Satanismus, Christianismus
und Gewalt – das Rad des Todes
Auf
dem Blog des russischen Philosophen Alexander Dugin wurde ein Aufsatz
aus Deutschland veröffentlicht, der mich tief bestürzt hat, weil er
deutlich macht, wie tief Satanismus und
(traditionalistisch-katholischer) Christianismus sich in einem
furchtbaren Abgrund treffen. Er beginnt mit folgenden Worten:
„„Satan!
C'est le christianisme tour entier; pas de Satan, pas de Sauveur!“
(Der Satan! Dies ist das ganze Christentum; kein Satan, kein
Heiland!) Dies schrieb einst der „Aufklärer“ Voltaire, der
vieles war, nur eines nicht: ein Atheist. Heute können viele einen
solchen Satz, von dessen Wahrheit Voltaire auch überzeugt war, nicht
mehr auf ihre Fahnen schreiben, weil sie die Aussage dieses
„seltsamen Jesus aus Nazareth“ nicht nur mißverstehen, sondern
von der intellektiven Erfahrung geistiger Realitäten auf dem
Fundament einer gesunden Philosophie in ihrer Seinsbezogenheit
wissenschaftlichen Systematik nach Jahrzehnten sozialdemokratischer
Gesamtschulbildung und der im Wortsinne unseligen und teuflischen
Revolution der Römisch-Katholischen Kirche durch das Vatikanum II
auch nicht mehr den kleinesten Schimmer einer Ahnung haben ...“
Quelle
Ist
es nicht einigermaßen gruselig, dass traditionalistische Christen
den Satan und die Dämonen als eigenständige und geschaffene, aber
gefallene Wesenheiten (Geister) mehr brauchen als Jesus Christus?
Warum
zitiert der Autor diesen Voltaire-Satz, und warum leitet er daraus
ab, dass Voltaire kein Atheist gewesen sei?
Voltaire
hält Gott selbst keiner Erwähnung für würdig!
Voltaire
meint mit diesem Satz, dass das Christentum der Satan selbst, also
gewissermaßen "in persona" sei und dass es keinen
überwundenen Satan gebe, solange es das Christentum gibt.
Es
befremdet mich, ausgerechnet an einer solchen Aussage den eigenen
starken Teufelsglauben auszurichten anstatt etwa an biblischen
Aussagen einen erlösenden Christusglauben. Es gibt zwar von
kirchlichen Autoren ausführliche Dämonologien, aber sie sind
niemals dogmatisiert worden.
Die
Lehre von den gefallenen Engeln ist außerbiblisch und auch
letztendlich außerkanonisch. Sie wurde erst im Mittelalter massiv in
die christliche Welt eingeführt, insbesondere - leider - von Thomas
von Aquin. Er konnte sich auf persönliche Meinungen einiger
Kirchenväter stützen, etwa von Augustinus, nicht aber auf Aussagen
Jesu oder Pauli. Ohne eine übersteigerte Dämonengläubigkeit hätte
es schwerlich die martialische Hexenverfolgung auf deutschem Boden
gegeben, die unsere Geschichte belastet.
Der
Autor trägt leider nicht ein einziges theologisches Argument vor. Er
vertritt einen Basta-Standpunkt: "Dugin nennt die Dinge beim
Namen, er verschleiert sie nicht und redet nicht darum herum. Er
verscheucht die Nebel, indem er dem gläubigen Christen Tucker
Carlson unumwunden Recht gibt: „Wenn wir Christen sind, müssen wir
das glauben! So sieht es die christliche Tradition!“ Es gibt von
Gott geschaffene engelhafte Geister, die Ihm und uns dienen, uns
helfen, sich in die richtige Richtung zu bewegen. Und es gibt
gefallene Engel, böse Geister, die uns in Sackgassen führen und
Verwirrung stiften."
Dass
es "Geister" gibt, wird kaum jemand bestreiten, aber die
Frage ist, was das genau ist.
Ob
das geschaffene Wesen im Selbststand sind oder nicht doch etwas
anderes.
In
der gesamten Schrift, auch im NT, wird nirgends behauptet, dass das
geschaffene und gefallene Geister seien!
Auch
in den erzählten Exorzismen Jesu wird nirgends gesagt, dass das so
sei. Es bleibt in den Texten völlig offen, um was es da geht.
Paulus
vollends geht gar nicht um mit einem Dämonenglauben.
Dazu
ist wichtig zu verstehen, dass "daimon" nicht dasselbe ist
wie das, was wir heute unter einem "Dämon" verstehen nach
fast 1000 Jahren christlicher Dämonenhörigkeit.
Wir
müssen uns unbedingt klarmachen, wovon wir hier reden und was auch
die griechische Vorstellungswelt in der Antike tatsächlich vor Augen
hatte:
 |
aus dem Gemoll Standard-Lexikon Altgriechisch
|
Das
semantische Feld des Begriffs "daimon" ist eigentlich klar.
1.
Es sind entweder die Seelen Verstorbener in einer Zwischenwelt
zwischen Menschen der paradiesischen Zeit und Göttern. In dem Sinn
"hat" jeder Mensch einen "daimon", weil jene aus
ihrer Zwischenwelt als Schutzgeister zugeordnet werden zu den
Lebenden. Aus diesem Strang kommen die "Schutzengel". Das
heißt: Dämonen sind in diesem Verständnis Schutzengel. Wichtig:
KEINE geschaffenen Wesenheiten, sondern das sind Menschen bzw der
Geist von Menschen!!!
2.
Der Bezug auf Dämonen meint Gott und sein Walten. "Mit Dämons
Hilfe" meint "mit Gottes Hilfe".
3.
a. das alte Glück und b. das Verderben
Das
bedeutet, "daimon" iS eines Geistes, der irgendwo herrscht.
Die Gesinnung, die jemand hat, ob gut ob schlecht: Was jemanden
antreibt sozusagen.
Der
allerletzte Hinweis auf das NT ist ein Ausfall aus dem semantischen
Feld! Und er kommt ohne Textnachweise aus!
Es
ist nicht das NT, das aus dem semantischen Feld fällt, sondern diese
kirchliche "Tradition", die das tut! Aber wie kommt sie
darauf, wo sie damit das semantische Feld sprengt?!
So
heißt es in der LXX etwa in Ps 95 (96MT) Vers 5, alle Götter der
Völker seien Dämonen. Hebräisch heißt es: "Elilim". Was
sind "Elilim"?
"Elilim"
sind "Nichtigkeiten" bzw "Nichtse". Buber
überträgt das mit "Gottnichtse".
Die
LXX meint höchstwahrscheinlich damit ebenfalls, dass es kraftlose
und nichtige Vorstellungen sind, menschengemachte Idole, die nicht
das können, was Gott kann, denn, so heißt es weiter: Gott (der
wirkliche und einzige Gott) hat alles erschaffen. Das können diese
Nichtse nicht.
Keine
Spur also von wegen "geschaffene und gefallene Geistwesen".
Geschaffen sind sie im alttestamentlichen Kontext alleine und einzig
aus der menschliche Idolatrie. Aus dem Geist des Menschen.
Es
ist durchgehende Botschaft im gesamten AT, dass es diese anderen
Götter nicht als das gibt, wofür sie gehalten werden. Die
Propheten, Jesaja, Jeremia, rufen es aus mit Vollmacht und Kraft: Es
sind nur Vorstellungen und Schnitzwerke aus der Hand des Menschen, es
sind Nichtigkeiten, die keinerlei Vermögen haben. Damit ist gemeint:
Sie haben kein eigenständiges Vermögen, aber wenn der Mensch sie
egregorial füttert und pflegt, erhalten sie Energien aus dem Geist
des Menschen, der von Gott abgefallen ist.
Bei
Dugin wissen wir, dass er einst Anhänger Aleister Crowleys war.
Crowley wiederum stammt aus einem darbyistischen Hintergrund. Der
Zusammenhang ist gruselig. Man mag sich ja ansehen, wie sich Crowley
inszeniert hat: Das kommt wohl dabei heraus, wenn Christen zum
Dämonenglauben erzogen wurden?!
Dugin
hat sich davon mW niemals klar und deutlich distanziert. Das mögen
Jugendsünden gewesen sein, aber man muss sich schon klarmachen, aus
welchen Hexenküchen des Geistes er eben auch beeinflusst war und
ist. Mit "christlicher Tradition" hat das gar nichts zu
tun, sondern mit dem Satanismus des 19./20.Jh, der nach wie vor
wirkt. Will der Autor das wirklich nicht differenzieren von den
wirklichen biblischen Aussagen?!
Was
nun wiederum Tucker Carlson gemeint hat mit seiner Bemerkung, dass
heutige Politiker von bösen Geistern besessen seien, bleibt
un-untersucht.
Und
auch dann ist eine solche Aussage keineswegs Ausweis für einen
"gläubigen Christen".
Was
ist hier nur los!
Der
Christ bekennt sich nicht zu Dämonen, Gottnichtsen und dem Satan,
sondern alleine zu Jesus Christus als dem neuen Adam und Gott, seinem
Vater.
Etwas
anderes gibt übrigens auch die kirchliche Tradition, also: die
verbindliche Tradition, nicht her.
Das
Vaticanum II hat da in manchem auch aufgeräumt mit diesem Wust an
irrsinnigem Aberglauben, der sich an die echte Tradition angeschwemmt
hat und dringend einmal kritisch angesehen gehörte.
Wie
kann es sein, dass Christen dem abergläubischen Satans- und
Dämonenglauben nachtrauern und davon den wahren Glauben abhängig
machen?
Der
aggressive, apodiktische Stil und das vollkommene Fehlen jeglichen theologischen
Arguments in dem Artikel muss den aufmerksamen Leser stutzig machen.
Meine
Vermutung ist, dass sie - es klingt nun hart, aber was soll man sonst
daraus schließen - dass sie selbst besessen sind von diesen Nichtsen
und den magischen Traditionen und Gedankengebäuden wie in einem Bann
und die Erlösung und Freiheit Christi von all dem letztendlich
ablehnen.
Und
damit geben wir Voltaire recht: DIESES Christentum, der Christianismus, ist selbst der
Satan. Von Erlösung keine Spur.
Interview Tucker Carlson - Alexander Dugin
Dugin
fabuliert hier jedenfalls nicht von Teufeln und Dämonen, sondern
legt die bekannte Lehre vom Individualismus und seiner Abgründigkeit
und Folgerichtigkeit hin zu dem, was wir heute erreicht haben, dar.
Da
er Werner Olles allerdings erlaubt hat, seinen Artikel auf dem
eigenen Blog zu veröffentlichen, wird er etwas Ähnliches an anderer
Stelle vielleicht gesagt haben.
Bei
Dugin bin ich stets hin und her gerissen. Einerseits analysiert er
vieles nachvollziehbar, aber eines verstehe ich nicht:
Er
sagt, der alte Liberalismus, den Tucker mit persönlicher Freiheit
gegenüber dem Staat oder der Sklaverei verbindet, auch der Freiheit,
das zu tun, wohin man sich geneigt sieht, logisch zum "neuen"
Liberalismus führen müsse, in dem man sich nicht vom Staat oder der
Sklaverei, sondern am Ende dem eigenen Menschsein befreien müsste.
Kennt er die wichtige Unterscheidung zwischen Freiheit von etwas und
Freiheit zu etwas etwa nicht? Er wirft es jedenfalls undifferenziert
durcheinander! Eine Art Trotzkismus der "permanenten
Revolution", hier in einer Verstetigung des
Sich-Befreiens-von-etwas. Irgendwann bleibt einem dann nur noch, sich
vom Leben selbst zu befreien.
Das
ist nur eine Seite des Geschehens. Dugin erwähnt selbst, dass auf
Befreiung von etwas Kontrolle über etwas geworden ist.
Dugin
erwähnt Schwab, Harari, Kurzweil, aber denen geht es kaum um eine
Befreiung, sondern um einen Prozess der Re-Kreation, einer
alchemistischen Auflösung alles Natürlichen, um eine Welt neu zu
erfinden. Der Mensch, als "trans human", ist nichts als
eine Erfindung des Lebendigen als Fürst über die Schöpfungen iS
einer Maschine, eines Funktionsmechanismus. In genau dem Sinn wird
der Mensch als lebendige Seele von diesen Leuten geleugnet.
Bewusstsein ist ein Algorithmus, der gesteuert werden kann und muss.
Wo
da die "kollektive Anbindung" des Menschen aufgelöst sein
soll, sehe ich nicht.
Und
was hat das mit "Individualismus zu tun?
Ich
sehe es nicht.
Dugin
ist da im Denken gebrochen und widersprüchlich, wie ich denke.
Und
nicht zuletzt frage ich mich, warum er, wenn er in den Entwicklungen
der letzten 500 Jahre eine logische Folge sieht, nicht auch erkennen
kann, dass das, was sich seit 500 Jahren entwickelt, ja nicht vom
Himmel fiel, sondern ebenfalls eine Entwicklung dessen ist, was schon
davor schief gelaufen ist.
In
Einzelaspekten finde ich Dugin oft sehr interessant, aber mit
Systematik und Logik auf das Ganze gesehen hat er Probleme. Er
glaubt, es habe irgendwann einen Bruch mit der "Tradition"
gegeben, aber er bleibt uns eine genaue Eingrenzung und Darlegung
schuldig, denn dieser Bruch geschah gewissermaßen schon immer:
christliche Lehre von der Abgefallenheit des Menschen setzt das
logischerweise voraus.
Man
mag das als schiefe Ebene ansehen, bei der es erst mal weniger
schlimm war und sich dann summierte, aber es gibt letztendlich keine
un-kontaminierte "Tradition". Es ist alles durchsetzt von
Irrem und Bösem.
Und
Traditionalismus setzt oft beim älteren Verunglückten an, nicht
beim Guten ...
Nicht
zuletzt finde ich seinen Kampf gegen den Nominalismus extremistisch.
Die
Nominalisten sagten ja nirgends, dass es keine Ideen gebe, zu denen
das Einzelding in Relation stehe.
Das
stellt er verkürzt und aus mS falsch dar.
Sie
sagten nur, dass die Allgemeinbegriffe von der Seele anhand der
Erfahrung mit den Einzeldingen gebildet und auch modifiziert werden.
Nominalisten lehnten lediglich die Vorstellung ab, dass es irgendwo
eine "Geistwelt" gebe, in der die Ideen hinter den Dingen
als Geistwesen existierten.* Letzterer Denkansatz führt übrigens in
zahlreiche logische Probleme und Verwerfungen, und man muss
vielleicht sagen, dass der Nominalismus am Ende nicht siegte, weil
ein paar Dämonen die Köpfe verhext haben, sondern weil der
Realismus bzw die platonische Ideenlehre mit den gedanklichen
Problemen, die sie erzeugte, nicht mehr fertig wurde und sich
schlicht geschlagen geben musste. Untergründig wirkte sie weiter.
Spannende
Frage wäre, inwieweit der alchemistische Wahn mit dem Realismus im
Universalienstreit verbunden ist.
Hat
die Entdämonisierung der Natur am Ende dazu beigetragen, dass man
externe, unabhängige Geistwesen erfinden musste?
Ein
Prozess, der in der Antike angestoßen wurde, als man begann, nach
einem "Urstoff" zu suchen und damit die Alchemie
einleitete, die zur totalen Auflösung alles Gegeben führen sollte
und zu einer Neu-Coagulation, also dem, was wir "New World
Order" nennen könnten?
Solange
man in der Natur lebendige Energien Gottes in Wirkung annahm, schrieb
man dem Einzelding weder eine "Idee dahinter" zu noch sah
man nur Einzeldinge, die keinerlei Anbindung an nichts hatten (was
allerdings nicht dem mittelalterlichen Nominalismus entspricht!).
Es
blieb verborgen und ein Mysterium, wie das Göttliche in den Dinge
wirkte.
Durch
die Abstraktion und Zuweisung zu einer festen "Ideenwelt"
dahinter, die man folglich erkennen und entschlüsseln könnte,
verlor man diesen Aspekt des Waltens Gottes in allen Dingen, das sich
dem Zugriff entzog und darum als "daimon" gesehen werden
konnte, als eine Art "Sinn" oder "Schicksal",
auch Vorhersehung und Souveränität Gottes, über die man weder
Urteil noch Erkenntnis haben könne. "Meine Gedanken sind nicht
eure Gedanken" heißt es beim Propheten in der Bibel. "Soviel
höher der Himmel über der Erde, so viel höher meine Gedanken über
euren", lässt er Gott sagen. Damit ist weniger "Hoch-Tief"
gemeint als die riesige geistige und epistemische Ferne.
Genau
das ist der stolze, hochfahrende und anmaßende Menschengeist nicht
bereit zu akzeptieren.
Man
projizierte den eigenen Hochmut auf "gefallene Geistwesen",
die angeblich wie Gott hätten sein wollen und "nicht dienen
wollen".
In
Wahrheit beschrieb man damit nur das eigene Denken und die eigene
Anmaßung des Menschen.
Denn
wer die verstörende Realität dessen, was er nicht erkennen und
erklären kann, einebnen will, und sei es am Ende durch eine
Schuldzuweisung an angebliche gefallene Geistwesen, die angeblich
hinter der eigenen Bosheit steckten, der hat sein Kreuz immer noch
nicht auf sich genommen und zugegeben, dass wir selbst es sind, die
diesen Ungeist erschaffen und sich selbst damit bannen.
Dugin
nimmt öfter Bezug auf Martin Heidegger.
Ich
frage mich, ob hier nicht massive Missverständnisse seitens Dugins
vorliegen.
Heidegger
lehnte den Platonismus mW scharf ab.
Das
goldene Zeitalter, den "ersten Anfang", als die Dinge im
Lot waren, als sich das Sein frei und lichtvoll - und natürlich im
Einzelgegenstand inmitten des Ganzen! (Seiendes) - entbergen konnte,
lag in einer vorklassischen, sehr alten Zeit in Griechenland.
Spätestens
mit dem Platonismus kam es zur Bildung des zwanghaften Entbergens des
Seienden aus dem Sein, das "Ernten des Seins" zugunsten des
"Gestells und eines "Bestandes", womit er sehr gut den
alchemistischen Prozess und die Ausbildung dieses Weltsystems, den
"kosmos", von dem auch Jesus spricht, beschreibt. Heidegger
verbindet diese Fehlentwicklung mit der Technikentwicklung, stellt
aber fest, das Wesen der Technik (techne) sei etwas anderes, das
paradox zur Technikentwicklung in ihrem universalistischen Wahn,
dennoch sichtbarer würde.
Einen
neuen Anfang schrieb er dem deutschen Sprachraum zu: von dort müsse
dieser neue oder andere Anfang kommen. Vorausgehen würde ein
metaphysisches Geschehen, das er "Ereignis" nannte.
Ich
verstehe überhaupt nicht, wie Dugin als Neuplatoniker sich
ausgerechnet auf Heidegger stützen will, der im Universalismus des
Judentums, des Christentums und des Platonismus den verheerenden
Strang zu einer "Selbstvernichtung der Menschheit" sah.
______
*
Als der erste Adam allen Lebewesen einen Namen gab, also diesen
Begriff bildete, wie uns Gen2 berichtet, wird nicht gesagt, er habe
da Zugang zu einer "Ideenwelt" gehabt.
Der
biblische Schöpfungsmythos selbst legt uns dar, dass vom
Einzelgegenstand aus ein Begriff gebildet wurde.
Einerseits
tut Gott das, wenn er spricht und schafft.
Andererseits
bleibt aber Gottes Begriffswelt im Mysterium. Niemand kann sie
dekodieren. Von daher ist der Platonismus eine unfassbare Anmaßung!
Gott
hat aber dem Menschen tatsächlich die Begriffsbildung in seinem
irdischen Feld übergeben: Er DARF sich Begriffe bilden und
Kategorien.
Aber
damit ist kein "solve et coagula!" der Alchemie gemeint!
Hier
wäre neu zu bedenken, was uns diese Stelle in Gen2,19ff eigentlich
sagt.
Sie
sagt, dass der Mensch die Dinge benennen SOLL.
Unser
Dilemma ist folglich nicht, DASS wir das tun, sondern WIE wir es tun.
Das
Wie bezieht sich nicht auf eine Hinterwelt, die wir berücksichtigen
müssten, zu der wir aber keinen Zugang haben!
Das
Wie bezieht sich auf die geschaffene Welt als ein liebevolles
Rätselspiel, etwas, das Gott unserer Entdeckerlust geschenkt hat.
Nicht
unserer Deformationslust oder gar Gier und Ausbeutungsambition.
__________
Der
gedankliche Ansatz, auch der bei Dugin, ist aus meiner Sicht ganz und
gar antichristlich.
Man
merkt das nicht nur an dieser merkwürdigen Satanshymne, die der
Autor dem voranstellt, scheinbar ohne zu bemerken, dass er das tut,
dass von Gott keine Rede ist und der Erlöser geleugnet wird, das
letzte Wort in dieser kurzen Sentenz aber der Satan hat.
Lord
Acton schrieb angesichts des irrsinnigen Vaticanum I (1869/70), auf
dem der Universalprimat des Papstes definiert wurde samt der
Unfehlbarkeit den berühmten Satz:
"Power
tends to corrupt, and absolute power corrupts absolutely."
Die
absolut moderne, katholische Traditionalisten-Lüge verhetzte schon
im 19. Jh all das, was es in der katholischen Kirche eben auch gab,
und immer noch, weil das die wahre Überlieferung Jesu war und ist:
Freiheit, keine irdische Herrschaft (die satanisch ist, bedenke man
die Versuchung in der Wüste!) unter Christen, Hoffnung auf die
zukünftige Welt durch Jesus Christus und seine Auferweckung.
Konservative
waren es, die alles bis zur Unkenntlichkeit verdrehten und die
wirklich Glaubenstreuen (im Glauben an Jesus Christus!) gegen
Kirchen- und Papstreue ausspielten.
Lord
Acton also schrieb diese schwerwiegenden Worte an den anglikanischen
Bischof 1887.
Damals
stand Menschen vor Augen, was es bedeutet, Kollektiven unterworfen zu
werden, keine individuellen Rechte in ausreichendem Maße zu haben.
Der heutige Mensch, vor allem der Traditionalist, ist das verwöhnte
Kind der Freiheit, deren er überdrüssig geworden ist und sehnt sich
zurück unter die Peitsche der Sklavenhalter und nennt das
"konservativ": "Verbietet uns doch endlich etwas!"
schrien die FFF-Kinderchen. Aber der Schrei kommt auch aus der Kehle
der Traditionalisten, nur etwas anders konfiguriert ...
Ab
und zu gibt es aber mal auch Christen mit tiefer Einsicht:
Dieser
Tage sprach mich eine Nachbarin an und man redete so dies und das,
über die giftverspritzten Himmel, eine Zikadenplage, die in manchen
Dörfern plötzlich und unerwartet vom Himmel gefallen, nicht zu
bekämpfen und angeblich natürlicherweise gekommen sei ... die
Bauern aber sagten hinter vorgehaltener Hand: Diese Zikade ist hier
nicht heimisch, man verseucht uns die Äcker, weil sie unsere Ernten
vernichten wollen. Die Insekten fressen alles ab, sogar die
Kartoffeln greifen sie an. Und sie sind resistent gegen alle Mittel.
Ach nee!
Dann
fuhr die Nachbarin fort: Sie frage sich, warum die Herrschenden
überhaupt noch Menschen übriggelassen hätten all die Jahrhunderte,
wahrscheinlich nur, um ihre Felder bestellen zu lassen und sich den
Hintern wischen zu lassen von Sklaven. Es ist eine einfache Frau
übrigens, keine Studierte ... die Pestilenzen all die Jahrhunderte,
bei denen ja auch so manches nicht gestimmt habe ... der Verdacht der
Brunnenvergiftung war ja vielleicht doch wahr, nur geschah es im
Auftrag der Herrschenden, wenn sie meinten, man müsse mal wieder
dezimieren.
Der
Realismus der Nachbarin war bestürzend: Schon immer haben sie den
Untertanen nach dem Leben getrachtet, sobald man sie sie nicht mehr
nutzen konnte. Und Herrschaft hat nur einen Zweck: Herrschaft zu
sichern und die restlichen Menschen klein zu machen bzw zu
vernichten, wenn sie einem zuviel werden oder ihre Nutzhaltung sich
nicht mehr lohnt.
Um
noch einmal auf das Diktum Jüngers zurückzukommen, der nach dem
Attentat auf Hitler sagte, das lehne er ab, weil es zu nichts führe
als einer Konsolidierung dessen, den man für den alleinigen Tyrannen
hielt oder - wenn man den Tyrannen erwischt - bleibt ja seine
tyrannische Struktur mit Hunderten von Mittätern und Minityrannen
dennoch stehen und wird sich auf keinen Fall einfach geschlagen
geben, was zu einem endlosen Leid führt.
Jünger
hat das alles niemals gut geheißen mit der Herrschaft und Tyrannei.
Er sagte einmal, weil irgendwelche dummen Kritiker das bis heute
nicht kapieren und ihm unterstellten, er WOLLE eine solche Welt: Er
beschreibe den Zustand, sagte er vor laufenden Kameras, nur das.
Natürlich wollte der infantile Interviewer wissen, "was man
dagegen machen" könne, denn das wollen die kleinen Geister ja
immer zuerst: Was dagegen machen, "wie kommen wir aus der Nummer
raus".
Ich
denke, dass Jünger eigentlich sagen wollte, nüchtern und ohne
kindische Illusion: Gar nicht.
Wir
kommen da nicht raus!
Es
war nie anders und wird erst anders, wenn der Christus kommt. Davor
aber geht alles seinen Gang bis in den Abgrund, aus dem das alles
stammt und wohin es geht. (Das sage ich.)
Intelligente
Kritiker nannten das bei Jünger "heroischen Realismus",
dieses "Aushalten auf verlorenem Posten", auch bei Oswald
Spengler:
„Die
Zeit lässt sich nicht anhalten; es gibt keine weise Umkehr, keinen
klugen Verzicht. Nur Träumer glauben an Auswege. Optimismus ist
Feigheit. Wir sind in diese Zeit geboren und müssen tapfer den Weg
zu Ende gehen, der uns bestimmt ist. Es gibt keinen andern. Auf dem
verlorenen Posten ausharren ohne Hoffnung, ohne Rettung, ist Pflicht.
Ausharren wie jener römische Soldat, dessen Gebeine man vor einem
Tor in Pompeji gefunden hat, der starb, weil man beim Ausbruch des
Vesuv vergessen hatte, ihn abzulösen. Das ist Größe, das heißt
Rasse haben. Dieses ehrliche Ende ist das einzige, das man dem
Menschen nicht nehmen kann."
Immerhin
hofft ein wahrer Christ auf das "metaphysische Ereignis"
(wie Heidegger, längst enttäuscht und angeekelt vom katholischen
Traditionalismus, den er einst selber verfochten hatte, es
formulierte, ohne mehr auf Traditionen Bezug zu nehmen!), denn nichts
fürchtet die Christenheit mehr als die Wiederkunft Jesu Christi! Sie
will ja ihre Hölle auf Erden endlos verlängern, weil sie es ja
alles "selber machen" will, "aus der Nummer raus
will", aber dem Ahasver gleich, dem unendlich lebenden Menschen,
der Christus lästerte, der Zombie, der die Erlösung aus dem
unerlösten Zustand herauspressen will ... in Sagen auch als "Weiße
Frau" bekannt, eine Adlige stets, die in den Geschichten aus
egoistischer Macht- und Herrschaftsambition die eigenen Kinder
ermordet und unter diesem Fluch nicht sterben kann. Es ist ein Bild
für korrumpierte Herrschaft und der Totalkorruption im Ansinnen der
totalen Herrschaft.
Das
ist der Fluch, unter dem wir alle stehen, das ist das, wovon uns der
Christus erlösen wollte und sollte, aber wir wollten dessen
Nicht-Herrschaft nicht und bauten aus seiner Gestalt einen irdischen
Universalherrscher.
Es
ist daher tief logisch und schlüssig, dass Autoren, die das als Heil
ansehen, solche Satanshymnen an den Anfang der Gedankenstellen: Es
ist der Satan, dem sie huldigen, auch wenn sie ihn "Kirche",
"Papst" (als "Stellvertreter Christi") nennen
oder gar gleich "Christus", aber einen Antichristus meinen.
Der
Antichrist wird niemals ein kleiner Mann sein, niemals ein freier,
herrschaftsfreier und herrschaftsabholder Mann, der Antichrist wird
einer mit totaler Macht sein, zumindest ist das seine Ambition. Im
Papsttum des Vaticanum I ist das bereits vorkonfiguriert worden, auch
als spirituelle Größe. Nun muss ein solcher nur noch kommen.
Und
die Traditionalisten werden ihm zu Füßen fallen, wenn er endlich
alle Freiheit vernichtet haben wird und jeder einzelne Mensch unter
die kollektive Bannung fällt und der Herrscher und sein Kollektiv
das ius vitae necisque ungehindert ausübt über alle Menschen.
Ja,
meine Nachbarin, die pietistisch ist, versteht das intuitiv, sie
weiß, dass es nie anders war und dass das Recht auf Leben immer in
der Hand der Herren lag und das Recht auf Ermordung der Untertanen
auch.
Der
Satan ist nicht nur ein Lügner, er ist auch ein "Menschenmörder
von Anfang an", sagte Jesus:
"Jener
war ein Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der
Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so
redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater
derselben." (Joh8,44)
Jesus
spricht hier zu solchen, "die ihm geglaubt hatten" (V31)!
Es
sind nicht die anderen, die Liberalen und sowieso Bösen, nein, es
sind die, die ihm geglaubt haben, und doch ist sein Wort über sie
vernichtend, denn sie sind von Lüge betört und lügen sich weiter
durchs Leben und töten ungeniert ihre Mitmenschen - für den Glauben
und das angeblich Wahre und Gute. Es ist läppisch, einen Grabenkrieg
darüber zu führen, ob dieser Satan ein gefallener Engel sei!
Offenbar, auch hier in dieser Episode Jesu, tritt er in Gestalt
menschlicher Erben auf. Und das ist natürlich geistig gemeint! Und
es sagt uns, dass es aus Menschen kommt, dieses Ungeistige,
Mörderische, Blutrünstige, dass es sich durch die Bannung in
Kollektiven, die Dugin so großartig findet (!) als Satan formiert.
Als Hinderer und Verhinderer der zukünftigen Welt. Weil Menschen sie
nicht wollen. Sie wollen weiter leiden und ... lügen und morden.
Eine furchtbare Bilanz. Nein, da ist nicht ein gefallener Engel
schuld, daran sind wir selber schuld. Dass ein egoistischer
Liberalismus natürlich keine Alternative sein kann, trifft zu, aber
deswegen ist die Freiheit des Einzelnen dennoch das Maß, an dem
gemessen werden muss! Denn Freiheit kann nur an einem Wesen im Selbststand festgemacht werden. Zwang dagegen immer am Kollektiv, das sich so "stärker" macht als der einzelne Mensch. Freiheit eines Kollektivs gibt es nicht! Der mörderische Geist der Herrschaft führt notwendig in den Abgrund und die Selbstvernichtung.
Und
das Schlimme an all dem ist: DAS meinte Voltaire mit seiner Sentenz
über das Christentum! Diese satanische Verkehrung ... Und man kann
nicht einmal sagen, das stimme nicht. Offenbar stimmt es ...
Der
vulnerable Punkt ist, dass die, die ihm zunächst geglaubt haben,
sich schon frei wähnen, sie wähnen sich in einem Gestell der
Sklaverei frei, weil sie Abrahams Same seien. Jesus bezweifelt das,
er zeigt ihnen, dass sie Sklaven sind, weil sie die Sünde tun, das
meint: dem Weltsystem völlig hörig sind in ihrer
Herrschaftsvorstellung, ihrem Konservativismus und ihrem Hass gegen
echte Freiheit. Aber sie verstehen nicht, wo sie stehen und
missverstehen das, was Jesus sagt. Er ruft verzweifelt:
"Warum
versteht ihr meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören
könnt." (V43)
Das
liegt als Menetekel auf jedem Traditionalismus: Man kann und will
diese Worte Jesu nicht hören, nicht ertragen und schon gar nicht
anerkennen. Eher tötet man ihn und die, die von ihm durchwirkt
sind. Man hat ein System erbaut wie ein Eisengestell und hält das
für "offenbart". Aber ist tönern, es hält nicht ...
Ja,
es ist leider wahr, was Voltaire da ausrief: "Satan! C'est le
christianisme tout entier!"
Le
christiansme, ja er, aber nur er, der Christianismus, der nichts mit
Nachahmung Christi zu tun hat, sondern dem gigantischen Werk der
totalen Verzeichnung des wahren Christus gewidmet war und ist, so,
dass am Ende niemand mehr verstehen kann, wer oder was Christus ist,
dass er der Menschensohn ist, der lebendig machende Geist, aus dem
die Menschheit wirklich erneuert werden wird.
Das
gigantische Werk zur Verhinderung der zukünftigen Welt.
Das
sahen andere schon lange, zB. Dostojewski. Großinquisitor. Tolstoi.
Sie sahen es, und sie wurden ausgestoßen.
Aber
ändern konnten sie nichts an alle dem. Sie waren nur Garanten dafür, dass das einfache Wissen davon sich trotzdem nicht totschlagen lässt.
Denn
die Menschen wollen erniedrigt sein, sie wollen Freiwild ihrer
Fürsten sein, solange sie hoffen, ein kleines bisschen Anteil an der satanischen Macht zu erhalten. Es ist der reine Egoismus, der nach Herrschaft, Fürsten und Staat schreit ...
"Macht
korrumpiert, und absolute Macht korrumpiert absolut. Große Männer
sind fast immer schlechte Menschen, selbst wenn sie Einfluss und
nicht Autorität ausüben, und erst recht, wenn die Tendenz oder die
Gewissheit der Korruption durch Autorität hinzukommt. Es gibt keine
schlimmere Ketzerei, als dass das Amt seinen Inhaber heiligt. Hier
treffen die Negation des Katholizismus und die Negation des
Liberalismus aufeinander und feiern ein großes Fest, und der Zweck
heiligt die Mittel."
Und:
"Einen
Mann ohne Rang wie Ravaillac würde man hängen; aber wenn das
stimmt, was man hört, dann hat Elisabeth den Kerkermeister gebeten,
Maria zu ermorden, und Wilhelm III. von England hat seinem
schottischen Minister befohlen, einen Clan auszurotten. Hier sind die
größten Namen mit den größten Verbrechen verbunden; diese
Verbrecher würde man aus irgendeinem mysteriösen Grund verschonen.
Ich würde sie höher hängen als Haman, aus Gründen der
offensichtlichen Gerechtigkeit, und noch höher, noch höher, im
Interesse der Geschichtswissenschaft."
Lord
Acton, Letter to Archbishop Mandell Creighton, 5. April 1887
https://history.hanover.edu/courses/excerpts/165acton.html
Das
sieht hier ganz anders aus als bei Dugins Augenwischerei!
Lord
Acton sieht völlig zurecht, dass am Ende der Erzkatholizismus und
der Liberalismus aufgrund ihrer Amtsschimmelei in brüderlicher
Eintracht nur zwei Seiten derselben Herrschaftsmedaille sind.
Das
Amt heilige gewissermaßen die Person. Das ist der Freibrief zum
Verbrechen, auch wenn man es verbrämt und schöntut und ein paar
juristische Attrappen wie etwa die Grundrechte im Grundgesetz daneben
aufstellt: aber selbst dort wird nicht verschleiert, dass dieser
Staatsmoloch, gegen den sie ja gedacht sein sollten (angeblich), sie
jederzeit durch ein Gesetz aufheben kann!
Dass
Dugin überhaupt nicht realisiert, dass dieser verhasste Liberalismus
nichts als eine wildwachsende komplette Delegitimierung jeglicher
Kontrolle über das, was die Herrschenden tun bedeutet und damit
demselben Konzept folgt wie der einstmalige Feudalismus, der auch nur
angeblich durch Religion gebunden war (Actons Beispiele sprechen von
Mord und Massenmord durch Fürsten, wenns ihnen gerade opportun
scheint!), verstört mich:
Kann
ein einigermaßen gereifter Mensch das wirklich dermaßen verkennen?!
Ein
besonderes Schmankerl ist die katholische Version des Geheuls vom
"Delegitimieren des Staates", das unsere Herrschaftskaste
angestimmt hat angesichts ihrer ungesühnten Verbrechen, sobald einer das benennt:
Wer
nicht glaubt, dass der Papst ex cathedra nicht irren könne, weil das
Amt ihn ja heiligt und selbst als ausgemachten Antichrist davon
abhalte, hier etwas Falsches anzuordnen für den Glauben, der wird -
wir erinnern uns an das Geschwätz Franziskus' - des "Pelagianismus"
bezichtigt.
Was
ist Pelagianismus?
Es
ist ein polemisches Konzept nicht nur des Katholizismus, sondern auch
vieler Freikirchen:
Der
Mensch sei durch die Erbsünde ganz verdorben, wird gelehrt, aber die
Pelagianer sagten, er sei nicht ganz verdorben, weil Gott ihn gut
erschaffen habe.
"Im
Kern lehrt die nach ihrem angeblichen Begründer Pelagius benannte
Doktrin also, es sei grundsätzlich möglich, ohne Sünde zu sein
(lateinisch: posse sine peccato esse). In zugespitzter Form handelt
es sich um eine Lehre der Selbsterlösungsmöglichkeit und -fähigkeit
des Menschen." So heißt es in der emsigen Wikipedia.
Damit
wird also sehr sophisticated gesagt: Wenn eure Oberen Dreckschweine
sind, dann ist das die Erbsünde, schließlich können auch sie sich
nicht selbst erlösen. Aber auf dem Amt liegt alleine aus Gottes
Gnade der Segen der Infallibilität in definierten Bezirken.
Zugleich
soll sich aber der Untertan mächtig anstrengen, gut zu sein und an
seinem Heil mitzuwirken.
Das
ist einer dieser typischen, bösartigen frommen Schützengräben, die
völlig absurd und irreal sind. Um von der Absurdität gar nicht zu
reden ... um absolute Kontrolle über die Seelen auszuüben, sich
selbst aber dabei unangreifbar zu machen ...
Natürlich
bin ich verantwortlich für das, was ich tue. Aber das kann ich nur,
wenn ich nicht komplett verdorben bin bzw eben auch diese Gnade der
klaren, wenigstens gelegentlichen Sicht erhalte. Alles andere ist
doch Quark! Wenn ich komplett verdorben bin, kann ich auch nicht mehr
verantwortlich gemacht werden.
Warum
man die Herrschenden da weitgehend ausspart und ihnen Dinge
zugesteht, die man jeder Küchenmagd rabiat vergelten würde, muss
man mir erklären ...
Vor
allem dass man Bereiche definiert, die qua Amt ausgeschlossen sind
von der grundsätzlichen Sündenverfallenheit und
Irrtumsanfälligkeit, ist infam.
Das
ist so abgrundtief böse, dass wohl die meisten dummen Herdenmenschen
das gar nicht erfassen.
Und
ihr Zorn wird sich immer gegen ihresgleichen, nie gegen die
Herrschenden richten, es sei denn, aus jener Kaste bietet man ihnen
ein paar wohlfeile Blutopfer, die dort aus Selbstreinigungszwecken
einmal gebraucht werden.
Das
Weltsystem, von dem Jesus spricht, ist nicht das einer Erbsünde, die
mir ganz persönlich von Mutterleib und genetisch anhaftet!
Es
ist ein System (griech. "Kosmos"), das so eisenhart ist,
dass niemand ihm entkommt und jeder von Geburt an darin korrumpiert
und verführt wird. DARAUS soll der Christusnachahmer erlöst, also:
befreit! werden.
Es
geht also nicht um Rituale, nicht um angebliche Selbsterlösung (ist
diese Ausbeutung der Gläubigen für die rituellen Zwecke, mithilfe
der er sich diese Herrscherkaste oben hält, nicht auch eine Variante
einer Selbsterlösung?!), sondern um ein Herausgelöstwerden aus dem
Wahnsinn. Da kam einer, in dem sich der Anspruch Gottes auf seine
Menschenkinder ausdrückte. Des Gottes, der sagte: Sie sind aber
meines Geblütes. Der Johannesprolog sagt uns, dass die Sklaven nicht
erkannten, worum es geht, bis heute nicht ...
Wenn
man nun also eine Herrscherkaste qua Amt teilweise freisetzt aus der
Verfangenheit in der Erbsünde, die Untertanen aber darin
gefangenhält, indem man ihnen keine solchen Gnadenbereiche
zugesteht:
Da
ist etwas Klugheit und Kombinationsfähigkeit gefragt!
Aber
selbst bei geringer Intelligenz sollte man daraufkommen, dass das
wirklich die schlimmste Häresie überhaupt ist, wie Lord Acton sagt.
Denn die, die die angebliche Erlösung verwalten, setzen sich selbst
frei von dem Anspruch, den sie an die Herde stellen, zumindest über
ihre amtliche Unfehlbarkeit.
Warum
ist es so schwer, das zu verstehen?!