Samstag, 29. September 2018

Trinitätslehre auf dem Prüfstand - Brief V an Unitarier und Trinitarier: Das "Malzeichen des Tieres" und das "Millennium"



Gedanken zum „Malzeichen des Tieres“ und zum „Millennium“

Unitarier bezweifeln nicht nur das Trinitätsmodell, das sich seit dem 3./4. Jh massiv und militant, unter verschiedenen Verwerfungen und Schismen, dogmatisch — für die Kirche — nicht mehr revidierbar aufgebaut hat.

Sie bezweifeln auch die kirchliche Aufforderung, nicht an das tausendjährige Reich zu glauben, von dem in Apk 20 gesprochen wird. Sie hat definiert, dass Millenarismus nicht nur nicht glaubensnotwendig, sondern auch als falsch anzusehen ist. Sie selbst hält sich für dieses Reich, bevor das Weltgericht stattfindet und sieht sich selbst als den regierenden „fortlebenden Christus“ an, der im eucharistischen Kult und den Hierarchen als angeblich anwesend deklariert wird. In ihrer globalen Regierung beansprucht sie den Christus zu vertreten als Weltherrscher.
Die evangelischen und orthodoxen Kirchen haben sich von der Kirche als Herrschaftsmodell niemals konsequent verabschiedet, sondern tragen es auf ihre Weise mit und weiter. Immer geht es um eine irdische Herrschaft Jesu Christi, um eine Regentschaft nach den Kategorien dieser Welt.

Unitarier kommen nun zurück auf die Aussage im NT, das „Reich Gottes“ sei „nahe herbei gekommen“. Bevor ich auf die Aussagen Jesu näher eingehe, möchte ich kurz einen gedanklichen Spot zum „Malzeichen des Tieres“ formulieren.

Die Polemik der Unitarier trifft häufig die Prophetin der Adventisten, Ellen G. White, die in ihrem Buch „Vom Schatten zum Licht. Der große Kampf zwischen Gut und Böse“ von 1911, das auf Englisch unter dem Titel „The great Controversy between Christ and Satan“ erschien, dieses Millennium als eine Zeit der Verwüstung zeichnet, die der Satan sich ansehen muss. Zuvor seien alle Ungläubigen gestorben, alle Gläubigen entrückt bzw auferstanden und zu Jesus, der vom Himmel kommt, geführt worden. Die „Gebundenheit des Satans“ sei ein Zwang zur Untätigkeit in der Verwüstung. Am Ende der 1000 Jahre würden alle auferweckt, der Satan werde erneut losgelassen und veranstalte einen letzten apokalyptischen Kampf gegen Christus, danach finde das Weltgericht statt und die Erde werde erneuert.
Unitarier wie Sir Anthony Buzzard sagen ausdrücklich, diese Interpretation Whites dürfe man nicht glauben. Vielmehr strebten wir auf eine Königsherrschaft Christi zu, die in diesen 1000 Jahren verwirklicht werde, die die Kirche erfolgreich immer unter den Teppich habe kehren wollen. Assoziiert ist mit dieser Lehre die Verneinung der tradierten Lehre, dass man nach dem Tod gerichtet und in den Himmel komme oder in die Hölle. Vielmehr entschlafen die Toten und warten im Hades (Scheol) bis zu ihrer Auferstehung zum Gericht und zum Reich Gottes. Über letzteres könnte ich reden, aber nicht über ersteres.

Nun muss man immerhin sowohl der Kirche als auch Ellen White zugestehen, dass die Darstellungen des Reiches Gottes absolut nicht eindeutig sind in der Schrift. Wie immer man die Aussagen „zusammenpuzzelt“ — irgendetwas bleibt immer offen oder stimmt nicht zusammen.
Ich finde Whites Auslegung nicht unsinnig, wenn auch überraschend. Aber es ist merkwürdig, dass tatsächlich vor diesem „Reich“ (das kein echtes Reich ist in der Apk, sondern nur ein Zeitraum von 1000 Jahren) in einem schlimmen Kriegsgeschehen alle Menschen vernichtet werden: „Die Übrigen wurden getötet mit dem Schwert, das aus dem Munde des Reiters kam; und alle Vögel fraßen sich satt an ihrem Fleisch“ (Apk 19, 21). Man mag einwenden, dass diese „übrigen“ nur die Herrscher und die Großen der Erde meint, aber es werden zuvor ausdrücklich alle jene genannt, die das Malzeichen des Tieres angenommen haben, also alle, die verloren gehen. Entrückt werden die Brüder und Schwestern Jesu, die das Malzeichen nicht angenommen hatten. Auferstehen werden nur die, die selig entschlafen waren. Die, die nicht geglaubt haben, stehen nicht auf zu diesem Zeitpunkt. Inwiefern dann Christus die Nationen mit seinem eisernen Stab in dieser Zeit in einem „Reich“ weiden soll, ist nicht zu beantworten. Es heißt ausdrücklich, dass diese Nationen nicht zum Leben kommen in diesen 1000 Jahren (Apk 20, 5). Auch ist es absurd, sich vorzustellen, dass die, die durch die Annahme des Malzeichens unwiderbringlich verloren sind nach der Aussage der Apokalypse, dann doch überleben für 1000 Jahre und in ein Friedensreich eingehen, womöglich noch Kinder zeugen, deren Status gänzlich ungeklärt wäre - sind deren Kinder dann auch Gezeichnete oder wie oder was? Jesus müsste dann mit den Seinen 1000 Jahre lang die Verlorenen regieren?! Und das unter der Umschmiedung von Schwertern zu Pflugscharen, die man aus den Jesaja-Visionen damit verklammert?! Also: die Verdammten kehren um und sind doch nicht verdammt? Ich weiß, dass viele deshalb an eine Allversöhnungslehre glauben, aber vielleicht hat eben doch eine Interpretation wie die Ellen Whites mehr Argumente für sich, denn die gesamte Schrift spricht nirgends von Allversöhnung, sondern von einer Endabrechung, in der das selbstgewählt Verlorene in ewiger Unruhe verbleiben muss, während die Erlösten in die ewige Ruhe mit ihrem Herrn eingehen werden. Nota bene: verloren gehen die, die verloren gehen wollen. Die Erlösung kann jeder leicht annehmen, der es nur will. Gott hätte gewiss am liebsten alle bei sich, aber viele wollen das nicht. Und Gott ist ein Gott der Freiheit, kein "Übervater" im freudianischen Sinn, sondern ein Vater, der seine Kinder auch in der Entscheidung gegen ihn respektiert.
Die Szenerie klingt tatsächlich so, wie White es versteht: in den 1000 Jahren werden diejenigen, die das Malzeichen nicht angenommen hatten, berufen, Gerichtsprozesse vorzubereiten. Vor meinem inneren Auge tauchen da gewissermaßen Untersuchungen, Recherchen über die Zusammenhänge und die Position jedes einzelnen darin auf. 1000 Jahre kommen mir dazu noch kurz vor! Aber wenn viele zu Christus gehören, kann die Gerichtsrecherche vielleicht in 1000 Jahren geschafft werden. O wäre es doch so!
Man könnte einwenden, dass es aber doch heiße, der Satan werde gebunden, damit er die Nationen nicht mehr verführe (Apk 20, 3). Man kann diese "Völker" als die Gerechten aus allen Völkern auffassen, die, die die erste Auferstehung erlebt haben. Wir wissen doch, dass Jesus ebenso wie die Apk uns sagen, dass den Mächten der Bosheit die Macht gegeben wurde, gegen die Heiligen, die Gerechten zu kämpfen und sie zu verführen - wenn sie nicht knapp gerettet würden. Auch sie erliegen mancher Täuschung! Ein gerechtes Gericht kann aber nur vorbereitet werden, wenn man nicht ständig gegen Verführung und Verwirrung ankämpfen muss. Daher wird der Verwirrer gebunden.
Nachdem also der Satan gebunden und die Widerständler Christi das Gericht vorbereitet haben, werden alle auferweckt und sollen gerichtet werden. Der Satan wird wieder losgelassen, weil er ja mitgerichtet werden muss, und versucht in einem letzten Akt, die Nationen (also die zum Gericht Auferstandenen!) gegen Christus aufzustellen. Es misslingt. Er wird vernichtet. Danach beginnt das Jüngste Gericht.
Nach dem Gericht gibt es „einen neuen Himmel und eine neue Erde“ (Apk 21, 1)

Für mich ist nicht ersichtlich, dass in diesen 1000 Jahren bereits ein Friedensreich verwirklicht würde. Sehr wohl gibt es ein solches, aber nach dem Gericht über die Völker und den einzelnen. Die prophetischen Stellen im Alten Testament meinen also nicht zwingend diese 1000 Jahre, zumal sie in der Offenbarung nicht „Reich“ genannt werden. Der Satz in Apk 20, 6, der davon spricht, die Seinen würden 1000 Jahre mit ihm „herrschen“, heißt eigentlich „regieren“. Dabei muss man beachten, dass das griechische Wort „basileus“ (Verb: „basileuo“), das gemeinhin als „Herrscher“ (Verb: „herrschen“) übersetzt wird, eine ausgesprochen unklare Herkunft hat und wahrscheinlich sogar ursprünglich das Bedeutungsfeld von „Herrschaft“ ausschloss, also förmlich in sein Gegenteil verkehrt wurde. Es meinte nach derzeitigem Forschungsstand einfach einen „Großen“, der in seiner Größe agierte, die gar keiner gesonderten Herrschaft mehr bedurfte. Es ist „Autorität“ im Sinne Hannah Arendts — sie ist immer ohne Machtinstrumente und besteht aus sich selbst heraus unbezwingbar.[1] Echte Autorität bedarf keiner Herrschaftsinstrumente - Arendt führt das anhand des antiken römischen Senates aus. Eine Wahrheit, die sich gewaltsam durchsetzen muss, ist Lüge. Herrschaft ist per se immer böse und verlogen. Diese „Herrschaft“, diese eigentliche "basileia" aber, diese unhintergehbare Realität der Wahrheit aber, die auf den Selbstmord einer verlogenen Menschheit blicken wird, der 1000 Jahre kann also sehr wohl einfach die Autorität der Gerechten mit Christus sein, die Weltgeschichte historisch aufzuarbeiten und zu beurteilen, bevor das Gericht stattfindet. Niemand täusche sich über das, was auf uns kommt: diese Herrschaft der Lüge, die wir derzeit geradezu irrsinnig erleben, wird zu einem großen, sich selbst fressenden Inferno führen. Das "Schwert, das aus dem Munde des Reiters" kommt, der übrigens die Namen "Treu" und "Wahrhaftig" trägt, ist die sanfte Autorität der Wahrheit, an der jede Lüge am Ende zugrunde gehen wird. Das Schwert, das aus dem Munde kommt, ist das Wort der Wahrheit.

Nicht sehr überzeugend ist dagegen Ellen Whites Meinung, dass das Malzeichen des Tieres „weltweite Sonntagsgesetze“ seien. Ich stimme ihr in ihrer Skepsis gegenüber dem durch Konstantin eingeführten heidnischen Sonntag als Ersatz für den Schabbat zu. Das ist tatsächlich merkwürdig und keineswegs so leicht zu nehmen, wie die meisten Christen es abhandeln. Der Sonntag ist wie sämtliche Festtage dem Sonnenkult entlehnt und darum für Christen in keinem Fall als ein „Muss“ akzeptabel. Andererseits ist den Christen gerade hinsichtlich des Schabbat und der Feste im NT keinerlei Auflage gemacht worden. Das Apostelkonzil, von dem die Apg berichtet, erwähnt nichts davon. Die gängige adventistische Argumentation, das Schabbatgebot sei das einzige Gebot in den 10 Geboten, das dem gesunden Menschenverstand nicht plausibel sei und darum gewissermaßen das Prüfsiegel für echte Jünger Jesu und ihren unbeirrten Glauben, kann ich nicht einsehen.
Ich kann es nicht einsehen, weil davon wirklich keine Rede ist — nirgends. Im Alten Testament ist der Schabbat ein Zeichen zwischen Israel und Gott auf die künftige Ruhe hin, die im Messias erreicht wird. Bereits Jesus hat aber den Schabbat relativiert: er sei für den Menschen da, nicht der Mensch für den Schabbat. Aber wie immer: jeder muss entscheiden, was er vor Gott verantworten kann.
Ein Zusammenhang aber zum „Malzeichen des Tieres“, das laut Apk auf Stirn und Hand angebracht wird, ist für mich absolut weit hergeholt. Ich habe mir diverse adventistische Predigten angehört, in denen die Beschreibung in der Apk als „rein symbolisch“ abgetan wird. Nun ist aber ein „Malzeichen“, also eine Art Tattoo (!), auf Hand und Stirne doch sehr konkret vor Augen gehalten. Was soll es denn sonst sein als ein Tattoo auf der Stirn und der Hand?! Der gedankliche Weg zum „Sonntag“ ist wirklich etwas sehr weit und vage. Adventisten setzen die Idee Ellen Whites in Zusammenhang mit der biblischen Aussage, nur der, der das Zeichen trage, könne noch kaufen und verkaufen. Aber auch das erscheint mir zu vage: wer also sonntags nicht einkaufen geht oder etwas verkauft, trägt das "Malzeichen des Tieres"? Das wären geradezu apokalyptische Verhätlnisse seit 1700 Jahren? Nein - so sehr White recht hat mit ihrer Kritik an Konstantins Sonntagsedikt, so wenig plausibel ist die Verknüpfung des malzeichens mit dem Sonntag! Vielmehr muss man doch an ein materielles Tattoo denken, mit dem man leiblich gezeichnet wird, und ohne das niemand mehr am Geschäftsleben teilhaben kann. Die wireless EC-Karten und die geplante Abschaffung des Bargeldes sind durchaus geeignet, uns hier eine Illustration dessen vorausahnen zu lassen, was noch kommen wird. Auch die totale Virtualisierung des Geldes, das durch keinen materiellen Gegenwert mehr gedeckt ist und kein Tauschmittel im strengen Sinne mehr ist lässt uns dämmern, was noch kommen könnte. Wenn ich bedenke, wie ich noch vor 25 Jahren mit Reiseschecks im Ausland unterwegs war und überall Wechselstuben waren...

Mich bewegt hier etwas anderes. Im Kolosserbrief (2,16)  steht ausdrücklich, niemand solle sich wegen eines Schabbates oder Festtags ein schlechtes Gewissen einreden lassen. Das ist für mich eindeutig. Es ist auch logisch, denn die Ruhe Gottes hat sich bereits erfüllt, wir leben gewissermaßen in der Nacht des Schabbat, und wir erwarten die Morgenröte.
Das „Malzeichen“ aber ist ein echtes Tattoo, kein symbolisches — wie anders sollte es in seiner Unhintergehbarkeit darüber entscheiden, ob einer verlorengeht?

Aber ich frage mich: Was hat eine solche Macht, die keine Umkehr mehr ermöglicht, sobald man es materiell angenommen hat?
Im Grunde erinnert es an Märchen und ein bewusstes, eindeutiges und persönliches Verschreiben der Seele an den Teufel mit Blut. Dass wir alle einmal dachten, wir müssten den Sonntag halten, ist nicht qualifiziert dazu, eine so gewichtige Entscheidung zu tragen. Wir wussten es nicht besser und wir dachten nicht, dass das falsch ist — im Gegenteil, man sagte uns, das sei der Auferstehungstag etc. Wir waren in gutem Glauben, bis wir es besser erkannten oder eben noch nicht.

Die Annahme dieses Malzeichens aber ist wesentlich dramatischer und passiert nicht aus Versehen oder aus Unbedachtheit oder Ignoranz.
Es muss sich um einen Akt handeln, der für jeden so bewusst ist wie noch niemals zuvor etwas im Leben.
Aber dennoch frage ich mich: wie soll ein Tattoo einen Menschen festhalten können für immer? Viele denken an Überwachungssatelliten und einen Chip, der uns alle verfolgbar macht.
Ich glaube, das reicht nicht aus, um das zu erklären, was hier in der Apk beschrieben wird. Es muss dieses Tattoo an sich und für sich Macht über meine Seele haben, nicht nur über meinen Leib.
Schon heute gehen Menschen mit elektronischen Fußfesseln. Früher tätowierte man Strafgefangene oder Sklaven, damit sie niemals mehr verbergen konnten, wer über sie Macht hat. Dies geschah aber stets unfreiwillig. Es mag Macht über ihren Leib gehabt haben, nicht aber über ihre Seelen und Geister. Wir werden aber gewarnt vor denen, die Macht über die Seelen gewinnen können! Echte Macht — nicht eine vorübergehende und nicht selbst verschuldete Täuschung oder irgendein „aus Versehen“ oder „nicht besser wissen“.

Was ist also zu verstehen unter einem freiwilligen Tattoo, das den Verlust des Heiles für immer bedeutet?
Auffallend ist, dass im Zeitgeist das Tätowieren seit Jahren salonfähig gemacht wird. Was früher nur Piraten und Desparados freiwillig taten, ist heute schick geworden, setzt also die Hemmschwelle herab, sich freiwillig brandmarken zu lassen. Ungezählte jüngere Menschen lassen sich freiwillig über und über tätowieren, ganz auffallend auch oft jene, die alternative Kanäle auf Youtube unterhalten, aber nicht nur sie sie — sondern nur sie nicht anders als der Mainstream…
Ein Tattoo wird man bereits heute nie mehr vollständig entfernen können. Aber noch ist es nur ein körperliches Zeichen, kein geistiges oder seelisches.

Ich kann nur spekulieren, aber vielleicht gibt es doch eine Materie, die an bestimmten Geist gebunden ist, etwa eine intelligente Tinte oder dergleichen, die auf einen bestimmten Code programmiert. Man hörte solche Gerüchte etwa über das „Black Goo“, ein intelligentes Öl, das Menschen manipulieren kann und um dessentwillen der Falklandkrieg geführt wurde. Etwas in dieser Art müsste es sein, etwas, das man, wenn es einmal wirkt, nie mehr neutralisieren kann, wie eine Krankheit, die den ganzen Organismus, nun aber auch seelisch und geistig, total (!) vereinnahmt, so, dass man keine Macht mehr hat über sich selbst und mithilfe des Willens diesen Zugriff nicht mehr rückgängig machen kann. Wie beim Black Goo aber funktioniert das nicht unfreiwillig. Nur der, der sich drauf einlässt, gibt dem Tattoo Macht. Man kann niemanden gewaltsam tätowieren und es müsste wirken — genau das würde nicht funktionieren. Es wäre nur als eine freiwillige Sache eine Zeichnung zur Besessenheit zum ewigen Tod. Solange auch nur ein Funken des Willens dem entgegensteht, wird es keine Macht haben können. In welcher Situation aber würden Menschen in größerer Zahl freiwillig ihren ewigen Tod anerkennen und sich dafür sogar zeichnen lassen, damit sie diesen Tod jetzt und hier für immer und unaufhebbar eingezeichnet bekämen, der ihr Bewusstsein veränderte und sie für immer ihrer Persönlichkeit berauben würde?
Adventisten und viele mit ihnen, auch Katholiken, viele evangelische Fundamentalisten, denken, die für die Endzeit charakteristische "Gesetzlosigkeit" bedeute, dass Menschen die Tora nicht halten, die 10 Gebote missachten etc. Ich halte das für eine Milchmädchenrechnung. Das echte und heilsame Gesetz ist in einem lebendigen Herzen eingeschrieben. Es sind eben keine Normen - genau das nicht mehr! Normen töten, weil sie dem Buchstaben folgen. Das wirkliche Gebot ist nur das der Gottes- und Menschenliebe, ein wirklich flexibles Gesetz, das anpassungsfähig ist, ohne seine Wahrheit aufzugeben. Gott schert niemand über einen Kamm, weil er uns liebt. Aber er hat uns den gesandt, der "Wahrheit" ist: Wehe also denen, die Lüge gegen Wahrheit eintauschen. Man vergesse nicht, dass Jesus gerade die strengen Gesetzeslehrer und -wächter als "Gesetzlose" bezeichnet hat. Alle Adventisten und Katholiken, Orthodoxe und sonstige Gesetzesfetischisten, auch Juden und Muslime merkt auf: das Gesetz, wie ihr es versteht, ist Lüge und tötet. Es ist in Wahrheit Gesetzlosigkeit und Chaos.

Ich weiß, dass das futuristisch klingt mit der "intelligenten Tinte", aber ich kann mir sonst nicht erklären, was sonst eine solche Dramatik entwickeln soll, wie die Apk sie zeichnet. Man kann also Ellen White in einer Hinsicht rechtgeben, in anderer nicht.
Die unitarische Idee, nun doch noch eine Art Chiliasmus zu erfinden, finde ich extrem gefährlich: Was wenn uns eine Wiederkunft vorgegaukelt wird, die uns in nicht in das „Reich Gottes“, sondern in die Hölle stürzt? Sind wir gefeit vor Täuschungen? Was, wenn ein angeblicher Messias uns einfangen soll? Und uns allerlei Hokuspokus vorspielt, für jeden etwas, für Unitarier und Trinitarier gleichermaßen?
Ich kann nur ausdrückliche Warnungen aussprechen und hoffen, selbst nicht abzustürzen. Uns ist nirgends ein 1000 Jahre währendes politisches Friedensreich versprochen worden.

Was Jesus dazu wirklich gesagt hat, werde ich in einem nächsten Brief untersuchen.


[1] Hanna Arendt: Was ist Autorität? (1955). In „Fragwürdige Traditionsbestände im politischen Denken der Gegenwart. Frankfurt aM 1957

Dienstag, 11. September 2018

Domino: Die Kulissen der abendländischen Illusionswelten stürzen ein



Es sind zu viele Linien, die durcheinander gehen. Es sind ganze Schwärme von Linien — historische, soziologische, religiöse, militärische, wirtschaftliche — , die sichtbar werden, sobald ein sachgemäßer Blick auf unsere derzeitige politische und kulturelle Lage versucht wird.
Monika Maron sagte sinngemäß in einem Interview auf der Frankfurter Buchmesse 2018, das Wolfgang Herles mit ihr geführt hat (kann hier angesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=ONgFNSELBzI), auf dessen Schlussfrage hin, was Bundeskanzlerin Merkel antreibe, sie könne es angesichts der Irrationalität, Destruktivität, die es aufweist, nicht erklären. Sie lande bei jedem Erklärungsversuch  bei „Verschwörungstheorien“, aber da wolle sie nicht hin. Für „naiv“ halte sie sie auch nicht… In jedem Fall geschehe derzeit eine Selbstaufgabe Deutschlands durch die Merkel-Regierung.
Alexander Gauland (AfD) sagte unlängst in einer Parlamentsdebatte, in dieser Regierung läge „mit Verlaub: ein Dachschaden“ vor (kann hier angesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=ujUVSLKFVSI). Merkel saß dabei wie so oft (wenn sie nicht auf ihrem Smartphone zappt, ihre Sitznachbarn demonstrativ anquatscht, aufsteht oder einfach nur dreckig grinst, wenn Sahra Wagenknecht ihr die sozialen Probleme vor Augen hält, die seit der Merkelregierung Deutschland weit zurückgeworfen haben) mit trotzig verzerrter, infantiler Miene auf ihrer Regierungsbank.
Auch wenn es nicht schmeichelhaft ist für die Obrigkeit, aber genau diesen Eindruck einer wahnhaften, psychopathischen Performance, die mit allen Mitteln herrschen will, habe auch ich. Ich habe mich manchmal schon allen Ernstes gefragt, ob diese Regierung kollektiv unter Drogen steht, samt einem pekuniär verfetteten, täglich mehr degenerierenden Medienapparat, der inzwischen eine Beleidigung der Vernunft und der Sittlichkeit ist. Ich rezipiere längst schon keine öffentlich-rechtlichen Medien mehr, außer bei der Verfolgung von Live-Debatten auf Phoenix. Niedrigstes Argumentationsniveau, Gekeife, Überbrüllen der Gesprächspartner, eine geradezu schamlos-obszöne Verlogenheit, oberlehrerhafte Übergriffigkeit bei der Präsentation der Nachrichten, Verdrehung historischer und naturwissenschaftlicher Tatsachen, einseitige Präsentation zeitgenössischer Diskussionen und Verhetzung der jeweils dem Staatsmainstream entgegengesetzten Seite, Verleumdung aller Kritiker der Regierungspolitik als „populistisch“, „Nazis“ oder auch als „linksradikal“, dümmliche Belehrungen durch bescheidenste, aber umso großmäuligere Geister, selbstgerechter Moralismus, Eiseskälte und vulgär-ideologisch aufgebrezelte Spielfilme lassen die Frage aufkommen, wo all diese teilweise sogar kriminelle Energie eigentlich herkommt. Dazwischen Sport, Sport und noch mal Sport. Manchmal denke ich an Szenarien wie 1978 in Jonestown, wo eine gesamte Sekten-Community einen „heiligen“ Todeswahn auslebte und am Ende kollektiv Selbstmord beging. Unsere Regierung erweckt einen solchen Eindruck, eine kranke Sekte zu sein.

Aber anders als es in der AfD oder teilweise auch bei der Partei Die Linke geschieht, sehe ich nicht, dass Merkel eine Art „Abbruch“ einer doch bisher so guten Tradition gewesen wäre. Der Wahnsinn hat sich lange aufgebaut und das Volk in eine unübersehbare Zahl an Täuschungen über die Wirklichkeit gestürzt. Wir leben in einem verlogenen Konstrukt aus falschen Geschichtsbildern und pseudowissenschaftlichen Gewissheiten über die Welt. Und das schon sehr lange, länger als wir es ahnen, denn je weiter ich zurückforsche, desto verheerender die Entlarvungen. Der Antimodernismuswahn , der im 19. Jh über die unselige Gestalt Pius X. direkt in den Faschismus mündete, wollte vor allem eines: die Entzauberung falscher Gewissheiten über die Welt, auf denen die Eliten ihre Macht gründeten, aufzuhalten und zu kriminalisieren. In einigen Jahrzehnten aber rüstete dieselbe Elite nach und wartete mit einem erneuerten Falschbild auf, das sie als Revolution, „Umbruch“ bzw Reformwilligkeit ausgab. Ich werde daher immer hellhörig, wenn die Behörden uns jahrelang zum „Umbruch“ und zum „Aufbrechen“ ermuntern. Das stinkt, wie es immer stank! Denn wann ich aufbreche und wann nicht, lasse ich mir weder von einem Kulturamt noch einer schmutzigen Priesterkaste diktieren. Und wenn ich dazu Grund habe, werde ich auch nicht aufbrechen. Pardon: aber meine Gedanken bleiben frei.

Es ist nicht nur eine beängstigende und völlig hirnlos zugelassene oder sogar gesteuerte Migrationswelle, die uns in Frage stellt, sondern die zeitgleiche Entdeckung, die inzwischen sehr viele mit Argumenten (!) äußern, in einem Konstrukt gelebt zu haben, das sich als einzige Fiktion entlarven könnte. Viele Stimmen werden laut, die von „devil’s biggest deception“ sprechen, die auf immer mehr Ebenen die scheinbaren abendländischen Gewissheiten hinterfragen. Noch macht sich die besagte verkommene Medienlandschaft darüber lustig, aber die Entzauberung einer großen Täuschung schreitet hörbar voran: manche Geschichtsschreibung wird revidiert, und dies mit triftigen Gründen. Das Echo der Mächtigen und ihrer Untertanen ist darauf der Vorwurf des „Geschichtsrevisionismus“. Aber alleine der Begriff offenbart, dass die, die ihn als Vorwurf einsetzen, Ideologen sind und keine Forschergeister, denn Wissenschaft muss immer falsifizierbar und Forschungsstände und –traditionen müssen immer „revidierbar“ bleiben, sondern verdienen sie den Namen „Wissenschaft“ oder „Forschung“ nicht! Es wird aber auch manche naturwissenschaftliche Ideologie immer stärker bezweifelt und dies mit vernünftigen Gründen — ob es sich um ein absurdes und nicht nachweisbares Konstrukt von „Weltklima“ handelt, um den Verdacht, dass man uns alternative, um echte alternative, „freie“ Energie betrügt oder die Kosmologie, die als Fake entlarvt wird. Eine ebenfalls immer lautere Debatte ist die um den Status der BRD, eine erneute Infragestellung des Anschlusses der DDR an dieses Konstrukt, das kein echtes Völkerrechtssubjekt ist und verpasst hat, sich eine eigene Verfassung in Freiheit zu geben, wie Art 146 GG es immer noch vorsieht. Andererseits fragen viele, ob nicht längst Art 20 GG erfüllt werden muss, weil unsere Regierung nach Auffassung mehrerer ehemaliger Verfassungsrichter inzwischen massenhafte Grundgesetzverstöße begangen hat, deren von ihnen eingereichte Prüfung bislang aber vom Bundesverfassungsgericht abgeblockt wird. Die Sache steht ungeklärt und drohend nach wie vor im Raum, dass wir es mit einer verfassungsfeindlichen Regierung zu tun haben und sich so auch erklärt, warum sie unter allen Umständen an der Macht bleiben will, anstatt endlich zu verschwinden, wie so viele es offen rufen. Der Art 20 GG aber gesteht uns allen Widerstandsrecht zu angesichts der derzeitigen Zustände. Erschwert wird die Lage durch eine geradezu kafkaeske Verstrickung eines Teils der europäischen Völker in ein idiotisches, bürokratisches und undemokratisches Herrschaftskonstrukt namens „EU“ mit einer wahnsinnigen Währungspolitik, die ganze Völker wirtschaftlich ruiniert hat.
Immer noch sind viele Deutsche wie umnachtet. Es sind die Langzeitfolgen einer jahrzehntelangen Indoktrination. Die Büßerpose, in der sich immer noch viel zu viele selbst ins Knie schießen und zugleich die inwendige Aggression durch diese ständige Demütigung kompensieren in irgendwelchen Scheinproblemen, deren Realität sie dennoch im Kniefall vor der Indoktrination wiederum ignorieren, weist uns als Psychopathen aus. Es ergibt zB keinen Sinn, dass man einerseits eine geradezu hysterische Gleichstellungspolitik betreibt (wobei ich uneingeschränkt hinter der Gleichstellung von Mann und Frau stehe!), zugleich aber ignoriert, dass durch den Zuzug viel zu vieler vulgärer Muslime gerade diese Politik so sehr unterlaufen wird, dass kein einheimischer Widerstand dagegen eine vergleichbare Durchschlagskraft hätte. Man verhindert jede vernünftige Überlegung darüber, wie eine vernünftige und maßvolle Einwanderungspolitik gestaltet werden müsste und lässt den Laden einfach laufen, reißt die Grenzen und präsentatiert sich als Hure, die nicht bezahlt wird, sondern dafür zahlt, dass sie ausgenommen wird, schaut zu, wie inzwischen, wie zahllose Morde durch illegal in Land gekommene Kriminelle geschehen, die schlicht vor der gerechten Justiz ihrer Heimatländer fliehen und dennoch die rührselige Solidarität verblendeter Deutscher gewinnen können. Andererseits gibt es den begründeten Verdacht, dass viele dieser Anschläge geheimdienstliche Fakes sind, um weitere Kriege und auch Bürgerkriege innerhalb der EU bewusst anzufachen, um regulierend mit dem Militär gegen die eigene Bevölkerung lostreten zu können (Lissabon-Vertrag). Die vorgelegten wissenschaftlichen Untersuchungen von Dr. Daniele Ganser über die Nato-Geheimarmeen schon der 60er und 70er Jahre des 20. Jh sind nicht zweifelhaft,  und sie haben viele von uns aufwachen lassen hinsichtlich des roten Terrors in den 70ern: dass er nämlich auch nicht von einem „roten Mob“ von unten kam, sondern aus dem „Deep State“. Wir erleben, wie derzeit schon wieder Kriegvorbereitungen gegen Syrien angelaufen sind, die natürlich einen gefakten Aufhänger brauchen. Wir haben inzwischen jahrzehntelange fingierte Kriegsgründe hinter uns. Und so könnte man Beispiel um Beispiel auffahren und müsste feststellen, dass nicht nur diese Regierung, sondern auch ein Teil des Volkes einen „Dachschaden“ hat. Die Ausblendungen sind dabei auf allen politischen Seiten vertreten auf jeweils verschiedenen Themengebieten. Aber immer noch fallen viele Bürger auf polarisiert dargestellte politische Lager herein, anstatt zu begreifen, dass sie im Bereich faktischer Ergebnisse alle an einem Strang ziehen und alle dieselbe verbrecherische Politik betreiben, die sie aber verklausulieren oder dialektisch aufbereiten. Wechselweise werden Trump, Putin oder Bush oder Obama von viel zu vielen Dummköpfen als Heilsbringer, Retter oder andererseits gegenteilig als neue „Hitler“ „geglaubt“ — alleine: am Ende kommt bei ihnen allen dasselbe heraus, nämlich Krieg, Not, Vertreibung, Verarmung immer größerer Volksmassen, Völkermord, gesteuerte Entwurzelungen und die Ambition, die globale Macht durch Schwächung anderer Staaten auszuweiten. Nicht zuletzt muss man sich fragen, ob nicht auch Deutschland längst im Fadenkreuz solcher amerikanischer Geostrategen bewusst und auf allen Ebenen geschwächt wird — nicht anders als Syrien oder der Irak, nur noch nicht so weitgehend, solange man deutsches Knowhow beim Kriegführen und Waffenherstellen noch gut brauchen kann. Und anders als in anderen Nationen machen die Deutschen dieses Programm auch noch freiwillig mit moralinsaurem Pathos mit. Deutschland bzw die deutsche Regierungs-, Kirchen- und Wirtschaftselite reißt so die gesamte EU in den Untergang und fühlt sich dabei gut und vorbildlich. Solange man dem bedröhnten Volk medial das Gefühl gibt, es gehe „gegen rechts“ macht immer noch ein viel zu großer Teil jeden Dreck mit, auch erneuten braunen Dreck, der sich aber natürlich nicht mit einem Oberlippenbärtchen, Rübenschnitt, Uniformen der Vierziger und erhobener rechter Hand präsentiert, auch nicht mit Glatzen oder Springerstiefeln (das sind alberne Ablenkungsmanöver!), sondern ästhetisch unauffälliger. Viele verstehen nicht, dass Nazis nicht so aussehen, wie man ihnen sagt, wie Nazis aussehen, sondern das faschistische Gedankengut in ganz anderen Verpackungen vorwärtsbringen. Strategien, die die Nazis anwandten, werden heute von der US-Regierung und auch unserer Regierung allem Anschein nach angewandt: die berühmten „false flag“- Operationen wie der Reichstagsbrand oder die Progromnacht, die man als "Volkszorn" ausgab. Die Frage, wer eigentlich die Türme von 9-11 (heute ist Jahrestag) gesprengt hat oder ob die Attentate angeblicher Islamisten wirklich aus deren Reihen kommen, ebenso wie plötzlich auftretende "Nazimobs" ebenso seltsam und unecht wirken wie Syrer glaubhaft versichert haben, dass die angeblichen "Rebellen", die plötzlich schwer bewaffnet in ihrem Land Gewalttaten anrichteten, keine Syrer seien und eine andere Sprache sprächen.
Und vor allem begreifen viele nicht, dass der Nationalsozialismus samt dem Faschismus keine Bewegung eines „Mobs“ oder „von unten“ war, sondern von oben kam, von oben erfunden und finanziert wurde und das verzweifelte und geschundene Volk verführte und über den Tisch zog. Die Finanzierung kam nicht nur von einheimischen Banken wie der Dresdner Bank, sondern auch ganz massiv aus den USA und England, die zugleich auch den Bolschewismus finanzierten und mit diesem inszenierten europäischen Dialektikspiel eigentlich leicht erkennbar ihre geostrategischen Ziele schneller erreichbar machen wollten. Es kommen derzeit immer mehr Studien auf den Markt, die diese Zusammenhänge beforscht haben.
Es ist immer das gleiche Spiel, man teilt und herrscht und meine bedauernswerten Landsleute lassen sich immer wieder aufs Neue in solche Polarisierungen verspinnen, rasten etwa hysterisch aus wegen der AfD und steigern sich in den Wahn hinein, nun säße Hitler wieder im Bundestag, obwohl jeder halbwegs intelligente Mensch doch erkennen sollte, dass die AfD hauptsächlich aus ehemaligen CDU- oder SPD-Mitgliedern oder -Wählern besteht und weit und breit kein „rechtsradikales“ Profil auftaucht. Ein Björn Höcke ist nicht rechtsradikal, auch ein Wolfgang Gedeon nicht. Das sind, vor allem im Falle Gedeons ultrakonservative, katholische Denkansätze, und letzterer wurde ohnehin aus der Landtagsfraktion der AfD in Baden-Württemberg ausgeschlossen, als seine Positionen zu Bewusstsein kamen. Der Fall Höcke ist dabei wesentlich harmloser, wenn auch pathetischer. In der AfD hat sich schlicht und einfach aus den Altparteien derjenige Teil ausgelagert, der aufgrund der schizophrenen Entwicklungen dort ein neues Wirkungsfeld für die alten Ziele gesucht und gefunden hat.

Ich persönlich habe allerdings jeden Glauben an die Funktionsfähigkeit des Systems verloren.
Erstens weil man eine derart verfahrene Situation nicht auf einen zukunftsfähigen Lospunkt zurücksetzen kann. Man müsste einen solchen Lospunkt erst einmal finden. Die Täuschungen und das Ränkespiel sind aber in ihrem Beginn nicht auszumachen. Wo soll man da anfangen? Träume von einer wunderbaren deutschen Geschichte, wie sie etwas Björn Höcke verkündet, erscheinen mir unrealistisch und auch kitschig. Diese wunderbare deutsche Kultur ist all zu oft selbst Ergebnis einer brutalen Bevormundung durch das alte römische Reich in Gestalt der Kirche(n) und eines ausgelagerten Kaisers von Gottes Gnaden. Was uns historisch „groß“ erscheint, ist der Glanz untergegangener, einst verhasster Macht und Gewalt an der Bevölkerung. Mein Verhältnis dazu ist zwiespältig. Wenn man allerdings zur Kenntnis nimmt, dass die Revolutionen wiederum gezielt inszenierte Bewegungen aus Teilen derselben Eliten waren, sollte man auch jede revolutionäre Illusion begraben und erwachsen werden…
Daher erliege ich auch nicht dem Multikultiwahn der Pseudolinken: ich habe zwar eine Vorstellung davon, was es wert ist, tradiert zu werden, aber ich weiß nicht, wie man es herauslöst aus seinem gewalttätigen historischen Szenario. Die Angst vieler hinsichtlich der AfD, es könnten so mühsam überwundene Schrecken erneut kommen, verstehe ich. Ich verstehe aber nicht, dass dieselben sensiblen Zeitgenossen vor entsprechenden Verwerfungen bei denen, die ins Land eindringen, wegsehen und so tun, als seien inzwischen massenhafte Morde und Vergewaltigungen durch orientalisch aussehende Männer vor allem an deutschen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, aber auch anderen Migranten ein angemessener Tribut an eine Wahnvorstellung einer tollen, bunten Zukunft, deren Qualität weder bewiesen noch erklärt wurde. Es ist nicht zuletzt purer Rassismus, wenn man bestehende Ethnien durch gezielte Nachhilfe auflösen will. Im übrigen wird aus einer bunten Welt von Völkern oder Ethnien, die man nicht mehr als solche anerkennt, sehr schnell eine totalitäre braune Einheitssoße. Bunt bleibt es nur, wenn es diese Grenzen weiterhin gibt, aber auch geordnete Möglichkeiten, sie zu überscheiten. Dann und nur dann. Man zelebriert lächerliche „Diversity“-Aktionen, die letztendlich die Grundlagen echter Diversität auflösen und verneinen. Es hat orwellsche Züge, aber unsere Menschen merken es immer noch nicht. Ich begreife diesen geistigen und moralischen Suff vieler Zeitgenossen einfach nicht. Warum diese verbissene Realitätsverweigerung?
Und häufig überschneiden sich die Personenkreise, die die sexuelle Gewalt und Mordgier eines Teils der Eindringlinge tabuisieren, als „Einzelfälle“ abtun oder sogar verteidigen mit denen, die andererseits den sexuellen Missbrauch im einheimischen Kontext durch Priester und Familienväter ausführlich beweinen und „aufarbeiten“. Verlagert da eine traumatisierte einheimische Kultur nicht womöglich ihr Stockholmsyndrom auf hereingeholte Fremde?!
Wie auch immer: Ich habe keinerlei Lust, mich einer dieser wahnsinnigen Bewegungen anzuschließen.

Mir scheint, es fallen derzeit die Bühnenbilder des Abendlandes eines nach dem anderen, wie in einem Dominoeffekt, um.
Alle!
Ja: alle!

Zukunftsfähig bleibt nur der, der sich diesem Prozess des Bühnenbildabbaus schonungslos, aber auch im Forschergeist stellt, ihn weder mit religiösem noch restaurativem noch einem Rassenvermischungs- oder Rassenreinhaltungs noch mit dem immer noch paternalistischen materiellen Größenwahn gegenüber „Flüchtlingen“ (die man selbst geschaffen hat, um sich selbst zu beweisen, dass man hilfsbreit ist) noch albernen und gesteuerten Umbruchsappellen seitens der Regierenden kompensiert.
Wenn wir in einer gigantischen Täuschung gelebt haben, gilt es, ent-täuscht zu werden und die Enttäuschung mit Dankbarkeit als Chance zu nutzen.
Auf behördliche oder staatliche Hilfe sollte man dabei tunlichst verzichten.
Die Zukunft wird ausschließlich durch die geordnete Anarchie der Freigeister bestanden werden.
Nur die Herrschaftsfreiheit ist als letzter Ausweg geblieben, die aber nicht mit Chaos oder Regellosigkeit verwechselt werden darf. Man muss zurückdenken an die Zeit nicht-kodifizierten Rechtes und sie als Vorbild für die Zukunft nehmen.
Alles andere dagegen wird in den sicheren Untergang führen.
Wir haben alle Möglichkeiten „durchprobiert“ und sind am Ende einer jahrhundertelangen Sackgasse angekommen.

Samstag, 8. September 2018

Die „Berliner Braune“ in Chemnitz oder das #wirsindmehr bezahlter Strohhalme



Die „Berliner Braune“ in Chemnitz oder das #wirsindmehr bezahlter Strohhalme

In den letzten Tagen äußerten die Mainstreammedien unendlich viel Verständnis für eine Band namens K.I.Z., die in Chemnitz auf der inszenierten Großveranstaltung „gegen rechts“ auftrat und dabei einen üblen Text sang. Das wackere „Aufstehen gegen rechts“ wurde medienflächendeckend angepriesen, hinter tausend vorgehaltenen Händen aber kam Unmut und Bestürzung darüber zutage, wie unter dem Banner „gegen rechts“ im Grunde rechte Stilmittel und Methoden salonfähig gemacht werden.
Es ist fast unmöglich, gegen die einhellig verbreitete Meinung, die in den Mainstreammedien vorgetragen wird, jeder Kritiker habe eben nicht verstanden, dass die Texte der besagten Band „Satire“ seien, sachlich anzukommen. All jene Leute aber wissen offenkundig gar nicht, was eine Satire ist und verschanzen sich hinter einem Begriff, den sie niemals verstanden haben und zweckentfremden. Aus meiner Sicht fand eine ähnlich verfehlte Debatte bereits bei dem zotigen und persönlich beleidigenden Text Jan Böhmermanns gegen Erdogan statt, der ebenfalls objektiv keine Satire war. Im folgenden Text geht es um den Versuch einer Objektivierung, was eine Satire aus literaturwissenschaftlicher Sicht sein kann und was nicht. Im wesentlichen muss sie radikal verdeutlichen, dass sie eine Satire ist und niemals mit dem Schmutz, den sie anprangert, verwechselt werden kann. Eine Satire muss spürbar eine Vogelperspektive einnehmen und den Leser erheben. Tut sie das nicht, ist sie nicht unterscheidbar von Hetzliteratur, Verleumdung und Propaganda oder auch Aufruf zu Straftaten.
Die Debatte hängt u.a. mit der ästhetischen Frage zusammen, ob man Form und Inhalt voneinander abkoppeln kann, und ob jeder Musik- und Sprachstil jeden beliebigen Inhalt transportieren kann, oder ob es nicht doch eine Korrelation sprachlicher und musikalischer Mittel gibt, die nicht einfach austauschbar sind. Wir bewegen uns hier auf schlüpfrigem Terrain, denn über die Leugnung der klassischen aristotelischen Lehre von der Korrelation von Substanz und Akzidens ist es möglich geworden, zB politisch rechte Inhalte unter der Larve des „gegen rechts“ salonfähig zu machen. Genau das ist mE in Chemnitz geschehen.

Ich versuche, mich mit dem Text „Ein Affe und ein Pferd“ auseinanderzusetzen und beziehe mich dabei auf einen analytischen, literarisch-philosophischen Text von Friedrich Schiller (s.u), der, anders als die vielen ignoranten Schundliteratur-Versteher wusste, was eine Satire ist und was nicht. Ein Blick in sachgerechte Überlegungen tut dringend not, also versuche ich ihn — vielleicht wacht ja doch der eine oder andere auf und erkennt, auf welch abscheulichem Niveau sich Deutschland erneut bewegt.
Das Lied wurde von zahlreichen Fans mitgegrölt, von sehr vielen übrigens mit erhobenem rechtem Arm (!) — wer es nicht glaubt, soll es sich ansehen und überprüfen, was wohl daraus an Bildmaterial gemacht werden könnte, wenn einer nur böse will: https://www.youtube.com/watch?v=q3pTH-s_lVY das sind „Hitlergrüße“ in Masse… oder doch nicht…? Kann ein Hitlergruß satirisch sein? Auch bei vermeintlichen „Rechten“? Oder einfach nur eine zum Gruß erhobene Hand? Doch diese kleine Überlegung nur am Rande, versehen mit einer Mahnung zur Vorsicht…

Doch zunächst das vollständige Zitat des angeblich satirischen Ergusses der Band K.I.Z. in Chemnitz bei dem hochgelobten Konzert bei der Veranstaltung #wirsindmehr am letzten Montag:


Ein Affe und ein Pferd
K.I.Z
Ich war in der Schule und habe nix gelernt
Doch heute habe ich ei’n Affen und ein Pferd
Ich mach Mousse aus deiner Fresse
Boom verrecke
Wenn ich den Polenböller in deine Kapuze stecke
Die halbe Schule war querschnittsgelähmt von mei’n Nackenklatschern
Meine Hausaufgaben mussten irgendwelche deutschen Spasten machen
Gee Futuristic ich krieg Durchfall von die Bässe
Ich ramm die Messerklinge in die Journalistenfresse
Bullen hör’n mein Handy ab (spricht er jetzt von Koks)
Ich habe fünfzig Wörter für Schnee, wie Eskimos
Trete deiner Frau in den Bauch, fresse die Fehlgeburt
Für meine Taten werd ich wiedergebor’n als Regenwurm
Sei mein Gast, nimm ein Glas von mei’m Urin und entspann dich
Zwei Huren in jedem Arm mit Trisomie einundzwanzig
Ich war in der Schule und habe nix gelernt
Doch heute habe ich eien Affen und ein Pferd
Ein Pferd und einen Affen
Ein Pferd und einen Affen
Ratatatatat wer will was machen
Ich war in der Schule und habe nix gelernt
Doch heute habe ich eien Affen und ein Pferd
Ein Pferd und einen Affen
Ein Pferd und einen Affen
Ratatatatat wer will was machen
Ich reite durch die Stadt mit mei’m Affen an der Leine
Hab ‘ne Kiste voller Gold und mach es regnen auf euch Schweine
Ist eine Frau nicht nackt, dann beschmeiss ich sie mit Scheine
Macht sie sich dann nackt, dann beschmeiss ich sie mit Steine
Ich schwänz die Schule, weil die Straße meine Mami war
Bitch ich bezahl Urlaub nach Taka-Tuka-Land und Zanzibar
Wenn wir wieder da sind, Vierer mit Tommi und Annika
Vom Speed sieht uns’re Pisse, mittlerweile aus wie Sangria
Eva Herman sieht mich, denkt sich, was’n Deutscher
Und ich gebe ihr von hinten, wie ein Staffelläufer
Ich fick sie grün und blau, wie mein kunterbuntes Haus
Nich alles was man oben reinsteckt kommt unten wieder raus
Ich war in der Schule und habe nix gelernt
Doch heute habe ich eien Affen und ein Pferd
Ein Pferd und einen Affen
Ein Pferd und einen Affen
Ratatatatat wer will was machen
Ich war in der Schule und habe nix gelernt
Doch heute habe ich eien Affen und ein Pferd
Ein Pferd und einen Affen
Ein Pferd und einen Affen
Ratatatatat wer will was machen
Ich rasiere mein Äffchen und lass es anschaffen
Tret so lange auf dein Kopf bis vier und drei acht machen
Die Missgeburt vom Jugendamt wird sich eine Kugel fangen
Meine Eltern sind seit neun Jahren im Urlaub, Mann
Durch meine Nasenlöcher seh ich mein Hirn
Und führe Selbstgespräche um den BND zu verwirr’n
Wir sind Taka-Tuka Ultras, scheißen auf Disneyland
Ich trag die Nike Shox mit eingenähter Kinderhand
In der Schule hatte ich eine eins im Tiere quäl’n
Nach meinem Uppercut kannst du dein Arsch ohne Spiegel seh’n
Ich hoff, dass ihr bald alle abhaut in die Staaten
Zum Geburtstag wünsche ich mir, dass ihr aufhört zu atmen
Ich war in der Schule und habe nix gelernt
Doch heute habe ich eien Affen und ein Pferd
Ein Pferd und einen Affen
Ein Pferd und einen Affen
Ratatatatat wer will was machen
Ich war in der Schule und habe nix gelernt
Doch heute habe ich eien Affen und ein Pferd
Ein Pferd und einen Affen
Ein Pferd und einen Affen
Ratatatatat wer will was machen
Songwriter: Gerrit Wessendorf / Kevin Thomas / Maxim Druener / Nico Seyfrid / Tarek Ebene
Songtext von Ein Affe und ein Pferd © Budde Music Publishing GmbH


***
Man tut diesen Text, nachdem er viele entsetzt hat, nun als „Satire“ ab und profitiert davon, dass es in der Literaturwissenschaft angeblich keine eindeutige, eingrenzende Definition von „Satire“ gibt. Dabei ist Satire nicht etwas Grenzenloses, eine vorhandene literarische Diskussion über deren Merkmale lässt nicht alles zu, und vor allem ist nicht jeder Klospruch und nicht jeder vulgäre, hasserfüllte Ausfall eine Satire. Ganz so einfach sollte man es sich nicht machen.
Wer diesen Text als das nimmt, was er aussagt, hat — wenn es nach dem betulichen Statement vieler Mainstreammedien geht — etwas ganz Wesentliches nicht verstanden.
Fein: Aber liebe Leser, kommt bitte in der Realität an! Mit dieser Nutzung des Begriffs Satire für ungeklärte und objektiv unkenntliche Zwecke sollte man sich über Leute, die den „Hitlergruß“ oder vielleicht einfach nur einen Gruß mit erhobenem Arm wie die Fans von K.I.Z. ebenso wie der angebliche „rechte Mob“ machen, auch nicht mehr aufregen, denn auch sie könnten vielleicht aus rein satirischen Gründen diese Geste machen. Warum im einen Fall bräsig und verbissen ernst, im anderen Fall dagegen für jeden braunen Dreck offen, solange er sich als Satire der Bräune ausgibt!? 
Das Niveau der „literarischen“ Debatte ist bereits im freien Fall ins Bodenlose. Und dies forciert diesmal nicht die schimärische „Rechte“, sondern die Community spießiger Schönredner alles dessen, was so tut, als gehe es „gegen rechts“. Man agitiert mit braunen Methoden „gegen rechts“ und realisiert es nicht mehr — oder etwa doch?
Stell Deinen Äußerungen voran, Du setztest ein Zeichen „gegen rechts“, was immer das sein soll, baue ein paar Stichworte ein, und schon kannst Du sagen und machen, was Du willst. Ich fühle mich an diese Straßengangs erinnert, die jemanden halbtot prügeln und sein Weinen mit der zynischen Frage beantworten: „Hast du was, was gibt’s hier zu plärren — wir haben Dich nur gestreichelt!“ oder diese Vergewaltiger, die der verstörten Frau sagen: „Das wolltest du doch, durchgevögelt werden, du Schlampe!“ Auch das ist selbstverständlich durch die Satire gedeckt, vorausgesetzt, die Gang war nicht „rechts“.
Wer irgendwann einmal ein Germanistikstudium durchlaufen hat, reibt sich die Augen. Okay, es gibt keine zwingende Definition von „Satire“, aber Merkmal Nummer 1 einer Satire muss stets sein, dass sie so geschrieben ist, dass sie eindeutig und unzweifelhaft als Satire erkennbar ist — wie anders sollte man sie sonst von Hetze, Verleumdung und „Hatespeech“ abgrenzen können? Die Verspottung des Schocks beim Hörer mit der Straßengangbemerkung „Was willst du, hast du was?“ ist mehr als zynisch. Denn Sprache verletzt ebenso wie ein Faustschlag, und ich habe das Recht, nicht jede Zotigkeit, jeden verbalen Hassausbruch und jede Entgleisung als legitim hinzunehmen. Und ich lasse mich nicht damit erpressen, dass es doch „gegen rechts“ geht und deshalb eine „gute Sache“ sein muss. Meine Welt ist differenzierter, und meine Erfahrungen sind oft schon verstörend gewesen. Die Schwarzweißwelt des ewigen Spießers bildet nicht die Realität ab, die ich kenne. Dabei ist es nicht wichtig, ob der Spießer sich selbst auf der weißen oder schwarzen Seite verortet, sondern dass er überhaupt ein solches Bild als „real“ annimmt. Wir bewegen uns leider seit einigen Jahren öffentlich fast nur noch auf einem solchen Niveau des „ewigen Spießers“ und werden von Spießern regiert. Ob eine Sache gut ist, entscheidet sich nicht daran, ob sie vorgibt, „gegen rechts“ zu sein, sondern aus sich selbst heraus.
Wer Bücher verbrennt, verbrennt auch Menschen, sagte man zu recht. Aber wer verbal Menschen ermordet, „grün und blau fickt“, „Fehlgeburten frisst“, „Messer in Journalistenfressen rammt“ und Sarrazin den Tod wünscht, wie das in diesem Text ausgesprochen wird, hat die Hemmschwelle für diese Dinge weit herabgesetzt. Diese Regel gilt nicht nur dann, wenn „rechte“ Gewaltsprüche herausgeschrien werden, sondern auch dann, wenn sie angeblich „gegen rechts“ sind. Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass ein Teil der Personen, die solche Lieder grölen, sobald man sie in Kriegen und Folterkammern loslässt, auch solche Taten begehen. Oder nicht heimlich schon zuvor. Ein psychisch gesunder bzw ethisch gefestigter Mensch hat einen natürlichen Abscheu davor, solche Texte auswendig zu lernen oder auszusprechen. Nicht umsonst stellte Jesus fest: „Wer seinen Bruder als Narren bezeichnet, hat ihn getötet!“ Der unkritisch und ungefilterte, unreflektiert herausgekotzte Gedanke befreit nicht von der möglichen Tat, wie heute viele meinen, sondern geht ihr zwingend voraus.
Man muss sich also als ethisches Wesen vor sprachlichen Abgründen hüten, auch dann, wenn man sich in einer Satire ergeht. Die Geister, die man so ruft, wird man nie mehr los. Und das gilt für rechts wie links und was auch immer.
Schiller stellte die Satire (als Klage über einen Mangel an Natürlichem) der Elegie (als Lob des Natürlichen) gegenüber (Über naive und sentimentalische Dichtung). Schiller stellt das Nicht-Geniale, Dümmliche oder auch literarisch Dumpfe als geschmacklos und Grenzen nicht (an-)erkennend dar:

„Naiv muß jedes wahre Genie sein, oder es ist keines. Seine Naivetät allein macht es zum Genie, und was es im Intellektuellen und Aesthetischen ist, kann es im Moralischen nicht verleugnen. Unbekannt mit den Regeln, den Krücken der Schwachheit und den Zuchtmeistern der Verkehrtheit, bloß von der Natur oder dem Instinkt, seinem schützenden Engel, geleitet, geht es ruhig und sicher durch alle Schlingen des falschen Geschmackes, in welchen, wenn es nicht so klug ist, sie schon von weitem zu vermeiden, das Nichtgenie unausbleiblich verstrickt wird.“

Oder:

„Dadurch allein legitimiert es sich als Genie, daß es durch Einfalt über die verwickelte Kunst triumphiert. Es verfährt nicht nach erkannten Principien, sondern nach Einfällen und Gefühlen; aber seine Einfälle sind Eingebungen eines Gottes (alles, was die gesunde Natur thut, ist göttlich), seine Gefühle sind Gesetze für alle Zeiten und für alle Geschlechter der Menschen.
Den kindlichen Charakter, den das Genie in seinen Werken abdrückt, zeigt es auch in seinem Privatleben und in seinen Sitten. Es ist schamhaft, weil die Natur dies immer ist; aber es ist nicht decent, weil nur die Verderbniß decent ist.“

Wir kommen der Sache sehr nah. Das wirklich Geniale und Echte ist schamhaft, aber nicht dezent. Es wird deutlich, ohne ins Vulgäre, Pornografische und Sprachkriminelle abzustürzen. Würde diese Band K.I.Z. wirklich etwas von Satire verstehen, hätte sie sich anders geäußert. Von der sprachlichen Minderqualität dieses Textes will ich dabei gar nicht reden.
Man wird hier vielleicht einwenden wollen, dass aber doch behäbige Sehnsucht nach Harmonisierung fade und verlogen sei, auch gerade dann, wenn sie literarisch oder im Gewande sonstiger Künste daherkommt.
Dem stimme ich vorbehaltlos zu und verweise auf Schillers feine Unterscheidung zwischen Dezenz und Schamhaftigkeit. Ein echtes Genie und ein ethischer Charakter muss per se schamhaft sein, aber dies ohne falsche Rücksichten. Gerade Schiller verstand es, tief eindrückliche, herzzerreißende Szenen zu beschreiben, ohne dabei vulgär oder schamlos zu werden. Der wahre Dichter wird das Bodenlose und Kriminelle immer in seiner Tragik kenntlich machen und sich weder moralisierend drüber stellen noch sich dessen Duktus so weit zu eigen machen, dass er davon nicht mehr unterscheidbar ist. Ein wahrer Dichter wird die Gratwanderung zwischen Dr. Jekyll und Mr. Hyde gewinnen, der Stümper dagegen wird eines Tages aus der Rolle des Mr. Hyde nicht mehr herauskommen. Und ich fürchte, genau dies ist dieser Band K.I.Z. und der gesamten hysterischen Szenerie „gegen rechts“ anzulasten.
Man wird sagen: ja, aber das liegt doch im Auge des Betrachters, und gerade Schiller polemisierte doch gegen all jene Biedermänner, die vor notwendiger Deutlichkeit zurückwichen und einem falschen Begriff des Natürlichen und Harmonischen frönten.
Gewiss, ganz gewiss!
Aber nicht jeder verbale Ausfall kann sich damit rechtfertigen. Es geht um eine unverhohlene literarische Aufnahme der Wirklichkeiten, aber sie kann, solange es sich um Literatur handelt, nicht ausfallend, geschmacklos oder — im wahrsten Sinne des Wortes — zweideutig werden und den Leser im Unklaren über ihr Ziel lassen. Solche Bands samt der inszenierten, bis zum Erbrechen selbstgerechten „Gegen-rechts-Community“ sind doch gerade das, was Schiller so verortet (!): tugendlose, veräußerlichte, gut abgerichtete Marionetten einer pathetischen, moralistischen Verführung (im Unterschied zu reflektierten Kritikern!). Schiller gibt solchen behäbig Klagenden, in diesem Falle wären es also unsere #wirsindmehr-Agitatoren — mit auf den Weg:

„Sorge vielmehr dafür, daß du selbst unter jenen Befleckungen rein, unter jener Knechtschaft frei, unter jenem launischen Wechsel beständig, unter jener Anarchie gesetzmäßig handelst. Fürchte dich nicht vor der Verwirrung außer dir, aber vor der Verwirrung in dir; strebe nach Einheit, aber suche sie nicht in der Einförmigkeit; strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand deiner Thätigkeit. Jene Natur, die du dem Vernunftlosen beneidest, ist keiner Achtung, keiner Sehnsucht werth. Sie liegt hinter dir, sie muß ewig hinter dir liegen. Verlassen von der Leiter, die dich trug, bleibt dir jetzt keine andere Wahl mehr, als mit freiem Bewußtsein und Willen das Gesetz zu ergreifen oder rettungslos in eine bodenlose Tiefe zu fallen.“

Übertragen auf K.I.Z. heißt das: diese Band will angeblich etwas anprangern, bleibt aber selbst von der Befleckung, die sie förmlich herausspeit, keineswegs frei, denn sie macht sich vollständig mit ihr gemein. Es ist ein Stockholm-Syndrom auf höherem Level: man hasst (wenn es denn überhaupt so ist!) seine Peiniger und verfällt doch mit innerer Zustimmung deren vergewaltigendem Geist und gebiert ihnen zahlreiche Kinder.
K.I.Z. tut genau das, was Schiller als einen Fall „in eine bodenlose Tiefe“ nennt, denn diese Band ergreift nicht mit „freiem Willen das Gesetz“, sondern stellt sich ausdrücklich und freiwillig dazu in äußerste Ferne. Im besten Fall kann man diesen Text als eine Art kitschig-morbide Blutrache ansehen.
Doch halt! wird mir jemand, der auch Schiller gelesen hat, entgegenhalten, das berücksichtigt aber doch auch Schiller, indem er sagt:

„Die Dichter sind überall, schon ihrem Begriffe nach, die Bewahrer der Natur. Wo sie dieses nicht ganz mehr sein können und schon in sich selbst den zerstörenden Einfluß willkürlicher und künstlicher Formen erfahren oder doch mit demselben zu kämpfen gehabt haben, da werden sie als die Zeugen und als die Rächer der Natur auftreten. Sie werden also entweder die Natur sein, oder sie werden die verlorene suchen.“

Den spröden Sucher und „Rächer“ beschreibt Schiller wie die jungfräuliche Göttin Diana in den Wäldern, die seltsam unempfindlich und — sagen wir es postmodern — so gar nicht kuschelig, gar nicht willfährig und eben nicht auf ihre möglichst öffentlich bewiesene Entjungferung bedacht ist, weil sie meint, nur dann sei sie echte Frau, sondern unnahbar und tief hinter einer uneinnehmbaren äußeren Schale verborgen.
Aber gerade Diana wird niemals vulgär, verliert nie die Scham, denn die erhabene, nicht preisgegebene Jungfräulichkeit rettet sie vor dem Fall ins Bodenlose, vor dem Fall in die Abhängigkeit politischer Zuhälter. Ich musste bei dem Text der Band spontan an all jene politisch wirksamen Sekten denken, die die Perversion des Guten zum göttlichen Mysterium auf dem Weg in eine messianische Wirklichkeit propagieren (etwa bei der Zelebration der Verbrennung des „Mitgefühls“ im Bohemian Grove, an dem die Eliten der westlichen Welt teilnehmen). Mir standen die tatsächlich geschundenen und „grün und blau gefickten“ Jugendlichen und Kinder etwa vor Augen, die unter größter Scheinheiligkeit und Vorschützung guter Zwecke fürs Leben gezeichnet werden. Diese Mischung aus moralischem Getue und dem Auskotzen solcher Gedanken und Taten sollte jeden stutzig machen: Das alles ist kein Spiel! Was empfindet einer, der „grün und blau gefickt“ wurde gegen seinen Willen, wenn er solche „Lieder gegen rechts“ hört? Bevor man sich ereifert über „rechte“ Menschenjagden, die bisher nicht bewiesen wurden, sollte man all jene beweinen, die wirklich nach einem Tritt in den „Bauch deiner Frau“ zur „Fehlgeburt“ und „gefressen“ wurden — das ist bitterste politische Realität, zu der einer Frau Merkel nichts einfällt. Die Vorgänge auf der Kölner Domplatte erinnern immerhin an solche Szenarien — nicht anders als die sexuellen Übergriffe katholischer Geistlicher auf Kinder und Frauen. Macht eine solche Band in moralischer Hinsicht wirklich etwas anderes? Oder verschanzt sie sich in einer Dialektik, die wie in einem Spiegelkabinett Opfer zu Tätern macht und umgekehrt und am Ende alles zu Tätern nivelliert, die sich gegenseitig kein Auge mehr aushacken? Ich habe längst den Eindruck, dass ein beträchtlicher Teil des Volkes das Gefühl hat, von einer solchen Meute unserer zum Liktorenbündel zusammengeschlossenen Eliten für etwas angegriffen zu werden, was diese Meute sich selbst zugesteht und öffentlich zelebriert, ohne dass noch irgendeiner sie dafür zur Rechenschaft ziehen könnte. Die „Rechten“ sind so zur Projektionsfläche des eigenen Abgrundes, bei vielen vielleicht sogar des eigenen Unbewussten geworden. Natürlich stellt sich die Frage, wem eine solche Musik mit solchen Texten dient und ob sie Auftraggeber hat. Vor allem, wenn ausgerechnet ein solcher Schund in Chemnitz aufgefahren wird im Interesse der Regierung, großzügig unterstützt von globalen Großkonzernen, die sinnigerweise ein braunes Zaubergetränk erfunden haben, das es nun als Freibier“ gibt, ironischerweise „braune Soße“ also „gegen rechts“, stellen sich Fragen.
Doch was, frage ich Dich, lieber Leser, um wieder auf Schiller zu kommen, liegt wohl an Suche nach verlorener Natur in diesem Text verborgen, den die Band mitsamt ihren grölenden Fans in Chemnitz „gegen rechts“ förmlich „herausgerotzt“ hat, verborgen? Es wäre eine Umfrage wert unter denen, die im Publikum diesen Text auswendig skandiert haben… Ob da wohl einer für die verlorene natürliche Harmonie eine Lanze brechen würde oder gar mit diesem idealen Begriff überhaupt etwas anfangen kann? Objektiv jedenfalls kommt die Sehnsucht nach einer solchen Harmonie nicht zum Ausdruck. Das Literarische ist jedoch keine Projektionsfläche für die Assoziationen dumpfer Willkür und Verlogenheit. Gerade dafür ist es ungeeignet. Ich kann immer nur mit dem umgehen, was gesagt wurde und mit den Mitteln, die gewählt wurden. Es gibt auch Leute, die ins Horst-Wessel-Lied sakrale Andacht projizieren. Man muss auf dem Teppich bleiben und die Vernunft nicht auslöschen! Der Hang der Zeitgenossen zum Ungefähren und Fabulierten nimmt täglich zu.
Doch was schreibt Schiller über die „Satire“?

„Satirisch ist der Dichter, wenn er die Entfernung von der Natur und den Widerspruch der Wirklichkeit mit dem Ideale (in der Wirkung auf das Gemüth kommt Beides auf Eins hinaus) zu seinem Gegenstande macht. Dies kann er aber sowohl ernsthaft und mit Affekt, als scherzhaft und mit Heiterkeit ausführen, je nachdem er entweder im Gebiete des Willens oder im Gebiete des Verstandes verweilt. Jenes geschieht durch die strafende oder pathetische, dieses durch die scherzhafte Satire.“

Erneut frage ich: Was ist in dem Text von K.I.Z. das „Ideale“? Wenn etwa eine Hassphantasie die Vergewaltigung Eva Hermans imaginiert, dann mag man nicht glauben, dass dies im Kontrast zu — ja, zu was eigentlich genau? — stehen soll. Eva Herman ist beliebtes Hassobjekt der Mainstreammedien und vor allem „Linken“ und gilt als „rechts“ (ob sie es ist, steht auf einem ganz anderen Blatt!). Ob auf einer Großveranstaltung „gegen rechts“ das „Grün- und Blauficken“ der angeblich „rechten“ Journalistin lediglich ironisch gemeint ist?! Das mag glauben, wer will — aber naheliegend ist es wahrlich nicht! Läge hier wirklich eine Satire vor, müsste das, was als Verlust angeprangert werden soll, deutlich erkennbar sein. Auch dann, wenn es nicht direkt ausgesprochen wird — es müsste klar und deutlich evoziert werden! Ist es aber nicht! Verlust aller guten Geister wird hier nicht angeprangert, sondern gefeiert!
Die Band K.I.Z. ist schlicht und einfach literarisch auf unterstem Niveau und sumpft sprachlich im Kriminellen. So oder so. Ob sie nun der Gewalt frönt oder das Leid an der Gewalt in der postmodernen Welt missglückt, unfreiwillig feiernd, beklagen sollte. Warum ausgerechnet solche Tiefschläge des „Kulturlebens“, sofern man davon hier überhaupt ernsthaft reden kann, auf eine politisch gewollte und inszenierte, von Firmen wie Coca Cola und Flixbus aufwändig unterstützt, aufgefahren werden, um wieder mal die durch unsere Regierung verordnete, propagandistische „Flagge gegen rechts“ zu schwenken, kann ich nur als insgeheimen Wunsch, rechtsradikales geistiges Niveau dialektisch auf dem Weg der verdammenden Hofierung salonfähig zu machen, auffassen. Sagen wir es doch ungeschminkt: was diese Band sprachlich absondert, ist auf dem klassischen rechtsradikalen Niveau und trägt dessen Duktus. Und nichts anderes, basta!
Hören wir noch einmal Schiller:

„In der Satire wird die Wirklichkeit als Mangel dem Ideal als der höchsten Realität gegenüber gestellt. Es ist übrigens gar nicht nöthig, daß das Letztere ausgesprochen werde, wenn der Dichter es nur im Gemüth zu erwecken weiß; dies muß er aber schlechterdings, oder er wird gar nicht poetisch wirken. Die Wirklichkeit ist also hier ein nothwendiges Objekt der Abneigung; aber, worauf hier alles ankömmt, diese Abneigung selbst muß wieder nothwendig aus dem entgegenstehenden Ideal entspringen. Sie könnte nämlich auch eine bloß sinnliche Quelle haben und lediglich in Bedürfniß gegründet sein, mit welchem die Wirklichkeit streitet; und häufig genug glauben wir einen moralischen Unwillen über die Welt zu empfinden, wenn uns bloß der Widerstreit derselben mit unserer Neigung erbittert.“

Was wird wohl im Gemüt derjenigen erweckt, die solche brutalen und hasserfüllten Texte skandieren, brüllen, grölen? Mit Frei-Cola durch einen Milliardenkonzern aus den USA und Freifahrscheinen durch ein Busunternehmen aus München in der Hand wird die nach Chemnitz mit allen Mitteln beförderte „Wirsindmehr“-Masse, die ohne diese Antriebshilfen wohl kaum angereist wäre, und sich brav, in aller staatshörigen Spießigkeit „zusammengerottet“ hat (um den braunen Jargon unserer Regierung gegen die trauernden Chemnitzer mal an der Stelle anzubringen, wo er nicht weniger angebracht wäre), wird der Hass, die Polarisierung zwischen angeblichen „Rechten“ und selbsternannten „guten“ Mitte-Linken angeheizt.
Warum werden so viele nicht mehr stutzig, wenn eine sichtlich autokratische Regierung dem Volk sagt, wen es als politische Gefahr anzusehen hat und wen nicht? Und diese Frage muss auch dann gestellt werden, wenn die als gefährlich dargestellten Bewegungen tatsächlich gefährlich sein sollten. Gefährlich ist vielmehr eine politische Macht, die angibt, von wem man sich fernzuhalten habe, ganz einfach weil sie objektiv an der Macht ist und objektiv Macht hat, die verhetzte Seite dagegen nicht oder in weitaus geringerem Maß. Als inzwischen etwas Ältere erinnere ich mich dabei immer an die bestellten und bezahlten „antifaschistischen Demonstrationen“, die die maoistische Regierung Chinas regelmäßig durch die Straßen Pekings und anderer großer Städte paradieren ließ… Die Sache war für jeden Außenstehenden lächerlich, für die Zelebranten dagegen ein kitschig-heiliger Ernst. Ist es jetzt wirklich ein anderes Szenario?
Ja: was wird im Gemüt derjenigen erweckt, die solche brutalen Texte grölen, denen eben nicht „schlechterdings das Ideal der höchsten Realität entspringt“?!

Ich wünschte, wir hätten eine lautstarke künstlerische Szene, die sich kritisch mit den derzeitigen Zuständen im Land auseinandersetzt, dies aber nicht „gegen rechts“, sondern schlicht und einfach, um es mit Schiller zu sagen: in aller „Naivetät“ vernünftig und unverstellt, ohne diese Barrieren im Kopf, die uns sofort abchecken lässt, ob das, was wir „echt“ empfinden, nicht womöglich für rechts oder links gehalten werden und uns schaden könnte.
Das Schlimmste in diesem Land ist derzeit, dass jede wirklich freie Meinungsäußerung sich aus dem einen oder anderen Grund kein Gehör mehr verschaffen kann. Entweder wird es sofort als „rechts“ oder „links“ verhetzt, oder man ist schlicht unfähig geworden, Sprache auf einem komplexen Niveau zu verstehen und einem anderen in aller Gelassenheit erst einmal zuzuhören und nicht nur, wie es die Geheimdienste tun, die Rede eines anderen nach den Stichworten durchzuscannen, anhand derer man ihn sofort in die Ecke gefährlicher „Nazis“ oder „linker Gewalttäter“ drängen kann.

Die Hysterisierung unseres Landes müsste, wenn wir uns noch retten wollen, sofort aufhören, und die Vernunft müsste mit ihrem Tross an Schamhaftigkeit, Deutlichkeit, Klarheit, Tugendhaftigkeit (in einem philosophischen Sinne!), Freiheit und Tapferkeit, aber auch Menschenliebe und Respekt vor dem Feind oder dem für einen Feind Gehaltenen einziehen auf unseren Straßen und Gehirnwindungen und vor allem in unsere Herzen. Ich gebe es offen zu: mir scheint, dass es zu spät ist.
Bands wie K.I.Z. schüren den hysterischen Geist, aber nichts brauchen wir gerade jetzt mehr als Besonnenheit und Ehrlichkeit. Nichts kann einen aufrechten Menschen mehr erschüttern als der dümmlich-dreiste Auftritt eines Herr Seibert im Auftrage einer Regierungschefin, die autokratisch handelt und sich dem Volk nicht mehr stellt. Wir wissen alle, dass das nicht mehr lange gut geht und derzeit alle Chancen, die Lage vernünftig auszugleichen, systematisch verspielt werden. Ich habe die Befürchtung, dass dies absichtlich geschieht, denn andernfalls müsste ich die Akteure für hoffnungslos verblödet, abgehoben oder sogar geisteskrank halten. Um die tragischen Akteure einigermaßen zu ehren, muss ich eher Politstrategie annehmen. Und nach den vielen Merkwürdigkeiten, die uns zeigten, wie die Geheimdienste selber massiv verstrickt sind in die rechtsradikale Szene (NSU-Prozesse, NPD-Personaldecke) und sogar den Islamismus (Anis Amri war als V-Mann im Gespräch, die Ungereimtheiten des Berliner Attentats werden vielfach in der alternativen Szene analysiert etc.), vermutlich auch den Linksradikalismus, muss man ohnehin sehr vorsichtig sein mit einer Lagebeurteilung in Chemnitz. Eines nur ist sicher: die Bevölkerung ist unschuldig und macht sich einfach nur Sorgen, wie es jeder seelisch gesunde Mensch, der Mitgefühl und Angst hat, empfindet! Dafür muss sich niemand verhetzen lassen und erst recht nicht rechtfertigen!

Allen vor allem durch Berlin selbst geschürten Grabenkriegen entgegen möchte ich daran erinnern, dass der Ausgangspunkt der Chemnitzer Unruhe nicht rechte Gewalt oder dergleichen war, sondern ein grausamer Mord an einen Mann, der selbst Migrationshintergrund hatte und über dessen brutale Auslöschung viele, sehr viele Chemnitzer zutiefst erschüttert sind. Dass unsere Regierung es allem Anschein nach wieder einmal schaffte, aus dieser zutiefst menschlichen Regung über eine Straftat, die mutmaßlich eben nicht von „Rechten“, sondern von arabischen Illegalen begangen wurde (was aber wie alle Attentate der letzten Jahre erst noch genau zu prüfen wäre, was man uns leider schuldig bleibt…), einen ihrer propagandistischen Präzedenzfälle zu schaffen, widert mich als Bürgerin dieses Landes an. Mäßigender Einfluss wäre hier, wenn es mit rechten Dingen zugehen würde, angebracht gewesen, Einfühlsamkeit und ein offener Diskurs. Es ist immerhin zu loben, dass der Ministerpräsident Sachsens ebenso wie der Verfassungsschutzpräsident Maaßen die pauschale Hetze und die Lügen, die seitens der Regierung über Chemnitz und seine erschütterte Bevölkerung verbreitet wurden, dementiert haben. Maaßens hatte in der BILD gesagt: "Es liegen dem Verfassungsschutz keine belastbaren Informationen darüber vor, dass solche Hetzjagden stattgefunden haben." Das ist ein klarer Satz! Man ist sich in den Mainstreammedien und bei den einschlägigen „Gegenrechts“-Schreiern wie Ralf Stegner natürlich einig: Damit spielt der Herr Maaßen „den Rechten“ in die Hände. Was aber, wenn das, was er sagt, ausnahmsweise mal die Wahrheit sein sollte? Die Wahrheit interessiert diese Hetzer allerdings niemals, wehe der Wahrheit, die die albernen Kulissen des schönen Antirechtsbühnenbildes aufschieben könnte! „Wahrheit“ ist, wenn es nach Stegner und Co gehen sollte, faktisch zur „Hatespreech“ geworden. Weitere Argumente in der Sache fehlen stets. Man zeigt uns dickleibige, glatzköpfige Demonstranten, die irgendwo auf einer Straße gehen, und schreibt drunter: Ausschreitungen bei der Pro-Chemnitz-Veranstaltung am 27. August“ (Tagesspiegel https://www.tagesspiegel.de/politik/chemnitz-wie-maassen-und-kretschmer-hass-und-hetze-relativieren/23008364.html ).
Mit Verlaub: Ich sehe da keine „Ausschreitung“, sondern nur vulgäre Typen marschieren — darf man das nicht mehr oder nur dann, wenn man stonewashed-links oder mittig oder behauptet nicht-rechts ist? Und wer sagt mir, wer da wirklich marschiert? Das können auch verkleidete V-Männer sein. Sie dürfen sich ja per Gesetz inzwischen „szenetypisch“ verhalten. Jeder einigermaßen nüchterne Bürger hat inzwischen innere Distanz und weiß genau, dass all diese Bilderfluten, die man uns als „Beweise“ zeigt, auch Theaterbilder sein können. Mit Recht galten sie vor Gericht niemals als echte Beweismittel. Bilder stehen in ihrem Wert noch unter gekauften Zeugen. Faktum aber ist, dass auf dem besagten Bild einfach nur ein paar unsympatische Männer gehen

Mit der Wahrheit also, denn was der Herr Claaßen sagt, könnte immerhin die Wahrheit sein, auch wenn sie nicht ins hysterische „Weltbild gegen rechts“ passt, „spielt man den Rechten in die Hände“? Im Klartext: diese Medien würden lügen, um den Rechten, diesem Pappkameraden der Hysterie, ans Bein zu treten, ja noch schlimmer: um eine angebliche so riesige rechte Szene weiterhin beschwören zu können, auch dann, wenn es sie in der Monstergröße wirklich gar nicht gibt?!? Ich muss immer an einen Neuaufguss der McCarthy-Ära denken. Wir erleben derzeit eine „second brown scare“…wie damals regierungsgeschürt… Und für dieses wahnhafte, hysterische Ziel, opfert man gerne auch mal den Ruf einer ganzen Stadtbevölkerung? Dass irgendwelche Schreiberlinge und Propagandisten in eigener Sache irgendwelche Urteile in die Welt hinauskrakeelen — so what, es herrscht Meinungsfreiheit, kein Problem.
Dass aber die, die uns regieren, jede Besonnenheit vermissen lassen und nicht sorgsam prüfen, bevor sie Beschuldigungen und Verurteilungen ganzer Bevölkerungsteile zum Amüsement der restlichen, noch halbwegs vernünftig gebliebenen Welt herausposaunen, selbstverständlich mit dem Pathos des Saubermanns — das erfüllt inzwischen den Tatbestand nicht nur womöglich der Volksverhetzung seitens der Regierung, was zu prüfen wäre in besseren Tagen, sondern vor allem des astreinen Politkitsches. Saul Friedländer hat einst den engen Zusammenhang zwischen Kitsch und Tod als einem „wollüstig hinreißenden Phänomen unserer Zeit“ herausgearbeitet. Was derzeit in diesem Lande seitens der Eliten geschieht, ähnelt diesem Kitsch stilistisch: man suhlt sich in einem vermeintlich gerechten Kampf gegen einen Gegner, den man selbst geschaffen hat. Der ostdeutsche „rechte Mob“ ist die Tontaube unserer Eliten. Seit meiner Kindheit in den 60ern und 70ern höre ich mir das hysterische und wachsende Gegröle „gegen rechts“ an. Es sind Jahrzehnte vergangen, aber das, was unser Land zerstört, ist nicht „rechts“, sondern kommt aus den Verstrickungen unserer Regierungen, seien sie konservativ, liberal oder sozialdemokratisch oder grün („rechte“ Regierungen hatten wir glücklicherweise nicht!) in den militärisch-industriellen Komplex, der uns interessanterweise durch „antifaschistisch“ herumheulende Grüne wie der seinerzeitige Außenminister Fischer dazu gedrängt hat, inzwischen wieder munter illegale Kriege zu führen. Wer sind die wahren „Rechten“? Auch Ursula von der Leyen, wenn mal wieder ein riesiger Waffendeal in den Orient verhandelt wird?

Dieser ganze mediale Blödsinn „gegen rechts“ ist reinster Kitsch und bedeutet „gegen die Bevölkerung und ihre authentischen Äußerungen“ — mehr nicht. Was wirklich „rechts“ ist, unterfliegt das Radar des manipulierten Bewusstseins. Und genau so kommt es auch, dass unterirdische Texte wie die der Band K.I.Z. als leuchtende Vorbilder angeblich doch ganz eindeutiger und selbstredend auch gelungener Satire nicht als das erkannt werden, was sie sind: geistige Brandstiftung. Aber der deutsche Saubermann, beflissen „gegen rechts“, hat gelernt, dass er sofort seinen Seitenscheitel nachziehen und Bekenntnisse abgeben muss, wenn ihm aus dem Off souffliert wird, dass er jetzt „den Rechten nicht in die Hände spielen darf“.
Ich komme noch einmal zurück zu Schiller. Er spricht deutlich davon, dass nicht alles, was von sich behauptet, es sei Satire, auch wirklich Satire ist. Er weist darauf hin, dass Scheinsatire eine „rein sinnliche Quelle“ haben kann, ein „rein materielles Interesse“, aus dem natürlich auch nichts Besseres fließt, als das, was da herausgerotzt wird:

„Dieses materielle Interesse ist es, was der gemeine Satiriker ins Spiel bringt, und weil es ihm auf diesem Wege gar nicht fehl schlägt, uns in Affekt zu versetzen, so glaubt er unser Herz in seiner Gewalt zu haben und im Pathetischen Meister zu sein.“

Das beschreibt sehr gut unsere Lage: man versucht, Gewalt über uns zu erlangen durch Scheinethik und Scheinsatire. Wie Schiller an anderer Stelle in seinem Text sagt, hat der „Zuchtmeister der Verkehrtheit“ es geschafft, das Terrain zu beherrschen, wo man die Poeten verdrängt und marginalisiert hat. Dass er allem wirklich Künstlerischen entgegensteht, versteht sich. Und auch von daher sollte es nicht wundern, dass ein solcher verbaler Schmutz nun als moralisches Hilfsmittel gegen was auch immer bemüht wird.

„Aber jedes Pathos aus dieser Quelle ist der Dichtkunst unwürdig, die uns nur durch Ideen rühren und nur durch die Vernunft zu unserm Herzen den Weg nehmen darf. Auch wird sich dieses unreine und materielle Pathos jederzeit durch ein Uebergewicht des Leidens und durch eine peinliche Befangenheit des Gemüths offenbaren, da im Gegentheil das wahrhaft poetische Pathos an einem Uebergewicht der Selbstthätigkeit und an einer, auch im Affekte noch bestehenden Gemüthsfreiheit zu erkennen ist.“

Hier aber, in unserem Fall, sabbert der Schmutz aus dem Schmutz über den Schmutz. Erhebend ist das nicht. Eine geistige Höhe ist weit und breit nicht erkennbar. Nur sie wäre in der Lage, echte Appelle an Frieden und Maß zu geben.

„Wenn uns der Geschichtsschreiber Tacitus den tiefsten Verfall der Römer des ersten Jahrhunderts schildert, so ist es ein hoher Geist, der auf das Niedrige herabblicke, und unsere Stimmung ist wahrhaft poetisch, weil nur die Höhe, worauf er selbst steht und zu der er uns zu erheben wußte, seinen Gegenstand niedrig machte.“

Wir werden zu nichts erhoben von dieser Regierung und den „Künstlern“ ihrer Wahl, sondern wir werden frustriert und zu Zynikern erzogen von diesem morbiden Staat und seinen Zombies an der Spitze. Angesichts suggerierter „Nazis“, „gegen“ die man grölt, macht man uns mental zu Nazis. D.h.: mich nicht. Ich mache das nicht mit. Ich werde niemals zum rotbraunen, regierungskonformen Nazi, nur um einer verkommenen Schicht an Autokraten zu beweisen, dass ich kein Nazi bin. Ich lehne jede Herrschaft anderer über mich ab auf dieser Welt, jede! Und ich lehne es ab, dass meine Mitmenschen beherrscht und ausgebeutet werden. Ich bin ein freier Mensch mit freien Gedanken, die ich mir nicht rauben lasse, auch nicht durch gewiefte Manipulationen und tägliche mediale Erpressungen.
Für die, die es immer noch nicht kapiert haben: Man sollte die unter die Lupe nehmen, die faktisch und zweifellos an der Macht sind, Herrschaft über uns ausüben und uns ohne unser Einverständnis in Kriege treiben, unser erwirtschaftetes Vermögen aufgrund ihres Gewaltmonopols verschleudern und zum Diebesgut machen und durch Waffenhandel skrupelloser Unternehmer und staatlicher Verkäuferinnen ganzen Völkern schaden und Millionen Menschen auf eine ungewisse, zynische Wanderschaft nötigen, nachdem sie ihnen ihre Heimaten zur Hölle gemacht haben — hier wäre echter Handlungsbedarf. Auf deren billige „Haltet-den-Dieb-Strategie“ sollte wirklich kein vernünftiger Bürger mehr hereinfallen.

Montag, 27. August 2018

Trinitätslehre auf dem Prüfstand - Brief IV an Trinitarier und Unitarier: Das "Geschwätz" der ersten Auferstehungszeuginnen



Das „Geschwätz“ der ersten Auferstehungszeuginnen

16 Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa, an den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte.
17 Und als sie ihn sahen, warfen sie sich vor ihm nieder; einige aber zweifelten.
18 Und Jesus trat zu ihnen und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.
19 Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie6 auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
20 und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters. (Mt 28)

Lieber Unitarier, lieber Trinitarier,

Die These meines letzten Briefes war, dass Gottesbild und Menschenbild unmittelbar zusammenhängen, dass die Verzeichnung des einen die Verzeichnung des anderen hervorruft. Ja — ich denke sogar: wer nicht glaubt, dass Gott ist, der verleugnet in einer ultimativen Konsequenz des Grauens den Menschen.
Doch halt! Auch der Gläubige kann sehr schnell mit einem gewalttätigen Gottesbild den Menschen entmenschen. Wir werfen dies derzeit dem Islam vor und sind blind dafür, dass wir es selbst auch tun und vor allem 2000 Jahre lang unter teilweise schauerlichsten Umständen getan haben. Uns ist nicht bewusst, wie tief wir an dem vorbeigehen, was uns Jesus hinterlassen hat!
Ich gehe deshalb dieser Spannung zwischen Gottesbild und Menschenbild, zwischen der Art, wie Gott mit uns umgeht und wie wir mit uns gegenseitig umgehen, noch ein bisschen nach und dies im Zusammenhang mit der Aussage Jesu, dass ihm alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben worden sei — „gegeben worden“, folglich hatte er sie zuvor nicht und kann sie zuvor nicht gehabt haben. Doch was heißt das? Ich behaupte, es liegen hier zwei Begriffe von „Macht“ vor:
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Sakrament und Macht

Der Abendmahlsstreit als Instrument globaler Herrschaft 
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Erinnert Ihr Euch? Jesus zeigte sich nach seiner Auferweckung zuerst Maria Magdalena und einigen anderen Frauen. Das ist in den Evangelien eindeutig und unzweifelhaft bezeugt, obgleich man sich in der Kirche angewöhnt hat, dies zu bezweifeln und hartnäckig an diesem Schriftbefund vorbei zu argumentieren. Diese biblische Tatsache ist wie eine zugefügte Wunde im Fleisch all jener, die darüber diskutieren, wie genau Gott ist und die Frau draußen haben wollen aus dieser Diskussion.
An der Tatsache der Erstzeugenschaft der Frauen zeigt sich, wie überraschend die Offenbarungen Gottes und seines Messias sind, wie fein, wie feurig und wie gerecht… und wie erhaben über alle unsere Vernunft und Vernünftelei.
Wer diese Evangelienberichte bezweifelt, landet erfahrungsgemäß schnell überhaupt bei einem Zweifel an einer realen Auferstehung, und das aus dem Zeugnis der Frauen herausgeschnittene, bleiche Auferstehungszeugnis des Simon, der es zuerst ja nicht glauben konnte, wie bezeugt wird, begründet nicht den Glauben an den zum Vater erhöhten Jesus Christus, auch nicht den an den Vater, sondern einfach nur den an die Kirche oder eine der zahlreichen „Gemeinden“ oder schließlich „die Bibel allein“ (als ob sie Gott wäre!) und ihre unheiligen Machtmänner, die sich ihre „Würde“ selbst zuschreiben, oder der Glaube bricht gleich ganz in sich zusammen.

Was völlig klar und ganz eindeutig, aber auch irgendwie fein verschlungen bezeugt ist, wurde verdunkelt, um vordergründig einen patriarchalen Vorrang als angeblich gottgewollt zu zurechtzubiegen, wo Jesus nun einmal anders entschieden hat, letztendlich aber geht es knallhart strategisch darum, den Machtanspruch des Papstes zu rechtfertigen. In der ganz frühen „Väter“-Literatur kann man gelegentlich ein Aufmerken über diese eigentümliche „Anlage“ der Zeugenschaft nach der Auferstehung finden, aber mit dem 4. Jh verstummt es. Alle Protestanten und katholischen und orthodoxen Dissidenten, die sich darüber etwas vormachen, seien also gewarnt: Wer nicht anerkennt, dass Jesus sich zuerst denen gezeigt hat, die nichts sind vor dieser Welt, muss in kauf nehmen, dass sich eine Hierarchie ausbildet, eine „heilige Rangordnung“, der er selbst unterworfen ist. Ich legte es bereits dar: Die Entwertung bzw „Unterwerfung“ der Frau dient nur einem einzigen Zweck: die ganze Menschheit in eine Hierarchie zu zwängen. Hierarchie ist immer Abgötterei, denn sie schreibt den Rangoberen wachsende ontologische Merkmale zu, erhebt sie also seinsmäßig über die Unterworfenen. Das kommt niemals von Gott! Vor allem dann nicht, wenn dieser Gott einem Menschen alle Macht im Himmel und auf Erden gab, dieser Mensch sich dies aber dadurch gewann, dass er auf alle Macht verzichtete und sich in der Hierarchie dieser Welt freiwillig an die unterste Stelle setzte und von ihr zertreten ließ. Er war nicht geschwächt von der Sünde, und so weckte Gott ihn auf und machte ihn neu, gab ihm einen neuen Leib, und was er in diesem neuen Leib tat, ist wegweisend für das Reich Gottes.
Man kann es nicht laut genug in die Welt rufen: Jesus hat damit diese Abgötterei der Herrschaft und der Hierarchie ein für allemal entlarvt in ihrer mörderischen Konsequenz und Sündhaftigkeit.
Dass die Christenheit das weitgehend niemals begriffen zu haben scheint und — im blanken Gegenteil — nun noch mehr Hierarchie installiert hat, als sie zuvor schon war, entlarvt sie als antichristlich.
Ich denke, wir müssen dieser Tatsache über uns und unsere Geschichte ins Auge sehen.

Indem Jesus sich denen zuerst zuwandte, die keinen Rang haben, die Outcasts sind, hob er jede wahre geistliche Möglichkeit einer erneuten Hierarchisierung, die alle Menschen beträfe, auf. In der echten Nachfolge Jesu kann es keinerlei Gewalt geben. Und „Hierarchie“ ohne Gewalt ergibt keinen Sinn. Überordnung hat nur einen einzigen Sinn auf Erden: Gewalt „nach unten“ hin.
Das machen sich die wenigsten bewusst, ist aber eine logische Folge der Gewaltlosigkeit. Das Auftreten Jesu erfolgte in einer großen Vollmacht, wie uns die Evangelien bezeugen, und er wirkte ohne irgendeine äußere Gewalt auf die Menschen. Physische und psychische Gewalt sind ihm so fern, wie es nicht ferner geht. Er überzeugte ohne Krieg, ohne Waffen, ohne PR, ohne Propaganda, ohne Mätzchen, ohne Intrigen und genau das ertrugen viele nicht. Das Volk lief ihm nach, weil es spürte, dass dieser Mensch in seiner ganzen Ohmacht Vollmacht hatte. Und es liefen ihm vor allem die Niederen nach und naturgemäß zahllose Frauen.
Dies wird durch zahlreiche zusätzliche, hierarchiekritische Aussagen seinerseits unterstützt, wie ich in vorigen Briefen zeigte. Vor allem aber kommt es in allem, was der Herr nach seiner Auferstehung sagte, sogar ganz massiv zum Ausdruck. Er wirkt völlig gewaltlos vollmächtig, durchschreitet seine von der Welt intendierte Vernichtung wie eine schmerzvolle und qualtreibende Pforte und sagt doch den denkwürdigen Satz:
Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.“
Er geht auf den wogenden Fluten, den Fluten, die in der Schrift Unordnung und Chaos symbolisieren. Er schwebt nicht darüber, sondern er geht im Fußkontakt darüber, nicht so, als wäre es nichts, aber so, dass dessen Gewalt, sobald er seinen Fuß draufstellt, als nichtig entlarvt wird.

Haben wir diesen Satz überhaupt schon verstanden?
Das sagt der, der zuvor in vollendetem Gehorsam auf jegliche irdische Gewalt verzichtete und dies auch weiterhin tut: er wird zum Vater erhöht und den Heiligen Geist, der vom Vater ausgeht, senden.
Was aber soll das heißen, dass ihm „alle Macht“ gegeben ist, nicht nur die auf Erden, sondern sogar die im Himmel?!
Das alles hat mit dem Gott zu tun, der ihm diese Macht übertragen hat. Und in dem, was Gott gegenüber dem Messias tut, muss auch das gespiegelt sein, was der Messias am Ende auf Erden tat. Auch er gibt seine Vollmacht weiter — aber nicht an die, die im natürlichen und sündhaft verzerrten System des Irdischen Gewalt haben.
Die Vollmacht Jesu ist von dem, was man in diesem Äon unter „Macht“ und „Gewalt“ versteht, soweit entfernt wie das Leben vom Tod, das Licht von der Finsternis.
Die Erscheinung Jesu vor seinen Zeuginnen und später auch Zeugen macht das feine und doch verzehrende Feuer des Vaters sichtbar.

Wie ich zeigte, hat das die führenden Gestalten in der christlichen Geschichte in aller Regel einen wirklichen „Dreck“ gekümmert. In kürzester Zeit wurde die Botschaft von Jesus Christus pervertiert. Und es ist keinerlei Ende abzusehen. Im Gegenteil — es ist zu befürchten, dass nach ein wenig liberalem Tauwetter der letzten Jahrzehnte, in dem man alle Skepsis und Vorsicht in den einfachen Christen überschreibt und sie naiv und unvorsichtig werden lässt, die Kulmination der antichristlichen Herrschaft der Kirche(n) erst noch kommt. Die größte Zeit der 2000 Jahre Christentum war nackte Gewalt gegen alles und jeden, der sich nicht unterwarf, entweder physischer oder psychischer Natur, in Form sozialer Unterdrückung oder sogar leiblicher Vernichtung, und der gnadenlose Drang, politisch zu herrschen. Aber wie geht das, wo doch der wahre Messias sein Erbteil nicht durch Gewalt, sondern durch dieses feine Feuer gewinnt, das die Herzen entzündet, ohne sie zu entflammen oder in einen Großbrand zu stecken, wie es die militanten Burschen der Societas Jesu stets taten mit ihrem Wahlspruch „Inflammate omnia!“ („Steckt alles in Brand!“)?
In immer neuen Anläufen und Salven, Verzweigungen und Masken rollte die pseudo- oder sagen wir es doch ungeschminkt: antichristliche Gewaltlawine unter Missbrauch des namens Christi über die Menschheit. Und wenn es Konkurrenzen gab in der Kirche, dann machte ein „Reformer“ oder „Reformator“ genauso gewaltsam weiter wie die, von denen er sich, meist selbst wieder auf die eine oder andere Art gewaltsam, gelöst hatte. Und natürlich war vieles von dem, was die Herren „lehrten“, sogar scharfsinnig, vordergründig hilfreich oder sogar befreiend, aber eben nicht alles. Regelmäßig entpuppte sich das scheinbare gesunde Feuer als Flächenbrand oder als Strohfeuer mit viel Rauch. Daran hat sich nichts geändert bis heute. Wir leben in einer Zeit der verdichteten verwirrenden Täuschung über dies alles, und die Kirchen schaffen es, derzeit ihre Rolle als die einer Märtyrerin aufzubauen und einen großen Teil anfälliger Christen dafür zu gewinnen. Mit immer neuen Modethemen schafft man pseudoreligiöse Ersatzthemen, etwa der Antigender-Hysterie, der Lebensrechtsbewegung, dem neuen Maskulinismus, und es kann sehr gut sein, dass auch das unitarische Thema sich zu einem solchen Modethema auswächst. Und natürlich ist an dem einen oder anderen Thema ja auch was dran, das will ich nicht weiter diskutieren an der Stelle (das tun andere lautstark und politisiert genug!), aber ich habe oft schon erlebt, dass die größten Eiferer auf diesen Gebieten eine Haltung haben, die offenbart, dass sich darin christliches Engagement und Glauben erschöpft, Hauptsache die richtige Moral, dann wird es schon alles gut — in meiner Jugend verwechselten viele Pazifismus, Entwicklungshilfe, Feminismus, Öko und soziale Gerechtigkeit mit christlichem Glauben — auch dies natürlich Themen, an denen was dran ist. Nur sind sie niemals Kern dessen, was ein Jünger Jesu glauben sollte. Der Glaube aber ist seit 2000 Jahren entkernt worden und die tiefe Leere und Geistlosigkeit, die entstand, wurde mit immer neuen Ersatzthemen angereichert. Auch hier ist kein Ende abzusehen.
Wer inwendig nicht zur lebendigen Wasserquelle wurde, kann auch kein lebendiges Wasser absondern — das ist eigentlich ganz einfach.
Damit will ich nicht bestreiten, dass es trotz allem solche lebendigen Jesusjünger gab, aber nicht sie waren es, die es in die Region der „Bestimmer“ und „Angeber“ schafften. Sie hätten es auch nicht vermocht, denn Gott beruft die, die nichts sind vor dieser Welt. Sie alle wirkten und wirken in einer tiefen Nacht der antichristlich anschwellenden Kirche.

Doch zurück zum Thema der Auferstehungszeuginnen und ihrem Schicksal in der Kirche bis heute:
Hier findet man ein Beispiel darüber https://www.paulusdom.de/gotteshaus/dompatron-heiliger-paulus/bibelarbeit-zum-1-korintherbrief-petrus-und-paulus/ , wie einer in einer „Bibelarbeit“ bewusst undeutlich mit den Schriftbefunden umspringt, um zu beweisen, dass Petrus der „Erste“ war, der Jesus als Auferstandenen sah. Auch die liturgischen Schriftlesungen in der Osteroktav suggerieren sowohl im Usus antiquior und seiner Leseordnung als auch in den Lesejahren des Novus ordo genau diesen Ablauf, obwohl er neutestamentlich gerade andersherum bezeugt ist.

Nein, die synoptischen Evangelien bezeugen nicht, dass Jesus sich Petrus zuerst zeigte, wie die Kirche es behauptet, und er auch zuerst geglaubt und zuerst den Messias bekannt hätte! Bevor ein Petrus überhaupt auf der Bildfläche erschien und sein Messiaszeugnis abgab, zeugten Maria und Elisabeth, Simeon und Hanna, nicht zu vergessen der „Wegbereiter“ und „Elia“, Johannes der Täufer, authentisch und persönlich zutiefst im Heiligen Geist versunken, dessen künftige und sich erfüllende Rolle als Messias — es ist einfach Gewalt am Schrifttext, aus dem Messiaszeugnis des Petrus ein „Erstzeugnis“ zu machen. Er mag innerhalb des Zwölferkreises als Erster ein Messiasbekenntnis ausgesprochen haben, aber außerhalb kann man das gar nicht sagen, denn nicht nur wussten zuerst Frauen um den Messias, der nun kommen würde, sondern selbst unreine Geister riefen es in die Welt hinaus, bevor Petrus es tat (vgl. Lk 4,34 „Du bist der Heilige Gottes!“). Ich bin immer wieder sprachlos darüber, wie man eindeutige Textzeugnisse derart verdrehen kann.

Doch zurück zum Auferstehungszeugnis:
Matthäus, Markus und Johannes bezeugen, dass er Maria Magdalena zuerst erschien. Lukas dagegen hält im Unklaren, wem er wann erschienen ist, und fügt der Erzählung der Emmausjünger eine Unterbrechung ein, in der seitens der „Elf“ knapp behauptet wird, Christus sei dem Simon erschienen, obwohl wenige Sätze zuvor geschrieben wurde, Petrus hätte nichts gesehen. Es ist dabei auffallend, dass der ganze Jüngerkreis bezeugt, er habe sich dem Simon gezeigt und nicht Simon Petrus selbst dies bezeugt. Das ist mehr als eigentümlich und sollte als Figur noch genauer bedacht werden.

In Mt 28 wird uns erzählt, wie die Frauen um Maria Magdalena an das Grab kamen, dort von dem „Engel des Herrn“ ein gewaltiges Erdbeben ausgelöst wurde, als er vom Himmel kam und er den Stein alleine wegrollte, der das Grab verschloss. Die Grabwächter seien zu Tode erschrocken und ohnmächtig geworden vor Angst. Die Frauen fallen nicht in Ohnmacht, sondern erfahren von dem Engel, dass er auferstanden sei. Sie werden aufgefordert, in das leere Grab zu sehen und bekommen von dem Engel gesagt, sie sollten den abwesenden Männern sagen, dass Jesus ihnen  vorangehen werde nach Galiläa. Sie werden ihn dort erst sehen — das ist Schriftwort! Die Frauen gehen „voll Furcht und Freude“ zu den männlichen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu erzählen.
Hier enden dann stets die gottesdienstlichen Schriftlesungen und suggerieren: Die Frauen sahen das leere Grab, danach aber ging Jesus zu den männlichen Jüngern und zeigte sich ihnen resp. dem Petrus zuerst. 
Im Mt-Text heißt es demgegenüber gleich danach im nächsten Vers:
„9 Und siehe, Jesus kam ihnen entgegen und sprach: Seid gegrüßt! Sie aber traten zu ihm, umfassten seine Füße und warfen sich vor ihm nieder.
10 Da spricht Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin, verkündet meinen Brüdern, dass sie hingehen nach Galiläa! Und dort werden sie mich sehen.
Man merke auf: Auch hier wird ausdrücklich das wiederholt, was der Engel bereits gesagt hatte: Die Elfe werden Jesus erst in Galiläa sehen. Und diesmal sagt es der Herr selbst.
Nichts deutet darauf hin, dass das für Petrus nicht gilt… im Gegenteil — weil Petrus der „primus inter pares“ war, dürfte sich diese Nachricht in jedem Fall an Petrus gerichtet haben.
Diese „ihnen“ am Anfang sind natürlich die Frauen — wer denn sonst, wo doch an sie der Auftrag, den schon der Engel in V7 an sie herangetragen hatte, nun vom Herrn selbst noch einmal an die natürlich Abwesenden wiederholt wird. Es geht nicht ganz deutlich hervor, wann die Frauen den Männern diese Botschaft bringen. Aber eines ist sicher:
Die männlichen Jünger erfahren zumindest die konkreten Worte Jesu an die Elf von den Frauen und gehen auch gehorsam nach Galiläa zu dem Berg, an dem Jesus sich ihnen dann zeigen wollte und wo er ihnen die Worte sagte, die oben zuerst zitiert wurden und ihnen den Auftrag zur Mission gibt.
Dazwischen aber, so erfahren wir von Matthäus, ließ der Hohe Rat — während die Frauen noch unterwegs waren, um das Auferstehungszeugnis zu geben! — Gerüchte streuen durch gedungene, mit viel Geld abgefundene Falschzeugen: Jesus sei nachts von den Jüngern aus dem Grab gestohlen worden. Es hatte sich also sofort durch die Wächter bis zu den Oberen in Jerusalem durchgetrommelt, dass Jesus nicht mehr im Grab war. Durch gedungene Falschzeugen verbreitete sich die Nachricht vom leeren Grab sofort, nicht aber die konkrete Ansprache durch Engel und den Herrn selbst, die die Frauen erfahren haben.
Das bedeutet logisch:
Die Nachricht vom leeren Grab konnte kaum mehr „spektakulär“ bleiben — auch nicht für die männlichen Jünger. Man kann aus der Tatsache der gedungenen Falschzeugen sofort nach der Ankunft der Frauen am Grab etwas schließen: Spektakulär konnte so nur das Zeugnis seiner realen Erscheinung vor konkreten Menschen sein und die Begegnungen mit Engelwesen am und im leeren Grab! Was also an der Nachricht der Frauen so erschütterte, war nicht die Botschaft vom leeren Grab, sondern es waren die Erscheinungen, die außer ihnen kein Mann sehen konnte — darin stimmen alle vier Evangelien überein! Und dass kein Mann die Erscheinung der Enel und des Auferstandenen sm Grab sehen konnte, ist feste Aussage aller vier Evangelien. Eine Ausnahme bilden die beiden randständigen Jünger, die nach Emmaus wanderten. Aber von den Elfen sah keiner in Jerusalem etwas. Wohl aber schickte Jesus Boten mit einer persönlichen Nachricht an Petrus und die Elf.

In Mk 16 — die Forschung meint, Mk 16 sei ein Anhang aus dem 2. Jh — finden wir genau denselben Zusammenhang: Die Frauen gehen an das Grab, denken darüber nach, wie sie den schweren Stein vor seinen Tür wegbekommen, finden es aber wundersamerweise plötzlich offen und innen leer vor. Auch hier sehen sie einen Engel, der ihnen seine Worte sagt, diesmal mit dem ausdrücklichen Hinweis, es besonders dem Petrus so zu sagen, und dass der Herr auferstanden ist. Sie sind zutiefst erschüttert und erschrocken, sagen erst einmal niemandem etwas, aber dann ändert sich die Sachlage: Jesus selbst begegnet Maria Magdalena „zuerst“, nachdem er auferstanden war. Maria Magdalena richtet getreulich aus, dass sie den Herrn gesehen habe, aber die Herren glauben ihr nicht. Auch die Emmausjünger werden erwähnt und die Tatsache, dass auch ihnen die „Elf“ nicht glaubten. Im Gedächtnis sollte man behalten, dass der Engel den Frauen seine Worte besonders an Petrus aufträgt — vielleicht genügt das den Jüngern, später zu behaupten, er sei dem Petrus bereits erschienen.
Katholische Kleriker und Laienmänner beharren stets darauf, dass die Frauen ja auch Angst gehabt hätten, ungläubig und fassungslos waren, um deren herausragende Rolle herabzumindern. Dass sie Angst hatten und voller Schrecken waren, kann ich bestätigen, aber Unglauben entdecke ich nirgends — das müsste man erst einmal beweisen!
Nun ist es aber ohnehin nicht von Belang, was irgendwer meint, sondern ob  Jesus selbst das so beurteilt hat — auch wenn es den Männern der Kirche nicht gefallen mag. Ganz ohne Zweifel hat Jesus das unterschiedlich beurteilt:
Jesus rügt die Elf — und ähnlich tut er das bei den Emmausjüngern — für ihren Unglauben bzw ihre Unverständigkeit hart:
14 Nachher offenbarte er sich den Elfen selbst, als sie zu Tisch lagen, und schalt ihren Unglauben und ihre Herzenshärtigkeit, dass sie denen, die ihn auferweckt gesehen, nicht geglaubt hatten.“ (Mk 16)
Auch an dieser Stelle ist undenkbar, dass Petrus aber in Wahrheit Jesus schon gesehen haben soll — er gehört doch zu den Elfen! Das kann aufgrund der Beschreibung definitiv nicht sein!
Aber die Stichworte sind interessant:
Unglauben und Herzenshärtigkeit — die „duritia cordis“, der „sklerokardia“ der Jünger, von der Jesu bereits im Bezug auf die frauenfeindlichen, tief ungerechten Scheidungs- und Polygamieregeln der Tora unmissverständlich sprach. „Herzenshärte“, wenn es um die Frau geht: man verstößt sie und geht mit Mägden und Huren fremd, wenn sie einem nicht mehr passt, man erniedrigt sie zum totalen Mündel und raubt ihr auch juristisch gesehen jeglichen Selbststand, weil sie niemals volles Bürgerrecht erhalten konnte, im Erbrecht stark benachteiligt war (d.h. weder Haupterbin sein konnte noch selbst vererben konnte), für nicht testierfähig gehalten wird, nur durch einen Tutor vertreten werden kann und vor Gericht also als Zeugin nicht würdig ist. Sie konnte keine öffentlichen Ämter einnehmen und, wenn ihr ein Unrecht geschah, dies nicht selbständig vor Gericht bringen. Man glaubt natürlich auch ihrem informellen Zeugnis unter solch verzerrten Bedingungen nichts. Und genau diese Verzerrung der Frauenrolle nennt Jesus auch hier wieder „Herzenshärte“.
Und nicht nur das: man glaubt auch als erwählter „Erster“ aus dem Zwölferkreis nicht solchen, die nur aus dem weiteren Jüngerkreis kommen wie die Emmausjünger. Wie immer zieht die Erniedrigung der Frau automatisch auch ein Kastendenken unter Männern nach sich. Keiner der Elf erkennt in diesem Moment an, dass es Jesu Sache allein ist, wen er sendet — und wenn es Frauen sind!
„Sklerokardia“ — der Cantus firmus des Judentums und des Christentums. Die „Erstarrung des Herzens“, das „steinerne Herz“, von dem bei Jeremia und Ezechiel die Rede ist, das „cor lapideum“ (Ez 11,19), das ausgewechselt werden muss, wenn wir zu Gott kommen wollen.
Ich habe daher immer ganz andere Assoziationen, wenn ich an den „Felsen Petri“ denke: der Name „Kephas“ ist doppeldeutig. Wenn er den sicheren Grund, der Christus alleine für uns sein kann, meint und den Simon zu einem Zeugen Jesu macht, ist es positiv und zeigt an, dass der harte Simon sein hartes Herz austauschen ließ, fortan auf sicherem Grund für den zu zeugen, der alleine sicherer Grund ist. Wenn er aber meint, der Petrus selbst sei der „Stein“, dann wurde aus dem „cor lapideum“, das selbst nach der Auferstehung bei Petrus noch hart war, ein noch härterer Stein und simuliert in Rom in der Nachfolge Christi zu stehen, umschanzt von einer wahren Geröllhalde macht- und härtebesessener Männer, deren explosiver Hagel bis in jede Freikirche verbreitet wurde.

Manche sagen, der Markuszusatz sei nicht authentisch, weil er in manchen Handschriften fehlt. Das können wir sachlich allerdings nicht schließen, weil wir ja nicht wissen, ob dieses Kapitel 16, da wo es fehlt, ein fehlendes Teilstück dessen war, was authentisch berichtet worden war, also einen Verlust des Ursprünglichen bedeutet, oder aber einen Zusatz zum Ursprünglichen, wo vorher nichts war, weil man dachte, dass das Kapitel 15 sehr abrupt abbricht und eigentlich noch ein vernünftiger Schluss fehlt. Ich habe als unbefangener Leser den Eindruck, dass der ursprüngliche Markustext kaum mit dem Satz, die Frauen hätten sich am leeren Grab gefürchtet und seien geflohen, geendet haben dürfte. Da fehlte etwas. Man weiß es nicht — es kann auch etwas verloren gegangen sein (letzte Seiten bzw Randstücke von Büchern tun das gerne, auch auf Rollen oder Papyri), vielleicht fehlte Material oder es wurde etwas zerstört und man rekonstruierte, was da ursprünglich stand. Selbst wenn es so wäre, dass hier dem Ursprünglichen etwas zugefügt wurde, lässt das nicht auf fehlende Authentizität in der Ereignisabfolge schließen, und außerdem deutet der Zusatz an, dass die Kirche noch bis ins frühe 2. Jh ein sehr klares Bewusstsein davon hatte, dass es eben nicht Petrus war, dem sich Jesus zuerst zeigte, und dass der Petrus sogar erneut wegen seiner Herzenshärte und seines Unglaubens von Jesus zurechtgewiesen wurde, man aber viel eher den Eindruck gewinnt, Jesus habe Petrus über die Frauen vermittelt und indirekt angesprochen. Es ist ein subversives Vorgehen Jesu: er vermittelt sich nicht den Frauen und den randständigen Männern durch die männlichen „Ersten“, sondern er tut es genau umgekehrt und kippt damit für das Reich Gottes jede irdische Rangordnung.
Man kann auch sehr gut darüber nachdenken, ob die maskuline Missgunst dieses letzte Kapitel einfach unterschlagen wollte, wie sie ja bis heute versucht, das Erstzeugnis der Frauen auszulöschen, aber noch genügend gesunde Kräfte in der Kirche das eliminierte Kapitel rekonstruierten. Immerhin offenbart die frühchristliche, gnostische Literatur, dass es eine fiktive Konkurrenz zwischen Petrus und Maria Magdalena gegeben hat. Die Gnosis tat alles, um deren Bedeutung entweder zu zerstören bzw umzuwenden in etwas anderes oder aber Maria gegenüber Petrus als gnostische Lehrerin aufzubauen. Beide Stränge begegnen, etwa massiv im Thomas-Evangelium, dessen Autor den Petrus sagen lässt, Jesus solle sie fortschicken, weil sie eine Frau sei und Frauen nicht würdig seien, das Leben zu haben: Jesus widerspricht dort dem Petrus, sagt aber den irgendwie unguten und mehrdeutigen Satz: „Eine Frau, die sich den Männern gleichmacht, kann eintreten in die Herrschaft Gottes.“ (Thom Log 114) Den Kampf der frühen Christen gegen Maria Magdalena hat die Theologin Silke Petersen sehr genau und zuverlässig herausgearbeitet in einer lesenswerten Untersuchung: https://www.amazon.de/Magdala-J%C3%BCngerin-liebte-Biblische-Gestalten/dp/3374028403
Nun zeigen aber die Evangelienberichte, dass diese Frau eine herausragende Bedeutung in der Jüngerschaft hatte, und die Nachricht darüber ist bis heute zu uns gekommen, auch wenn man in den folgenden Jahrhunderten jeden vernünftigen und neutestamentlichen Traditionsstrang über diese Frau ausgelöscht und zertreten hat. Dazu gehören auch alle schlimmen Spekulationen darüber, dass sie eine Hure gewesen sei oder Jesu Geliebte. Dennoch konnte man im Volk niemals vergessen, dass Jesus nach Ostern ihr zuerst begegnet war und vor allem: in welcher Innigkeit er es tat, wovon bei den männlichen Jüngern gar keine Rede sein kann.

Gerne wird vergessen, was außerdem vorausgegangen war am Karfreitag:
Immerhin hatte derselbe Petrus ihn dreimal verleugnet vor der Hinrichtung. Und außer Johannes verließen ihn alle Männer! Die Schutzbehauptung, für Frauen und Jugendliche sei es ja kein Problem gewesen, sich zu „outen“, ist Unsinn: die Römer waren sehr hart und kalt und kreuzigten auch viele, viele Frauen, wie wir aus den antiken Quellen wissen. Es war für die treuen Frauen, die Jesus zum Kreuz folgten, sehr wohl ein hohes Risiko — nicht geringer als für Männer! Im Johanneszusatz wird genau dieses trennende Faktum zwischen Jesus und Petrus erst aufgearbeitet und zwischen den beiden geklärt. Petrus wird auch dort mit mahnenden, wenn auch liebevollen Worten Jesu entlassen. Auch dieses Faktum spricht dagegen, dass Petrus der „Erste“ der Auferstehungszeugen war.

Es hilft der Kirche alles nichts: Christus zeigte sich nicht zuerst dem Petrus oder den Elfen! Für die inhaltliche Richtigkeit des Markuszusatzes spricht, dass er das bezeugt, was auch bei Matthäus und Johannes bezeugt wird.
In jedem Fall muss aus logischen Gründen gelten, dass Jesus, wenn er die Frauen zu den Männern mit einer Botschaft sendet, besonders dem Petrus, er sie und vor allem nicht Petrus (!) vorher selbst gesehen haben kann — dann hätte er ihm bzw ihnen das ja selbst sagen können…
Im Markustext erfolgt die Erwähnung des Missionsauftrages ab V15, deren Zeitpunkt und Ort aber im Dunkeln bleibt.
Jesus vermittelt sich hier wie bei Matthäus durch die, die vor der Welt nicht zeugnisfähig und nicht zeugniswürdig sind an die, die sich selbst für beides halten und nach dem irdischen Recht dafür angesehen werden.

Und Lukas? Angeblich soll er ja „bezeugen“, dass Petrus der erste Auferstehungszeuge war. Tut Lukas das?
Wir finden die Erzählung in Lk 24. Dort wird vor allem vom leeren Grab berichtet. Zuerst finden die Frauen es vor — wie bei Matthäus und Markus. Dort stehen allerdings zwei Engel (wobei bei Mt und Mk ja nicht gesagt wird, dass „nur“ einer da war, sondern nur, dass „einer“ von ihnen wahrgenommen wurde und „einer“ zu den Frauen sprach) und erinnern die Frauen an das, was Jesus ihnen in Galiläa gesagt hat: dass er nämlich auferstehen wird. Und dass der Lebendige nicht bei den Toten sei…
Es heißt, sie seien zu den Elfen und hätten es ihnen mitgeteilt. Die Begegnung mit dem Auferstandenen auf dem Rückweg wird nicht erzählt, aber auch nicht geleugnet oder ausgeschlossen. Es ist an der Stelle einfach eine Lücke über die weiteren Ereignisse. Auch Lukas berichtet, dass die Elf das Zeugnis der Frauen — in der bereits referierten Herzenshärte für „Geschwätz“ hielten (V 11). Nun ist bei Lukas auffallend, dass er nicht präzise sagt, was Inhalt des Zeugnisses der Frauen war. Ich möchte das ein wenig untersuchen:
Lukas bezeugt uns eine Liste von Frauen, nämlich dass es Maria Magdalena und mehrere namentlich genannte Frauen und eine größere Zahl an namentlich nicht genannten Frauen waren, die den Männern berichten wollten, aber auf deren Unglauben stießen.
Man kann auch denken, dass der Evangelist die Sache so darstellt: Wenn schon der bloße Bericht vom leeren Grab und Engelerscheinungen auf die herablassende Abweisung der Elf stößt („Geschwätz“), verschweigen die Frauen, dass sie ihn auch noch gesehen haben, oder Lukas lässt es stillschweigend unter den Tisch fallen, um genau dieses Erlebnis der Frauen dann dem Petrus zuzuschreiben — oder noch anders: spätere Abschreiber eliminierten einen Satz aus dem Text und bauten ihn etwas um. Oder die Frauen haben es erzählt, wurden aber von den Jüngern wegen „Geschwätz“ niedergemacht.
Man kann auf diese Lesart kommen, wenn man bemerkt, dass Lukas die Aussage, die Frauen hätten den Männern berichtet, auffallenderweise verdoppelt mit einer einzigen Nuance, die aber eine Sinnlosigkeit im Erzählverlauf entstehen lässt — man also den Eindruck gewinnt, es fehle da etwas im Text, was ihn erst sinnvoll machen würde, als sei ein Baustein eliminiert worden:
„9 Und sie kehrten von der Gruft zurück und verkündeten dies alles den Elfen und den Übrigen allen.
10 Es waren aber die Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus' Mutter, und die Übrigen mit ihnen. (Und hier müsste an sich ein Textelement stehen, um zu verstehen, was das dann das nun folgende „dies“ ist, das sie den Aposteln allein (nicht mehr allen übrigen!!!) erzählt haben). Sie sagten dies zu den Aposteln.
11 Und diese Reden schienen ihnen wie Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht.

Wir erinnern uns: bei Markus wirft Jesus den Elfen nicht vor, dass sie der Erzählung vom leeren Grab nicht geglaubt haben, sondern der derjenigen Menschen, die ihn bereits gesehen hatten. Die Jünger qualifizierten da vor allem den Bericht über den gesichteten Auferstandenen als „Geschwätz“ ab, der sowohl von den Frauen als auch den beiden Emmausjüngern abgegeben worden war. Die Nachricht vom leeren Grab kursierte ohnehin bereits in der Stadt durch den Hohen Rat.
Bei Lukas wird deutlich, dass man das, was die Frauen mitgeteilt hatten, nicht glauben wollte — „Weibergeschwätz“, ganz so sah man die Frau damals nach geltendem Recht ja an, wenn es um ein Zeugnis für gewichtige Dinge ging.
Die immer wieder vertretene Meinung, Lukas sei frauenfeindlich in seinem Bericht, überzeugt mich nicht, weil gerade er es ist, der in seinem Evangelium das Zeugnis von Maria und Elisabeth für uns alle unsterblich hinterlassen hat — er musste sich dabei vollständig auf das Zeugnis von Frauen verlassen. Auch sonst berichtet er auffallend viel über weibliche Zeugnisse, ob es Hanna im Tempel ist, ob es die Sünderin ist, die Jesu Haupt salbt, ob es seine deutliche Erwähnung der weiblichen Jüngerinnen ist, ob es sein Bericht über Jesu Worte an Maria und Marta ist, wo er eindeutig betont, dass es für die Frau ein „besseres Teil“ gibt als Haushalt und zeitliche Dinge, das sie „wählen“ darf und „das ihr nicht genommen werden darf“! Warum sollte dieser Lukas hier das Zeugnis der Frauen absichtlich bezweifeln? Das ist nicht anzunehmen, aber wir wissen nicht, wer an seinem Text „korrigiert hat“. Dass dazu Anlass aufgrund eines fehlenden Sinnzusammenhanges besteht, habe ich schon gezeigt. Aber das ist nicht das einzige merkwürdige Faktum in diesem Bericht des Lukas:
Petrus geht daraufhin, auf den Bericht der Frauen hin — offenbar unruhig oder neugierig geworden —  doch zum leeren Grab. Er hebt sich in der Tat hier etwas ab von der rauen und rohen Herablassung der restlichen Jünger.
Aber weder erscheinen ihm — dem Bericht des Lukas gemäß — Engel, noch erschien ihm Jesus. Er sieht nur die Leinenbinden, verwundert sich und geht heim.

Lukas berichtet daraufhin von den beiden Emmausjüngern — sie sind in seiner Geschichte dann die ersten, denen Jesus sich zeigt — in jedem Fall vor den Elfen. Was die Frauen alles noch gesehen haben, berichtet er nicht. Seine Erzählung bricht hier ab. Die beiden Jünger gehen nach Emmaus, ein Dorf nahe bei Jerusalem. Sie sprechen über Jesus und die Geschehnisse der letzten Tage. Plötzlich tritt Jesus herzu, „aber sie waren mit Blindheit geschlagen“ (V 16). Erst am Ende erkennen sie ihn, und daraufhin sehen sie ihn nicht mehr.
Wie in den anderen Berichten bei Matthäus und Markus bilden die Elf das Schlusslicht und sind ein Zeugnis des Unglaubens und der Herzenshärte — nur Petrus wird etwas herausgenommen aus deren Einstellung, weil er unruhig wurde und zum Grab eilte, dort aber keine Erscheinungen hatte.
In dem Gespräch der Emmausjünger mit dem unerkannten dritten Reisenden klagt Jesus darüber, dass die Männer nicht verstehen, dass er leiden musste, dass er kein Machthaber wurde und nicht mit Braus und Donnerhall die Welt revolutionierte, um es mit postmodernen Worten zu sagen. Er schlüsselt ihnen aus der Tora und den Propheten auf, dass dort das, was sie erwartet und traditionell, durch ihre „Schriftlehrer“ verführt, hineingelesen haben, nicht steht, sondern sie es immer falsch verstanden haben und eine herzensharte Lehre darüber aufgestellt worden war! Im Zentrum steht die Erkenntnis, dass der Messias kommen musste, um zu leiden und nach drei Tagen auferweckt zu werden.
Die Emmausjünger, die als positive männliche Gestalten gezeichnet werden, bekommen davon ein „brennendes Herz“ (V32), ein „cor ardens“, eine „kardia kaiomene“. Sie bezeugen gegenüber dem unerkannten Jesus, — allerdings nicht so hart und ungläubig wie die Apostel, sondern eher sachlich, aber unverständig, ja sie geben sogar zu, dass der Bericht der Frauen sie „aus der Fassung gebracht“ habe  —, dass die Frauen bereits ein Zeugnis der Auferstehung gegeben und die Botschaft von Engeln erhalten hätten, dass er lebe. Interessanterweise sagen die beiden Männer, „einige von uns“ seien auf die Berichte der Frauen zum Grab gegangen, hätten Jesus aber nicht selbst gesehen: „24 Und einige von denen, die mit uns sind, gingen zu der Gruft und fanden es so, wie auch die Frauen gesagt hatten; ihn aber sahen sie nicht.“
Die Emmausjünger bestätigen nur das am Bericht der Frauen, was die Männer „von uns“ ebenfalls selbst gesehen haben, als sie ans Grab eilten. Verneint bzw in der Schwebe gehalten wird das, was sie nicht gesehen haben, die Frauen aber inzwischen erlebt haben, nämlich dass sie Engelserscheinungen hatten und ihn selbst gesehen haben.

Also noch einmal chronologisch:
Die Emmausjünger wussten bereits von dem Zeugnis der Frauen. Auch scheinen sie gewusst zu haben, dass Petrus und weitere zum Grab gegangen war, dort aber weder Engel noch den Auferstandenen gesehen hatten!
In dem Augenblick, in dem die beiden Emmausjünger dies erzählen, erhalten sie von Jesus dieselbe harsche Rüge wie sie im Markustext die Elf erhielten:
„25 Ihr Unverständigen und im Herzen zu träge, an alles zu glauben, was die Propheten geredet haben!“
Ich zitiere hier deutsch nach der ELB, die katholische EÜ hat diese Sätze sehr stark abgemildert… man erkennt sie kaum wieder…
Nun sind die Jünger „tardi corde“, „im Herzen Blockierte“, wie Jesus sagt. Umso wunderbarer, dass sie selbst später sagen, sie hätten ein „cor ardens“, ein „brennendes Herz“ erhalten! Welch eine große Hoffnung für alle Menschen, insbesondere für alle Männer, die hier doch sehr einseitig in diesem Problem skizziert werden, wo die Frauen am Auferstehungsmorgen keine vergleichbare Herzensschwere oder –härte aufweisen und von Jesus nirgends kritisiert oder gerügt werden — ganz gleich, was katholische und sonstige Kleriker dazu aus der Luft greifen und hinzufügen, um die Situation zu verzerren und zu verdüstern und ihren eigenen verkehrten Dünkel zu stabilisieren! Von den Frauen wird Mut berichtet und letztendlich Hoffnung — warum sollten sie sonst überhaupt und von Männern unbegleitet an das Grab gegangen sein?! Dass sie tief erschüttert wurden und Angst hatten angesichts der gewaltigen Ereignisse, spricht nicht dafür, dass ihre Herzen hart waren, denn sie glaubten sofort, als sie angesprochen wurden.
Warum haben sich all diese stolzen Herren der Kirche nie in diesem Spiegel angesehen, den der Herr ihnen am Morgen seiner Auferstehung vorhielt?
Denn indirekt sagt Jesus ihnen in seiner Schelte bei Markus eines sehr deutlich: Ihr glaubt nicht nur nicht, weil ihr meint, man müsse das Zeugnis einer Frau in den Wind schlagen. Ihr glaubt nicht, weil ihr nicht anerkennen wollt, dass der Messias leiden und auferstehen sollte.
Und das ist wieder diese Botschaft, die mir immer aufs Neue vor Augen tritt. Der Mann versteht es nicht, er will es nicht verstehen, oder er kann es nicht, weil er seit der Sünde nur eines im Sinn hat: zu herrschen. Sein Messiasidol war und ist das eines Herrschers. Nichts verstand er weniger als einen, der um seinetwillen leiden musste und vollmächtig ist, indem er nicht herrscht.
Gerade bei Lukas zeigt das Evangelium auf, dass viele Frauen dies wussten, was ihre Erlösungsbedürftigkeit betraf. Sie weisen tatsächlich in sämtlichen Erzählungen des Lukas-Evangeliums nicht diese verbissene und stolze Härte auf.

Doch wie geht es weiter bei Lukas?
Die beiden Emmausjünger gehen zurück nach Jerusalem und teilen den Elfen mit, was sie erlebt hatten. Aber anders als im Markuszusatz wird hier nicht berichtet, dass man ihnen nicht glaubt, sondern dass alle Jünger versammelt gewesen wären und den verdutzten Emmausjüngern erklären: „Der Herr ist wirklich auferstanden und dem Simon erschienen.“ (V24)
Nun fragt sich der Leser, wann das gewesen sein soll, wo doch zuvor sogar zweimal berichtet wurde, Petrus habe nichts gesehen und sich sehr gewundert.
Kann es „parallel“ zu der Erscheinung vor den Emmausjüngern geschehen sein, denn die sollen ja am selben Tag der Auferstehung nach Emmaus gewandert und nachts wieder zurückgekehrt sein nach Jerusalem? War Jesus womöglich zu gleicher Zeit an zwei Orten? Oder kurz hintereinander? Und warum wird uns alles ausführlich erzählt, nur eine angebliche Erscheinung vor dem einsamen Petrus nicht?
Und wie bekommt man eine solche angebliche kryptische Petrus-Erscheinung zusammen mit den Aussagen bei Mt und Mk, dass die Elf (da gehört Petrus dazu!) erst in Galiläa sehen werden?!
Eine solche direkte und kryptische Erscheinung vor Petrus ist allerdings dem gesamten Befund im NT nach völlig unwahrscheinlich — nirgends wird ein Sterbenswort davon angedeutet, dass Jesus dem Simon in aller Heimlichkeit erschienen sei, bevor dann die Erzählungen offen und ausführlich berichten, die uns tradiert sind, und noch dazu in diesem Befund ansonsten so getan wird, als sei Petrus dem Prinzip nach zusammen mit den Elfen beurteilt worden und ausdrücklich namentlich genannter Empfänger einer Nachricht über die Vermittlung der Frauen.
Eine solche Lesart ist also abwegig und zwanghaft — man fragt sich unwillkürlich, ob da später am Text manipuliert wurde, um unbedingt den Papstprimat zu beweisen. Dieser Gedanke liegt deshalb sehr nahe, weil der Einschub über diese angebliche Erscheinung weder in den Erzählverlauf passt noch die geringste authentische Erwähnung anderswo erhält. Er widerspricht sogar der ausführlichen Schelte Jesu im Markus-Evangelium, das ausdrücklich sagt, die Elf hätten auch den Emmausjüngern nicht geglaubt. Markus sagt dagegen ausdrücklich, Jesus sei den Elfen erst „später“ erschienen.

Was könnte Lukas gemeint haben, sofern der Satz überhaupt authentisch ist? Oder anders gefragt: wenn der Satz manipulativ sein sollte, wie könnte er zu verstehen sein, wenn man annimmt, der Manipulateur hat nicht gewagt, direkt zu lügen, sondern eine suggestive Formulierung eingefügt.
Da in der Tat nirgends erzählt wird, dass er dem Simon erschienen ist, aber Maria Magdalena von dem Engel bei Markus den Auftrag erhält, ihm ausdrücklich etwas auszurichten, kann Petrus keine eigene Erscheinung zuvor gehabt haben. Das hätte keinerlei Sinn ergeben.
War es nicht vielmehr so:
Jesus „erschien“ nicht direkt vor den Augen des Simon, sondern er ließ dem Petrus bzw den Elfen etwas ausrichten durch Maria Magdalena und ihre Freundinnen, denen er sich zeigte. Lukas erzählt nicht, dass Jesus den Frauen erschien, aber er überspringt die Zeit, in der dies den andere Evangelien gemäß geschah.
Andernfalls lässt sich kaum erklären, warum Jesus im Markusevangelium auch den Petrus dafür schilt, dass er den Emmausjüngern nicht geglaubt habe. Das ergäbe keinerlei Sinn, wenn Jesus inzwischen dem Simon sowieso in aller Heimlichkeit längst erschienen wäre.
Die eigentümliche Unterbrechung der Erzählung der Emmausjünger durch die Behauptung der Elf, auch dem Simon sei er ja schon längst erschienen, kann auch den Beigeschmack haben, dass man es nicht verwinden konnte, dass nun schon wieder welche kommen und den Herrn gesehen haben, die Elf aber noch nicht. Es klingt so, als hätten sie ihr eigenes Erlebnis beisteuern wollen, das aber darin bestand, dass ihnen ausdrücklich vom Herrn etwas ausgerichtet worden war durch Botinnen. Man muss auch das verstehen: das ist auch groß und erschütternd, wenn da Frauen kommen und vom Auferstandenen ausrichten, sie sollten nach Galiläa gehen zu einem Berg und ihn dort erwarten. Jeder versetze sich in die Elf — das ist auch der Hammer, wirklich! Ja, wenn ich so etwas ausgerichtet bekommen, ist in einem gewissen Sinn der Herr auch mir erschienen. So ergäbe dieser eine Satz auch Sinn und stünde nicht im Widerspruch zu sämtlichen anderen berichten.

Nicht die Berichte der drei anderen Evangelisten über die Frauen wirken hier unglaubwürdig, wie es die katholische Theologie darstellt — eben weil sie in den Evangelien ja übereinstimmen, sondern dieser merkwürdige Einschub über Petrus, der nirgends sonst bezeugt wird und auch dem restlichen Lukasbericht widerspricht.
Man muss aber vor Augen haben, dass der Lukasbericht 40 Tage so zusammenzieht, als sei das, was er berichtet, an gerade mal zwei Tagen geschehen. Die Zeitsuggestionen im Text können also nicht unkritisch gelesen werden.
Nun erscheint Jesus  — wobei nicht gesagt wird, wann genau das war — irgendwann nach diesen Ereignissen den Elfen. Es ist nicht ersichtlich, wo genau sie sich befinden. Er beweist ihnen, dass er es ist und dass er kein Geist ist und befiehlt ihnen am Schluss, dass sie in Jerusalem die verheißene Gabe des Hl. Geistes erwarten sollen, wenn er von ihnen gegangen sein wird (Lk 24, 36-50). In der EÜ befindet sich die Überschrift „Die Erscheinung des Auferstandenen in Jerusalem“ über Lk 24, 36—53: Nur steht da nirgends, dass sie in Jerusalem seien. So wird man manipuliert und davon abgebracht zu glauben, was Matthäus, Markus und später Johannes berichten: dass die Jünger Jesus in Galiläa sehen sollten und dort auch hingingen.

Aha, rufen nun notorisch die Frauenskeptiker anhand dieser Suggestion: Seht ihr — er ist nicht erst in Galiläa auf (oder womöglich in) dem Berg zu ihnen gekommen, sondern das muss noch in Jerusalem sein, wie sollen sie denn so schnell nach Galiläa gekommen sein, und am Schluss wird er in den Himmel entrückt (V51), nachdem er mit ihnen in die Nähe von Bethanien gegangen ist. Und das liegt doch auch bei Jerusalem. Er müsste ja mit ihnen nach Galiläa gegangen sein, später wieder zurück und schließlich nach Bethanien nahe bei Jerusalem, um dort in den Himmel aufgenommen zu werden…
Ich frage zurück: Na und? Warum eigentlich nicht?

Noch einmal: Gemeinhin geht die Kirche davon aus, dass Jesus nach seiner Auferstehung 40 Tage bei den Jüngerinnen und Jüngern war (Apg 1,3).
Es liegen hier also 40 Tage, also geschlagene sechs Wochen zwischen Auferstehung und Himmelfahrt. Die Ereignisse, die Lukas im Zeitraffer erzählt, spielen sich in diesem langen Zeitraum ab! Und nichts spricht dagegen, dass die Jünger nach Galiläa gingen und dort auf Jesus warteten bei dem Berg, den er ihnen genannt hatte, sie dort versammelt waren und redeten, und er schließlich kam. Genauso berichtet es uns Matthäus ausdrücklich, wo alle anderen sich nicht ausdrücklich äußern! Angesichts der angespannten politischen Lage wäre genau dies auch vernünftig, denn eine riesige Ansammlung von Jüngern, die den Auferstandenen sehen in Jerusalem, wo man gerade überall verbreiten lässt, die Jünger hätten Jesus aus dem Grab entwendet, wäre es nicht nur unklug, in Jerusalem geblieben zu sein, sondern selbstmörderisch.

Die Szene bei Bethanien, die Lukas berichtet, muss nicht unmittelbar auf die erste direkte Erscheinung vor den Elfen gefolgt sein.
Was ist überhaupt „Bethanien“?
Bethanien heißt hebräisch/aramäisch „beit ania“„Armenhaus“ oder „Haus des Elends“. Es gibt im NT zwei Orte in Palästina, die so heißen, wobei unsicher ist, ob es den einen gab bzw wo er lag. In Bethanien wurde Jesus kurz vor seiner Hinrichtung von einer Frau — als der von Gott Gesalbte — auch seitens der Menschen gesalbt. Der Ort liegt nur wenige km von Jerusalem entfernt. Maria, Marta und Lazarus wohnen da — drei Geschwister, denen Jesus besonders liebevoll verbunden war.
Wo man korrekt von ihm berichtet, hat er selbst gesagt, wo die rechte Botschaft erzählt wird, muss auch erzählt werden, dass eine Frau ihn in Bethanien gesalbt hat: er ist der König, aber er herrscht nicht, sondern wird getötet werden von denen, die herrschen. Im „Haus des Elends“ wurde der Messias von einer Frau zum König und für sein Begräbnis in dieser herrschsüchtigen Welt gesalbt und… sie bekannte dabei ihre Sünden. Die männlichen Jünger ertrugen es nicht, wollten die Frau stoppen. Jesus verwehrte den Jüngern aber mit vollmächtigen Worten, diese Frau zu hindern.
O mein Gott, welch eine surreale Szenerie! Aber es spricht für sich, dass diese Begebenheit nicht wirklich oft erzählt wird… und selten wird sie gedeutet oder verständig aufgefasst. Im Gegenteil — im frühen Mittelalter montierte man sie zusammen mit der Gestalt einer Hure, obwohl nirgends davon direkt die Rede ist. Und man identifizierte Maria Magdalena mit dieser Frau, wofür ebenfalls keinerlei Hinweis vorliegt.
Jesus führt die Jünger jedenfalls in die Nähe von Bethanien, um dort in den Himmel aufgenommen zu werden. Aus dem „Armenhaus dieser Welt“ — nicht von Jerusalem aus.
Wo der zweite biblische Ort namens „beit ania“ lag, ist unklar, er soll östlich des Jordans liegen. Beide Orte sind jedenfalls weit weg von Galiläa.
Aber wir haben ja gesehen, dass ein langer Zeitraum vorliegt, in dem diese Ereignisse auf einer Zeitachse verteilt geschehen sind.
An einer Tatsache aber kommt man nicht vorbei: im Markus-Anhang wird ausdrücklich bestätigt, dass Jesus nach seiner Auferstehung „zuerst Maria aus Magdala (erschien)“ (Mk 16, 9). Wann immer er anderen erschien: das Wort „zuerst“ gibt Klarheit. Bestätigt wird dies durch Johannes. Es wird nirgends im ganzen NT ein weiteres Mal geschrieben, er sei jemandem „zuerst“ erschienen. Man muss einfach lernen, genau zu lesen.

Eine andere Sicht auf die Ereignisse berichtet Johannes, bestätigt aber voll und ganz, dass Maria Magdalena als Erste das leere Grab entdeckte und auch als Erste den Auferstandenen sah. Hier liegt die Benachrichtigung des Petrus über das leere Grab gleich nach der Entdeckung des leeren Grabes. Der Bericht erzählt nichts von einer Engelerscheinung zu diesem Zeitpunkt. Maria geht vielmehr davon aus, was als Gerücht in der Stadt durch den Hohen Rat gestreut wird: irgendjemand habe Jesus aus dem Grab gestohlen. Dieses Detail sagt uns andersherum betrachtet, dass dieses Gerücht schon sehr schnell verbreitet gewesen sein muss und der bloße Bericht vom leeren Grab daher nicht die Nachricht gewesen sein kann, die die elf Jünger in den anderen Evangelien für „Geschwätz“ hielten. Es können die Berichte über die Engelerscheinungen und den Auferstandenen selbst gewesen sein. So fügen sich eben doch die Puzzlesteine zusammen.
Petrus und Johannes gehen daraufhin ans Grab und finden die Leintücher und das Schweißtuch, das an einem gesonderten Platz liegt und nur bei Johannes erwähnt wird, vor. Johannes sagt allerdings, dass es abseits von den Leinenbinden lag, insofern also auch aus dem Blickfeld geraten konnte.
Johannes betont, dass er vor Petrus zum leeren Grab ging, aber Petrus den Vortritt beim Hineingehen lässt. Ein gerangel darum, wer „Erster“ war, wird hier spürbar — ein Thema, das in den Evangelien immer wieder auftaucht, wenn die Jünger darüber streiten, wer von ihnen der „Erste“ ist im Reich Gottes. Alleine schon deswegen ist es sinnig, dass Jesus sie allesamt letzte sein ließ, denn das kündigte er immer denen an, die „Erster“ sein wollten: die Ersten werden die Letzten sein. Auch von daher ist die Erstzeugenschaft der Frauen absolut glaubwürdig.
Er betont, dass er, der Johannes, glaubte — erwähnt aber zugleich, dass die anderen Jünger zu diesem Zeitpunkt noch nicht glaubten (Joh 20,4-10), durch die Blume gesprochen also auch Petrus nicht. Johannes glaubt hier bereits an die Auferstehung vor aller Ansprache. Es versteht sich von selbst, dass dieses Detail, dass Johannes zwar vor Petrus da war, ihn aber zuerst ins Grab gehen lässt, von der katholischen Apologetik ausgeschlachtet wird, um zu beweisen, dass Petrus auch damals schon „Papst“ war…
Die beiden Jünger gehen, ohne eine Erscheinung gehabt zu haben, zurück, Maria Magdalena aber bleibt. Sobald die beiden Männer fort sind, sieht Maria in dem nun folgenden Bericht zwei Engel, die sie fragen, warum sie weint. Sie wiederholt, man habe ihren Herrn gestohlen und sie wisse nicht, wo er nun ist. Die Engelwesen antworten nicht. Als sie sich umwendet sieht sie Jesus als Auferstandenen, aber wie die Emmausjünger erkennt sie ihn nicht und hält ihn für einen Gärtner. Auch ihn fragt sie, wo man ihren Herrn hingelegt hat. Jesus ruft sie beim Namen, und da erkennt sie ihn. Wir kennen die berühmten Worte „noli me tangere“ („rühr mich nicht an“), aber viel interessanter sind die Worte, die sie den männlichen Jüngern von ihm ausrichten soll:
„Geh aber hin zu meinen Brüdern und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und zu meinem Gott und eurem Gott!“ (Joh 20,17)
Wie geht es weiter?
Maria Magdalena richtet aus, was ihr aufgetragen war. Hier hören wir nichts von der Skepsis der Jünger.
Am selben Abend — so wird uns in den Übersetzungen suggeriert, sei Jesus den Elfen in Jerusalem erschienen, indem er durch eine verschlossene Tür ging. Nun geht diese Ortsangabe aber so nicht hervor aus dem Text. Es wird nur gesagt, dass Jesus „an jenem Tag, der auf den Schabbat folgt“ — also dem ersten Tag der Woche — bei den Jüngern auftaucht. In allen Übersetzungen auf Deutsch wird das so übertragen, dass dieser Zusammenhang vom „ersten Tag nach dem Schabbat“ aufgelöst wird in ein „erster Tag der Woche“. Die Zuordnung des „jener“ kann dann nur so verstanden werden, als sei das „jener“ Tag, an dem er auch auferstanden ist. Im Griechischen und Lateinischen (die Vulgata übersetzt hier im Ggs zu den deutschen Texten korrekt!) kann aber das „jener“ einfach auf den Tag nach dem Schabbat bezogen werden, und es bleibt unklar, welcher erste Tag es war — der gleich nach der Auferstehung oder ein späterer:
„Cum ergo sero esset die illo, una sabbatorum…“ kann so gelesen werden:  „Es geschah aber an einem Abend an demjenigen Tag, der als Erster nach dem Schabbat (kommt)…“ (V19) Es geht folglich aus der Stelle auch nicht genau hervor, wo sich die Jünger aufhalten — es muss nicht Jerusalem sein, denn es steht nirgends, dass sie in Jerusalem sind. Sie könnten zB innerhalb einer Woche seit der Auferstehung bequem nach Galiläa gegangen sein. Es ist nur davon die Rede, dass sie sich eingeschlossen hätten, was auch für eine Begebenheit acht Tage später berichtet wird. Von Jerusalem nach Tiberias in Galiläa sind es Luftlinie 120 km — warum sollten die Jünger diesen Weg innerhalb der 40 Tage nicht zweimal überwunden haben können?! Das schafft man zu Fuß in jeweils fünf Tagen! Und wenn man Reittiere nutzt noch schneller…
Mir erscheint es nicht abwegig, dass Jesus sich für wenige Wochen mit den Jüngern noch einmal in sein altes Wirkungsgebiet zurückzog, um dort alles Wichtige mit ihnen zu klären, anstatt in Jerusalem ständiger drohender Verfolgung und Inhaftierung ausgesetzt zu sein..
Von Bedeutung ist hier im Johannes-Evangelium aber, dass in einem Anhang mit Erzählungen vom Auferstandenen (Joh 21) eindeutig berichtet wird, dass sie sich in Galiläa, am Kinneret-See (V1 „See von Tiberias“), aufhalten und dort auch fischen und mit Jesus zusammen essen. Dort ereignet sich auch diese eigentümliche Rivalität des Petrus gegen Johannes, die — wenn sie sich genauso ereignet hat — ebenfalls einen Vorrang des Petrus persönlich und für etwaige Nachfolger ganz ausschließt. Dort ist es nämlich Johannes, der bleibt, bis der Herr wiederkommt — nicht Petrus!
Zusammenfassend kann man feststellen: Johannes berichtet übereinstimmend mit den anderen Evangelisten, dass es die Frauen waren, die zuerst das Grab aufsuchten, dass es Frauen waren, die als Erste den Auferstandenen sahen und eine Botschaft an die Elf erhielten — nur Lukas lässt die genaueren Umstände hier im Verschwommenen, leugnet sie aber auch nicht.

Man wird heute meist darüber belehrt, dass man diese vier Berichte nicht „synoptisch“ lesen dürfe. Alles, was in einem Bericht nicht erwähnt wird, wird als Affront oder Absetzung von dem deklariert, was ein anderer Bericht aber erwähnt. Ich halte das für eine unzulässige Meinung. Nur wenn echte Widersprüche auftreten, muss man abwägen. Hier liegt aber nicht wirklich ein gravierender Widerspruch vor. Bevor man hier Textteile gegeneinander ausspielt oder darin Widersprüche zu erkennen meint, sollte man versuchen, sie sinnvoll zusammen zu lesen und das Widersprüchliche vernünftig einordnen.
In Probleme kommt man, wenn man behauptet, jedes Wort müsse als „inspiriert“ und quasi vom Himmel gefallen ansehen. Erst dadurch bekommt man echte Widersprüchlichkeitsprobleme — man muss dies als menschliche, aber wahre Berichte ansehen, an denen auch aus genannten Gründen Manipulationsversuche erkennbar sein könnten. Ein wenig Psychologie und Feingefühl für den Menschen und sein fließendes Bewusstsein kann auch nicht schaden:
Der Auferstehungsmorgen und die Tage bis zur Himmelfahrt waren ein aufrüttelndes, unglaubliches und irgendwie „traumatisches“ Gesamt-Ereignis. Wenn Motive leicht „verrutschen“ in den Erzählungen, Abläufe leicht variiert sind, belegt das nur umso mehr, dass diese Berichte im Prinzip wahr sind, denn Zeugenaussagen stimmen nie total überein. Der Mensch ist auch als Zeuge immer „einseitig“ oder bezeugt selektiv. Es gilt hier, das Übereinstimmende und deutlich Skizzierte als großes Ganzes wahrzunehmen.

Der Ablauf könnte so gewesen sein:

Jesus wird von Gott noch in der Nacht auferweckt. Maria Magdalena und andere Frauen gehen zum Grab noch bei Nacht und finden es leer vor. Sie werden von Engeln instruiert über die Ereignisse.
Die Frauen erschrecken zutiefst über das leere Grab und die Engelerscheinung und wollen erst gar nichts erzählen, um nicht für wahnsinnig gehalten zu werden. Hinzukommt, dass der Hohe Rat zeitgleich erfährt, dass das Grab leer ist, und durch die bestochenen Wächter Gerüchte über einen Leichendiebstahl inszeniert. Die Ansprache der Engel beinhaltet eine Botschaft an Petrus bzw die Elf, die ausgerichtet werden soll. Darin geht es um eine Anweisung Jesu, wohin sich die Jünger begeben sollen, nämlich nach Galiläa zu einem bestimmten Berg. Ansonsten erklärt/en der/bzw die Engel, dass Jesus doch schon in Galiläa angekündigt habe, dass er sterben und auferstehen wird. Diese theologische Ansprache an die Frauen erinnert stark an die Reden Jesu an die Emmausjünger bzw die Elf nach der Auferstehung. Man könnte daher in Erwägung ziehen, dass einer der beiden Männer Jesus war, denn Lukas schreibt nicht, dass es sich um „Engel“ handelte, sondern um „zwei Männer in leuchtenden Gewändern“.
Der Lukasbericht bleibt in vielem sehr in der Schwebe.
Aber wenn die Vermutung stimmt, dass der zweite Mann im leuchtenden Gewand der Herr selbst war, würde auch klarer, warum die Jünger den Bericht der Frauen bei Lukas für „Geschwätz“ halten.

Maria Magdalena berichtet das Erlebte den Jüngern — sowohl den Elfen, die Petrus natürlich mitrechnen (!) als auch den übrigen. Offenbar gehen sowohl einige Jünger, bei denen in jedem Fall Petrus und Johannes dabei waren, als auch die Frauen zurück ans Grab. Die männlichen Jünger aber glauben nicht (außer Johannes). Der Gegenstand des Unglaubens ist, dass der Messias leiden, sterben und begraben werden musste und wieder auferstehen sollte. Den Männern am Grab wird in keinem einzigen der Berichte durch Engel etwas mitgeteilt, geschweige denn dass sie Jesus sehen.
Die Frauen aber werden, nachdem die Männer unverrichteter Dinge heimkehren, von Jesus mit seiner Erscheinung noch im Garten beehrt, vor allem und in ausgezeichneter Position Maria Magdalena.
Jesus trägt ihr auf, den Männern zu sagen, sie sollten nach Galiläa gehen und ihn dort auf einem oder bei einem oder sogar in einem Berg treffen. Weiterhin soll sie ausrichten, dass er bald in den Himmel auffahren wird zu seinem Vater, der auch ihr Vater und auch ihr Gott sei.

Erst später zeigt sich Jesus den Männern. Zunächst noch bei Jerusalem den beiden Emmausjüngern.
Wann und wo er den Elfen erscheint, ist nicht in allen Berichten klar, gewiss aber in Galiläa, also erst Tage später — das berichten sowohl Matthäus als auch Johannes. Er macht ihnen schwere Vorwürfe wegen ihres Unglaubens und ihres steinernen und blockierten Herzens.
Bei den zweien, die aber nicht zum engen Jüngerkreis gehörten, die ihn noch nahe bei Jerusalem gesehen hatten, geschieht ein Herzensaustausch und sie erhalten ein lebendiges, „brennendes Herz“.
In Galiläa beauftragt Jesus die Jünger, allen Völkern von ihm und seiner Botschaft zu berichten und sie aufzunehmen in ihren Jüngerkreis — wir wissen, dass der „Jünger“ ein „Schüler“ ist. Darum heißt es auch auf Latein stets, sie seien „discipuli“ und auf Griechisch, sie seien „mathetai“, „Lernende“: sie sind und bleiben Lernende und werden als „Lernende“ gesandt, nicht plötzlich als „apostolische Lehrende“, wie sich dies später fehlentwickelt hat. Sie sollen auch nicht andere „zu Lernenden machen“, sich selbst aber als deren Lehrer aufschwingen, sondern als Lernende sollen sie aus allen Völkern Mitlernende gewinnen für den einzigen wahren Lehrer: Jesus Christus.
Leider beschreiben uns die Evangelienberichte keinen Glauben bei den Elfen, tendenziell Machtgerangel darum, wer der Erste war oder wem den Vortritt ließ oder wer auch schon etwas wusste, bevor es der andere erfuhr. Jesu Worte sind an sie alle: Schelte über deren Herzenshärte, Trauer über deren Unverständigkeit über die Rolle des Messias (das sollte beachtet werden bei der unitarischen Aufbruchsstimmung!) und Ermahnung insbesondere des Petrus, weil er Jesus verleugnet hatte. Erst danach sendet er sie zu allen Völkern.
Wesentlich anders und viel inniger verlaufen die Ansprachen der Engel und Jesu an die Frauen. Sie erhalten eine Sendung mit der wahren Botschaft an die männlichen Jünger.
Daher ruft Maria Magdalena zum Vorbild für uns alle am Ostermorgen — und geht allen Lernenden damit für alle Zeit dieses Äons voran:
„Rabbuni“, „mein geliebter Lehrer!“
Ist das in unserem Bewusstsein?

Dass Simon ihn parallel zu den Emmausjüngern noch in Jerusalem gesehen haben soll, wird vage gesagt und nirgends bei den Evangelisten bezeugt, außer bei Lukas mit einem merkwürdigen Satz, obwohl dessen eigener Bericht nirgends diese Erscheinung erzählt, sondern sogar kurz zuvor durch zweimalige Berichterstattung verneint, dass Petrus überhaupt irgendetwas gesehen hat außer einem leeren Grab und Leintüchern. Eher ist an eine „vermittelte Erscheinung“ zu denken, weil Petrus durch die Frauen eine Ansprache des Auferstandenen erhält, also indirekt dessen Erscheinung gewürdigt wird.
Die Beauftragung der Jünger durch den Auferstandenen zur Mission aller Nationen wird in allen Evangelien bezeugt. Sie sollen alle unterrichten über die Ereignisse, die in Jesus Christus geschehen sind und ihnen den Weg ermöglichen, ebenfalls Lernende auf seinem Weg zu werden.
Eine grausame Verzerrung hat dabei der Johannesbericht (Joh 20) erfahren:
„21 Jesus sprach nun wieder zu ihnen: Friede euch! Wie der Vater mich ausgesandt hat, sende ich auch euch.
22 Und als er dies gesagt hatte, hauchte er sie an und spricht zu ihnen: Empfangt Heiligen Geist!
23 Wenn ihr jemandem die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, wenn ihr sie jemandem behaltet, sind sie ihm behalten.
Die Kirche liest das grundsätzlich als Bevollmächtigung und Bestätigung des Bußsakramentes. Sie bzw ihre Hierarchen seien also berechtigt, Sünden zu vergeben?! Nicht selten wird einem erzählt, Jesus habe ihnen bereits hier eine besondere Geistvollmacht erteilt durch die Hauchung, die man ideologisch mit der angeblichen Hauchung der 3. trinitarischen Person des Heiligen Geistes aus dem Vater und dem Sohn in eins setzte. Sie zwingen jeden Gläubigen, sein Inneres offenzulegen und machen ihn von ihrer erteilten Absolution abhängig, denn angeblich dürfen sie ja auch Vergebung verweigern diesen Worten nach.
Über die grammatische und sprachliche Struktur dieses Abschnittes wurde immer wieder nachgedacht, auch die Tatsache falscher und tendenziöser Übersetzungen immer wieder aufgezeigt (zB durch Wendelin Eugen Seitz oder Hans-Ulrich Weidemann).
Man kann keine richterliche Bußpraxis ableiten. Die Hauchung Jesu erinnert einerseits an das Einblasen des Odems bei der Schöpfung des Menschen. Andererseits ist sie im Kontext doch vor allem eine gestisch-ausmalende, ankündigende Beschreibung der zukünftigen Empfängnis des Heiligen Geistes, die die Jünger nach der Himmelfahrt Christi auf das Wort Jesu hin erbaten und 10 Tage später erlebten. Es ergäbe keinen Sinn, hier bereits von einer erfolgten „Gabe“ auszugehen, zumal Jesus sie ja in den Auferstehungszeugnissen auf den Tag hin ankündigt, der bald nach seiner Wegnahme in den Himmel kommen wird. Auch vor seiner Hinrichtung hat er mehrfach betont, dass der Geist erst dann kommen kann, wenn er von den Jüngern (in den Himmel) weggenommen wird.
Im Zusammenhang mit dem Auftrag, alle Menschen von Jesus zu unterrichten, zu informieren (nicht zu „lehren“!), bedeuten diese Worte von der Vergebung wesentlich, dass diese Botschaft nicht eine „Lehre“ ist, sondern dass diese Botschaft per se die Sündenvergebung meint, die er für uns erworben hat. Insofern ist unser aller Zeugnis dieser Vergebung für alle Nationen lebenswichtig: wem wir dies getreulich mitteilen, der kann Vergebung erhalten. Wem wir dies nicht getreulich mitteilen, der wird behindert darin, Vergebung zu erlangen.
In dieser Stelle wird die enorme Verantwortung für ein korrektes Zeugnis offengelegt — keine richterliche Befugnis selbsternannter Kleriker, die so dafür sorgen, dass die Botschaft nicht korrekt weitergegeben wird.
Die Empfängnis des heiligen Geistes, die bald nach dieser Szene erfolgen wird, bevollmächtigt, d.h. befähigt die Jünger dazu, die Botschaft von der Vergebung korrekt weiterzugeben.
Durch die „Löschung des Geistes“, die bereits Paulus emphatisch vor Augen stellen muss (1. Thess 5,19), weil sie schon zu seiner Zeit in vollem Gange ist, wirkt eben diesem Geist entgegen und installiert an seiner Stelle eine antichristliche Hierarchie, die das gesamte Abendland und seine Geschichte in ein neues und realistisches Licht vor Gott setzt: das, was sich hier entwickelt hat, ist antichristlich. Wir sind nicht das christliche Abendland, sondern das antichristliche Abendland und merken es nicht.
Wir Christen haben Selbstmitleid, agitieren gegen Genderer, Abtreibungsbefürworter, Feministen, den bitterbösen Islam und inzwischen auch wieder dreist gegen die Juden. Immer deutlicher erheben sich besonders in traditionalistischen katholischen ebenso wie in esoterischen und rechts-okkultistischen Kreisen Stimmen, die glauben, man müsse das alte römische Reich samt einem Kaiser, der entweder aus dem Kyffhäuser hervorkommt oder aus schweizerischen Internaten plötzlich alte Bourbonen-Nachkommen offenbart, neu installieren. Der gesamte faschistische, katholische und okkultistische Politkomplex basiert auf solchen Hoffnungen und Wahnvorstellungen. Wer es nicht glauben will, lese Jean Raspail („Sire“) von 1991, Leo Perutz („Sankt Petri-Schnee“) von 1933 oder den rassistischen Irrsinn eines Richard von Coudenhouve-Kalergi in seinem Buch „Adel“ von 1922, der der Gründer Paneuropäischen Union war, die unter dem Patronat der Habsburger bis heute weiterwirkt und den Karlspreis der Stadt Aachen vergibt und in deren Umkreis hehre Mannen und Frauen wie Adenauer, Otto von Habsburg, Angela Merkel, Thomas Mann, Albert Einstein, Karl Schuschnigg, Franz-Joseph Strauß oder Charles de Gaulle schwirren. Man stellt uns diese Union als Verfolgte im 3. Reich dar, aber ein Blick in dieses abscheuliche Buch des Gründers von 1922 zeigt uns, wes Geistes Kind diese Brüder waren und sicher auch noch heute, wenigstens teilweise sind. Ein Autor, der solche rassistischen Werke geschrieben hat, sollte geächtet werden. Wer es nicht glauben will, sollte einfach im Internat suchen — das Buch ist frei zugänglich und kann von jedermann gelesen werden.
Aber es ist vieles ungereimt: Adenauer etwa suchte nach 1933 Zuflucht in Maria Laach — angeblich als hehrer Widerständler gegen die Nazis. Dessen Abt Ildefons Herwegen und einige Intellektuelle dort arbeiteten dagegen an einer esoterisch-katholischen „Reichstheologie“. Wem sich da nicht Fragen stellen, der ist aus mS nicht aufmerksam genug. Ohnehin muss gefragt werden, warum Rom hinter der Zustimmung des Zentrums zum Ermächtigungsgesetz stand und welche Interesse es dabei verfolgte. Ohne dieses Placet des katholischen Zentrums hätte es kein „3. Reich“ gegeben. Natürlich — ich betone das — können die einfachen, leiben Katholiken nichts dafür, denn sie dachten, sie wählen eine Bastion gegen Hitler…
Die traditionalistische Piusbruderschaft dagegen schwärmt bis heute teilweise ganz offen für den Faschismus (Erzbischof Lefebvre wallfahrtete einst ans Pétain-Grab…), und Raspail ist Starautor in diesen Kreisen und man spornt ihre Zöglinge zu dessen Lektüre an. Ich habe selbst erlebt, wie in ultrakatholischen Kreisen offen über die Rückkehr der alten Monarchie, natürlich im Zusammenspiel mit einem erneuerten Papsttum gesprochen wird. Uns werden Alpträume antizipiert, vor denen uns die Guten angeblich warnen, aber bei genauem Hinsehen sehen wir, dass sie behaupteten Guten mit den Bösen Hand in Hand wirken…
Wahnhaftes wird mit tatsächlichen sozialen und moralischen Problemen vermixt, so wild und oft leider auch dumm, dass man es nicht mehr auseinandergefilzt bekommt.
Aber Einigkeit besteht darüber, dass das christliche Abendland vor der Aufklärung, am besten vor der Reformation, etwas Großartiges war und ist und dringend wieder erneuert werden sollte. Das ist im wesentlichen — mal unter Einbeziehung von Reformation und Aufklärung, mal nicht (für jeden politischen Geschmack hat man etwas!) — Grundaussage in Teilen der intellektuellen AfD (die nichtintellektuellen Zweige der AfD mögen damit nichts zu tun haben!) ebenso wie insgeheim und verschwiemelt der Parteien der Mitte, die nur einen bestimmten Strang dieser Tradition für sich isoliert haben, während die AfD und identitäre Bewegungen eher größere Segmente wahrnehmen. Wer etwa Einblick nimmt in die Schriften des Baden-Württembergischen AfD-Abgeordneten Wolfgang Gedeon http://www.wolfgang-gedeon.de/ wird schnell solches Gedankengut erkennen. Wie gesagt möchte ich aber zu bedenken geben, dass diese Partei jung ist und divergente Strömungen in sich hat. Für mich ist noch nicht klar, wer sich hier wann durchsetzen wird. Aber wachsam sollte man ohne alles Hetzertum, wie es leider allenthalben seitens der etablierten Mächte und Medien ohne irgendeine sachliche Differenzierung passiert, doch sein!

Ich bezweifle diese rechtsesoterische Sicht der Dinge — was sich über Jahrhunderte weg deutlich als antichristliche Erscheinung aufgebaut hat, kann man nicht guten Gewissens „christlich“ nennen oder wieder aufleben lassen wollen, zumal es ja okkult durchaus weiterlebt und wahrscheinlich viel mehr Einfluss hat, als uns lieb ist.
Im übrigen hat Jesus niemals so etwas wie ein irdisches christliches Reich in diesem Äon versprochen. Aber auch das kümmert kaum jemanden unter den Christen. Nur wenige glaubten ihm, als er sagte, das Reich Gottes könne man weder sehen noch an äußeren Zeichen erkennen. Es ist kategorial unsichtbar für die Wahrnehmung des Äons (Lk 17,20f). Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen und bereits mitten unter uns, wie Jesus sagte, aber es ist deswegen unsichtbar, weil jegliche Kategorie dieses irdischen Äons ungeeignet ist, dessen Struktur zu erfassen. Und je mehr man es versuchte und versucht, desto unsichtbarer und ferner wird es. Der Kampf gegen dieses kategorial unsichtbare Reich muss daher mit esoterischen und okkulten Mitteln geschehen — das liegt in der Logik der Sache. Viele Christen unterschätzen das und wollen es nicht wahrhaben. Dabei arbeitet diese okkulte antichristliche Kampfaufstellung mit verfremdeten christlichen Motiven. Nicht umsonst sagte Jesus: „Seht zu, dass euch niemand verführt!“
Er hätte das nicht gesagt, wenn es nicht dringend gesagt hätte werden müssen.

Abgesehen davon, dass Petrus selbst niemals behauptet hat im NT, er sei als Erster Auferstehungszeuge, ist auch eine kurze Erwähnung bei Paulus kein Beweis:
Eine ähnliche Formulierung wie in Lk 24, 34 taucht bei Paulus in 1. Kor 15,5f auf:
„(Der Christus) erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich.“
Nur übersehen alle Befürworter der These, Petrus sei „eindeutig erster Auferstehungzeuge“, dass sämtliche anderen Evangelienbereichte dann verlogen sein müssten, und dass Paulus aber auch nirgends schreibt, dass Petrus der Erste war — er ist es nur innerhalb der bloßen Aufzählung der „Brüder“. Dann sollte man fragen inwiefern, zumal schon die Angabe von den „Zwölf“, die Hieronymus sinnigerweise, dem griechischen Text entgegen, auf „Elf“ (undecim) herunterkorrigiert hatte, was sachlich ja korrekt, bei Paulus dagegen sachlich falsch ist, falls er von „Zwölf“ gesprochen haben und dies nicht ein Abschreibfehler sein sollte.
Wörter“ wie „dann“ oder „danach“ oder „schließlich“ müssen nicht immer zwingend zeitlich gemeint sein. Sie meinen, dass man einen Aussage oder Sache in Folge der vorigen setzt. Das kann auch einfach eine sinnhafte Folge meinen. Man sagt etwa, dass man Argumente für X habe und zählt sie auf: Erst einmal spricht Y für X, dann Z — aber das bedeutet nicht, dass das erstgenannte Argument auch das zuerst gedachte war. Man setzt so einfach die Argumente in Beziehung zu der einen Sache, die bewiesen werden soll.
Es ist also nicht sicher, ob Paulus hier überhaupt eine zeitliche Folge meint, zumal er keine Worte wie „zuerst“ einsetzt: er buchstabiert den engeren und weiteren Jüngerkreis durch und geht von dessen irdischer Personen-Ordnung aus. Daran muss keine zeitliche Reihenfolge geknüpft sein.
Das wäre so, wie wenn wir sagen würden:
„Dass an diesem Tag stundenlang Ufos über die Stadt flogen, können viele bezeugen, weil sie es selbst gesehen haben: der Bürgermeister, dann die Räte, die Teilnehmer einer Open-Air-Tagung im Stadtpark und außerdem noch viele hunderte andere.“
Damit wird nicht ausgesagt, dass die Sichtungen in der Personen-Reihenfolge geschahen, sondern dass alle zentralen und weniger zentralen Gestalten des Ortes Zeugen sind und nicht einer davon das Gegenteil bezeugt oder nichts gesehen hätte. Die Aussage des Paulus legt uns vor allem die Vollständigkeit der Zeugenschaft der Gesamtheit der Jünger vor, die vor Gericht auch aussagen könnten.
In jedem Fall sagt Paulus nicht, dass Kephas der Erste überhaupt war, ebenso wenig wie es Lukas wagt, dies in seinem Evangelium zu behaupten. Es geht um eine überwältigende Zeugenschar!
Aber eindeutig behaupten Markus und Johannes ausdrücklich, dass Maria Magdalena die Erste war. Und ich denke, dieses Detail ist wirklich wichtig, sonst würde es nicht so ausführlich erzählt!
Ich denke, daran kann niemand guten Gewissens vorbeiargumentieren. Wenn immer wieder behauptet wird, das sei aber „unklar“ im NT, dann kann ich nur dazu sagen: nein, das ist es nicht, aber viele wollen nicht annehmen, was geschehen ist, weil sie es besser wissen wollen als der Herr und auf Biegen und Brechen ihr eitles Hierarchiemodell biblisch fundieren wollen. Viele katholische Kleriker übergehen dabei sogar die in den Zeugenberichten natürlicherweise vorhandene und darum absolut glaubwürdige Unschärfe mancher Details und behaupten kühn, es sei „ohne Zweifel“ so, dass Petrus als Erster den Auferstandenen gesehen und auch noch als Erster geglaubt habe.
Aber nicht nur katholische Kleriker: Etwa hier der evangelische Theologieprofessor Willi Marxen 1968 http://www.paulus-briefe.de/9-2-6-erscheinungen.html, der uns so zeigt, dass auch die Protestanten diesem Wahn erliegen, ohne dass ihr Gewissen ihnen zeigen würde, dass der gesamte Befund doch etwas ganz anderes sagt. Im Falle des Prof. Marxen wird aus dem Auferstehungszeugnis ein Zeugnis über etwas, das sich ohnehin nicht wirklich ereignet hat, sondern von den Zeugen deklariert wird.
So schließen sich die Kreise — die protestantische Theologie bestätigt vielleicht ungewollt die Fabeleien der katholischen Machtattitüde. Wer so mit Textzeugnissen umgeht, braucht keine Texte mehr — am besten erfindet er alles selbst. Das würde kaum einen Unterschied machen. Und man beginnt zu ahnen, wie nahe sich das katholische Lehramt und eine allzu textkritische Übergriffigkeit gegenüber einem Textbestand stehen, denn in beiden Fällen ringt man nicht mit echten Widersprüchen im Befund, sondern man will unbedingt etwas durchsetzen, das sich im Text so nicht findet und unter keinen Umständen logisch so aus ihm erschließbar ist und als Stein des Anstoßes stehenbleibt bis ans Ende der Zeiten, denn Jesu außerordentliche Geburt bezeugen uns bis heute naturgemäß Frauen bzw deren Bericht, und seine Auferstehung bezeugen ebenfalls sie uns an erster Stelle. Gott hat es so gewollt, denn er macht keine Fehler. Er bestimmt, wer wann zu reden hat und nicht eine Machtkaste, die sich selbst jedes Rederecht zuspricht und über das aller anderen ausschließend bestimmen will.
Und er übergab all das, was dem Blick der irdischen Denkweise als „Geschwätz“ erscheint denen, denen man sowieso immer unterstellte, sie könnten nicht vernünftig reden, und schickte gerade sie zu denen, die sich für klug und verständig hielten.
Diese Tatsache taucht auch in den Gerichtsreden auf: Die von sich glaubten, sie handelten in Vollmacht, werden von Jesus nicht erkannt. Er wirft sie hinaus. Die, die von sich nicht glaubten, dass sie in seiner Vollmacht handelten, aber einfach nur treu nach ihrem Vermögen ihm nachfolgten, werden von ihm als solche angesprochen, die es taten und wundern sich.
Ein Wunder der Wunder aber ist, dass alle der elf Jünger das ergriffen, was ihnen berichtet wurde und sich auf den Weg derer begaben, die doch nur „Geschwätz“ produzieren: sie bezeugten das, was ihnen bezeugt worden war, und das sie dann selbst erleben konnten und verloren infolgedessen in dieser Welt alle Macht und gewannen damit für die anderen und sich selbst alles. Paulus sagt uns das am Ende seiner Aufzählung der „Zeugen“: er setzt sich selbst an dieses Ende!
Wer ihrem armen Zeugnis glaubt, dem Zeugnis aus „beit ania“, dem „Haus des Elends“, aus dem Jesus zum Vater ging, und von wo er auch wieder kommen wird, zurück in unser bis dahin noch ärmeres „Armenhaus“, für den ermöglichten sie den Weg zur Vergebung.
An ihnen wird deutlich, wo das Reich Gottes bereits unter uns ist.
Diese wirklich auffallenden Auferstehungsereignisse zeigen es uns, und ich danke Gott von Herzen dafür, dass er so gut ist und niemandem das, was er ihm gegeben und aufgetragen hat, nehmen lässt, ganz gleich, was die antichristliche, geist-löschende Macht, die sich christlich nennt, daraus machen wollte.