterweihe der Frauen Tür und Tor öffnen.
Beide Positionen stellen fruchtlose Extreme in einer Debatte dar, die auf ihre vernünftige und spirituelle Realisierung  noch wartet. Franziskus' Frage lautet: Wo ist der theologische Ort der Frau, und was folgt daraus für ihre Bedeutung in der sichtbaren Kirche?
Die Autorin unternimmt, um eine "Theologie der Frau" zu begründen, einen Gang durch die Heilige Schrift, Texte von  Kirchenvätern und Mystikerinnen und die Kirchengeschichte, der faszinierend, niederschmetternd, verworren und geheimnisvoll ist und zu Antworten führt, die in keines der beiden genannten Hörner tuten, sondern zu einer überraschenden Sicht der Dinge überleiten.


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Kapitelfolge:

Vorrede
1. Das Zeichen der Braut im Paradies
2. Der Raub der Brautkrone - die Erzählungen in Genesis 2 und 3 
3. Kopfbandagen
4. "Mulier non est homo!" - "Die Frau ist kein Mensch!"
5. "Hier streitet Gott!" - Die mystische Leere der "schwachen" Frau
6. Ein System repressiver und projektiver Selbstverachtung
7. Franz von Assisi, die Frauen und der "böse Blick"
8. Das viel zu enge Kleid
9. Die Gewalt des "Erzeugers" und die Verzweckung der bloß passiven "Empfängerin"
10. Kleiner Exkurs in die antike Rechtsgeschichte
11. Entäußerung Entäußerung Entäußerung: Jesus, Maria und Josef
12. Erholungen der Braut und Rückfälle
Fazit
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Eine Leseprobe

kann ich leider aus technischen Gründen nicht einstellen...

...aber einige Blogartikel sind die Vorarbeit zu diesem Buch gewesen und teilweise fast wortgleich eingearbeitet worden.

Folgende Artikel können hier gelesen werden:

Die Frauenkrise I 
Die Frauenkrise II
Die Frauenkrise III
Die Frauenkrise IV
Die Frauenkrise V
Die Frauenkrise VI
Die Frauenkrise VII

Inzwischen bin ich gedanklich noch weiter fortgeschritten...

Samstag, 24. Dezember 2016

Das Weihnachtslicht und die Nacht des einsamen Ein-Gott-Glaubens



Das Weihnachtslicht und die Nacht des einsamen Ein-Gott-Glaubens

Das Christentum, jedenfalls das römisch-katholische und das byzantinische, ist keine monotheistische Religion.

Man hat uns diese Idee vom Monotheismus, gepaart mit einem aufsteigenden religionsgeschichtlichen Entwicklungsmodell, eingetrichtert von Kindheit an: erst habe man „animistisch“ geglaubt, dann „polytheistisch“ und schließlich, zur Krönung des menschlichen Geistes, „monotheistisch“. Und es mag sein, dass der Protestantismus den christlichen Glauben durch seine Verleugnung der Eucharistie und die Verbannung Christi in eine theologische Abstraktion, hier im Westen stärker in die Nähe des rigorosen Monotheismus gerückt hat.

Der Islam aber sieht seine ganze Sendung darin, den „verratenen“ Monotheismus der Kirche zu korrigieren, notfalls mit Gewalt. Sein Bekenntnis lautet: Es gibt keine drei, sondern nur einen, die Trinität ist blasphemisch, und ihr Gottesheld ist „der größte“. Als ob Gott es nötig hätte, der "größte" zu sein, er, ohne den doch nichts ist...
Ohne diese Sendung hat er keinerlei Sinn als späteste der großen Religionen. Er ist ohne originären Inhalt, abgesehen von dieser Sendung. Aber er ist es auch, der mit seinem Konstrukt von den drei „Buchreligionen“ diese Idee in die Welt gesetzt hat, es handle sich beim Glauben der Kirche um einen „eigentlichen“, nur verderbten Monotheismus. Insbesondere Protestanten und einige Juden, allen voran Lessing und Mendelssohn, haben diese Idee aufgegriffen und für bare Münze bzw. bare „Ringe“ genommen und seither in die Köpfe der Europäer, besonders der Deutschen, gepflanzt. Und niemand hat dieser Behauptung energisch widersprochen, auch nicht die katholische Kirche, in der die Auseinandersetzung um den Trinitätsglauben zu früheren Zeiten, vor der Reformation, heftig, sogar mit der Inkaufnahme des Schismas der Ostkirche, geführt wurde, seither aber merkwürdigerweise nicht mehr.

Und nun feiern wir Weihnachten, das anstößigste Fest für den Islam, denn heute feiern wir die Geburt des Sohnes Gottes, der nicht nur metaphorisch, sondern wirklich Gott ist und in Maria das Fleisch des Menschen annahm, um die verdorbene, friedlose Welt von ihrer Verfangenheit in der Sünde zu retten. Dass Gott einen Sohn haben könne, leugnet das islamische Glaubensbekenntnis ausdrücklich (Sure 112). Und dies nicht nur auf Erden, sondern auch im Himmel.

Es ist also Zeit, noch einmal darüber nachzudenken, was dieses Weihnachtsfest jenseits sentimentaler Bräuche uns eigentlich sagt. Es ist ein Fest der Trinität, denn Maria empfing Gottes Sohn durch den Heiligen Geist, der sie „überschattete“, wie es der Engel Gabriel sagte. Diese unendliche Sanftmut der Szene „Mariae Verkündigung“! Der Engel tritt zu ihr, als sie alleine ist und seine erste Ansprache an sie lautet „Fürchte dich nicht!“ Diesen Satz sagt er später auch den vor Gott zitternden Hirten. Und dann sagt er ihr, wer sie ist, nämlich die Frau, die „gratia plena“ ist, die vollkommen Begnadete. Ein ruhiger und würdevoller Wortwechsel folgt, und Maria gibt in großer Vernunft und Hingabe ihr Einverständnis kund – als Jungfrau, d.h. an der kein Mann irgendein Anrecht hätte!
Alleine hier schon berührt es seltsam, dass die erste Begegnung des islamischen Propheten mit dem vom Namen her scheinbar selben Engel brutal und beängstigend ist. Nach der Sammlung Ibn Ishaqs über das Leben des Propheten wird Mohamed von diesem Engel angefallen und dreimal gewürgt, so sehr, dass er glaubt, sterben zu müssen und verständlicherweise in Todesängste geriet. Er sollte eine Aufschrift auf einem Tuch lesen, obwohl er gar nicht lesen konnte. Die Aufschrift erklärt, Gott habe den Menschen aus geronnenem Blut geschaffen (Sure 96). Der Tod bereits gewesener menschlicher (?) Wesen scheint also vorausgegangen sein. Der Mensch eine Rekonstruktion aus getöteten, ermordeten und geopferten Menschen? Im Alten Testament wird uns überliefert, der Mensch sei aus Erde geschaffen und kehre aufgrund der Sünde dahin wieder zurück.
Diese Engelsvision trägt jedenfalls objektiv erheblich andere Züge als die im Neuen Testament… Im Zusammenhang mit der Geburt Jesu gibt es zahlreiche Engelserscheinungen und Eingebungen, aber alle sind sanft und von großer Schönheit. Niemand wird mit dem Tod bedroht, niemand wird gewürgt, niemandem wird etwas abverlangt, was er nicht kann. Unendlich liebevoll und mit großem Respekt vor dem Menschen als Geschöpf tritt der Allmächtige in unsere Welt. Und die Tatsache, dass er sich das Fleisch einer Frau geben lässt, um Mensch zu werden, übersteigt jede Vorstellung, gibt insbesondere der Frau eine geradezu atemberaubende und bräutliche Würde, aber auch dem Mann, in dessen Geschlecht der Sohn Gottes dann erscheint, freilich ohne jedes Zutun eines „Nur“-Mannes. Durch die Inkarnation Jesu Christi wird der Mensch vergöttlicht und geadelt. Wenn Gott die Menschheit sich zu eigen macht und wahrer Mensch wird, dann ist dies ein unauslöschlicher Adel, ein Siegel für jeden Menschen „guten Willens“, wie die Engelschöre am Weihnachtsabend den Hirten vorsangen. Er ist der verborgene König der Welt, aber in dieser Welt stehen ihm die irdischen Könige und Machthaber entgegen, die Vasallen des „Fürsten dieser Welt“, des Satans, sind, obwohl sie ihre eigentliche Aufgabe und „Autorität“ von Gott empfangen hätten, um gerecht zu regieren.
Auf eine Unterwerfung dieser Könige hat Jesus in der Wüste merkwürdigerweise ausdrücklich verzichtet. Im Reich dieses Königs gibt es keine „Unterwerfung“, sondern echte „Autorität“, der man sich anvertraut oder nicht. Gott unterwirft niemanden – er ist doch Gott und nicht der Böse oder ein machtgeiler Mensch! Und, wie Thomas von Aquin einmal sagte, sei Gott so frei, dass er nur Freie um sich herum ertrage.
„Autorität“ kommt von „auctor“. Ein „auctor“ ist ein Förderer, Stifter, Erbauer, Schöpfer, ein „Vermehrer“, denn das Wort „auctor“ stammt vom Verb "augere"/„augmentare“ = vermehren, wachsen lassen, überhäufen (mit Gutem). Gott ist „auctor“, Vermehrer, er ist Überfülle, „Herr der Heerscharen“, in seinem Reich gibt es unerschöpfliche Stiftung in alle Ewigkeit. Seine Kinder haben Talente mitbekommen und die Aufgabe, dieselben, soweit sie können, eigenständig zu vermehren, wie uns das Gleichnis von den drei Knechten mit den unterschiedlichen Talenten erzählt. In diesem Reich sind nicht alle gleich, aber selbst der Kleine kann aus seinen Talenten soviel vermehren, dass er dem Großen in nichts nachsteht oder ihn sogar überrundet – auf seine je eigene und gottgewollte, gottgewünschte Weise. Der "auctor", der mit seiner "auctoritas" dieses Wachsen und Gedeihen dem anderen in die Hand gibt, bürgt aber auch nach der römischen Rechtsvorstellung für den, der unter seiner Autorität eigenständig wirkt. Der "auctor" ist der Gutheißende, aber auch der, in dessen Rat einer handelt und wirkt. Echte Autorität kennt keinerlei Zwang oder Unterwerfung. Nicht umsonst wird der kommende Heiland in der alttestamentlichen Prophetie folgendermaßen mit wahrer Autorität und eindeutiger Göttlichkeit ausgestattet beschrieben:

"Parvulus enim natus est nobis, et filius datus est nobis, et factus est principatus super humerum ejus : et vocabitur nomen ejus, Admirabilis, Consiliarius, Deus, Fortis, Pater futuri sæculi, Princeps pacis." (Is 9, 6)

"Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens." (Jes 9, 5)

„Unterwerfung“ gibt es bei Gott also nicht. Der Prototyp eines Gläubigen, der „sich unterwirft“ ist der böse Knecht in diesem Gleichnis, der sein Talent in der Erde vergräbt. Er nimmt an, Gott „unterwerfe“ den Menschen, und daher ist er wie gelähmt und bitter und macht nichts Gutes aus seinen Gaben, im Wahn, er sei zu kurz gekommen. Das Selbstmitleid dessen, der zerfressen ist von Neid, Missgunst und ewiger Verneinung, die er auf Gott projiziert.

Und während die Einheitsübersetzung ungenau die Jesajastelle weiter übersetzt mit "Seine Herrschaft ist groß...", hieß es noch in der Vulgata ganz anders und viel klarer im Sinne echter "auctoritas": "Multiplicabitur ejus imperium" ("Sein Reich wird sich vervielfältigen...")
Die Idee also, die Welt ihm, dem Sohn Gottes zu unterwerfen, ist im Neuen Testament eine satanische Idee, die trotz dieser fundamentalen Warnung und Absage Jesu, bevor er öffentlich wirkte, von vielen in der Kirche missachtet wurde. Die Bedingung des Satans, seine "Reiche der Welt" ihm, dem Gottessohn, zu überlassen, bestand in der Erzählung darin, dass der Gottessohn vor ihm niederfiele, ihm, dem Gewalttäter und Unterwerfer. Man muss diese Bedingung so buchstäblich wie möglich auffassen: Unterwerfung ist nicht nur satanisch, sondern sie bedeutet den Ausschluss, sogar die Unterdrückung und antichristliche Bekämpfung des sich mit "auctoritas" vermehrenden Reiches des wahren Vaters. In der Kirche wuchs daher wirklich Unkraut neben Weizen auf, und schwer war es, das eine vom andern zu unterscheiden, denn wer von uns Verdorbenen wusste immer so genau, was das Wesen der Unterwerfung und was das der "auctoritas" in sich trug. Die Kirchengeschichte ist auch eine Geschichte tragischster Verkennung.
Schon früh fing diese Missachtung an, schon bei einigen Kirchenvätern, deren Denken sich aus dem Wahn, man müsse für Gott bestimmte Menschen oder Menschengruppen unterwerfen, speiste. Dieser Wahn stammte aus dem philosophischen Denken der Spätantike. Man betete wie einen Fetisch „himmlische Hierarchien“ an. Nun stellte sich aber schon bald die Frage, wie Hierarchie denkbar sein soll ohne ontologische Zurücksetzung des Zweiten nach dem Ersten. Neuplatonische Emanationsmodelle kamen auf und proklamierten ein ontologisches Verblassen des jeweils „Unteren“ oder „Nächsten“. Man debattierte das Gottesbild dementsprechend und die strenge Hierarchisierung der Kirche vollzog sich parallel zu diesen Debatten, auch die erneute Zurücksetzung der Frau, als hätte es keine Maria gegeben und als wäre die Menschheit Christi nicht ganz und gar, da Maria Jungfrau war, substanziell „weiblich“… Ausdrücklich war der Mann aus dieser Zeugung ausgeschlossen! Heute aber entblöden sich Frauen nicht, diese Jungfräulichkeit Mariens als Schande zu empfinden. Verblendet wie sie sind erkennen sie nicht, dass nur die Jungfrau zur Zeitenwende vor Gott wirklich frei war und sich eben nicht bloß als Abklatsch des Mannes, der sie beschlafen durfte, verstehen durfte. Mit der Jungfräulichkeit als Recht und der marianisch konzipierten direkten Vermählung mit Christus erhielt die Frau in der Kirche den ihr gebührenden eigenständigen Rang – trotz aller Widerstände der Hierarchie.
Obwohl die Kirche in zentralen christologischen und marianischen Dogmen klarstellte, dass in Gott keine Hierarchie sein könne, sondern Wesensgleichheit, Jesus aber wahrer Mensch und wahrer Gott und Maria daher zwingend nicht nur Gebärerin des Menschen Christus (wie Nestorius behauptete), sondern auch des Gottes Jesus (wie die Kirche im Dogma von der Gottesgebärerin bekennt), zerbrach an diesen Fragen schon früh die Einheit der Kirche. Der gesamte orientalische Osten verweigerte sich dem ontologisch anti-hierarchischen und frauen-würdigenden Denken. Man muss sich die Tragweite dieses Ausschlagens des göttlichen Friedensangebotes an den Menschen selbst unter Christen einmal vor Augen halten!
Nestorianer beherrschten das ganze Feld bis weit nach Asien und Fernost hinein. Arianer, die annahmen, dass Christus nicht wesensgleich sein könne mit Gottvater, beherrschten bald die gesamte Kirche. Bis ins 7. Jh hinein zogen sich die Kämpfe zwischen Arianern und Athanasiern (Trinitariern für die Wesensgleichheit Gottes), und die Haltung der Kaiser war durchaus dazu nicht klar oder stets dieselbe. Nicht einmal Päpste hielten immer deutlich an der athanasischen Lehre fest. Mit der Zeit gewannen aber die Athanasier in Europa die Oberhand, und viele Arianer zogen sich anschließend nach Arabien zurück, dessen Halbinsel voller Zeugnisse anti-trinitarisch-christlicher Sakralbauten sein soll.

Die Kirche hat daher die „Häresie der Sarazenen“ (Islam) stets als eine anti-trinitarische Variante des Arianismus aufgefasst. Arabien war religionshistorisch gesehen das Rückzugsgebiet der Arianer und Nestorianer. Der Islam bestreitet die Größe Jesu als Mensch und Prophet nicht, aber er verleugnet mit Macht die Gottheit und Wesensgleichheit Christi mit Gottvater. Forscher, die sich eingehend mit der Frage auseinandersetzen, warum es aus den ersten zwei islamischen Jahrhunderten keinerlei Quelle gibt, die auch nur entfernt von einer neuen Religion sprechen würde, und auch die islamischen Quellen selbst erst ab dem 9. Jh rückwirkend berichten, ziehen heute den Schluss, dass es sich bei dieser Religion der Araber schlicht um eine anti-trinitarische Variation des Christentums handelte, die sich dann verselbständigte und im 10. Jh zu dem Gebilde erstarrte, das seither die ganze Welt in Krieg und Verzweiflung stürzt. Europa müsste sich daran eigentlich erinnern, griffen doch die Türken jahrhundertelang und unzählige Male das Abendland in aggressiver Weise an, um am Ende total vernichtet zu werden. Eine narzisstische Kränkung für diese Religion, die nicht geheilt ist, wie wir sehen. Mit dem Untergang des letzten islamischen Großreiches nach dem 1. Weltkrieg entstand der sogenannte Islamismus, der diesen Zustand wieder beenden will. Man möge mir nun bitte nicht erklären, gebetsmühlenhaft, dass wir schließlich auch und so weiter und so fort. Das bestreite ich nicht, aber darum geht es nicht. das Argument ist so teuflisch wie der Verweis auf die Opfer Stalins, wenn man sich der Opfer Hitlers erinnert. Unser Problem ist heute weltweit tatsächlich und vordringlich die islamische Eskalation, dieser goethesche „Geist, der stets verneint“:

Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
Ist wert, daß es zugrunde geht;
Drum besser wär's, daß nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.

Neuere Theorien wie die von Jan Assmann, dass der Monotheismus aufgrund seiner Entweder-Oder-Konstruktion per se gewalttätig sei, müssen erneut, etwas anders gelagert durchdacht werden. Allerdings muss die Kirche bekennen, dass der Glaube der Kirche nicht primär monotheistisch ist, sondern trinitarisch. Wir glauben nach unseren Glaubensbekenntnissen nicht, dass „nur“ eine göttliche Person „herrscht“, sondern wir glauben, wie es in der Präfation der Allerheiligsten Dreifaltigkeit so wunderbar und geheimnisvoll heißt, dass unser Gott in drei Personen eins ist:

„Qui cum unigenito Filio tuo et Spiritu Sancto unus es Deus, unus es Dominus: non in unius singularitate personae, sed in unius Trinitate substantiae.“

(Deutsch: „Mit Deinem eingeborenen Sohne und dem Hl. Geiste bist Du ein Gott, ein Herr: nicht als wärst Du nur eine Person, Du bist vielmehr in drei Personen ein Einziger.“)

Man würde das Wesen der polytheistischen Religionen, etwa der heute noch lebendigen Hindu-Religionen vollkommen verkennen, wenn man nicht annähme, dass auch sie von einer Einheit des Göttlichen ausgingen, das sich uns in vielen Gestalten zeige, die uns in unserer Menschlichkeit „entgegenkommen“ und „ähneln“.
Ebenso ist das Judentum kein rigoroser Monotheismus. Gott als Schöpfer spricht von einem „Wir“ in der Genesis, wobei das Hebräische keinen Majestätsplural kennt. Ebenso spricht das Pluralwort „Elohim“ („Götter“) für den einen Gott dafür, dass die Gottesvorstellung der Juden nicht streng monotheistisch gedacht ist, sondern einfach nur die Einheit in Gott betont ohne auszuschließen, dass der „Herr der Heerscharen“ in sich Überraschungen bergen könnte. Die alttestamentliche Prophetie ist voller Hinweise auf einen Plural, eine Überfülle, eine unvorstellbare Endlosigkeit und Unbegrenztheit Gottes, so sehr, dass ein frommer Jude nicht wagt, diesen heiligen Namen überhaupt auszusprechen, denn der Mensch im Bann des Bösen macht aus dem großen Gott etwas Einsames, weil er selbst einsam ist in der Sünde. Unglaublich die Vision des Johannes in der Apokalypse, der die Stimme am Thron Gottes hört „wie eine Stimme einer großen Volksmenge“ (Apk 19, 6).

Es ist logisch, dass Jesus sagt, man käme nur durch Ihn zum Vater: Weil er erlöst von der Einsamkeit und Fruchtlosigkeit der Sünde, er, der selbst ewige Frucht des ewigen Gottes ist, kann man durch die Nennung seines Namens, durch das Essen seines Fleisches in den gewandelten Opfergaben den Vater der Überfülle ansprechen und erreichen.
Eine Religion, die demgegenüber die Fruchtlosigkeit, die Unfruchtbarkeit Gottes bekennt, teils weil sie dessen geistiges Wesen erst gar nicht versteht und einem vulgären sexistischen Missverständnis erliegt, teils, weil sie die Einsamkeit des fruchtlosen Menschen in der Sünde als Grundmodell des Göttlichen annimmt, ist alleine deshalb sehr leicht als allzu menschliche Idee zu entlarven.
Und weil Gott es so wollte, beseelt er uns auch mit dem Hl. Geist, der dritten göttlichen Person. Aber bereits hier zeigt sich, dass man vom Zweiten auf den Ersten über den Dritten kommt und eine einsame, monotheistische Gottesverehrung für wahre Christen nicht möglich ist. Es ist der Satan, der darauf besteht, dass es nur „Eines“ gibt, und dass dieses „Eine“ sich gnadenlos abschließt und niemanden in sich einlässt, weil er herrschen will mit Macht und Gewalt, aber ohne irgendeine Autorität, denn sie ist fruchtlos per definitionem. Nur der Satan ist unfruchtbar und macht unfruchtbar. Er lädt nicht ein, sondern würgt den Menschen, erpresst ihn und macht ihn zu einem Gewalttäter, wie er selber einer ist. Es ist wahr: der rigorose Monotheismus ist der Ursprung aller strukturellen und unerbittlichen Gewalttätigkeit. Der rigorose Monotheismus ist der „Geist, der stets verneint“, wie Goethe den Satan so hellsichtig schrieb. Und ein Christentum, das kein klares Bekenntnis zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit findet, sondern sie sogar verneint um des „Friedens“ mit der verneinenden Religion willen, ist im Kern islamisch und wird dem Islam zufallen wie ein verlorenes Blatt im Wind. Und was sehen wir: eine Religion, die weltweit unzählige Gewalttäter hervorbringt, aber keinen Frieden. Wie gelähmt sind die Menschen, die diese Religion von Geburt an haben. Auch sie stecken voller Sehnsucht nach Frieden und Vielfalt in Gott. Wer hört ihre stummen Schreie?
Sie schaffen es nicht, sich lautstark von dieser Gewalt zu distanzieren, sie sind nicht in der Lage, eine neue, lebensfähige Version ihres Glaubens zu entwickeln, und man darf fragen, ob das vielleicht nicht doch systematische Gründe in diesem rabiaten Monotheismus hat. Sie schweigen, zusammengedrängt wie eine bedrohte Herde, weil sie Angst um ihr Leben haben müssen, wenn sie den Mund aufmachen. Und Angst vor der Hölle, in die sie geraten werden, wenn sie sich nicht unterwerfen, vor allem der Frau ist die Hölle massiv angedroht, wenn sie nicht klein bei gibt und sich unterwirft. Umso größer meine Achtung vor all jenen, die es dennoch wagen.
Wir hatten heuer in Deutschland und Frankreich so viele Flüchtlingsopfer zu verzeichnen, dass es eine Schande ist, eine Schande für diese Religion und eine Schande für unsere verblendeten Eliten, die nicht mehr die einfachsten Kausalzusammenhänge erkennen und bereit sind, für eine surreale Einheitsbrei- und Multikulti-Ideologie im eigenen Land Menschen in großer Zahl zu opfern. Multikulti ist genauso größenwahnsinnig wie das vormalige Herrenmenschentum und eine genuin monotheistisch inspirierte Irrlehre.
Es gibt in de empirischen Realität nur folgendes Phänomen: viele Nationen auf Gottes weiter Erde, große und berechtigte Unterschiede und die Notwendigkeit, das gerecht im Sinne einer echten „Autorität“ und nicht im Sinne einer „Unterwerfung“ zu befrieden. Alleine das links-grüne, zurechtgemerkelte Ansinnen fanatischer „Globalisierer“, deren Motive alles, nur nicht vernünftig sind, alles unter einen ideologischen Hut pressen zu wollen, ist gewalttätig und religiös gesprochen anti-trinitarisch. Die, die propagieren, es müsse alles „bunt“ sein, bereiten derzeit die Einschränkung der Meinungsfreiheit vor. „Bunt“ heißt am Ende immer: „braun“ zusammengerührt. Das spricht für sich. Es ist im Grunde eine transformierte braune Ideologie, die unsere Regierung uns zumutet, und es ist eine Tatsache, dass der Islamismus und auch der Panarabismus beste Beziehung zur braunen Ideologie Europas hatte im 20. Jh.
Doch was nicht sein kann, das nicht sein darf. Obwohl wir inzwischen so viele Tote und Vergewaltigte und Verletzte, sogar einen am Altar zelebrierenden, ermordeten Priester haben, wird bei jedem erneuten Fall islamischer Bluttaten so getan, als seien das Einzelfälle krimineller Geister, und diese hätten mit dieser Religion nichts zu tun. Nun brüllen die Täter aber stets ihr Glaubensbekenntnis und können sich auf Koransuren berufen, die zu genau solchen Bluttaten anstiften. Noch viel schlimmer wüten sie in ihren Herkunftsländern. Auf strenge und eindeutige Abweisungen dieses Anspruchs durch führende Islamgelehrte wartet die Welt seit Jahrzehnten vergebens. Auch das ist eine Schande – nicht für die Muslime, aber für deren Gelehrte. Und wenn einer unter ihnen eine gute Stimme erhebt, wird er mit dem Tod bedroht.
Richtig ist, dass die meisten Muslime mit diesen Bluttaten persönlich nichts zu tun haben. Eine Schlussfolgerung auf die Religion aber ist dennoch notwendig: denn diese Gewalttaten sind einzig und alleine durch diese Religion motiviert. Die Täter sagen es uns doch eindeutig, und mit welchen Recht glauben wir, das nicht ernst nehmen zu müssen?

„Euch ist heute der Heiland geboren!“ sangen die Engel. Wir alle kennen die Worte. Vom Frieden auf Erden, der doch nicht ist, sagen manche trauernd und verbittert.
Nun heißt es aber im Gesang der Engelsscharen nicht, ab heute trete nun automatisch Friede in Kraft. Gerade das nicht!
Gott ist doch auctor und nicht Unterwerfer!
Darum heißt es, ab heute sei Friede bei denjenigen, die bonae voluntatis sind die guten Willens sind. Wer diese Freiheit ausschlägt, bereitet sich selbst die Hölle, und genau das sehen wir in Europa nun.
Wir verlieren deswegen den Frieden, weil uns dieser gute Wille immer mehr fehlt.
Das „Zeichen“ des Friedens ist das neugeborene Kind in einer Krippe – das sagen die Engel.
Auch darüber sollten wir heute einmal nachdenken, wir einheimischen Deutschen und Franzosen, die wir uns den Kindern, die uns geschenkt wurden, gegenüber so sehr verweigern, dass ein beträchtlicher Anteil derer, die uns regieren, nicht mehr wissen, was es heißt, Vater oder Mutter zu sein. Wie viele von uns haben ihre Kinder abgetrieben oder vernachlässig, unseren Selbstverwirklichungwahnvorstellungen unterworfen?
Der Ausgangspunkt für eine echte auctoritas wäre die Vater- und Mutterschaft, die für sich nichts und für ihre Kinder alles will. Unsere Regierungschefin aber ist (wie so viele Politikerinnen und auch viele Politiker) eine Frau, die zu nichts und niemandem eine tiefere Beziehung hat. Keine eigenen Kinder, ohne Beziehung zu ihrer Heimat, zu ihrem Vaterland, zu ihrer Muttersprache, geschweige denn Europa, das sie doch in Wahrheit dominieren, unterwerfen will und gerade nicht mit auctoritas regiert. Mit echten Herausforderungen weiß sie nichts anzufangen und verspielt Chance um Chance, ohne Vernunft und Konsistenz, aber auch ohne Ehre, denn die vielen Toten und Verletzten ihrer unverantwortlichen und chaotischen Migrationspolitik wären und waren immer ein unbedingter Rücktrittsgrund, dem gegenüber sie sich immer mehr verhärtet.
Es graut mir bei der Vorstellung der „Ansprache“, die diese Frau heute zu Weihnachten oder zum Neuen Jahr von sich geben wird. Ich will es nicht hören, es ist – es sei denn, sie erklärt ihren Rücktritt - ein Hohn der Opfer. Ein Hohn auf jeden Menschen auf dieser Welt, der wirklich unsere Hilfe bräuchte. Wir helfen jedoch nicht den Opfern, sondern den Tätern. In unseren Asylantenheimen werden Schutzsuchende gequält und vergewaltigt, und wir schweigen dazu, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
Deutschland mit seiner braunen Pathologie wie es leibt und lebt, und mich beschämt besonders, dass so viele Frauen wie in einer geistigen Umnachtung, wie die berühmten Kälber, die ihre Schlächter selber wählen, in voller Verblendung leugnen, was sich abspielt. Sie verkennen das Wesen dieses „Geistes, der stets verneint“, der gerade ihre Würde als Frau verleugnet und sie zu einem Objekt degadiert und treten gegen die aus, die sie an ihre marianische Würde erinnern wollen. Sie wählen wie einst die Juden den Massenmörder Barabbas und wollen den, der ihnen zur Freiheit geboren wurde, am Kreuz sehen. Deutschland wählt den Barabbas und fühlt sich gut dabei, pharisäisch und hochmütig.
Ich sage es heute wieder: Der Retter ist geboren aus einer Frau ohne jegliches Zutun eines Mannes. Das ist unsere Würde als Frauen, und ich rufe jede Frau, die sich selbst achtet, auf, sich an Maria zu orientieren, die nicht irgendeinen Menschen geboren hat, sondern Gott, Gott. GOTT hat sie geboren! Nicht zuletzt diese Bevorzugung hat der Satan bis heute nicht verkraftet und wo er herrscht, herrscht auch die Zurücksetzung der Frau. Je satanischer eine religiöse Ausrichtung, desto mehr hasst und beleidigt sie die Frau. Leider ein Phänomen, das in der Kirche großen Raum gewinnen konnte bis heute. Das Kopftuch ist Symbol der Verneinung des weiblichen Kopfes und der weiblichen Ansprache durch den Herrn. Niemand mache sich darüber etwas vor!

Der verblendete Mann aber, der in dem Priester Zacharias ein Denkmal erhielt, sang, als er zurechtgekommen war, der Gottesmutter nach:

„Visitavit nos, oriens ex alto: illuminare his qui in tenebris, et in umbra mortis sedent: ad dirigendam pedes nostros in viam pacis.“ (Canticum Zachariae: Benedictus)

Das ist Weihnachten:

„Es hat uns besucht der Morgenstern aus der Höhe, um die zu erleuchten, die in der Finsternis und in Schatten des Todes sitzen, um unsere Füße auf den Weg den Friedens zu weisen.“

Das ist Weihnachten heute im Jahr 2o16, einem Jahr, in dem die Schatten des Todes uns bereits tief berührt haben.

Montag, 12. Dezember 2016

Adventus III - Gaudete!



Adventus III

Gaudete – freut euch!

Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!
Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe.
Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!
Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren.
(Phil 4, 4-7)


Freuen wir uns?
Und überhaupt – was bedeutet hier „sich freuen“?
Bestimmt nicht dieses Sich-Freuen, dieses sentimentale, hedonistische, ichbetonte Sichfreuen unserer Tage, womöglich noch charismatisch aufgeladen mit geistvermeintlichen Zuckungen und kollektiver Freudenparanoia…

Die Freude, von der hier so appellativ gesprochen wird, ist eingebettet in Dunkelheit.
So wie bei den Hirten auf dem Feld in Bethlehem.
Siehe, ich verkündige euch große Freude, hörten die armen Kerle, die nachts auf den Weiden schliefen, bald selbst wie Schafe…
Man stelle sich das mal vor… man schläft nachts im Freien auf der Weide, um einen herum das Schnauben und Räuspern der Tiere, und plötzlich ist da der Himmel voll von… ja was eigentlich, was ist das? Hey! Hey, Männer, was ist das!? Und dann diese Botschaft –
So ein Hirte war vermutlich eine der illusionslosesten Existenzen Israels. Glaube nicht, dass man so einen mit Eiapopeia und religiösen Wahnideen aus dem Schlaf locken konnte. Auch nicht mit Zungenreden, Lobpreis-Parties und ähnlichem Spektakel. Die Kerle waren müde und rangen um jedes Quäntchen Energie. Vermutlich hätte man sie auch nicht mit ästhetisch-liturgischem Firlefanz, „prachtvollen Messgewänder“, hierarchischem Gedöhns, das angeblich den Himmel abbildet und seine Engelschöre, um die wenigen kostbaren Ruhestunden bringen können.
Die Engelschöre, die sie hörten, waren weder hierarchisch noch prachtvoll.
Ihre Gegenwart war so gegenwärtig, dass es weder einer prachtvollen Verstärkung noch einer Hierarchie bedurfte.
Das Wirkliche, das unversehrte Wirkliche kennt weder Hierarchie noch eine Verstärkung des defizitären Seins, es ist so wie es ist, einfach, ganz einfach.
Das Hierarchische ist etwas zutiefst Irdisches, eine Krücke für Seinsdefizite.
Es soll uns helfen, zu verstehen, dass Gott heilig ist, uns Krücken eine Krücken wiederum an Krücken...
Es ist eine Ordnung, aber sie hat keinen ontologischen Wert.
Die Hirten also sehen erst den Engel des Herrn, der ihnen die bekannte Botschaft bringt „Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird…“ (Lk 2, 10), danach „die Menge der himmlischen Heerscharen“, lateinisch „multitudo militiæ cælestis“ (Lk 2, 13).
Die Hirten sahen keine Engelshierarchien, sondern einfach die „Menge der (…) Heerscharen“. Und sie alle lobten einstimmig Gott. Und diese Heerscharen waren „bei dem Engel“, nicht unter ihm, nicht über oder neben ihm, sondern „cum angelo“. Alleine schon, dass die Hirten diese Erscheinung hatten und nicht irgendwelche Hierarchen, spricht ebenfalls für sich.
Das sei nur mal nebenbei erwähnt und allen reaktionären Katholiken ins Ohr geflüstert, die ein Seins-Defizit verklären und damit das rein Irdische… wie im dritten Himmel nach dem Zeugnis des hl. Paulus "unaussprechliche Worte" gesprochen werden, die "kein Ohr je gehört hat", so sind auch die Beziehungsgefüge im Himmel ganz und gar unirdisch und nicht vergleichbar mit irdischen Ordnungen...
Die Überzeichnung des Hierarchischen zum Fetisch, wie sie sich in der Kirche schleichend und über Jahrhunderte weg angebahnt hat, ist antichristlich und bedeutet im Kern eine Total-Verirdischung des Himmlischen. Aus den visionären Engelsordnungen des AT und der Apokalypse kann niemand im Ernst schließen, was im Himmel wirklich ist. Gott ist ja auch kein alter Mann mit weißem Haar, nur weil ein Prophet ihn so im Gesicht geschaut hat.
Was war dem, der "nackt und bloß" und "in einem Krippelein lag", wohl das Hierarchische wert, ihm, dem einzigen, dem pompöse Huldigung gebührt hätte, der darauf so gar keinen, wirklich überhaupt keinen Wert legte?!
Und warum überging der Himmel in der Geburtsnacht die formellen hierarchischen Hirten und sprach reale Schaf-Hirten an, die jedermann als untauglich angesehen hätte als erste Adresse für die frohe Botschaft?

Eingebettet in Dunkelheit ist die himmlische Freude auch bei Paulus. Er muss es gleich zweimal sagen: Freut euch! Doppelt gesagt wirkt besser. Doppelt gesagt offenbart, dass der Appell ein paradoxes Intervenieren ist. Es gibt nämlich, menschlich, gesehen, keinen Grund zur Freude. Düster sieht es aus. Das alles, was da um uns herum ist.
Freuen – warum?
„Ich ermahne Evodia und ich ermahne Syntyche, einmütig zu sein im Herrn. Ja, ich bitte auch dich, treuer Gefährte, nimm dich ihrer an! Sie haben mit mir für das Evangelium gekämpft, zusammen mit Klemens und meinen anderen Mitarbeitern. Ihre Namen stehen im Buch des Lebens.“ (Phil 4, 2).
Wir freuen uns, weil der Erlöser gekommen ist und weil wir im Buch des Lebens stehen dürfen wie Syntyche und Evodia, die sich gerade nicht eins sind und von Paulus ermahnt werden, sie, die doch seine engen Mitarbeiterinnen waren und eben – im „Buch des Lebens“, im „liber vitae“ stehen.

Unser Problem ist heute, dass wir nicht nur nicht einmütig sind, sondern förmlich Einmütigkeit ohne den Herrn suchen und umdeuten. Man müsse irgendwie mit den anderen einmütig sein oder mit dem Papst uns so weiter – und schon sei die Kirche gerettet.
Pustekuchen – so gerade zerfällt die Einmütigkeit, die unanimitas!
Und genau diese Einmütigkeit in Christus hat die Kirche seit Jahrtausenden immer wieder abgelenkt auf die Einmütigkeit mit Menschen, und wenn sie zehnmal angeblich Stellvertreter Christi sind – das allein weist sie nicht als rechtgläubig aus.
Was immer ist, mit der Menge der himmlischen Heerscharen sollen wir Gott loben. Nur das macht einig.
Solange wir auf uns starren und unsere Richtungskämpfe, driften wir auseinander.

Evodia und Synthyche, geschätzte Mitarbeiterinnen des Apostels, und nun sind sie nicht mehr einmütig in Christus. Der „treue Gefährte“ wird gesandt, sie wieder in Christus zu einen, nicht in sich selbst, er hat hier nicht mal einen Namen… so sehr geht es um Christus, der als „der Herr nahe ist“.
Unserer Hierarchie ist der Herr schon lange nicht mehr nahe, schon seit über 150 Jahren nicht mehr. Wie sonst sollte man begreifen, dass sie sich in den Mittelpunkt gestellt hat und den Herrn so behandelt hat, als käme er nie mehr wieder?
„Der Herr ist nahe“, egal, was geschieht.

Und dann ist die Rede von „eurer Güte“, die allen Menschen „bekannt werden soll“.
Mir wird da schwarz vor Augen – von der Kirche hat man so viel Finsteres kennengelernt, zuletzt den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen und auch Erwachsenen. Auch wenn er ungerecht aufgeblasen worden sein sollte in den Medien, ist er doch eine Tatsache und eine Schande. Evodia und Syntyche und ihre Reibereien waren Peanuts verglichen mit diesen Widerlichkeiten…
Und doch verkündet sie immer noch, selbst wenn die Finsternis sie schon halb hat, die Botschaft, die einst die Hirten erfuhren, gegen den Strich und zu ihrer eigenen Schande verkündet sie immer noch die Botschaft.

Warum sollte sonst Paulus den Trost aussprechen, dass der „Friede Gottes“ selbst die Seinen „bewahren wird in der Gemeinschaft mit Christus Jesus“, und dies auch noch über „alles Verstehen“ hinaus, wenn nicht unser Problem immerzu dies ist, dass wir nicht verstehen, nicht fertig werden mit unserer Unzulänglichkeit des Verstehens und am liebsten aufgeben wollten?

Trotz dieser Ausgangslage, trotz des defizitären Seins leben wir schon im Sosein in Christus, ohne es genau erfassen zu können. Zu diesem Sosein gehört seine Nähe, deren wir nur schwer gewahr sein können.
Was wenn er so nahe ist, dass er uns durchdringt, durchdringen will und wir auseinanderstreben, weg von ihm und weg von denen, die er durchdringt?

Woher soll ich wissen, dass das alles so ist?
Woher weiß ich, wann und wo es so ist?
Das eben ist die versprochene „Bewahrung der Herzen und Sinne“.
Wir können es nicht ermessen, was mit uns und unter unserer eifrigen Mithilfe geschieht.
Unsere Mithilfe ist aber kein Machenwollen, dieses unsägliche Machenwollen, das wir seit Jahrhunderten in der Kirche kennen, erst als Hybris der Hierarchie, in Backstein gemeißelt im Vaticanum I, nun als Aktionismus aller Christgläubigen, frisch aufgebrüht und längst ranzig geworden im Vaticanum II.

Wer nicht bittet, bekommt nicht. Das Vaticanum I und II haben verlernt, Bitten zu sprechen. Echte Bitten.
Bitten sind seither ultimative Ansprüche an den Himmel.
Und genau deswegen werden sie uns nicht gewährt.
„Betend und flehend mit Dank vor Gott“ sollen wir unsere „Sorgen“ bringen.
Damit sind echte Sorgen gemeint, nicht das politische Blabla katholischer Funktionäre.

Die echten Sorgen…

Ja, wir haben echte Sorgen. Das nächste Jahr wird kein gutes, und wir alle wissen es. Die Schönfärber haben darum Hochkonjunktur. Man glaubt ihnen bis zum nächsten Mord, bis zum nächsten Terrorakt. Die finsteren Mächte sind losgelassen.

Und doch: „Zu jeder Zeit“ sagte Paulus, sollen wir uns freuen. Das ist keine Durchhalteparole, sondern eine Freude ohne das Seins-Defizit, die alleine auf das alles übersteigende Sein Christi baut, ja, sich förmlich in sein Sein hineinziehen lässt, schon hier und jetzt, trotz allem und im Vertrauen darauf, dass dort absolute Sicherheit ist gegen die Finsternis.
Möge sie „allen, die guten Willens sind“, wie der Engel einst sagte, zuteil, diese Freude!





Donnerstag, 16. Juni 2016

Apostolae apostolorum II: Eine namenlose Prophetin des Königreiches Christi



II. Die Salbung des Herrn: Die namenlose Prophetin

Die Frau, die man in der Kirche gerne mit Maria Magdalena identifizierte, mit einer „Hure“ also, obwohl dafür keinerlei sachlicher Grund gegeben ist, wird in den Evangelien in drei bzw. vier verschiedenen Berichten genannt.
Es handelt sich um die Geschichte von der „Salbung Jesu in Bethanien“. Die Erzählung findet sich sowohl bei Matthäus (Mt 26, 6ff), als auch bei Markus (Mk 14, 3ff), als auch bei Lukas (Lk 7, 36). Eine ähnliche Geschichte weist das Johannes-Evangelium (12, 1ff) auf.

In den synoptischen Evangelien ist Jesus zu Gast bei einem Mann namens Simon, der zweimal als (ehemaliger) „Aussätziger“ bezeichnet wird (Matthäus, Markus), einmal als „Pharisäer“ (Lukas). Jesus ist dort zu Tisch eingeladen. In allen Erzählungen tritt eine Frau ein, die in der Hand ein Alabastergefäß mit kostbarem Salböl trägt und Jesus damit salbt. In allen Berichten wird die Frau von den männlichen Jüngern hart kritisiert für die Salbung Jesu, vom Herrn selbst aber verteidigt.

Unterschiede bestehen

1. hinsichtlich des Ortes, der nur bei Matthäus und Markus das Haus des Simon in Bethanien ist. Bei Lukas wird der Ort nicht genannt. Im Johannes-Evangelium wird zwar Bethanien genannt, aber das Haus der Geschwister Maria, Martha, Lazarus und nicht das des Pharisäers Simon.

2. hinsichtlich des Körperteils Jesu, der gesalbt wird. Bei Matthäus und Markus ist es der Kopf Jesu bzw. sein Haar. Bei Lukas sind es die Füße. In der ähnlichen Geschichte in Johannes 12 salbt Maria ebenfalls Jesu Füße.

3. hinsichtlich der Begründung des Unwillens der männlichen Jünger: Bei Lukas ist Simon unwillig, weil die Frau eine stadtbekannte Sünderin sei und Jesus sich durch ihre Berührung unrein gemacht habe. In den anderen Evangelien argumentieren Jünger damit, es sei Verschwendung, ein so teures Öl zu dieser Salbung zu verwenden, und man hätte dafür viel Geld bzw. 300 Denare erhalten und den Armen schenken können.

4. hinsichtlich des Standes der Frau: Während sie bei Matthäus und Markus als anonyme Frau auftritt, im Johannes-Evangelium die Salbende die Gastgeberin Maria ist, berichtet nur das Lukasevangelium, dass der Pharisäer Simon sie als „Sünderin“ betitelt, die in der ganzen Stadt bekannt sei.

Man kann bezweifeln, ob es sich bei den Erzählungen in den synoptischen Evangelien um ein und dieselbe Begebenheit handelt. Der Grund liegt darin, dass im Lukas-Evangelium die Begebenheit sehr früh berichtet wird. Sie fällt in die Zeit, in der Jesus im Land unterwegs ist und zum Befremden vieler frommer Juden mit den Sündern keinerlei Berührungsängste aufweist. Johannes der Täufer scheint zu dieser Zeit ebenfalls noch aus dem Kerker heraus zu wirken (Lk 7, 18 ff). In den Erzählungen bei Matthäus und Markus dagegen findet das Zusammentreffen Jesu mit der Frau wenige Tage vor seinem Tod statt. Bei Matthäus sagt Jesus selbst, „in zwei Tagen“ beginne das Pessachfest, und da werde er gekreuzigt werden (Mt 26, 2). Auch Markus beginnt seinen Bericht über die Salbung Jesu mit dem Hinweis, es sei zwei Tage vor Pessach gewesen. Die Erzählung im Matthäus- und Markus-Evangelium weist daher die größten Übereinstimmungen auf, und auf sie will ich mich im Folgenden konzentrieren. Die Erzählung im Johannes-Evangelium hat zwar ähnliche Züge, kann aber alleine schon aufgrund der völlig verschiedenen Gastgeber und Namen nicht „objektiv“ dieselbe Geschichte sein. Der Gedanke liegt selbstverständlich nahe, dass alle vier Erzählungen aus einem und demselben Gut schöpfen. Ob die „Sünderin“ Maria von Bethanien sein könnte, ließe sich zur Not aus den Evangelien rekonstruieren, nicht aber die Identifikation mit der Lieblingsjüngerin Jesu. Eine Verbindung dieser vier Erzählungen zu Maria Magdalena gibt es im Neuen Testament nicht. Als Salbende tritt Maria Magdalena vielmehr erst auf, als Jesus im Grab ist. Früh am Morgen eilt sie zum Grab und will den Leichnam salben (Mk 16, 1). Es spricht nichts dagegen, dass Jesus mehrfach in verschiedenen Situationen durch Frauen gesalbt wurde.

Die namenlose Frau, die nach Matthäus und Markus auf das Gastmahl bei Simon, dem Aussätzigen kommt, ist symptomatisch für die Geschehnisse um den Opfertod Christi.
Es ist eine Frau, die eine Schlüsselrolle innehat. Ihre Anonymität lässt sie als exemplarisch für die Frau überhaupt erscheinen. Sie tritt offenbar überraschend und ungebeten ein und salbt das Haupt Jesu. Dem Unwillen der Jünger begegnet Jesus mit dem Hinweis darauf, dass diese Frau etwas Prophetisches getan habe: sie habe ihn für sein Begräbnis gesalbt. Und wo das Evangelium verkündigt werde, werde man ihrer Tat gedenken.

Was bedeutet das?

Die Frau, die man im Judentum aus allem Heiligen und aus der Beschäftigung mit der Thora ausgegrenzt hat, tritt hier also ungebeten ein – ein Rabbi und (wahrscheinlich) ein Pharisäer hatten sich getroffen. Die Frau tritt einfach hinzu. Während Jesus Männer ausdrücklich berief, ist bei keiner einzigen Frau davon die Rede. Sie hängen sich von sich aus an Jesus oder treten einfach ungebeten hinzu. Und der Herr lässt sie kommen und steht dafür ein, dass sie es dürfen. Ähnlich wie bei den verachteten Kindern wehrt er den Unwillen der Männer ab, denen eher so etwas wie ein „Arkanprinzip“ vorschwebt: „Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab. Doch Jesus sagte: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich.“ (Mt 19, 13b+14)

„Talium est enim regnum cælorum.“ – „Solchen gehört nämlich das Himmelreich.“ Solchen - das kann man auch auf die Frauen übertragen...
Die Frau tritt also überraschend, ungebeten und absolut zielstrebig ein. Sie weiß ganz genau, was sie vorhat. Doch welches Motiv könnte sie haben?

Salbungen mögen kosmetische Zwecke gehabt haben, aber diese Situation hat keine Merkmale einer „Badezimmer“- oder „Beauty-Salon-Situation“.  Rituelle und auch überraschende Salbungen gebühren nur Königen und Propheten. 

Der „Gesalbte“, der „Maschiach“, dessen griechische Übersetzung „Christus“ lautet, ist ein Gesandter oder Erwählter Gottes, ja, sogar der erwartete Retter der Welt. 

Diese Salbung Jesu erinnert in ihrer Plötzlichkeit an die, die einst der Prophet Samuel auf Geheiß des Herrn an dem Knaben David vollzogen hatte. In 1. Samuel 16 wird uns berichtet, wie Samuel vom Herrn gesandt ins Haus Isais eintritt, die Leute auffordert, sich mit ihm auf ein Opfer vorzubereiten. In einem inneren Dialog zwischen Gott und Prophet wird ihm angewiesen, nach einem etwa noch nicht aufgetretenen weiteren Isai-Sohn zu fragen. Man lässt den jungen David von der Schafweide holen. Gott gibt Samuel ein, diesen zum König zu salben. Der Prophet macht auch hier keine weiteren Umstände und salbt David inmitten der Familie kurzerhand zum König.
Diese Situation steigt auf, wenn man die Geschichte von der Salbung in Bethanien liest. 

Die Frau tritt ein, trägt ein geradezu sündhaft teures Salböl in der Hand und vollzieht ohne langes Federlesens das, was keiner der Männer, auch nicht des Zwölferkreises, für nötig befunden hätte, nämlich die Salbung Jesu zum König und Retter. Sie spricht kein Wort. Sie vollzieht gestisch, was keiner öffentlich zu sagen wagt: 
Dieser ist der Gesalbte des Herrn, er ist der Herr und König über des All, denn alles ist durch ihn gemacht.

Seine Salbung ist hier eine Salbung zum wahren König der Welt, zum verborgenen König, und es ist symptomatisch, dass nicht irgendein stolzer, hochgestellter Mann diese Salbung Jesu für das verborgene Reich Gottes vornimmt, sondern eine Frau, deren Name uns nicht einmal bekannt ist. 
Wie es die Gottesmutter im Magnificat schon sagt: Die Niedrigen erhebt er, die Mächtigen stürzt er, die, die den Luxus innehaben, die stürzt er, an allen Schlüsselstellen wendet sich der Herr zuerst an eine Frau: er lässt sich durch die niedrige Magd gebären, er offenbart zuerst der Elisabeth, wen Maria im Leib trägt, er erscheint zuerst Maria Magdalena und anderen Frauen am Grab, und er lässt sich von einer Frau zum verborgenen König salben. Damit wird das gesamte antike System vor den Kopf gestoßen.
 
Die Geschichte hat allerdings neben dieser ersten Tiefenschicht noch eine zweite, darunter liegende Tiefenschicht: Der Herr wird getötet werden und die Salbung ist auch die für einen, der zu Grabe getragen wird. Das sagt er selbst den Jüngern: „Sie hat im voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt.“ (Mk 14, 8)  

Mit der Salbung Jesu zum König in diesem Äon und mit den kostbarsten Mitteln dieses Äons also wird auch zugleich sein Tod angesagt. Es ist tiefgründig, was hier erzählt wird und passt zum Machtverzicht Jesu, als er der Versuchung zur Macht in der Wüste widerstand:
Jesus ist der König des Alls, weil durch ihn alle Dinge gemacht sind, aber er stirbt der pervertierten Macht in dieser Welt, ja, er geht an ihr und mit ihr förmlich zugrunde. So erhält das, was dem König gebührt, einen verfremdeten Charakter.
Die männlichen Jünger erfassen nicht, dass es hier um die Salbung des sterbenden Königs in der sterbenden Welt geht und halten es für „Verschwendung“.

Warum sollte man für immer der Tat dieser Frau gedenken, wenn sie nur eine der vielen Nettigkeiten, meinetwegen Liebeserweise oder Opfer durch Frauen für Jesus gewesen wäre? Jesus sagt voraus, dass man niemals mehr vergessen werde, was sie getan hat. Das heißt: Bis er kommt, soll man über diese Geschichte nachdenken und begreifen, was sich damals abgespielt hat. Denn dies hier ist eine Schlüsselerzählung für das rechte Verständnis des Reiches Gottes.
Eine Frau wurde zur Prophetin der Königsherrschaft Christi, die mit seiner Inkarnation für alle Welt sichtbar begann, durch das Grab ging und ein Äon lang ihre Kinder sammelt, um im himmlischen Jerusalem mit ihm für immer zu regieren, als selbst mit seinem heiligen Namen Gesalbte:

„Sie werden sein Angesicht schauen und sein Name ist auf ihre Stirn geschrieben.“ (Apk 22, 4)

Mittwoch, 15. Juni 2016

Apostolae apostolorum I: Maria Magdalena und andere Frauen als erste nachösterliche Gesandte des Herrn



Apostolae apostolorum

Maria Magdalena und eine namenlose Prophetin

I. Maria Magdalena und andere Frauen

Die katholische „Tradition“, Maria Magdalena mit der anonymen „Sünderin“ und Maria von Bethanien zu identifizieren, wurde weder von den Christen der ersten Jahrhunderte geteilt, noch ist sie nach moderner theologischer Forschung haltbar.

Die gesamte Ostkirche kennt Maria Magdalena als die, die in den Evangelien namentlich überliefert ist. Und dies zeichnet sie als die bedeutendste weibliche Jüngerin Jesu, der er sieben Dämonen ausgetrieben hat (Lk 8, 2), die Jesus finanziell unterstützt, die (zusammen mit anderen Frauen) mit ihm den Kreuzweg geht, unterm Kreuz steht und als erste ans Grab eilt.

Und vor allem ist sie nach dem Johannes-Evangelium in einem ausführlichen Bericht (Joh 20, 11-18), nach dem Matthäus-Evangelium (Mt 28, 9) und nach dem Markus-Evangelium (Mk 16, 9) eindeutig der erste Mensch, dem sich Jesus als Auferstandener zeigt.
Dieser Befund in den kanonischen Evangelien ist so unmissverständlich, dass man sich einige Fragen stellt angesichts der Tatsache, dass die Kirche diese Tatsache in der Abfolge der Evangelien-Lesungen in der Osteroktav förmlich unterdrückt hat und zuerst die Erscheinung des auferstandenen Herrn vor allen in Frage kommenden Männern, selbst den Emmaus-Jüngern, vorträgt, bis sie dann endlich am Donnerstag nach dem Ostersonntag den Bericht über die Begegnung Marias mit Jesus, den sie zuerst für den Gärtner hält, als Schlusslicht rezitieren lässt. Sie setzt an den Anfang der Lesungen denjenigen Bericht, der bei der Entdeckung des leeren Grabes durch die Frauen abbricht und verschweigt, wie es gleich danach weiterging, so, als habe der Auferstandene die Frauen, die sich zuerst an sein Grab bemühten, übergangen und sich erst den Männern, die nicht von sich aus an sein Grab kamen, gezeigt und danach erst die Frauen gewürdigt.

Zu dieser Unterdrückung der wahren und in den Evangelien dreifach bezeugten Vorgänge passt auch die Aufschäumung Maria Magdalenas zu einer Ex-Hure oder Hetäre, die den Rest ihres Lebens im Fellgewand oder in Lumpen wegen ihrer schlimmen Sünden verbracht habe. 

Carlo Crivelli: Maria Magdalena 1476

 Die abendländische Kunst kennt sie als schöne, vergeistigte Frau, aber auch als extrem aufreizend gezeichnete und sinnliche Frau und zugleich auch als teilweise immer noch ansehnliche oder vollkommen zur Vogelscheuche mutierte Büßerin. Ihre Identifizierung mit der „stadtbekannten Sünderin“ (Lk 7, 36 ff), geht auf Gregor den Großen im 6./7. Jh zurück, der dafür allerdings keine sachlichen Gründe angeben kann. Er reimt sich das so zusammen, weil er in den sieben Dämonen, die Jesus der Maria ausgetrieben hat, die sieben Laster zu erblicken glaubt. Seine Schlussfolgerungen sind nach logischen und sachlichen Kriterien haarsträubend.[1] Die Predigt Gregors des Großen scheint alles dafür zu tun, um Marias Ansehen herabzusetzen und sie unter dem Deckmantel der Beschreibung einer reuigen Sünderin vor allem aller denkbaren Sünden überhaupt erst anzuklagen und sich daran zu weiden.

Tizian: Maria Magdalena als Büßerin 1533


Eine weitere Identifikation Maria Magdalenas mit Maria von Bethanien (Lk 10, 38 ff), die sich von Jesus lehren ließ und der Jesus dies als das „Bessere“, das sie „erwählt“ habe, unbedingt gegen eine angeblich wichtigere Haushaltspflicht und Sorgepflicht zuerkennt, ist genauso unhaltbar und geht aus den Evangelien mit keinem Wort hervor.

Donatello: Maria Magdalena 14. Jh


Von dieser Verzerrung durch Gregor den Großen leiten sich alle schlüpfrigen Legenden über Maria Magdalena ab, die heute ihren einsamen Gipfel in der romanhaften Überzeichnung Maria Magdalenas als der Liebhaberin oder Ehefrau Jesu erhalten haben. Man unterstellt – Ironie der Geschichte - der Kirche, sie habe genau diese sinnliche Tradition unterdrückt. Diese Wendung der Maria-Magdalena-Traditionen ist die faule Frucht jahrhundertealter kirchlicher Verzerrungen und führt uns vor Augen, wohin solch fahrlässige und vor allem frei erfundene Lehren wie die des Papstes Gregor führen können… Die Sünder in der Hierarchie der Kirche jedenfalls erhalten in Romanen wie „The Da Vinci Code“ von Dan Brown, in dem Maria Magdalena sinnliche Frau Jesu sei und der leibliche „heilige Gral“ nur einen Denkzettel für die Verzerrungen und Legenden, deren Samen sie doch selbst in die Welt gesprüht hatten. Schmerzlich ist vor allem, dass damit durch die Hierarchie einer der vielen scheinbaren Makel auf die heilige Kirche gebracht wurde, und dass die Welt längst die Bedeutung einer Apostelin „aufgespießt“ hat, die die Kirche nicht anerkennen wollte, obwohl die Evangelien sie doch darstellen und die frühe Kirche dies – neben der aufkeimenden Unterdrückung - noch so tradiert. Hinzugekommen sind in jüngerer Zeit verschiedene Schriftfunde frühchristlicher Texte, in denen Maria Magdalena ebenfalls als bedeutendste Jüngerin und Apostelin beschrieben wird.[2]

Jules-Joseph Lefebvre: Maria Magdalena 1876


Es ist daher vollkommen richtig und eine große Freude, dass Franziskus den Gedenktag Maria Magdalenas nun zu einem Fest erhebt.[3]
Für diesen Festtag wurde ein Präfation erstellt, die Maria Magdalena folgendermaßen würdigt:

„Qui in hortu maniféstus appáruit Maríæ Magdalénæ,
quippe quae eum diléxerat vivéntem,
in cruce víderat moriéntem,
quæsíerat in sepúlcro iacéntem,
ac prima adoráverat a mórtuis resurgéntem,
et eam apostolátus offício coram apóstolis honorávit
ut bonum novæ vitæ núntium
ad mundi fines perveníret.“
[4] 

((Jesus Christus), der im Garten - wie geschrieben steht – Maria Magdalena erschienen ist,
die ihn als Lebendigen geliebt hat
die ihn am Kreuze sterben sah,
die den suchte, der ins Grab gelegt worden war,
und als Erste den von den Toten Auferstandenen angebetet hatte,
hat sie geehrt mit dem Aposteldienst an den Aposteln selbst,
damit die frohe Botschaft des neuen Lebens
an die Enden der Welt durchdringe.)

Fra Angelico: Noli me tangere 1440
Der begleitende Artikel von Erzbischof Arthur Roche, dem Sekretär der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, benennt im Schlussabsatz die Gleichwürde des Apostelamtes der Maria Magdalena:

„Sie ist Zeugin des auferstandenen Christus und verkündet die Botschaft von der Auferstehung des Herrn wie die übrigen Apostel. Daher ist es richtig, dass die liturgische Feier dieser Frau denselben Grad eines Festes erhält, den die Apostelfeiern im Römischen Generalkalender erhalten haben und dass die besondere Sendung dieser Frau herausgearbeitet werde, die Beispiel und Modell für jede Frau in der Kirche ist.“ [5]

Maria Magdalena belehrt die Apostel, England 12. Jh

Die Rede Maria Magdalenas davon, dass sie den „Herrn“ (den Kyrios) gesehen habe (Joh. 20, 18), legitimiert sie bereits im biblischen Kontext als „apostola“ im selben Sinne, mit dem auch Paulus später in 1. Kor. 9, 1 sein Apostelsein „außerhalb der zwölf Jünger“ als gleichwertiges Apostolat legitimiert. Den Titel der „apostola (apostolorum)“ haben ihr daher einige Kirchenlehrer unbefangen gegeben – nach Hippolyt von Rom oder Rabanus Maurus selbst noch Thomas von Aquin.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass in der altkirchlichen Auffassung die apostolische Beauftragung der Maria Magdalena nicht nur ihr, sondern allen Frauen erteilt wurde, die mit ihr im Grabesgarten unterwegs waren. Hieronymus äußert sich eindeutig:

„Mihi tantum (…) sufficiat, Dominum resurgentem primum apparuisse mulieribus, et apostolorum illas fuisse apostolas, ut erubescerent viri non quaerere, quem iam fragilius sexus invenerat. »[6]

(Mir genügt es, dass der auferstandene Herr zuerst Frauen erschienen ist, und dass sie Apostelinnen der Apostel waren, damit die Männer schamrot würden darüber, dass sie nicht gesucht hatten, den das zerbrechlichere Geschlecht schon gefunden hatte.)

Oliver Achilles[7] hat in altkirchlichen Dokumenten eine Stelle aus einem Kommentar Hippolyts von Rom zum Hohenlied gefunden, der ebenfalls davon ausgeht, dass der Auftrag an Maria Magdalena an mehrere Frauen erging und daher als generalisiertes Apostelamt allen Frauen gilt, die von Jesus persönlich beauftragt werden:

„Ein gutes Zeugnis offenbaren uns jene, die Apostel wurden für die Apostel, gesandt durch Christus. Zu denen zuerst die Engel sagten: ‚Gehet und saget den Jüngern: Er geht vor euch hin nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen.‘ Und damit jene Apostel nicht zweifelten an den Engeln, so begegnete den Apostel Christus selbst, damit diese Frauen seien Apostel Christi und durch Gehorsam das erfüllten, was mangelte der alten Eva. Von nun an werden sie, gehorsam gehorchend, als vollkommene erscheinen.“[8]

Im Kommentar Hippolyts findet sich auch folgender Ausruf:
O selige Tröstung! Eva wird Apostel genannt!“

Auch diese Formulierung versteht das, was Maria Magdalena empfängt, als ein Apostelamt für jede Frau, die von Jesus selbst gesandt wird.
Die echte Tradition Maria Magdalenas also lässt uns erahnen, dass Jesus es sich nicht nehmen lässt, Frauen zu beauftragen, die den männlichen Aposteln etwas anzusagen haben, ohne dass letztere dies zuvor oder danach bestimmen könnten.
Hippolyt weist darauf hin, dass auch in der Erzählung der Evangelien die männlichen Apostel dem Aposteldienst der Frauen nicht glauben. Sie sind zu stolz, und Hippolyt beschreibt ihren Hochmut mit drastischen Worten und illustriert, wie Jesus dadurch, dass er, obwohl sie den Gesandten Jesu – also den Frauen - nicht glaubten, ihnen dennoch erschien, sich ihres Kleinglaubens erbarmt und sie zugleich kritisiert:

„Und darum hielten sie (die Männer) sie (die Frauen) für Verirrte. Damit sie aber nicht wiederum als (…) Verirrte, sondern als die Wahrheit Redende sich erweisen, erscheint ihnen Christus an der Stelle und spricht: ‚Friede sei mit euch!’ Womit er dies als wahr zeigte: Als ich den Frauen erschien, (sie) zu euch sendend, habe ich (sie) als Apostel senden gewollt.“[9]

Hippolyt kann sich dabei auf das Markus-Evangelium stützen, in dem beschrieben wird, wie Jesus die Verstocktheit der männlichen Jünger gegen die Frauen verurteilt:

"Später erschien Jesus auch den Elf, als sie bei Tisch waren; er tadelte ihren Unglauben und ihre Verstocktheit, weil sie denen nicht glaubten, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten." (Mk 16, 14)

Diese frühschristlichen Haltungen offenbaren, dass man damals ein Apostelamt der Frau für wahr und gleichwürdig hielt, wenn auch nicht im Sinne des Priesteramtes und das Problem, dies anzuerkennen, eindeutig beim Stolz des Mannes sah.
Bemerkenswert ist daran also nicht, dass man damit ein Frauenpriestertum rechtfertigen könnte. Bemerkenswert ist vielmehr, dass es ein Apostelamt gibt, das dem der Apostel vorgelagert ist und der direkten Begegnung mit Jesus entspringt. Diese Begegnung darf vom „Lehramt“ nicht leichtfertig und im Hochmut des klerikalen Amtes für „untergeordnet“ erklärt werden. Wenn es vom Herrn selbst kommt, ist es nicht unter-, sondern übergeordnet.

Die Frage wäre, wie man hier ein falsches von einem rechten weiblichen Apostelamt unterscheiden kann.
Diese Frage stellt sich aber, wenn man sich nicht beirren lässt von maximalistisch-infallibilistischen Irrlehren, auch beim formellen Apostelamt. Und die rigide Behauptung, die Hierarchie mache alleine schon deshalb alles recht, weil sie die Hierarchie ist, ist durch die Geschichte und vor allem den aktuellen Zustand der Kirche auf beschämendste widerlegt.



[1] Die aber, welche Lukas eine sündige Frau, Johannes aber Maria nennt [Joh 12,3], halten wir für jene Maria, von welcher Markus versichert, dass ihr sieben Dämonen ausgetrieben wurden [Mk 16,9; Lk 8,2= Maria Magdalena]. Und was wird mit diesen sieben Dämonen bezeichnet, wenn nicht sämtliche Laster? Denn da die ganze Zeit durch sieben Tage zusammengefasst wird, dann wird richtigerweise mit der Siebenzahl eine Gesamtheit bezeichnet. Sieben Dämonen also hatte Maria, die voll von allen Lastern war. Aber siehe: Weil sie die Flecken ihrer schändlichen Lebensweise ansah, lief sie, um sich zu waschen zu der Quelle der Barmherzigkeit und errötete auch nicht vor der Tischgesellschaft. Denn da sie sich in ihrem Inneren zutiefst schämte, meinte sie, es gebe nichts, wofür sie sich äusserlich schämen müsste.
Was also wundern wir uns, Brüder, ob der Herr, als Maria kommt, sie aufnimmt? Soll ich sagen, er nimmt sie auf oder – er zieht sie? Ich sollte besser sagen, er zieht sie und nimmt sie auf, da er sie sicherlich selbst in seiner Barmherzigkeit im Inneren an sich gezogen, sie äusserlich mit Sanftmut aufgenommen hat. Aber wenn wir jetzt den Text des heiligen Evangeliums durchlaufen, sollen wir auch die Reihenfolge beachten, in der sie gekommen ist, um geheilt zu werden.
Sie brachte eine Alabasterflasche von Salböl, stand hinten zu den Füßen Jesu und begann, seine Füsse mit Tränen zu benetzen; sie trocknete mit ihren Haaren seine Füsse, küsste sie und salbte sie mit dem Salböl.. (Lk 7,37c-38)
Es ist klar, Brüder, dass die Frau, die früher auf unerlaubte (unmoralische)Taten ausgerichtet war, das Salböl für den Duft ihres Fleisches selbst verwendete. Was sie also schändlich für sich verwendet hatte, das brachte sie jetzt Gott. Mit ihren Augen hatte sie Irdisches begehrt , nun aber beweinte sie zerknirscht und voll Reue ihre Augen. Die Haare hatte sie zur Zierde ihres Gesichtes verwendet, nun aber trocknete sie damit ihre Tränen. Mit dem Mund hatte sie hochmütig geredet, küsste aber die Füsse des Herrn und presste ihn auf die Fusssohlen ihres Erlösers. Wie viele Vergnügungen sie in sich hatte, so viele Opfer erlangte sie von sich. Sie verwandelte die Zahl ihrer Vergehen in die von Tugenden, um Gott mit Leib und Seele in Busse zu dienen, so weit sie schuldhaft von sich aus Gott verachtet hatte.« (MPL LXXVI 1239-1240 MÜ – entspricht S. 83 in der PDF-Datei).

[2] Silke Petersen: Maria aus Magdala. 2011. Kapitel 3 „Apokryph gewordene Schriften des frühen Christentums“ https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/maria-aus-magdala/ch/ddd3d9408b85e07c1c25b5601caaaae0/#h8 (15.6.2016)
[6] Hieronymus: Kommentar zum Propheten Zefanja, Prolog. In: S. Eusebii Hieronymi Commentariorum in Sophoniam prophetam. Liber unus. Prologus, digitalisiert hier: http://www.documentacatholicaomnia.eu/02m/0347-0420,_Hieronymus,_Commentariorum_In_Sophoniam_Prophetam_Liber_Unus,_MLT.pdf (15.6.2016)
[8]) G. Nathanael Bonwetsch: Hippolyt’s Kommentar zum Hohenlied auf Grund von M. Marr’s Ausgabe des grusinischen Textes herausgegeben. Leipzig 1902, S. 67 ff
in: Akademie der Wissenschaften, Berlin, Kommission für spätantike Religionsgeschichte: Oscar von Gebhard und Adolf Harnack (Hg.): Texte und Untersuchungen zur altchristlichen Literatur, Neue Folge achter Band. Der ganzen Reihe Band 23. Heft 2
Digitalisiert hier: https://archive.org/details/texteunduntersuc23akad (15.6.2016). Im Buch S. 63 ff
[9] A.a.O. S. 70