Donnerstag, 8. September 2016

Die Gottesmutter und Johannes der Täufer



Die Gottesmutter und Johannes der Täufer

Gedanken zu Mariae Geburt (8. September)

Wegbereiter des Herrn: eine Frau und ein Mann

Das Festdatum für „Mariae Geburt“ am 8. September ist Berechnungsgrundlage für das Hochfest der „Unbefleckten Empfängnis“ am 8. Dezember. Die beiden Feste hängen untrennbar miteinander zusammen. Die Kirche feiert das heutige Fest spätestens seit dem 7. Jh in Ost und West.

Aber bevor ich nun etwas wiederhole, was alle Welt sowieso schon weiß, möchte ich erzählen, wie sehr ich eine Verbindung sehe zwischen der Gestalt Johannes des Täufers und der Gottesmutter, die beide eine wunderbare Geburt erlebt haben.

Liebfrauenkirche Trier
Die makellos empfangene künftige Gottesmutter, die von der Erbsünde von Gottes Gnaden Vorauserlöste, kommt zur Welt. Und mit ihrer Geburt, ähnlich wie einige Jahre später mit der wunderbaren Zeugung und Geburt Johannes des Täufers, sind die wesentlichen Zeichen gesetzt, die der Ankunft des Erlösers wie zwei gewaltige Gestirne vorausgehen.

Zwei Menschen, eine Frau und Mann, werden in überragender Weise dem Herrn den Weg bereiten. Die Frau geht dabei wiederum dem Mann voraus. Aber nicht nur das: sie überdauert ihn auch weit in die neue Ordnung, ins „Neue“ hinein. Doch fangen wir mit dem Mann an, denn er repräsentiert das „Alte“:

Der Rufer in der Wüste: Johannes der Täufer

Ein Mann soll dem Herrn den Weg bereiten, wie uns überliefert ist. Ein „Rufer in der Wüste“ ist er, die „vox clamantis in deserto“ - welch ein Bild!

„Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.“ (Joh 1, 6)

„Jochanan“, latinisiert „Johannes“, das bedeutet „Gott ist gnädig“. Während die wunderbare makellose Zeugung Mariens und ihre darum auch wunderbare Geburt zunächst ganz im Verborgenen bleiben, wird die Geschichte des Täufers ausführlich berichtet. Zu Recht, denn in ihm geschieht ein Abschluss, der Abschluss des geisterfüllten Prophetentums im Alten Bund. Johannes Geburt ist wie ein nahes Echo das Zeichen einer gnadenhaften Geburt, das sich in Christus erfüllen wird. Als Greise zeugten ihn seine bis dahin unfruchtbaren Eltern. Der Vater Zacharias wurde wegen seines Unglaubens ob dieses Wunders durch den Engel Gabriel zum Verstummen verurteilt:

„Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich bin gesandt worden, um mit dir zu reden und dir diese frohe Botschaft zu bringen. Aber weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die in Erfüllung gehen, wenn die Zeit dafür da ist, sollst du stumm sein und nicht mehr reden können bis zu dem Tag, an dem all das eintrifft.“ (Lk 1, 19 f)

Die Mutter Elisabeth aber, die ohne Schwierigkeit glaubte, durfte im Heiligen Geist das erste Christuszeugnis unter den Menschen aussprechen, - sie gab es für den ungeborenen Gottessohn ab - , als sie als Schwangere, den „Rufer in der Wüste“ in sich tragend, von der werdenden Gottesmutter Besuch erhielt:

„Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“ (Lk 1, 41 ff)

Dem ungläubigen und sich verweigernden Zacharias wurde angesagt, in wessen Kraft sein Sohn, den er Johannes nennen sollte, dem gesalbten des Herrn vorausgehen würde:

„Er wird mit dem Geist und mit der Kraft des Elija dem Herrn vorangehen.“ (Lk 1, 17)

Später würde Jesus eine Identität oder Analogie Johannes des Täufers mit Elija bestätigen:

„Und wenn ihr es gelten lassen wollt: Ja, er ist Elija, der wiederkommen soll.“ (Mt 11, 14)

Und:

„Ich sage euch aber: Elija ist schon gekommen, doch sie haben ihn nicht erkannt, sondern mit ihm gemacht, was sie wollten. Ebenso wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen. Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer sprach.“ (Mt 17, 12 f)

Elija erscheint mit Mose auf dem Berg Tabor im Gespräch mit dem Herrn „verklärt“, wie es gerne übersetzt wird, oder, wie es eigentlich heißt, „in majestate“, „in Herrlichkeit“, als Jesus mit einigen Auserwählten dorthin geht. Es ist schwer vorstellbar, dass Gott einen Menschen, der bereits bei Gott ist, wieder im Fleisch erscheinen lassen sollte. Die Rede vom „Geist“ und von der „Kraft Elijas“ weist eher auf eine Identität mit Eigenschaften und Vollmachten Elijas hin.

Der „Rufer in der Wüste“ geht dem Herrn in allem voraus, ist wie eine Zusammenfassung alles alttestamentlichen Prophetentums, das auf Christus hinweist und sein Auftreten und Schicksal im auserwählten Volk wie einen langen, „vorausgehenden“, oder besser rückwärts weisenden Schatten wirft. Ein Schatten zurück in lange Jahrhunderte des Altertums, denn der Erlöser, das Licht vom Licht, der „oriens ex alto“, der „Morgenstern aus der Höhe“, fällt von der Ewigkeit her, aus dem ewigen Licht Gottes, von vorne und von oben her auf den einsamen Rufer.
Als Zacharias später doch glaubt und den Herrn preist, bestätigt er, was der Engel Gabriel ihm abgesagt hatte (Lk 1, 78).

Kein Mensch auf Erden ist größer als Johannes-Elija, sagt uns der Herr, und doch wird im Himmelreich noch der Kleinste ihm überlegen sein (Mt 11, 11f). Und Johannes bestätigt dies: „Me autem oprtet minui“: „Mir gebührt es aber zu verschwinden“ (s.u.). „Minui“ heißt „verschwinden“, „schwinden“, „schrumpfen“. Welcher Mann, auch welcher Mann in der Kirche, ist bereit zu einer solchen Haltung? War der Mann nicht auch in der Kirche stets eher dazu geneigt, dieses „Verschwinden“ einseitig der Frau abzuverlangen, aber sinnigerweise nicht etwa dem Herrn gegenüber, sondern sich selbst (!) gegenüber?

Wie sehr muss man Johannes lieben für seine Demut! Johannes selbst vollzieht das Verstummen seines Vaters im Glauben nach. Er predigt das kommende Reich Gottes und ruft zur Buße auf. Und er kündigt das Ende des „alten“ Prophetentums, ja, er kündigt auch das Ende jedes maskulinen Anspruchs der Quasi-Göttlichkeit und Dominanz an. Er sei nicht wert, dem, der da kommt, die Schuhriemen zu öffnen (Mk 1, 7), sagt er, und das meint er nicht in rhetorischer Bescheidenheit und demonstrativer Demut, sondern in der ganzen Härte, die diese Worte ausdrücken. Es ist eine Selbsteinschätzung eines wahrhaft geisterfüllten Mannes, die ihresgleichen sucht:

„Ich bin nicht der Messias, sondern nur ein Gesandter, der ihm vorausgeht.
Wer die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihn hört, freut sich über die Stimme des Bräutigams. Diese Freude ist nun für mich Wirklichkeit geworden.
Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“ (Joh 3, 28 ff)

Johannes geht als der „schrumpfende Mann“, als der „verstummende Mann“[1] den Weg des Wegbereiters und Beiseite-Treters. Seine Geste ist die, dem Herrn Platz zu machen. Er gibt sich hin wie einer, der ein Hindernis war und sühnt damit die Haltung seines ungläubigen Vaters, die nur typisch ist für das stolze Priestertum Israels.

Johannes der Täufer zeichnet die künftige Rolle des Mannes in Christus voraus

Er entwirft in einem einzigen genialen Satz die künftige Rolle des Mannes in Christus, insbesondere des Priesters:
Er ist der „Freund des Bräutigams“, der „amicus sponsi“.
Das Amt des Mannes, vornehmlich des Priesters, ist nicht, den Herrn in dieses Äon zu bannen oder ihm vorzuschreiben, wie er verfahren soll, auch nicht das, ihn stolz und selbstherrlich zu „vertreten“ oder gar ein sich verselbständigendes „Statthaltertum“ zu entwickeln, das den Herrn vergisst und sich selbst an seine Stelle setzt.
Nein – schauen wir uns Johannes den Täufer an, dann verstehen wir, was gemeint ist: der Mann in Christus herrscht nicht, sondern er „steht dabei“, er ist wie einer, der sich unentwegt von Christus belehren lassen soll angesichts dessen, wie der Herr im Fleisch agiert. Und der Herr agiert durch sein Opfer, bis er kommt. Der Mann, der Priester, ist der, „qui stat“, „der steht“ (Joh 3, 29) und sich allezeit diese Haltung und Handlung des Herrn ansieht, der sich vollkommen hingab, nicht um zu herrschen, sondern um zu dienen. Der Mann ist gehalten, sich immerzu dem Opfer Christi zu stellen. Er ist wohl kaum in einem falsch verstandenen, vom Hochmut bereits wieder zerfressenen Sinn ein „alter Christus“ („zweiter Christus“), worauf auch Kardinal Müller einmal hingewiesen hat[2], sondern wirklich „nur“ der Freund des Bräutigams, ein Platzhalter, dem es gebührt („oportet“), zu „verschwinden“, wenn der Herr „kommt“, damit der Bräutigam „wachsen“, ja sogar „sich mehren“ („crescere“) kann, denn er hat die Braut und nicht der, „qui stat“.  Das war die Haltung Johannes des Täufers bis zu seinem gewaltsamen Tod. Johannes verglühte förmlich im kommenden Opfer Christi. In seiner totalen Selbsthingabe gewann er Anteil an der Braut.
Männliche Freundschaft mit Christus heißt: für sich selbst nichts, wirklich nichts (!), auch nicht etwas, das das eigene Meinen mit dem Willen Gottes verwechselt, wollen, sondern alles für und vor allem durch Christus, um den Herrn objektiv sakramental sichtbar werden und wirken zu lassen.
Die Tatsache, dass es dem Mann nicht nur positiv „vorbehalten“, sondern auch „auferlegt“ ist, sich Christus in einem objektiven sakramentalen Amt hinzugeben, das ja seine Subjektivität völlig löscht, hängt mit diesem „minui“ zusammen, das der Täufer vorlebte.
Johannes trug das Schicksal des Prophetentums und des Priestertums des Alten Bundes, denn er war auch Priestersohn,  zusammenfassend … ans Kreuz. Es hat eine tiefe Bedeutung, dass sein Kreuz war, enthauptet zu werden. Das Haupt, das Hauptseinwollen im alten Sinne, des Führers und „Chefs“, des starken Mannes, kam zu seinem Ende. Künftig würde alles Prophetentum und alles gottgefällige Mannsein ein anderes sein als bisher.

Das Ende weiblicher Umwidmung männlichen Machtwahns

Mit diesem Ende Johannes des Täufers war aber auch das Ende der sündhaft-ohnmächtigen Machtaktion der Frau über den Mann erreicht.
Das Ende des Täufers ist eine gespenstische Nachäffung des Sieges zweier alttestamentlicher Frauenführerinnen. Einmal denkt man an die mutige Tat der Jael, die nach einer Vorhersage der Richterin Deborah dem kanaanitischen Feldherrn Sisera einen Pflock durch die Schläfe schlägt (vgl. Ri 4)und noch intensiver ist die symbolische Nähe zu Judith, die dem Tyrannen Holofernes, der die Israeliten vernichten wollte, zusammen mit einer anderen Frau den Kopf abschnitt.
Die Ermordung Johannes des Täufers ist die einzige Erzählung des Neuen Testamentes, die konkrete Frauen negativ in männliche Machtambitionen verstrickt darstellt.
Wie in einem seltsamen Irrlicht stiftet eine pervierte Frau, Herodias, eine junge Frau, nämlich ihre Tochter Salome, die sie aus einer früheren Ehe hat, dazu an, den Kopf des größten Menschen des Alten Bundes zu fordern, als wäre er ein dämonisches Ungeheuer.
Ihr missfällt dessen Kritik an ihrem Ehebruch mit dem Tetrarchen Herodes Antipas über Galiläa. Und wieder, wie in einem giftigen Nachhall auf den Sündenfall, lässt sich der Mann, Herodes Antipas, auf diese Mordforderung der Frau ein, die die allerdings nur um seinetwillen erhebt, denn sowohl er als auch sie haben ihre bereits bestehenden Ehen gebrochen, um ihr illegitimes Verhältnis durchzusetzen, was beim jüdischen Volk Unwillen erregte. Es war Herodes gewesen, der Johannes den Täufer aus Zorn über dessen Kritik an seinem, des Herodes Verhalten, ins Gefängnis hatte werfen lassen. Herodes war es unwohl bei der Mordforderung (Mk 6, 26), und doch gab er ihr aus Machtgier und Feigheit nach.

Die Rolle der jungen Salome, die sich willenlos als Handlanger anstiften lässt zu dieser Bluttat, konterkariert die Rolle der Jungfrau Maria. Während Maria unabhängig und um männliche (und jede menschliche) Zustimmung völlig unbekümmert handelt und redet, sich durch ein Jungfräulichkeitsgelübde ja ohnehin der Hand des Mannes entzogen hat, um Gott ganz zu dienen, ist Salome ein gesichtsloses Kind, das vor den Herren auf einer Orgie tanzt, um so deren Neigungen und Trieben Genugtuung zu geben. Herodes ist von ihrem Tanz so angestachelt, dass er sich der Unvernunft ergibt und ihr einen Wunsch gewährt, was immer es sei, er werde es erfüllen. Salomes alberner Tanz bleibt aber seltsam fahl. Wir sehen den Druck vor Augen, der Frauen zu solchem Verhalten treibt, aber auch, wie sehr sie dadurch Spielball eigener und fremder Unvernunft werden. Sie ist überfordert mit seinem Angebot und läuft zu ihrer Mutter, die die Lage ausnutzt und ihrer Tochter einredet, den Kopf des Täufers zu fordern. Und das dumme Ding, im Würgegriff des obszönen und die Frau erniedrigenden höfischen Lebens, tut, was ihr gesagt wird, als hätte sie keinen Kopf, kein Hirn, keinen Mut und vor allem keine Moral. In einem gewissen Sinn verkörpert sie das kopflose und unterwürfige Wesen, von dem mancher Mann träumt...
Die Geschichte hat uns überliefert, dass Herodes sich damit politisch selbst erledigt hat, denn die Soldaten, die Johannes liebten, versagten ihm fortan die Loyalität, und der ehrgeizige Plan der Herodias, dass ihr Mann in Rom von Caligula zum König erhoben werden sollte, - noch ein Umwidmungsversuch männlicher Macht durch die Frau auf sich selbst - , endete damit, dass Herodes nach Gallien verbannt wurde und dort, fern der Heimat, bald starb.
Die Festigkeit, die geistige Unabhängigkeit der Jungfrau Maria wird durch das willenlos-schwache und geistlose „Mädchenschema“ der Salome umso deutlicher und heilsamer hervorgehoben.
In der Passion Christi erleben wir dann, wie die Frau des Statthalters Pilatus die gegenteilige Rolle zu Herodias einnimmt, und ihren Mann davon abhalten will, den Sohn Gottes hinrichten zu lassen - wie wir wissen ohne Erfolg. Die Frau des Pilatus, die Tochter des Kaisers Tiberius war, verhielt sich geistig ihrem Mann gegenüber vollkommen eigenständig, sah sich als seine Ehefrau aber in seinem Interesse, als „Hilfe“, dazu verpflichtet, ihn zu warnen.
Noch im 1. Jh, wenige Jahre nach Jesus und Johannes, wiederholten Nero und seine Mutter Agrippina erneut das Geschlechterdrama auf gespenstische Weise, aber die Frau zog hier endgültig den kürzeren: Erstmals ließ ein Kaiser nicht nur seine wechselnden Ehefrauen, sondern auch seine Mutter ermorden, um endlich ungebremst zu herrschen, aber am Ende blieb auch ihm nur der gewaltsame Tod.

Wo liegt die Wüste?

Und was fangen wir mit der „Wüste“ an, in der der Täufer ruft? Israel zur Zeit Jesu oder gar die antike Welt – eine geistige Wüste? Oder ist es die Wüste verlöschender maskuliner Kraft, von der Graber sprach (vgl. Anm. 1)?
Erinnern wir uns an Gottes Urteil an Adam: der Erdboden würde ihm mit Dornen und Disteln widerstehen. Die Erde ist aufgrund Adams Versagen zur einer Wüste geworden. Und der todgeweihte Mann kämpft gegen diese Dornen und Disteln, um zu überleben, um „im Schweiß seines Angesichtes sein Brot zu essen“ (Gen 3), aber seine Kraft erlahmte, der verhängte Tod holte ihn in seinem Kampf und durch seinen Kampf nicht nur persönlich, sondern global ein. Man kann aus heutiger Sicht noch viel krasser feststellen, dass sich die Erde inzwischen zu großen Teilen in eine echte Wüste, eine wahre Mondlandschaft verwandelt hat. Nicht nur, dass die reale geologische Desertifikation durch natürliche Prozesse und verschiedene Ingenieurs-Eingriffe rasant zunimmt[3], sondern immer mehr Gebiete der Erde sind von Krieg, Sklaverei, Mord, Vergewaltigung und Totschlag, Chaos und Misswirtschaft so sehr verwüstet, dass ein geordnetes Leben auf lange Sicht kaum mehr rekonstruierbar erscheint. Eine markante Rolle spielt dabei der militante Islam, der ausdrücklich und ausschließlich den Mann zum alleingültigen Akteur erhebt. Auf der anderen Seite steht der macht- und geldgierige Westen samt dem europäischen Osten, dessen Exponenten zwar nicht durchweg, aber größtenteils keine Frauen sind und niemals Frauen sein werden, auch wenn es selten einmal Frauen wie Hillary Clinton oder Angela Merkel zum Verhängnis ihrer Staaten „nach oben“ schaffen. Die Frau spielt auch nach dem Willen des westlichen Mannes in der zweiten Liga die Rolle der entkernten Person, die zum Arbeits- und Erwerbstier, zum Lustobjekt oder zur teuer gehandelten Ware pervertiert wird. Kommt sie ihm darin entgegen, belohnt er sie mit den Glasperlen kleiner, aber immer von ihm kontrollierter Machtbefugnisse.
Als ganz neues Phänomen begegnet uns eine wachsende Zahl von „failed states“, unregierbar gewordener Staaten, die nur noch Ruinen und explosiv kontaminierte Überreste einstmals lebensfähiger staatlicher Gebilde waren. Die derzeitige Flüchtlingskrise, ist eines der Symptome dieser inzwischen totale Ausmaße annehmenden Desertifikation…

Johannes der Täufer – vom Mutterleib an geisterfüllt
Maria - unbefleckt empfangen und sündlos

Diese Wüste zeigte sich von Anbeginn. Mit dem zur Zeit Jesu schleichend eingeführten monarchischen Kaisertum Roms, das den Niedergang einläutete, breitete sie sich spürbar aus. Johannes ist der Mann, der in der erlahmenden Kraft und der chaotischen Machtverstrickung des Mannes das tut, was ihn alleine rettet: er ergreift in letzter Minute die Chance, aus diesem Chaos heraus der „Freund des Bräutigams“ zu werden, denn anderes bliebe ihm nicht. „Nicht aus dem Willen des Mannes“ (Joh 1, 13) wird die Menschheit gerettet… Auch der Mann lebt alleine aus Gnaden, wenn er leben will…

Johannes, - anders als bisher jeder andere Mann (!) - , schon im Mutterleib vom Heiligen Geist erfüllt, „Spiritu Sancto replebitur adhuc ex utero matris suæ“ (Lk 1, 22), tut das, was wegweisend für uns alle wird. Er glaubt an den, auf den er weisen soll, um die Kraft zu erhalten, Gottes Kind zu werden.
Die Formulierung, dass er schon von Mutterleib an vom Heiligen Geist erfüllt sein wird, ist einzigartig und rückt Johannes ganz nah an die Gottesmutter, die zuvor „gratia plena“ und vollkommen sündlos gezeugt und empfangen wurde.
Auch dieses Detail übrigens lässt es mir nicht richtig erscheinen, den hl. Josef so sehr zu betonen. Damit wird unklar, dass nach den Worten Jesu eben nicht sein Nährvater, sondern Johannes der größte Mensch des Alten Bundes ist.
Es ist eindeutig Johannes der Täufer, der Maria in seiner alle Männer überragenden Begnadung nahesteht. Johannes wird daher ausdrücklich mit seiner Mission des „me oportet minui“ („Mir gebührt es zu schwinden“) im Johannes-Prolog genannt und der Apostel führt, nachdem er den Täufer ausführlich gewürdigt hat, folgendes aus:

„Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben,
die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.“ (Joh 1, 12 f)

Die Kirche hat intuitiv auch den hl. Josef in diesem Sinne niemals ins Rampenlicht gestellt, um seiner gerechten Rolle auf Christus hin nicht die alte Versuchung männlicher (Selbst-)Verherrlichung anzuhängen. Dass sie in neuerer Zeit von der Tendenz her von diesem Weg abgewichen ist und auch häretische Bewegungen unserer Tage meinen, man habe den hl. Josef „zu wenig“ gewürdigt und müsse ihm nun alle Attribute Mariens ebenfalls zuweisen, pervertiert nicht nur die unterschiedlichen Heilsrollen von Mann und Frau, sondern setzt letztendlich mit der Gottesmutter auch Jesus Christus herab und nivelliert deren Bedeutung auf die normaler „Heiliger“ herab.
Und es hat dem Priestertum und der Braut nicht gut getan, dass man die Lesung des Johannesprologs, der früher am Ende fast jeder Heiligen Messe vorgetragen wurde, im Neuen Ritus vorschnell und unüberlegt hinsichtlich der geistigen Folgen gestrichen hat.

Johannes der Täufer - „Im Geist und in der Kraft Elijas“

Maria - „Der Heilige Geist wird dich überkommen und die Kraft des Allerhöchsten dich überschatten.“

„Im Geist und in der Kraft Elijas“ also sollte Johannes wirken.
Von Maria heißt es anders und so gewaltig, dass einem schwindelt, wenn man es hört:

„Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.“ (Luk 1, 25)

Es ist nicht nur der Geist und die Kraft eines großen Propheten wie Elija, in dem Maria, die Frau wirken wird, sondern es ist der Geist Gottes („spiritus sanctus“) selbst und die Kraft des Höchsten („virtus Altissimi“)!
Wir haben schon gesehen, dass es sehr schwer zu begreifen ist, inwiefern eine Identität oder wenigstens Analogie zwischen Elija und Johannes besteht.
Unvorstellbar aber ist es, wie plötzlich eine Verschmelzung Gottes mit einer Frau möglich werden soll. Manchmal denke ich, diese Aussage ist so ungeheuerlich, dass die Apostel, auch Paulus, sie damals noch gar nicht erfasst haben – oder sie haben sie erfasst und waren auch angesichts dieser Ungeheuerlichkeit zum Verstummen verurteilt.
Auch wenn die Schrift von Maria nicht viel sagt, und verhärtete Kräfte auch in der Kirche versuchten, diese Aussage über die Frau zu annullieren oder zu bagatellisieren und die Frau erneut zu unterjochen:
Die Wahrheit über die Frau ergibt sich logisch aus dem wenigen, was uns überliefert ist, denn Maria hat Gott geboren, und ein frühes Konzil hat dies ausdrücklich festgestellt für alle Zeiten.

In Maria scheint ein noch viel weitergehendes „minui“ auf. Sie schrumpft nicht graduell, ihr Gestirn geht nicht unter, sie verschwindet nicht, sondern sie wird wie im Nu vollkommen „besetzt“ von Gott selbst. Das „signum magnum“ der Frau (Apk 12, 1) geht erst auf, aber nicht aus der eigenen Kraft oder dem eigenen Streben, sondern es steht apokalyptisch am Himmel bis ans Ende der Welt. Der Höchste kommt über sie und überschattet sie, um in ihr zu wachsen („crescere“). Johannes wollte schrittweise verlöschen, damit Christus schrittweise wächst – welch ein geniales Bild für die kommende Hierarchie, für den kommenden und „sich vermehrenden“ mystischen Leib Christi – und welch ein Kriterium, wahre Geistlichkeit von falscher zu unterscheiden!

Marias „minui“ geschieht wie in einer Neuschöpfung, in der es „Fiat“ („Es werde“) heißt und „Et factum est ita“ („Und es geschah so“) (Gen 1): im Nu: „Fiat mihi secundum verbum tuum“ („Mir geschehe deinem Wort gemäß“).

„Alte“ und „neue Ordnung“

Die erste Ordnung schuf Gott durch Christus (Joh 1, 3). Der Sohn ist das Wort, ein „Fiat“ in Person gewissermaßen. Die zweite Ordnung, die mit der Inkarnation Christi in unser Fleisch ihren Anfang nimmt, schaffte er durch den Sohn, der damit „in sein Eigentum kam“ (Joh 1, 11), und diesmal auch – natürlich aus reiner Gnade, nicht weil er es hätte müssen – durch die Frau, die sich aktiv zum Gegenstand und zur personalen Hilfe seines schöpferischen Wortes bereithält: „Ecce ancilla Domini“ („Sieh, ich bin Magd des Herrn“). Die Frau, der von Anbeginn der Schöpfung die Rolle der „Hilfe“ und des „Beistandes“ („adiutorium“) zukommt, nimmt diese Rolle zentral ein, aber nicht einem sündigen Menschen gegenüber, sondern Gott gegenüber, dem sie ihr Fleisch und ihr Herz gab, um in unsere Existenz zu kommen. Maria ist es, sie muss es nicht erst werden, denn Gott hat sie in seiner unendlichen Liebe und Gnade nicht nur so erschaffen, sondern auch aus dem „Standby“-Modus, in den er die Frau zur Strafe für ihren Verrat im Paradies gebannt hatte, in Maria vorauserlöst und hier vollkommen rein zur Welt kommen lassen, um sie sich an seine Seite zu stellen. Während die Apostel selbst in der direkten Nähe zu Jesus immer wieder darüber palavern, wer von ihnen im Himmel der Größte sein werde (etwa in Mt 18, 1 ff), hat er sich längst einen Menschen an die Seite gestellt: Maria, der, wie die Kirche bekennt, im Himmel der „größte“ bloße Mensch ist für immer.

Die Frauen um Jesus ordnen sich spontan, so scheint es, „marianisch“. Es ist, als beleuchte sein Licht sie plötzlich in ihrer Verborgenheit, und sie sind wie mit Geisterhand da, wie aus dem Nichts sammeln sie sich um ihn und sind typisch für seinen „Tross“, und mit ihnen viele die Kinder.
Nur einmal ist es eine Frau, die aus dem „Standby-Modus“ der Sünde heraus wirkende Mutter der „Donnersöhne“ Johannes und Jakobus, die ihre Söhne hoch erhoben sehen will (Mt 20, 20 ff). Hier spiegelt sich wieder das Verhängnis der Frau nach dem Sündenfall, die sich stets dem Mann andient, von ihm beherrscht wird selbst soweit, dass sie ihn in seinem negativen Herrscherdrang von kleinauf bestärkt, sogar vorwärtstreibt und vorschiebt, und besonders über die Mutterrolle ihre eigenen Machtabsichten über einen oder mehrere Söhne kompensiert. Auch wenn Jesus am Ende doch tut, was seine Mutter von ihm erbat auf der Hochzeit von Kana – zuerst wies er sie zurück, um nicht diesen falschen Eindruck entstehen zu lassen…
Die gefallene und in Sünde verstrickte Frau schiebt den Mann voraus, weil er legitimiert scheint, das zu tun, was man ihr als Frau  direkt verwehrt, um aus ihrer schwachen Lage herauskommen. Eine heillose Verstrickung gegenseitiger Machtansprüche ist die Folge, aber den Kürzeren zieht doch immer am Ende empirisch die Frau. Tausendfach hat sich das Drama in der Weltgeschichte wiederholt, bis zum heutigen Tag. Und am bösartigsten tritt es uns da entgegen, wo es ein frommes Gewand trägt und scheinbar so „demütige“ und „untergeordnete“ Frauen ihre Rolle unter Sünde annehmen, um aus dieser Bastion den Mann aufs Neue in den Kreislauf des Machthaben-Wollens zu ziehen. In vielfältiger Gestalt tritt uns das Phänomen gerade in der Kirche entgegen, in Frauen, die dieses Demutstheater als Ehefrauen spielen, um nur Macht über andere Frauen zu gewinnen oder um als Mütter, wie es in vielen Regionen üblich war, ihre Söhne aus selbstbezogenem Ehrgeiz ins Priestertum zu drängen – hier wären viele Fragezeichen zu setzen.

Geheimnisvoll aber antwortet Jesus dem auf Größe und Vorrang erpichten Mann (und auch der Mutter der beiden Donnersöhne) immer dasselbe, so oder so ähnlich: „So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.“ (Mt 20, 16) und warnt ihn vor der Beschämung, die ihn erwartet, wenn er sich selbst zu hoch veranschlagt und von Gott selbst im Himmel einst vom selbstangemaßten Platz entfernt und auf einen letzten Platz gesetzt wird (Luk 14, 7 ff).
Der Lobgesang Mariens (Magnificat) spricht die dramatische Umordnung der Ränge an, die Gott am Ende vornehmen wird, und sie folgt damit alttestamentlichen Vorbildern, etwa dem Lobgesang der Hanna, die wie ein roter Faden die Heilsgeschichte durchziehen, in der Gott die Geringen, das Kleinste, das „Zweite“ und Unscheinbarste erwählt und nicht das „Erste“ und Stärkste.

„Amicus sponsi, qui stat“

Mariens „minui“ ist gnadenhaft schon „vorauserledigt“ worden. Das göttliche „Fiat“, das im Nu schafft, wird von Maria, vom Menschen als Frau, als Braut, bei dieser neuen Ordnung laut und bestimmend mit-ausgesprochen. Sie macht sich dieses göttliche Wort vollkommen zu eigen, weil sie es soll und darf. Sie spricht nicht etwa, weil sie glaubt, sie habe die Kraft oder etwa das Recht auf ein „Fiat“. Sie ist auch nicht die, „qui stat“, „der (dabei-)steht“, die erst in einem Prozess des „minui“ lernen müsste, sich zu opfern mit Christus, sondern sie ist dem Opfer Christi bereits vollkommen zugesprochen und einverleibt, wie er sich ihr als seiner Mutter einverleibt hat.

Das Privileg der Frau ist ihre Schwächung nach dem Sündenfall

An Maria offenbart sich, dass die Schwächung der Frau in der Mutterschaft durch Gott selbst und die anschließende Herabsetzung der Frau durch den Mann ihr Privileg war und ist und sie fähig gemacht hat, den kommenden Herrn fast mühelos zu empfangen, in Maria zugespitzt und gnadenhaft als einer zuvor von der Schwäche erlösten Frau sogar in vollkommener Weise und ohne eine Hemmung durch eine schwankende Psyche oder einen stolzen Leib.
Auch sie – und mit ihr andere Frauen, denen das Geschwächt- und Dominiertwerden als Sündenfolge zum Vorzug gereichte – kennen ein beim Bräutigam-Stehen, ein „stare“, aber es ist dem der meisten Männer weit voraus und unterm Kreuz verwirklicht: „Stabant autem iuxta crucem“ („Sie standen aber beim Kreuz“) (Joh 19, 25).
Einen großartigen Ausdruck hat das „stare“ Mariens im Hymnus „Stabat mater“ aus dem 13. Jh erhalten.
In den Evangelien ist insgesamt von „vielen Frauen“ die Rede, die sich freiwillig und mit dem Herrn still duldend und weinend in größerer oder geringer Nähe um das Kreuz gruppierten.
Nur von einem einzigen Mann wird dies so ausgesagt. Mit den Frauen stand dort allein Johannes, der zweite Johannes mit dem Namen, der die Gnade Gottes ausdrückt und nicht mehr das Wollen des Mannes.
Alle anderen anwesenden Männer sind unter Zwang oder als „Täter“ anwesend: Soldaten, Henker, Spötter, die vorbeiziehen und die, die mit ihm hingerichtet werden.

Die Schächer als Symbol

Die beiden Schächer verkörpern förmlich den harten Scheideweg des Mannes ab jetzt: Hält er sich weiterhin für groß, stark und bevorzugt, berechtigt, nicht nur die Frau und seinesgleichen zu lästern und zu dominieren, sondern auch den Herrn, wird er sterben und verloren sein. Fügt er sich in das Selbst-Opfer Christi ganz und gar bewusst ein, nimmt er das Stehen, „stare“ beim Bräutigam am Kreuz ohne Wenn und Aber an, wird er „noch heute“ mit dem Herrn im Paradies sein (Luk 23, 43).

So hat der Schächer, der ein schwerer Sünder war, der mit dem unschuldigen Christus gekreuzigt wurde, dem Mann die schönste Aussichtsplattform hinterlassen, um künftig zurechtzukommen.

Copyright by Hanna Maria Jüngling


[1] vgl. auch Rudolf Graber: Maria im Gottgeheimnis der Schöpfung. Regensburg 1949:
Über die männliche Selbsterhebung infolge des Sündenfalls beschreibt er einen stetigen Niedergang, der sich im Alten Testament abzeichne. Die „Kraft des Mannes“ schwingt sich hoch auf und das ganze Alte Testament zeigt uns nichts als deren Verlöschen, den Tod nämlich, das Sterbenmüssen, das Gott dem Adam in aller Härte verhängt hatte. Zwar muss die Frau mit dem Mann sterben, aber angesagt wurde diese Sündenfolge dem Adam, während der Frau angesagt wurde, dass der Mann sie beherrschen würde, weil Gott sie schwächt durch die Mutterschaft, ihr aber und einseitig ihrem Samen den Sieg über die Schlange verheißt. Graber wertet diese beiden Sündenfolgen eschaotolgisch und sieht im Neuen Bund das „Neue“ mit einer Frau und in der Frau aufgehen:
„Das Alte ist zu Ende (also die Zeit des Mannes und seiner Macht)… (es)  verstummt nunmehr (…) die Kraft des Mannes.“ Ab jetzt „virtus in infirmitate perficitur, die Kraft kommt in der Schwachheit zur Vollendung (2. Kor 12, 9)“ vgl. S. 16 f
[2] Gerhard Ludwig Müller (Hg): Frauen in der Kirche. Eigensein und Mitverantwortung. Würzburg 1999. Darin legt Müller eine lesenswerte Korrektur tradierter Subordinationstheologie gegenüber der Frau in seinem Beitrag dar, indem er den Sinn der sakramentantalen Verfassung der Kirche im Geist der wahren Tradition „neu“ deutet. In diesem Band also: G.L. Müller: Kann nur der getaufte Mann gültig das Weihesakrament empfangen? Ab S. 278
[3] Dazu ein interessanter Artikel im „Spektrum“: Lexikon der Geowissenschaften, Stichwort „Desertifikation“. http://www.spektrum.de/lexikon/geowissenschaften/desertifikation/3088 (abgerufen am 8.9.2016)

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