Sonntag, 11. Juni 2023

Warum sind die 144 000 Versiegelten der Johannes-Apokalypse "parthenoi"?

Warum sind die 144 000 Versiegelten der Johannes-Apokalypse "parthenoi"?


Eine Stelle in der Johannes-Apokalypse bzgl. der 144 000 Versiegelten hat schon vielen Rätsel aufgegeben:

"... hoi meta gynaikon ouk emolynthesan parthenoi gar eisin..." (Apk14,3ff)

Meist so übersetzt: "Diese sind es, die sich nicht mit Frauen befleckt haben, denn sie sind jungfräulich".

Dass das so nicht ganz stimmen kann, ergibt sich daraus, dass sowohl das "meta" nicht nur "mit" bedeutet und auch nicht von "jungfräulich", sondern von "Jungfrauen" die Rede ist, einem eindeutig weiblichen Begriff.

Die Präposition "meta" meint nicht nur "mit". Auch als Präfix meint das so gut wie nie ein einfaches "mit". Bedenken wir: "Meta-Ebene" meint die Ebene drüber. Metapher meint eine "Überbedeutung". Metaphysik meint das, was über der sinnlich wahrnehmbaren Welt erforscht werden kann.
"Meta" meint in verschiedenen Hinsichten "mit" iS des "über", auch einer Beiordnung iS von "zwar nah dran", aber doch "jenseits von". Doch davon gleich noch mehr.

Die Stelle spricht von Frauen - Jungfrauen. Von Menschen, die dem Weiblichen zugeordnet werden.

(Übrigens: Auch hier ein Hinweis für die Verfechter des angeblich authentischeren deutschen Begriffs "Weib": Woher mag wohl das uralte Wort der Jungfrau kommen, wenn "Weib" das authentischere Wort für die Frau sein sollte? Die Jungfer ist aber sehr alt und schon im Althochdeutschen bezeugt ...)

Also: Die Stelle spricht von Jungfrauen (griech. parthenos), nicht Männern.

Und das "beflecken"? Was ist das für ein Wort?

Es ist auf Griechisch "molyno", sich besudeln oder schwarz machen/verfinstern.

Wie immer wir also die parthenoi zuordnen: es sind weiblich gezeichnete Menschen! Auch dann, wenn damit (auch) Männer gemeint sein sollten.
Eben nicht eine männliche, sondern eine weibliche Zeichnung derer, die versiegelt sind und gerettet werden!

Dieses "meta gynaikon emolynthesan" bedeutet also was?

Uns wird christlicherseits versichert, "meta" bedeute im biblischen Griechisch "mit, nach, bei" (zB bei Strong).

Aber es steckt in dem Begriff schon eine irgendwie hierarchische Schwingung, andernfalls ergäbe sein normaler Gebrauch überhaupt keinen Sinn. Der egalitäre und gleichschwingende, auf Gleichartigkeit abzielende Gebrauch von "mit" wäre eher die Präposition "syn" ("Synergie, Sympathie, Symphonie, Synkope, synchron, Syndrom, Synästhesie, Synode, Synthetik" etc.). Alle Bildungen mit "meta" gehen nicht von Gleichartigkeit oder Gleichschwingung aus, sondern von einer Über- oder Folge-Schwingung, einem merkwürdig widersprüchlichen "Ganz-dran-sein", aber zugleich "Jenseits-dazu-sein", einem es förmlich Übermannenden, auch einem "Danach-Kommen" oder "Sich-an-die-Stelle-setzen" dessen, im Bezug auf den man "meta" ist: Man ist "mit" ihm, vielleicht "bei" ihm oder kommt "nach" ihm, aber es spielt immer der Vergleich, das Sich-Absetzen eine Rolle, unter Umständen auch in dem Sinn, dass man in etwas hineingerät, dem man nicht zugehört, ein "mittendrin sein", ohne dazuzugehören.

Es geht also darum, dass hier weiblich geartete Menschen ausgesondert worden sind, die sich entweder als Weibliche nicht haben besudeln lassen. Oder sich der Besudelung und Verfinsterung oder Zerstörung des Weiblichen nicht teilhaftig gemacht haben.

Die Stelle ergäbe verkrampft-sexuell verstanden überhaupt keinen Sinn, weil damit jeder, der aus welchen Gründen immer Geschlechtsverkehr hatte, auch der, der verheiratet war, weg vom Fenster wäre. Aber das ist sinnlos, weil Gott die Ehe immerhin gestiftet, gesegnet und als ausdrücklichen Auftrag an den Menschen ausgesprochen hatte im Garten Eden.
Die Stelle in der JohApk muss folglich zwangsläufig anders gedacht sein und an die alte Metaphorik Israels anknüpfen von der "Jungfrau Zion/Israel" und der Hurerei, die Gott ihr immer wieder vorwarf.
Dass damit die Abgötterei gemeint ist, scheint klar, fortgedacht auch die innerhalb der Kirchen oder mit ihnen.

Es geht um Menschen, die sich von all dem rein gehalten haben, und das als weibliche Menschen auch dann, wenn sie Männer sind.

Es schwingt natürlich mit, dass dieses "meta gynaikon" damit die Niederwerfung und Schändung der Frau in ihrer Würde und Kraft ausdrückt.
Und an der beteiligt sich also (fast) die ganze Männerwelt, aber auch die Frauenwelt, die es mitmachte und mitmacht.

Der "Kleinglaube", wie es in lutherscher Übersetzung so schön heißt, ist etwas zutiefst Maskulines, sobald es sich absetzt und überhebt über das Weibliche: Der "oligopistos", der Gering-Glaubende, traut Gott nichts zu, er sieht nur auf die Werke der Macht auf Erden. Immer wieder benennt Jesus seine männlichen Jünger so (Mt6,30; 8,26; 14,21; 16,8). Ihnen wird ein anderer Glaube gegenübergestellt: der der Kinder und der Frauen, die ihm die Kinder zur Segnung brachten (Lk18,15-17). Wer nicht wie ein Kind das Reich annimmt, wird nicht hineinkommen.

Dem Kind korrespondiert in gewisser Weise das Jungfräuliche und Reine, das Unverstellte und Machtlose, aber auch das Mütterliche und Liebende, das Gebärende und Lebenerhaltende.

Wer in diesem weiblichen, reinen Glauben ist, kann Berge versetzen, etwas, wovon der technikbesessene Patriarch nur träumen kann, was er immer so gerne machen würde und mit Kriegsgerät gegen Gottes lebendige Schöpfung antritt, um den Berg zu versetzen.

Die Versiegelten sind Menschen beiderlei Geschlechtes, die sich nicht verfinstert haben durch eine Art Kaum-Glauben, sie sind keine "oligopistoi", keine Fast-nicht-Gläubigen. Sie trauen Gott in der schlimmsten Verwerfung, die die satanische Macht des megatechnischen Antichristus schafft, dennoch alles zu für sich persönlich und die ganze Welt, indem sie es empfangen, gebären, schützen, nähren und dann loslassen. Sie beugen das Knie nicht unter dem enormen Druck der Verhältnisse, sie glauben, dass Gott sie dennoch hindurchführt, so wie Abraham glaubte, dass der Gott, der ihn scheinbar versuchte, das verheißene Kind zu opfern, dies nicht von ihm verlangen würde oder andernfalls, falls doch, dieses Kind wieder erwecken würde. So ergibt auch die Vaterunserbitte tiefen Sinn: Führe uns nicht in Versuchung. Das päpstliche Geplapper aus Rom, Gott versuche uns doch nicht, ist einfach schriftfern und lebensfern. Wenn Gott immer bei uns ist, wenn sein Herz mit dem unseren schlägt, kann es auch sein, dass er in tiefe Versuchung führt. An uns ist es, über sie im Glauben hinauszuwachsen, zu wissen, dass er daraus retten wird, indem wir zuversichtlich hineinschreiten. So wie damals Abraham:

Abraham wusste, dass dies das verheißene Kind war. Er wusste, dass aus diesem Kind Nachkommen wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meer werden würden. Und wenn Gott zehnmal befahl, er solle ihn opfern, wusste Abraham genau, dass Gott das Opfer nicht wollte. So zog er los. Und es kam, wie er es geglaubt hatte.

Es ist dies ein Lehrstück für uns alle, mit der scheinbaren Herausforderung der Widersprüchlichkeit Gottes uns gegenüber umzugehen. Nicht, indem wir anfangen, den absurdesten Unfug für möglich zu halten, sondern zu wissen, dass Gott uns alles einhält, was er zugesagt hat, und sehe es noch so trübe aus.

Was also die Apokalypse betrifft: Es ist denen, die festhalten an dem Zeugnis Jesu Christi, verheißen, dass sie die Erde einstmals regieren und gestalten werden. Zusammen mit dem Christus.

Das wird kommen - und es ist in besonderer Weise den 12 Stämmen Israels verheißen. Der größte Teil Israels wird untergehen. Aber eine kleine Zahl aus allen 12 Stämmen, von denen derzeit in der Gruppe, die für sich "Israel" beansprucht, nur zwei Stämme für sich das Ganze beanspruchen, das ihnen nicht zusteht, wird übrigbleiben und aufgrund des Glaubens, wie ihn nur ein im Bewusstsein "jungfräulicher", rein weiblich gesonnener Mensch oder ein Kind haben kann, in diese vor der Tür stehende basileia, die malkhut der Propheten kommen. Oder stehen die Zigtausende in der Schrift für unübersehbar viele? Wir müssen es offen lassen.

Diese Versiegelten sind "von der Erde erkauft" ("apo tes ges").

Auch das ist eine merkwürdige Aussage. Aber sie ergibt Sinn, wenn wir verstehen, dass die Erde weiblich gedacht ist, das, was gebiert und selbst geboren ist in seinen Geschöpfen und, was den Menschen betrifft, in ihm vorhanden ist, denn auch er ist aus Erde, "adamah", dem roten Erdboden, der selbstverständlich weiblich vorgestellt wird, durch die Farbe blutvoll und aus dem Wirbel geboren, von Gott nicht gegen diesen Urstoff, sondern aus und mit ihm gestaltet und beseelt worden durch den Odem Gottes, die "neschamah", eine weibliche Lebendigkeit.

Auf der Erde ist etwas geschehen. Ihre Integrität ist korrumpiert worden. Aber diese 144 000 Menschen werden ihr erhalten wie einst Noach und seine Familie. Sie sind "egorasmenoi", "Erkaufte", die aus ihr weggenommen werden, um etwas von ihr zu retten. "Sie folgten dem Lamm, wohin es auch ging", heißt es in V4. Sie sind ohne Falsch und ohne jeden Tadel.

Auch dieses "ohne Falsch" will ich zum Schluss noch abwägen: In ihrem Mund sei keinerlei "dolos", keinerlei "Trug" und "List".

In unseren Tagen verstehen wir das viel besser, was das heißt! Sie schüren weder Dramen noch Fake, sie behaupten nicht, sie seien die einzigen, die nur "Fakten" verbreiten, sondern sie sind ohne jede "List". Was sie sagen, ist wahrhaftig.

"Dolos", Lüge und Täuschung, das Handwerk der Schlange, verbreitet in Täuschungsmaschinen - das ist niemals der Boden, auf dem sich diese Versiegelten bewegen. In einer Zeit schlimmsten, seriell verbreiteten Trugs ("KI") stehen sie dem als reine Menschen entgegen, als freie Kinder der Mutter Sarah, die für die himmlische Stadt steht, die nicht im Himmel abgehoben ist, sondern als dem Wesen nach "himmlische" Weltenstadt hier auf Erden bereits gegründet und entstanden war und ist(vgl. Gal4), dem technisch-bebrillten Blick des patriarchalischen Menschen aber verborgen bleibt. Auch Auferstehung bedeutet ein Geborenwerden, nicht ein "Produziert-Werden". Der Christus ist der "Erstgeborene", der "prototokos" aus den Toten, den Systemtoten dieses Zeitalters. Und jeder kommt dahin nur, wenn er aus "Wasser und Geist geboren wird", wie Jesus es zu Nikodemus sagte. Geboren! Das Wasser steht für die irdische Schöpfung, für den Urwirbel "tehom", aus dem sie hervorkam, als Gott sie rief (Gen1), als er sie ansprach, dass sie werden solle. Der Geist steht für Gott, aus dem jeder geboren werden muss, wenn er in dieses Friedesnreich, diese "malkhut" der Propheten, gelangen will, wo aus Waffen wieder Naturwerkzeuge gemacht werden: Schwerter zu Pflugscharen.

Wehe dem also, der als Kind der Erde, als Menschenkind, als weibliches Naturwesen, als von einer Frau Geborener, der Megamaschine des Trugs, der Simulationen, des "Als-ob" huldigt, sein Knie davor beugt oder vor ihm resigniert.