Montag, 26. Januar 2015

Der katholische Zombie (II) - Der Mantilla-Wahn - Ist die Frau kein Ebenbild Gottes?



Der Mantilla-Wahn – Ist die Frau kein Ebenbild Gottes?

Einleitung

In den letzten Jahren tobt auf dem Traditionalisten-Schlachtfeld der Kampf um einen speziellen Kommunion-Schleier für katholische Frauen, die „Mantilla“.
Ich muss sagen, dass ich, bevor ich mit Traditionalisten in Berührung kam, noch nie von einer „Mantilla“ gehört habe. Dieses Accessoire gab es hierzulande noch niemals, wurde von niemandem verlangt und auch niemals offiziell vorgeschrieben. Ich habe diesbezüglich viele einheimische hochbetagte Katholiken, darunter auch Priester, befragt. Es ist definitiv niemals „Tradition“ gewesen.
Fast alle betagten, keineswegs progressiven Frauen reagierten mit dem Satz „Mantilla - was ist das?“
Und auf die Beschreibung hin, dass es sich um durchsichtiges Spitzentuch handle, das Frauen in der Hl. Messe tragen sollten, um eine besondere Frömmigkeit zur Schau zu stellen, schüttelten sie den Kopf und sagten, davon hätten sie noch nie gehört. Allenfalls könne es sein, dass solche Bräuche in Südeuropa üblich seien und bei Papstmessen vielleicht, aber hier in Deutschland? Eine weit über Achtzigjährige wusste, dass das die „Lefebvristen“ eingeführt hätten, dass man das aber in ihrer Kindheit unter Pius XI. und XII. niemals so gehandhabt hätte.

Nun wird aber in den letzten beiden Jahren eine so penetrante Propaganda für dieses Tuch gemacht, als sei das eine “Tradition“, die „immer“ und überall gegolten habe und vorgeschrieben gewesen sei und aus „feministischen“ Gründen verweigert werde. Es ist auffallend, dass derselbe Kampf prinzipiell auch im Islam und verschiedenen protestantischen Sekten und evangelikalen Freikirchen tobt. Als Bestätigung für die Richtigkeit dieses Tuchs verweist man auf die orthodoxe Praxis – als ob uns die schismatische Orthodoxie hier etwas zu sagen hätte oder gar der ohnehin aus katholischer Sicht häretische Protestantismus! Ganz zu schweigen vom Islam.
Ein Thema, das seit Jahrhunderten die katholische Kirche nicht berührt hat, soll nun plötzlich eine solche Wichtigkeit haben?

Angesichts einer solchen neuen Mode, die nun zur Tradition erkoren wird, sollten doch jedem nüchtern denkenden Menschen alle Alarmglocken schrillen.

Die Mantilla-Fraktion führt einen penetranten Stellvertreterkrieg auf ungezählten Internetforen, auf Blogs und in informellen Gesprächen, und fährt die verrücktesten und zweifelhaftesten Argumente auf, um Frauen einzuflößen, ihre bisherige Aufmachung in der Hl. Messe sei nicht „traditionell“ genug. Tatsache ist und bleibt jedoch, dass in den letzten Jahrhunderten diese Angelegenheit in der Gesamtkirche kein Thema war. Regionale Gebräuche mag es gegeben haben, aber sie können niemals als Forderung an alle erhoben werden, wenn das Lehramt niemals eine solche spezielle Forderung erhoben hat und auch mit den allgemeineren Kleidervorschriften nicht all zu streng umgegangen war.

Ich will mich zunächst mit der immer wieder aufgestellten Behauptung, der Apostel Paulus habe das Gebetstuch vorgeschrieben, befassen und danach einige der haarsträubendsten Begründungen für die „Mantilla für alle“ näher ansehen. Ein besonderes Augenmerk soll auf das mittelalterliche Decretum Gratiani gelegt werden, denn Gratian behauptet in diesem kirchenrechtlichen Werk doch tatsächlich, die Frau solle ihren Kopf bedecken, weil sie kein Ebenbild Gottes sei, und er geht dabei so weit, eine Stelle aus einem Paulusbrief regelrecht zu fälschen, indem er einige Worte des Vulgata-Textes austauscht.

1. Der heilige Paulus habe angeblich den Schleier für die Frauen vorgeschrieben, wenn sie beten.

Hier stellt sich sofort die Frage, wieso dann, wenn das so sein sollte, das Lehramt seit Jahrhunderten darauf keinen gesteigerten Wert gelegt habe? Diese Frage wird in aller Regel damit beantwortet, dass Papst Linus, der zweite Papst, in einem Schreiben, dessen Echtheit umstritten ist, den Frauen einen Gebetsschleier vorgeschrieben habe.
Abgesehen von der Umstrittenheit der Echtheit kommt mir unweigerlich die Frage hoch, seit wann für uns maßgeblich ist, was ein Papst von Anno dazumal vorgeschrieben hat, handelt es sich dabei doch weder um eine Glaubens- noch um eine echte Sittenfrage…ich dachte, niemand dürfe alte Verordnungen („proxima-Regeln“) von Päpsten gegen neuere Gepflogenheiten ausspielen? Ist die „Tradition“ hier etwa anti-traditionell und macht es wie die Progressiven und Protestanten und zieht aus den Tiefen der Kirchengeschichte nebensächliche oder inzwischen aufgegeben Ansichten, die für den Glauben selbst keine Bedeutung haben, oder nicht weiter verfolgte Bräuche aus den Truhe, erklärt sie zu „urchristlichen“ Wahrheiten und will damit die jüngste Tradition (die regula fidei proxima) stürzen?

Ich sehe mir die Stelle im 1. Korintherbrief an und muss gestehen, selten eine auf den ersten Blick so verworrene und in sich unlogische Schriftstelle gelesen zu haben – wenn man sie rein normativ und nicht als eine erörternde Darlegung liest.
Man findet diese einzige themengebundene Schriftstelle (alleine das verweist schon auf die relative Bedeutungslosigkeit des Themas) im Korintherbrief (1. Kor. 11, 2 ff). Ich markiere den Text bereits so farbig, wie ich ihn als eine Erörterung verstehe und werde das genau begründen:

2 Ich lobe euch, dass ihr in allem an mich denkt und an den Überlieferungen festhaltet, wie ich sie euch übergeben habe.
3 Ihr sollt aber wissen, dass Christus das Haupt des Mannes ist, der Mann das Haupt der Frau und Gott das Haupt Christi.
4 Wenn ein Mann betet oder prophetisch redet und dabei sein Haupt bedeckt hat, entehrt er sein Haupt.
5 Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet und dabei ihr Haupt nicht verhüllt. Sie unterscheidet sich dann in keiner Weise von einer Geschorenen.
6 Wenn eine Frau kein Kopftuch trägt, soll sie sich doch gleich die Haare abschneiden lassen. Ist es aber für eine Frau eine Schande, sich die Haare abschneiden oder sich kahl scheren zu lassen, dann soll sie sich auch verhüllen.
7 Der Mann darf sein Haupt nicht verhüllen, weil er Abbild und Abglanz Gottes ist; die Frau aber ist der Abglanz des Mannes.
8 Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann.
9 Der Mann wurde auch nicht für die Frau geschaffen, sondern die Frau für den Mann.
10 Deswegen soll die Frau mit Rücksicht auf die Engel das Zeichen ihrer Vollmacht auf dem Kopf tragen.1
11 Doch im Herrn gibt es weder die Frau ohne den Mann noch den Mann ohne die Frau.
12 Denn wie die Frau vom Mann stammt, so kommt der Mann durch die Frau zur Welt; alles aber stammt von Gott.
13 Urteilt selber! Gehört es sich, dass eine Frau unverhüllt zu Gott betet?
14 Lehrt euch nicht schon die Natur, dass es für den Mann eine Schande,
15 für die Frau aber eine Ehre ist, lange Haare zu tragen? Denn der Frau ist das Haar als Hülle gegeben.
16 Wenn aber einer meint, er müsse darüber streiten: Wir und auch die Gemeinden Gottes kennen einen solchen Brauch nicht.

Diese Stelle ist in der Argumentation, wenn man sie nicht strukturiert liest, mehrfach gebrochen und unlogisch und stünde außerdem im krassen Widerspruch zu allem, was wir über israelitische Normen aus dem Alten Testament wissen – und das kann man gerade beim heiligen Paulus nicht annehmen, denn er war ein Schriftgelehrter:

Die markierten Verse 2+3 kann man als Einleitung verstehen. Der Apostel lobt die korinthische Gemeinde für ihren Eifer, beginnt aber gleich mit dem Thema, das er behandeln will, einer Reihenfolge. Auf den ersten Blick erscheint sie wie eine Hierarchie, auf den zweiten Blick aber muss man innehalten und zugeben, dass in Vers 3 ein Stolperstein steckt, den niemand, ohne häretisch zu argumentieren, außer acht lassen darf (s.u.).

Schon Vers 4 ist merkwürdig und mutet absurd an, wenn man sich vergegenwärtigt, was im damaligen Judentum üblich war und was die Schrift uns im Alten Testament über den Mann und seine Kopfbedeckungen überliefert:
Es war nach jüdischer Auffassung eben gerade KEINE Schande für den Mann, verhüllt zu beten, sondern sogar üblich, dies zu tun – bis heute ist das im Judentum so.
Wir finden durchweg die Kopfverhüllung gerade der heiligsten Männer in Israel, wenn sie mit Gott reden:

Moses muss beim brennenden Dornbusch zwar seine Schuhe ausziehen, aber sein Gesicht verhüllen:
Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden. Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.“ (Ex. 3, 5f)

 Auch der Prophet Elias verhüllt in der Gottesbegegnung sein Gesicht:
 Er verhüllte sein Gesicht mit dem Mantel, ging zum Eingang der Höhle zurück und blieb dort stehen. Und noch einmal wurde er gefragt: Elia, was tust du hier? Wieder antwortete Elia: Ach Herr, du großer und allmächtiger Gott…“ (1. Könige 19, 13f)

Es ist also vollkommen abwegig, zu glauben, der heilige Paulus, der doch ein Schriftgelehrter und Gesetzeslehrer war, könnte entgegen den Vorschriften und Phänomenen so argumentiert haben, wie er es in diesem Vers 4 referiert!
Da die besagte Stelle häufig auch so verstanden wurde, als dürfe der Mann keine langen Haare tragen, möchte ich auch darauf eingehen:
Mehrfach wird im Alten Testament über bartlose und geschorene Männer unter den Heiden ein hartes Urteil gesprochen. Im Gesetz des Moses ist das Abscheren der Haare rundum sogar verboten (daher die sehr langen Schläfenlocken der gläubigen Juden) und der Bart darf nicht gestutzt werden!
Weiterhin war es sogar das Zeichen des Gottgeweihten (Nasiräer), dass er besonders lange Haare trug – als Mann! Und auch von Paulus selbst wird uns berichtet, dass er aufgrund einer solchen zeitlichen Weihe sein Haar lang wachsen ließ (Apg. 18, 18) und es nach dem Ende des Gelübdes in einem rituellen Opfer abscheren und verbrennen ließ. Wohlgemerkt tat er das bereits als Christ.
Die Weihe des Mannes war also nach biblischem Brauch mit langem Haar verbunden. So kennen wir es auch vom Richter Simson und anderen alttestamentlichen Gestalten.
Nun war es im Abendland über Jahrhunderte weg üblich, längere Haare zu tragen und alle möglichen Kopfbedeckungen zu erfinden – für Männer nicht anders als für Frauen. Im Orient, vor allem bei den Arabern, aber auch den Indern, finden wir Schleier auch bei Männern.
Auf dem Grabtuch von Turin, das nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen echt sein muss, sehen wir das Antlitz des Gekreuzigten … mit mindestens schulterlangen Haaren!
Es war dagegen bei den Römern und Griechen, also den Heiden, nicht Sitte, dass Männer lange Haare trugen oder ihren Kopf bedeckten. Eine Auswertung antiker Texte ergab, dass das griechisch-römische Heidentum weitgehend ohne männliche Kopfbedeckung und ohne Langhaarigkeit auskommt, wohingegen Kopfbedeckungen bei Frauen deren hohen sozialen Staus anzeigten, wenn sie überhaupt welche trug (http://de.wikipedia.org/wiki/Kopfbedeckung#Antike) .  Kopfbedeckung war also hier ein Ausdruck weiblicher Eitelkeit und eine Demonstration des Reichtums, kombiniert mit Haarschmuck und Frisurenkult. Letzteres erfährt an anderer Stelle beim heiligen Petrus eine Absage (1. Petrus 3,3).

Wir können also schon hier fragen, ob der heilige Paulus nicht auch eine heidnische Position referieren könnte, etwa so, wie auch der heilige Thomas von Aquin Meinungen vorträgt, denen er aber nicht zustimmt, sondern nach ihrer Darstellung mit triftigen Gründen etwas entgegenhält. Immerhin ist die Korinthergemeinde eine Gemeinde im Gebiet des Heiden mit einer überspannten charismatisch-esoterischen Schlagseite!

Auch die folgenden Verse (Verse 5 -  10) scheinen wie aus einer anderen Denkwelt zu kommen. Im Judentum war und ist es, wie gesagt, für den Mann üblich, beim Beten das Haupt zu verhüllen. Die Frau dagegen war in der öffentlichen Synagogenversammlung erst gar nicht zum Beten oder Prophetischreden zugelassen… sollte aber auch ihr Haupt verhüllen – nicht anders als der Mann.
Bemerkenswert ist hier bei Paulus eher, dass überhaupt die Frau ganz selbstverständlich öffentlich in der Kirche beten und weissagen darf wie ein Mann! Es wird der Frau gerade nicht abverlangt, dass sie in der Kirche zu schweigen habe.
Es findet sich aber im gesamten Gesetz des Moses nicht eine einzige Anweisung über eine Kopfbedeckung der Frau.
Schleier werden in durchaus zweifelhaften Umständen erzählt. So wird z.B. berichtet, dass Prostituierte an ihrer Verschleierung erkennbar waren. Über Jakobs Sohn Juda wird in der Begegnung mit Tamar berichtet:
„Juda sah sie und hielt sie für eine Dirne; sie hatte nämlich ihr Gesicht verhüllt.“ (Gen. 38, 15)
Eine alltägliche Bekleidung der Frauen und Männer mit Tüchern war ansonsten sicher nicht unüblich (was bis heute im Orient gilt), etwa so wie auch heute noch in Indien, allerdings ohne „Ideologie“, sondern als variantionsreicher Brauch.

Die Argumentation hinsichtlich der unverschleierten Frau ist ins sich verworren: eine Frau, die sich nicht verschleiert, soll die Haare abschneiden, weil sie „wie“ eine Frau mit geschorenen Haaren sei?
Viele Theorien über die Entehrung der Frau durch Abscheren der Haare in der Antike wurden schon vorgebracht – keine davon ist je eindeutig bewiesen worden. Aber selbst wenn es so wäre, müsste man fragen, wie es kommt, dass die hartnäckigen Schleierverfechter offenbar kein Problem damit haben, wenn die Katholikin sich seit 1950 das Haar abschert, obwohl weibliche Kurzhaarfrisuren nun tatsächlich in älterer Zeit überall in der Kirche undenkbar waren?! Nicht der Schleier, sondern langes Haar der Laiin ist wirklich „Tradition“ in der gesamten Kirche gewesen!
Der rigide Satz aus Vers 5 „Ist es aber für eine Frau eine Schande, sich die Haare abschneiden oder sich kahl scheren zu lassen, dann soll sie sich auch verhüllen“ ist beim besten Willen nicht logisch verstehbar. Wieso folgt aus der Tatsache, dass es eine Schande für die Frau sei, sich die Haare zu schneiden, logisch, dass sie sich dann zusätzlich noch einmal verhüllen soll? Ist das Haarescheren ein Zeichen der Unehrenhaftigkeit – was bedeutet es, wenn die Frau doch ohnehin einen Schleier trägt und niemand sehen kann, ob sie Haare hat oder keine? Wenn aber der Schleier nach alttestamentlicher Sitte die Prostituierte anzeigen sollte, wieso soll die Frau, wenn sie sich die Haare nicht abgeschnitten hat, also nicht entehrt ist, dann dieses Zeichen der Entehrung tragen?
Der Satz klingt in der Sache wirr und überspannt und man muss esoterische Denkwelten bemühen, um hier einen Sinn zu kreieren. Das aber passt nicht zum nüchternen Duktus der Heiligen Schrift… Und dies immer vor dem Hintergrund, dass das gesamte Alte Testament nicht ein Wort zu dieser Frage vermeldet, also objektiv keine von Gott gebotene Norm vorliegt.
Der heilige Paulus, der sonst so klar und plausibel, so tief und logisch argumentiert, und sich vor allem nie mit solch eher magischen und nebensächlichen Themen beschäftigt, soll einen solchen Satz als seine Position vorgetragen haben?
Ich vermag das nicht zu glauben. Eher nehme ich an, dass er hier, wie bei Vers 4, eine Position aufgreift, die in der ohnehin schwärmerischen und geistlich hochmütigen charismatischen Korinthergemeinde für Wirbel gesorgt haben könnte. Die überspannte Kopftuchdebatte passte gut in einen charismatischen Kontext.

Besonders krass wirken die aufgelisteten Sätze von Vers 7-10. Diese Sätze besagen, das Kopftuch müsse der Engelwelt beweisen, dass die Frau die Vollmacht habe, überhaupt – wie der Mann – öffentlich zu beten und zu weissagen. Und das alles sei ja auch richtig so, weil die Frau schließlich als Zweite und für den Mann geschaffen worden sei. Diese Sätze sind von der reinen Natur her gedacht und scheinen keinerlei Bewusstsein dafür zu haben, dass der Gnadenstand dem Menschen nicht aufgrund seiner Natur gegeben wird, sondern alleine aufgrund der Liebe Gottes. Denn die Legitimation zum öffentlichen Gebet in der Kirche hat die Frau nicht durch ein Kleidungsstück oder entgegen einer minderwertigen  „nachrangigen Natur“, sondern durch Gott alleine, der sie erlöst hat. Da im Alten Bund sich auch der Mann verhüllt hat, greift die Argumentation ohnehin nicht. Hinzu kommt, dass im Alten Testament auch Frauen mit Gott reden, ohne dass dies in irgendeiner Weise problematisiert oder mit anderen äußeren Reaktionen verbunden wäre als beim Mann. Es ist immer eine Gnade, wenn Gott sich dem Menschen zuwendet, unverdient und nicht einer natürlichen Ausstattung geschuldet!
Der Bezug auf die Engel ist unverständlich. Es gibt keine kanonische Tradition, die den Bezug erklären könnte. Man muss daher diese Argumentation als in der Tendenz abergläubische, magische Denkart auffassen, was wiederum gut zum Charismatismus dieser Gemeinde passen dürfte.

Wir erinnern uns: der heilige Paulus hat oben in Vers 3 gewissermaßen eine Überschrift über das, was folgt, gesetzt:
„Ihr sollt aber wissen, dass Christus das Haupt des Mannes ist, der Mann das Haupt der Frau und Gott das Haupt Christi..“
Nur ein oberflächlicher, esoterisch denkender und frauenkritischer Leser kann darin eine Rangfolge („Emanation“) erkennen, wie sie dann in den Versen 7-10 dargelegt wird. Der Völkerapostel referiert zu Beginn die wahre Lehre und danach ihre Verzerrung und falsche Schlussfolgerungen.
Ich will den Lesefehler der Korinther aufzeigen, den er wahrscheinlich meint. Seine Argumentation später ab Vers 11 unterstützt meine Interpretation, dass er einen Lesefehler aufzeigen will. Ich werde darauf zurückkommen.

Lesen wir den Vers 3 einmal von hinten:

Gott (der Vater) ist das Haupt Christi (des Sohnes).
Christus ist das Haupt des Mannes.
Der Mann ist das Haupt der Frau.

Kann man aus dieser Reihenfolge eine Rangfolge (Emanation) immer weiter subordinierter Wesen ableiten? Also in dem Sinn:

„Die Frau ist dem Mann subordiniert.
Der Mann ist Christus subordiniert.
Christus ist dem Vater subordiniert.“?

Jedem echten und nüchternen Katholiken muss hier der Atem stocken – nein!
Es ist häretisch und blasphemisch, so etwas auch nur im Ansatz in Erwägung zu ziehen!
Man würde einer arianischen Position folgen!

Wenn aber Christus dem Vater nicht subordiniert ist, was heißt dann, dass Gott das „Haupt Christi“ sei? Es heißt einfach nur, dass der Vater das Prinzip des Sohnes ist, weil der Sohn aus dem Vater geboren ist. Aber er steht nicht „unter“ ihm! Folgt man dieser Reihe weiter, ergibt sich, dass der Mann (als der erste der beiden Ur-Menschen) durch Christus geschaffen wurde bei der Schöpfung, denn es heißt, durch Christus sei alles geschaffen worden. Die Frau als zweite wiederum wurde aus dem Mann genommen, dies allerdings durch Gott und nicht durch den Mann selbst. Insofern ist zwar die Frau ebenfalls im Ursprung durch Christus geschaffen, aber nicht unmittelbar, sondern mittelbar wiederum aus dem Prinzip des Mannes, das zuvor schon geschaffen war, jedoch ohne dessen Zutun oder Macht über die Frau.
Das Haupt-Sein kann hier um Christi willen keine Subordination bedeuten. Denn andernfalls müsste man behaupten, er sei dem Vater als seinem Haupt„untergeordnet“, was wie gesagt eine Lästerung wäre. Und da man in dieser Reihenfolge einen identischen und nicht wankelmütigen Gebrauch des Begriffes „Haupt“ annehmen muss, kann er nicht beinhalten, dass die Frau dem Mann subordiniert ist, ja, sogar eine Subordination des Mannes unter Christus wird hier nicht ausgesprochen, sondern im Gegenteil die „Vergöttlichung“ des Menschen, die Christus uns möglich gemacht hat, wird hier dargelegt. Welch eine Gnade für uns alle!
„Volo autem vos scire…“, schreibt der heilige Paulus zu Beginn: „Ich will, dass ihr das wisst…“ Und „das“, das zu Wissende, ist die Herkunft aller aus dem Vater und nicht, wie er in Vers 7-9 suggeriert, der rein natürlich behauptete und überspannte „Vorrang“ des Mannes vor der Frau!

Gegen die These des Verses 7 spricht auch, dass in der Genesis die Frau eindeutig als Ebenbild Gottes bezeichnet wird, und dies ohne irgendeinen Abstrich. Das Decretum Gratiani hat diese Stelle nämlich insofern missbraucht, als es behauptet, die Frau sei nicht Ebenbild Gottes und müsse sich darum verschleiern. Wir müssen erkennen, dass auch die pseudokatholische Schleierdebatte sehr wohl der Intention des islamischen Schleiers entspricht, was aber deren Verfechter immer empört bestreiten. Man darf ihnen hier Unwissenheit unterstellen. Mit dieser Argumentation stellt sich Gratian in Widerspruch zur Genesis und legt somit eine häretische Äußerung dar, die später stillschweigend irgendwann unter den Tisch gefallen ist.
Das Decretum Gratiani macht aber andererseits verständlich, auf welche häretische und verzerrte Sicht sich schon der Apostel Paulus damals bezogen haben könnte – nämlich eine arianische Deutung des Geschlechterverhältnisses, das dem heidnischen, aber auch dem jüdischen Menschen so selbstverständlich erschien, dass selbst bei den Kirchenvätern Anleihen an dieses Denken auffindbar sind. Der antike Mensch konnte sich schlicht nicht vorstellen, dass die Frau NICHT nur ein schwacher Abglanz des Mannes sein könnte!
Erst die Reflexion über die Gottesmutter und ihre alle Menschen, sogar die Apostel, überragende Stellung, hat allmählich und sehr langsam diese Herabwürdigung der Frau aufbrechen und teilweise heilen können.

Und nun hören wir den Völkerapostel doch einmal aus dieser Sicht, die ich vorgetragen habe, an. Wie ein Befreiungsschlag klingt seine nun folgende Gedankenführung in Vers 11+12:

„Doch im Herrn gibt es weder die Frau ohne den Mann noch den Mann ohne die Frau.
Denn wie die Frau vom Mann stammt, so kommt der Mann durch die Frau zur Welt; alles aber stammt von Gott.“

Hören wir es nicht? Mit der angeblichen Schöpfungshierarchie kann man doch ausdrücklich laut Paulus eben nicht argumentieren! Nichts anderes sagt uns doch der Apostel: Im Herrn – und sind wir denn nicht „im Herrn“? sind wir noch Heiden? oder Juden? – im Herrn sind wir allesamt nichts ohne einander! Und kommen nicht alle Menschen vornehmlich aus der Frau und nur in schwächerer Weise (aufgrund der fehlenden leiblichen Einheit mit dem Kind) aus dem Mann? Kam nicht sogar, will man hinzusetzen, sogar der Sohn durch eine Frau und eben nicht aus dem Willen des Mannes oder seines Fleisches ins Menschsein?

Vers 13 klingt auf Lateinisch anders als in der Einheitsübersetzung:


Deutsch übersetzt heißt das: „Urteilt in euch selbst: darf eine Frau unverhüllt zu Gott beten?“
Der heilige Paulus gibt auf diese Frage keine Antwort!

Und weiter der Vers 14 auf Lateinisch:

„Nec ipsa natura docet vos quod vir quidem, si comam nutriat, ignominia est illi; mulier vero, si comam nutriat, gloria est illi? »

Deutsch und wörtlich : « Und lehrt euch denn die Natur selbst, dass dem Mann, der sein Haar bedeckt, dies zur Schande gereicht; dass aber der Frau, die ihr Haar bedeckt, dies zum Ruhm gereicht?“

Vielfach wird übersehen, dass der heilige Paulus hier nicht etwa ein göttliches Gesetz bemüht, oder gar das Gesetz des Moses, sondern die „Natur“. „Natura docet“, die Natur lehrt? fragt er.
Wenn wir nüchtern denken, müssen wir zugeben, dass die „Natur“ hier gar nichts „lehrt“, zumal gerade, wie ganz oben nachgewiesen, der Mann nach dem jüdischen Gesetz sogar die Vorschrift hat, sich beim öffentlichen Beten zu bedecken.
Uns bleibt nichts, als festzustellen, dass es in Israel eine gesetzliche Vorschrift für den Mann gab. Die Frau betet ohnehin nicht in der Synagoge oder im Tempel öffentlich. Das ist bis heute so, und die liberalen Jüdinnen, die sich inzwischen das Recht erkämpft haben, an der Klagemauer doch öffentlich zu beten, benutzen dazu denselben Gebetsschleier, den sonst nur die Männer benutzen dürfen.
Die „Natur lehrt“ über solche Ordnungen nichts, was man objektiv nachvollziehen könnte – zu unterschiedlich sind die Sitten der Völker, zu unterschiedlich die klimatischen Bedingungen, als dass man hier etwas Verlässliches sagen dürfte. Es wäre unnüchterne und magische Denkart.
Bleibt nur ein Schluss: Es gibt das jüdische Gesetz und Bräuche, die hier so und anderswo wieder anders sind. Die Natur sagt uns dazu schlicht nichts Verbindliches.
Der heilige Paulus fragt und antwortet nicht, überlässt dem Leser, nachzudenken und eine Antwort zu finden.

Am Ende von Vers 15, der über eine angebliche, „natürliche“ Notwendigkeit der Frau zur Verschleierung beim Beten spricht, lässt er diese ganze abwegige und magische Natur-Frage wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzen, denn ihn „lehrt“ die „Natur“ offenbar nur eines:

„Quoniam coma pro velamine ei data est.“ Deutsch und wörtlich: „Das Haar ist ihr doch als Schleier (besser: „Hülle“ oder „Decke“) gegeben!“

Und hat er nicht recht?

Ist der Frau nicht im Allgemeinen „von der Natur“ („Natura docet…“) besonders reiches Haupthaar gegeben, das sie tatsächlich weltweit fast durchweg, egal in welcher Kultur, lang trägt? Wenn die „Natur“ irgendetwas „lehrt“, dann eben dieses Faktum.

Ich möchte noch einmal fragen, wie es kommen kann, dass all diese ach so traditionalistischen Frauen (und ihre männlichen Antreiber) sich wacker diese reiche, gottgegebene „Decke“ abschneiden, dafür aber umso mehr nun den heidnischen Schleier propagieren und daran auch noch ihre zur Schau gestellte, so fromm zur Schau gestellte „Subordination“ knüpfen, der doch der Apostel eine Absage erteilt in seinen Ausführungen! Der heilige Paulus spricht zwar an anderen Stellen von Unterordnung, dies aber nie einseitig zu Lasten der Frau! Sein Tenor ist nach Epheser 5 die gegenseitige Unterordnung aller! Er setzt die Stärke und Würdigung der Frau bei all seinen Aussagen voraus. Vielleicht sogar ihre besondere Stärke, die sie um des Mannes willen gelegentlich doch zurücknehmen soll, um ihn nicht im Glauben zu behindern – dies aber freiwillig und ohne verbissenen Druck von außen.

Feste Kleidervorschriften kennt das Alte Testament und ebenso die Kirche nur im Bezug auf liturgische, priesterliche Gewänder bzw. Ordenskleidung. Alltägliche Kleiderordnungen des Volkes sind dagegen wandelbare Konventionen und Gebräuche. Der Schlusssatz der Stelle spricht davon, dass der Apostel das Thema offenbar nicht für wert hält, so überspannt zu werden:

„Si quis autem videtur contentiosus esse, nos talem consuetudinem non habemus, neque ecclesiae Dei. »

Deutsch und wörtlich : « Wenn einer deswegen meint, streiten zu sollen : wir haben einen solchen Brauch nicht, auch nicht die Kirche Gottes.“

Es ist übrigens abwegig, das „Um etwas streiten“ für den "Brauch" zu halten, von dem der Apostel spricht:
Erstens hat die Kirche von Anfang an eine Diskussionskultur gehabt und zweitens würde man eine solche nicht einen „Brauch“ nennen.
Mit dem „Brauch“ kann hier sinnvoll nur eines gemeint sein: überspannte Bräuche über Schleier, männliche Barhäupte und andere rein äußerliche Gepflogenheiten, die mit einer geradezu esoterischen Bedeutung versehen werden – das ist dem katholischen Denken nicht nur fremd, sondern sogar untersagt. Wir sollen nicht magisch denken!
Und das passt auch wieder zu Paulus: Wir haben keine Kleiderbräuche, außer die, dass wir sittsam gekleidet sind, Mann wie Frau. Zwar schrieb der CIC von 1917 der Frau und dem Mann sittsame Kleidung und ihr dabei auch irgendeine Kopfbedeckung vor, dem Mann dagegen Barhäuptigkeit, schränkte dies aber ein, falls eine andere Sitte vorliegen sollte.

2. Exkurs: Das Decretum Gratiani, die Aberkennung der Gottebenbildlichkeit der Frau und der Schleier

Die postmodernen Schleierfreunde übersehen, dass der Schleier, wenn er propagiert wurde, im Zusammenhang mit der Bestreitung der Gottebenbildlichkeit der Frau geschah:

Gratian (12. Jh) schrieb:

„Hec imago Dei est in homine, ut unus factus sit
ex quo ceteri oriantur, habens inperium Dei, quasi
uicarius eius, quia unius Dei habet imaginem, ideoque
mulier non est facta ad Dei imaginem.
Sic etenim
dicit: "Et fecit Deus hominem; ad imaginem Dei fecit
illum." Hinc etiam Apostolus: "Vir quidem," ait,
"non debet uelare caput, quia imago et gloria Dei
est; mulier ideo uelat, quia non est gloria aut
imago Dei."
(http://geschichte.digitale-sammlungen.de/decretum-gratiani/kapitel/dc_chapter_3_3661)

Deutsch übersetzt:

„Dieses Abbild Gottes ist im Menschen, wie einer dazu ausersehen ist, aus den übrigen sich zu erheben, um das Reich Gottes innezuhaben, gewissermaßen als sein Stellvertreter, weil ja nur ein einziger Abbild Gottes sein kann; deswegen ist die Frau nicht nach dem Abbild Gottes geschaffen. So heißt es nämlich: „Und der Herr schuf den Menschen; zum Bild Gottes schuf er ihn.“ So auch der Apostel: „Der Mann“, sagt er. „Darf sich das Haupt nicht verhüllen, denn er ist Abbild und Glanz Gottes; die Frau dagegen bedecke sich, denn sie ist weder Glanz noch Abbild Gottes.“

Diese ungeheuerliche Behauptung Gratians enthält gleich zwei förmliche Widersprüche zur Heiligen Schrift:

Gratian zitiert die Genesis bewusst verfälschend und verkürzt, um zu beweisen, dass die Frau nicht Ebenbild Gottes sei, obwohl doch genau das in der Genesis steht:

Genesis 1, 27: „Et creavit Deus hominem ad imaginem suam; ad imaginem Dei creavit illum; masculum et feminam creavit eos.“ Deutsch: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bild; zum Bilde Gottes schuf er ihn; männlich und weiblich schuf er sie.“

Gratian: „Et fecit Deus hominem; ad imaginem Dei fecit illum. » Dass die Frau genauso Ebenbild ist, lässt er weg, um zu beweisen, dass sie es nicht ist. Das ist mehr als dreist!

Gratian zitiert den Apostel Paulus dann regelrecht falsch und fügt das erwünschte Ergebnis – nämlich dass die Frau kein Ebenbild sei – mit einer atemberaubenden Dreistigkeit einfach in den Schrifttext ein:

Paulus: „Vir quidem non debet velare caput, quoniam imago et gloria est Dei; mulier autem gloria viri est. » (V. 7) Deutsch : « Der Mann darf sein Haupt nicht verhüllen, weil er ja Abbild und Ehre Gottes ist; die Frau ist aber Ehre des Mannes.“

Gratian: „"Vir quidem," ait, "non debet uelare caput, quia imago et gloria Dei est; mulier ideo uelat, quia non est gloria aut imago Dei." (s.o) Deutsch: „Der Mann (…) darf sich das haupt nicht verhüllen, denn er ist Abbild und Ehre Gottes; die Frau muss sich deshalb verschleiern, weil sie weder Ehre noch Abbild Gottes ist.“

Wie bereits dargelegt, ist gerade dieser Vers 7 bei Paulus wiederum im Widerspruch zu den Versen 3, 11+12, kann also auf keinen Fall ohne die Berücksichtigung dieser anderen Verse absolut gesetzt werden. Dass jede Veränderung des kanonisierten Bibeltextes eine schwere Häresie darstellt, ist ebenfalls zu bedenken und es wundert, dass das Lehramt hier nicht sofort rigoros eingegriffen hat.

Zuletzt ist Gratians einleitende Begründung ein indirekter Angriff auf den trinitarischen Glauben, der doch in der Argumentation des heiligen Paulus der gesamten Betrachtung vorangestellt wird. Wieso sollte nur ein einziger Abbild Gottes sein können, wenn doch die Genesis das Gegenteil besagt und gerade in den Worten des Paulus deutlich wird, dass die Abbildlichkeit Gottes die gesamte Schöpfung durchzieht? Gerade weil Gott nicht nur ein „einziger“ ist wie im Islam, sondern eine Trinität, ist die Abbildlichkeit durchlässig hin zu den vielen!

Alle Schleierfreunde sollten ernsthaft darüber nachdenken, ob sie sich einem solch verzerrten und von der Tendenz her sogar häretischen Gottes- und Menschenbild ergeben wollen. Denn anders kann man diese Aktion des Gratian gegen die Frau nicht werten, da er selbst vor einer Umformulierung der Heiligen Schrift nicht zurückschreckt.

Zuletzt ist es angesichts der Erwähltheit Mariens, die als „Widerschein“ des göttlichen Glanzes bezeichnet wird, geradezu blasphemisch, der Frau abzusprechen, dass sie selbst Ebenbild Gottes ist.


3. „Haar“sträubende Gründe für die „Mantilla“

Neben dem falschen bzw. fragwürdigen Verweis auf den hl. Paulus habe ich bisher nur – man verzeihe mir – dümmlich-vulgäre, rein ästhetische, eitle und pseudodemütige Gründe für die „Mantilla für alle“ gehört. Weder Männer noch Frauen sind in der Lage, die angebliche Wichtigkeit dieses frommen Accessoires sachlich und für einen katholisch denkenden Menschen plausibel und vernünftig zu erklären.

Die einen erklären einem voller Ernst, Frauen neigten dazu, immerzu herumzuschauen und würden so durch die Mantilla gezwungen, sich zu konzentrieren, was ich, wenn ich es nicht als Beleidigung meines Geschlechtes werten soll, als Ausdruck schlimmster Dummheit ansehen müsste. Wieder andere meinen, sie fühlten sich so ehrfürchtiger vor dem Allerheiligsten (was als subjektiver Grund m.E. noch am ehrlichsten und akzeptabel sein mag, dann aber eben logisch auch nicht „für alle“, sondern nur für den, der es braucht oder will). Noch andere behaupten, sie zeigten damit ihre besondere Demut, was wie alle – außerhalb von formellen liturgischen oder ordensspezifischen Demutssymbolen - zur Schau gestellte Demut bekanntlich das Gegenteil ausdrückt: nämlich Hochmut. Wahre Demut weiß nicht, kann gar nicht wissen, dass sie demütig ist…
Sprachunkundige und Menschen, denen der logische Verstand fehlt, behaupten gerne in auftrumpfender Manier, der heilige Paulus habe mit dem Satz, das Haar sei der Frau als Decke gegeben in Wahrheit gemeint, es sei ihr als „Schmuck“ gegeben und müsse deshalb verhüllt werden, damit die Männer, die nach der Argumentation plötzlich auch als notorische Herumgaffer dargestellt werden, nicht in Versuchung kämen. Und es gehe in der Heiligen Messe nun mal nicht drum, dass die Frau im Mittelpunkt stehe. Ob solcher Sätze muss ich mir immer wieder die Augen reiben: Ich wäre nicht Traum auf die Idee gekommen, ich wolle mich, wenn ich ordentlich gekämmt in die Heilige Messe komme, in den Mittelpunkt setzen. Wieso auch?
Und warum dann, wenn auch die Männer nur herumschauen, nicht die Männer verhüllen, wenn man doch zuvor den Schleier so nötig der herumblickenden Frau als „Schutz“ verordnen wollte?
Ich möchte es dem Leser ersparen, weitere Peinlichkeiten aufzuführen, die in diesem Zusammenhang gewöhnlich geäußert werden. Jeder möge eine Abenteuerfahrt durch katholische Blogs unternehmen und sich die Legionen an albernen, eitlen und zum Teil offen frauenverachtenden Kommentaren dazu ansehen.

Zweierlei will ich dazu noch bemerken:

Der heilige Paulus spricht definitiv nach jedem hermeneutischen Sachverstand nicht vom „Schmuck“ oder der „Zier“ des Frauenhaars, sondern von der „Decke“. Ein „velamen“ oder „velamentum“ meint niemals „Schmuck“, sondern eine Bedeckung, Hülle, sogar das „Fell“! Das französische Wort „voile“ (Segel, Decke, Schleiertuch leitet sich davon ab). Hätte Hieronymus das als „Schmuck“ übersetzen wollen, hätte er es „ornamentum“ genannt. Es zeigt aber, davon abgesehen, die gesamte Argumentation auf, dass es bei den Korinthern und ihren Forderungen nicht ums Zieren, sondern ums „Bedecken“ bzw. „Verhüllen“ ging. Nur eine völlig textferne Lesart kann den Sinn so verbiegen.

Von gegenseitigem Aufreizen oder dergleichen ist bei dem heiligen Paulus keinerlei Rede! Es gehört eine schmutzige Phantasie des Lesers dazu, diese Stelle so zu lesen!
Man sollte also nüchtern und sachlich bleiben und weder Mann noch Frau unter dem Aspekt betrachten, bloßes Reizobjekt zu sein. Jeder und jede ist hier gehalten, sich zu zügeln und sich nicht zu begierigen Blicken hinreißen zu lassen. Erst mal – so klingt es bei Jesus – bin ich selbst diejenige, die den anderen nicht mit begehrlichen Blicken ansehen soll. Es ist in der Kirche schon viel zu viel Unrecht geschehen dadurch, dass man v.a. der Frau anlastete, wenn der Mann sich nicht zügelte (aber umgekehrt wäre es genauso ungerecht): Immer muss ich mich zügeln, bevor ich den anderen für mein Versagen verantwortlich mache!
Im allgemeinen aber gilt eine ordentlich frisierte Frau nicht als „aufreizend“, und es wird allgemein nicht als unschicklich empfunden, wenn Frauen mit bescheidener Frisur barhäuptig zu sehen sind, v.a. dann, wenn sie ohnehin langes Haar haben. Kopfbedeckungen entspringen bei Mann und Frau weniger der „Sittsamkeit“ als Moden, Konventionen oder praktischen Notwendigkeiten (Schutz vor Sonne, Regen, Kälte, Schmutz).


4. Die Mantilla führt zu einer unguten und pseudo-liturgischen Beschäftigung der Frau mit sich selbst

Viele traditionalistische Frauen tragen das Argument vor, Mantillen seien doch so weiblich, so hübsch und so reizvoll. Und so sieht man zunehmend junge Damen in den Heiligen Messen, manche sogar inzwischen in NO-Messen, die die gesamte heilige Messe über an ihrer Mantilla herumnesteln, denn diese billigen, durchsichtigen Polyestertücher verrutschen, weil sie ja nur über den Kopf gelegt werden, ständig auf den eitlen Weibsköpfen, sind natürlich komplett durchsichtig, verdecken also ohnehin gar nichts, sondern betonen das Haar sogar noch. Eine Frau ohne dieses Tuch wird gar nicht beachtet. Wenn eine aber dieses Stück Stoff auf ihr Haupt drapiert, wird sie garantiert von jedem offen oder heimlich begafft. Dieselben Damen zupfen auch sonst auffallend viel an ihren Kleidern herum. Ich muss zugeben , dass mich das sogar stört, wenn eine solche Braut direkt neben mir sitzt und in kurzen Zeitabständen ihr Tuch wieder zurechtrückt, den Pullover herunterzieht, an ihrem Röckchen herumzettelt und ständig an sich selbst hinabschaut. Ich bin auch eine Frau und würde mich so gerne ausschließlich auf das Geschehen am Altar konzentrieren … durch dieses Spitzentuch wäre ich aber gezwungen, ständig über meine Haare nachzudenken, und genau das will ich nicht! Die Mantilla hat uns jedenfalls die vorige Andachtsruhe um ein erhebliches Stück beraubt, und nur einer kann daran Interesse haben. Sein Name ist es nicht wert, ausgesprochen zu werden.

War es das, was man unbedingt wollte? Endlich Aufmerksamkeit für die Frau? Und das während des heiligsten Geschehens?

Wenn jemand meint, er müsse den Kopf bedecken, warum dann nicht so, wie es bei uns immer üblich war – mit einem Hut, einem normalen Tuch oder einer Mütze und vor allem der typisch keltisch-germanischen Kapuze (Gugel), wie sie bis heute in Nonnen- und Mönchshabiten integriert ist? Warum dieses Affentheater um dieses durchsichtige, haltlose Tuch, das die Piusbruderschaft aus fernen Südlanden importiert hat?

Manchmal sieht man im Internet Fotos von frommen Messen, in denen ein spitzenweißes bzw. –schwarzes Kopftuchheer im Kirchenraum sitzt.
Das kann in dieser Uniformität so nicht richtig sein. Es handelt sich dabei doch um Laiinnen!
Die Laien-Frau hat nun mal kein liturgisches Amt und sollte auch nicht quasi-liturgisch uniformiert in der Hl. Messe auftreten. Ich werde den Eindruck nicht los, dass es sich um Wichtigtuerei handelt.
Denn wie gesagt: warum nicht dezent gekleidet sein, meinetwegen mit einer regionalen Kopfbedeckung, wenn es denn sein muss? Warum dieses völlig außerirdische Spitzentüchlein, womöglich noch zu Jeans und Sweatshirt, schweren deutschen Wintermänteln, halblangen bis kurzen und hausbackenen Trachtenröcken, flachen Trampelschuhen und groben Strümpfen?

Das Argument, die Mantilla-Frau ahme Maria nach, entbehrt jeder vernünftigen Begründung. Maria war sicher gekleidet wie es damals üblich war. Aber keine Frau käme auf die alberne Idee, sich nun in antiker Mode zu stylen, um Maria nachzuahmen! Zumal ja niemand so genau weiß, wie Maria wirklich gekleidet war…Warum also nur das Tuch und nicht auch den Rest der historischen Gewänder? Auch die Behauptung, man ahme darin Marias Demut nach, ist „an den Haaren“ herbeigezogen. Ich möchte nicht wissen, wo die Eitelkeit sich überall verbirgt – vor Tüchern wird dieser Dämon wohl kaum Halt machen, vor allem dann nicht, wenn sie „hübsch aussehen“ und so unbeschreiblich „weiblich“ sind und als Ausweis für Demut herhalten sollen…

Bleibt zum Schluss zu fragen, ob wir eigentlich keine dringlicheren Fragen haben derzeit?
Es ist mit Sicherheit nicht richtig, ständig um Bekleidungsfragen der Frauen zu kreisen.
Wir sollen sittsam gekleidet sein. Das ist die Sicht des heiligen Paulus und des Lehramtes. Was sittsam ist, ist kulturabhängig. Japanische oder vietnamesische oder afrikanische Katholiken werden dabei das zugrunde legen, was in ihrer Kultur als sittsam oder konventionell gilt.
Es ist dabei auch nicht richtig, assoziiert mit dem Mantilla-Kampf, einen Grundsatz-Krieg gegen die Frauenhose zu inszenieren: sie ist hier seit Generationen inzwischen (wieder) etabliert (auch die Germaninnen hatten welche, wie die Trajansäule es beweist), die halbe Welt kennt seit Menschengedenken die Frauenhose, fast alle asiatischen und alle Kulturen, die in kalten Regionen liegen, kennen sie, und das ist weder unweiblich noch unschicklich.
Auch hier ist es nur wichtig, dass es wirklich eine Frauenhose ist und nicht eigentlich viel zu enge Männerkleidung, in die man eine Frau zwängt.
Generell widersteht es mir, aus diesen Fragen Gesetze oder ein ganzes Glaubensdrama zu machen: das ist einer Braut Christi nicht würdig.
Es wäre viel gewonnen, wenn die Frau unbefangen und ohne die naturhaft-heidnische Eitelkeit mit ihrer Erscheinung umginge, wissend, dass sie natürlich und gut geschaffen wurde und sich nicht verkrampfen muss, und vor allem: dass sie den schönsten Bräutigam des Universums hat, der ihr Herz und nicht ihre Kleider liebt und der selbst durchbohrt wurde um ihretwillen.

6. Der heilige Paulus und die heilige Agnes

Die schönste Geschichte zum Thema „Haar“ und „Hülle“ ist uns über die heilige Agnes überliefert:

„Da gebot der Richter, dass man sie sollte bloß ausziehen und also nackt in der  gemeinen Frauen Haus führen. Aber der Herr ließ ihr Haar so dicht wachsen, dass ihr Leib davon besser bedeckt war, denn mit Gewand. Und da sie in das Haus der Schande kam, stund da ein Engel, der gab ihr ein lichtes Gewand, und erfüllte sie mit seinem Glanz das ganze Haus. Also ward die Stätte der Schmach zum Ort des Gebets.“ (Legenda Aurea, Von Sanct Agnes. Aus dem lateinischen übersetzt von Richard Benz. Heidelberg 1984: Verlag Lambert Schneider, S. 134)

Das passt hervorragend zu der Paulusstelle, ebenso wie die Aussage des heiligen Ambrosius, St. Agnes sei ohne besonderen Haar- oder Kopfschmuck gewesen und so in der rechten Weise ihrem Bräutigam entgegen gegangen.
Der natürliche Schleier der Frau ist ihr Haar, aber der übernatürliche „Schleier“ ist ein Glanz, den kein Kleidungsstück je hergeben könnte und wird gnadenhaft verliehen – und natürlich der Frau direkt und nicht, wie Gratian behauptet, nur vom  Mann her. Eine direkte „Vermählung“ der Frau mit Christus wäre ja sonst überhaupt nicht möglich, wie sie bis heute jede Ordensfrau aber doch feiert!
Alleine die Tatsache, dass die Kirche in ihrer gesamten realen Auffassung der weiblichen Heiligen von Anfang an und ganz selbstverständlich von deren Gottebenbildlichkeit und deren Widerschein Seines Glanzes ausging, offenbart uns, dass die besagten referierten Sätze des Heiligen Paulus mit sehr großer Wahrscheinlichkeit gerade nicht dessen Meinung wiedergeben.



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Kommentare:

  1. Ich halte ebenfalls nichts von südländischen Mantillen (finde sie eher höchst peinlich), muss aber doch sagen, dass ich noch nie davon gehört habe, dass Frauen "vorm Konzil" hierzulande keinen Schleier bzw. Kopftuch trugen. So berichtet es auch meine Großelterngeneration. Erst in den 50er Jahren wichen sie langsam den Hüten, bis die dann ebenfalls irgendwann verschwanden. Selbst im tiefsten Novus Ordo gab es in meiner Jugendzeit noch einige fromme Damen - Gott hab sie selig - die keinen Tag in der Messe fehlten ... und die Kirche auch nie ohne Kopftuch betraten.
    Das alte Kirchenrecht schreibt diese Praxis ebenfalls vor (c. 1262 §2/CIC 1917). Ganz interessant fand ich übrigens das Position Paper der UV zum Thema, in der u.a. von der Verschleierung des Heiligen gesprochen wird, der Frau als Archetypus der Kirche, die ihr Haupt - wie der Kleriker - bedeckt. ( http://rorate-caeli.blogspot.com/2014/12/fiuv-position-paper-headcoverings-in.html )

    Ein Hinweis: Bei der Passage aus Gratian handelt es sich um ein Zitat aus der Feder des sogenannten Ambrosiaster. Eine "Vulgata-Fälschung" liegt da keinesfalls vor, er ist tatsächlich sogar ein wichtiger Zeuge der altlateinischen Bibel und vor-augustinischen Paulusexegese. Gratian misst ihm hohes Gewicht bei, da seine Quaestiones Veteris et Novi Testamenti Augustinus zugeschrieben wurden. Viel besser kann man das im eingescannten Bild der Seite erkennen: http://geschichte.digitale-sammlungen.de/decretum-gratiani/seite/bsb00009126_00679
    Gratian sammelt und kommentiert schließlich nur Rechtsquellen, er möchte keine Theologie betreiben. Seine Anmerkungen sind dort meistens kursiv gedruckt und eindeutig abgrenzbar.

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    1. Danke für den Kommentar.

      Da stimmen dann unsere Erfahrungen nicht überein - vielleicht leben Sie auch in einer andern Region. In Süddeutschland jedoch war es NICHT üblich, einen Schleier zu tragen. Wie gesagt habe ich hochbetagte Katholiken einschließlich Priestern befragt, auch auf die Praxis unter deren Altvorderen, und übereinstimmend die Antwort erhalten, es habe keinen Schleier gegeben. Das reichte in die Zeit bis zu Pius X. zurück. Auch sei die Kopfbedeckung der Frauen ohne Druck und entspannt gehandhabt worden. Der Hut ist nicht erst in den 50ern aufgekommen!

      Ich bin dem Link bzgl. des Decretum Gratiani gefolgt. Es ändert m.E. nichts daran, ob er das nur zitiert oder selbst gesagt hat. Auch die digitalisierte Hieronymus-Ur-Vulgata weist jedoch nicht den Text auf, der hier behauptet wird. Überzeugen Sie sich bitte hier: http://www.intratext.com/IXT/LAT0001/_PX3.HTM

      In der Tat ist der biblische Originaltext in dem Decretum Gratiani verfälscht worden - gleich ob es nun durch den Ambrosiaster oder durch Gratian geschehen ist! Und das ist nicht rechtens.
      Warum soll das Antasten des Schriftkanons in alter Zeit nicht genauso aus ideologischen Gründen passiert sein wie später auch?

      Ansonsten gehen Sie leider nicht ein auf die Grundaussage des Paulus, dass das Haar der Frau nun mal als Decke gegeben ist und sie daher nicht noch einmal extra bedeckt werden muss.

      Spekulationen über die Frau als Bild der Kirche, das irgendwie eingehüllt werden müsse wie der Kleriker etc. sind mir zu esoterisch, muss ich gestehen - das ist einfach weit hergeholt, findet sich nirgends im depositum fidei und darf v.a. nicht einem Nicht-Kleriker abverlangt werden,a ls wäre derselbe einer. Die Frau, außer die Ordensfrau, ist aber diesbzgl. nicht an ein Gelübde gebunden und soll auch nicht so behandelt werden als hätte sie allgemein einen solchen geistlichen Stand. denn wenn sie das müsste und die Kirche das je so gesehen hätte, wäre dies auch genauso vorgeschrieben worden!

      Was die verneinung der Ebenbildlichkeit der Frau betrifft, ist es richtig, dass sie durch philosophische Versuche des Augustinus, die Trinität im menschlichen Geist abgebildet zu sehen, logisch unter den Tisch fallen musste. Er lehnte ja eine trinitarische Gottebenbildlichkeit auch in der Geschlechterdifferenz ausdrücklich ab. Das ist allerdings sein "Hobby" und weder in der Schrift verankert noch in der Lehre. Vielmehr glaubte er, dies in der heidnischen griechischen Philosophie entlehnen zu sollen - mit der Spätfolge, dass sich heute die genderer genau darauf beziehen und daraus eine verneinung der Komplementarität ableiten, und sie können es leider logisch zu Recht.

      Es heißt hier vorsichtig zu sein und nicht alles, nur weil es "alt" ist, für das "Bessere" oder "Echtere" zu halten. Vieles Alte, das ohnehin nicht in der Schrift und Lehre Verankerte hat die Kirche längst hinter sich gelassen und das ist auch gut so.

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    2. Ich danke für die ausführliche Antwort. Selbst entstamme ich aus dem Gebiet des Bistums Limburg und hätte kaum gedacht, dass sich diesbezügliche Sitten in deutschen Landen so sehr unterscheiden. Vor gar nicht langer Zeit erst hatte mir mein Großvater in einem Gespräch von einem Dorfpfarrer erzählt (es muss um die 50er herum gewesen sein), der auf der Kanzel gegen die "neue Mode" wetterte, in der Kirche Hüte statt Kopftücher zu tragen. Aber sei es drum.

      Die Urvulgata des Hieronymus spielt bei Ambrosiaster gar keine Rolle, weil es zu seiner Zeit ja noch gar keine Vulgata gab, sondern nur "die" Vetus Latina bzw. eben mehrere unterschiedliche lateinische Übersetzungen. Ich weiß daher nicht, ob es redlich ist, dem Autor eine absichtliche Verfälschung des Textes zu unterstellen.

      Inhaltlich kann ich Ihre Argumentation ansonsten nachvollziehen und sehe das in weiten Teilen sehr ähnlich. Deswegen bin ich auch nicht weiter darauf eingegangen und möchte dem auch gar nichts entgegensetzen. Der Umgang mit dem "Thema Frau" im traditionalistischen Lager war mir schon immer ein Gräuel. Daher vielen Dank ich für diesen - wie bei Ihnen ohnehin üblich - sehr interessanten Beitrag!

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    3. Nun gut - wenn es eine vor-hieronimus'sche Lateinversion war, ist es einerseits nicht nachvollziehbar, warum der griechische Ur-Text dann so falsch übersetzt worden sein soll (und der ist doch relativ feststehend). Weiterhin wäre zu fragen, wieso Gratian im 12. Jh - also Jahrhunderte nach der Vulgata - dann an einer definitv falschen Übersetzung einer Vor-vulgata-version festhielt? Allerdings kann es sein, dass vor der ausdrücklichen Kanonisierung der Vulgata (die aber dennoch zu ihrer Zeit ja auf "Bestellung" der Kirche erstellt worden war, um endlich Einheitlichkeit und Allgemeinheit zu erzielen) im 16. Jh ein laxer oder schlampiger Umgang mit dem Schrifttext üblich war.

      Im CIC von 1917 steht übrigens nicht, dass Frauen zwingend einen Schleier tragen sollten, sondern im Rahmen der gängigen sittsamen Kleidung "eine" Kopfbedeckung - eben je nach Region offen, wobei das wie gesagt im allgemeinen hierzulande nicht auf die Goldwaage gelegt wurde. 1983 steht zu dem Thema gar nichts mehr im CIC.

      Es handelt sich in jedem Fall um eine Gepflogenheit, um nichts, was den Status des Heilsnotwendigen hätte und es ist bezeichnend, dass im Traditionalismus rein äußerliche Gepflogenheiten nun dermaßen verabsolutiert werden, als könnten sie die Herzen bewegen. Hat man nicht schon vor 100 Jahren darüber gespottet, dass Frauen den Kirchgang dazu missbrauchen, ihre neuesten Kopfbedeckungen und Kleider spazierenzuführen?

      Danke jedenfalls für Ihre Kommentare...

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  2. Liebe Zeitschnur!
    "In den letzten Jahren tobt auf dem Traditionalisten-Schlachtfeld der Kampf um einen speziellen Kommunion-Schleier für katholische Frauen, die „Mantilla“." Mit diesem Satz beginnen Sie Ihren Aufsatz zum Thema Mantilla, der unter der Überschrift "Der katholische Zombie" firmiert. Ich ahnte vor wenigen Tagen, als Sie mir (http://etnunc.blogspot.de/search/label/Mantilla) einen Kommentar schrieben, nicht, dass ich zu den Zombies gehöre die sich auf dem Traditionalisten-Schlachtfeld austoben.
    Nein, so sehe ich mich nicht! Und in diese Ecke will ich mich auch nicht abdrängen lassen. Bei allen meinen traditionellen katholischen Ansichten bin ich nach wie vor ein Sohn der Kirche, der zwar sehr unter dem derzeitigen Zustand von Mutter Kirche leidet und mit sehr Vielem seiner hierarchischen Vertreter nicht einverstanden ist; aber dennoch dazu steht: "extra ecclesiam nulla salus".

    Allerdings will ich keine große Verteidigungsrede niederschreiben, nur nüchtern meinen Standpunkt vertreten.
    Tatsächlich kenne ich aus meiner Kinderzeit im Bistum Mainz den Brauch, dass Frauen Kopftücher getragen haben, die bald bei vielen den Hüten gewichen sind. Übrigens trug meine Mutter selten ein Kopftuch und niemals einen Hut in der Kirche. Ganz so streng war das also damals nicht. Um die Zeit des Konzils verschwanden die Kopfbedeckungen bei Frauen mehr oder weniger ganz. Mit meinen Einlassungen (siehe LINK weiter oben) habe ich auf eine Tatsache hingewiesen, die sich in weiten Teilen der Kirche zeigt. Vor allem in den spanisch-sprechenden Ländern. Aber darüber hinaus natürlichauch, und da stimme ich Ihnen zu, besonders in der Tradi-Szene, auch hierzulande. Und ich sage auch, dass es hier manchmal sehr "aufgesetzt" wirkt, nicht echt und schon gar nicht natürlich. Das sagt aber nicht, dass ich das Auflegen einer Mantilla nicht für einen schönen Brauch und für ein schönes Zeichen halte, das übrigens verwand ist mit dem Tragen eines Scheitelkäppchens von Klerikern und Ordensmännern.

    Ihr Hinweis auf das Tragen langer Haare bei Frauen, hier besonders bei der hl. Agnes, finde ich sehr schön. Aber auch hier wollen wir keine Ideologie daraus machen. Ebenso nicht aus dem Tragen etwa von Hosen durch Frauen. Mit dem jeweiligen "outfit" das heutzutage vorgezeigt wird habe ich manchmal meine Probleme. Ich denke, es geht um eine angemessene und züchtige Kleidung. Genauso, wie es um ein anständiges Benehmen geht.

    In der Tat gab und gibt es viele Traditionen auch in der Kirche, die nicht nur nicht mehr zeitgemäß waren oder noch sind. Natürlich denke ich zuerst an die Ordensfrauen, die nicht einmal über sich selbst entscheiden durften und für alles und jedes den Hausgeistlichen anfragen mussten, der gesetzgeberisch sogar in weiten Bereichen noch über einer Äbtissin gestanden hat.

    Herzliche Segensgrüße!

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    1. In meiner Kindheit war es auch noch üblicher, dass Leute Kopfbedeckungen trugen - Männer wie Frauen. Ich trage übrigens selbst gerne welche. Bevor der Islam mit seiner Frauen-Verachtung das Tuch zum echten Nogo machte, trugen wir natürlich auch Tücher zu allen möglichen Gelegenheiten, v.a. beim Arbeiten.
      Das war allerdings alles unideologisch, eben Brauch und Mode. Man konnte das machen, musste aber nicht.
      Mein Vater trug in meiner Kindheit immer eine Baskenmütze, meine Mutter Hüte und bei Sturm ein Kopftuch, damit die Haare nicht durcheinander gerieten.
      Während aber die Frau so auch in die Kirche ging, sollten die Männer ihre Kopfbedeckungen im Kirchenraum ablegen, aber nicht nur da - auch vor Leichen, Frauen und beim Grüßen nahm der Mann aus Ehrerbietung den Hut ab. Die Frau musste das nicht.

      Mit der Freizügigkeit wandelte sich die Mode. Dass heute vieles tatsächlich unanständig ist, trifft zu. Aber war es das früher nicht? Wenn ich manchmal sehe, wie in Stein gehauen der mittelalterliche Mann gekleidet war: mit hautengen Strumpfhosen, dem noch einmal extra gepolsterten und betonten Geschlecht, dann wird mir ganz schwindelig und ich denke: Wie konnte die Kirche das nur zulassen! Das ist doch unmöglich und für die Frauen eine ständige Versuchung in die falsche Richtung zu sehen und zu denken?! (Das aber nur als Exkurs)

      Zurück zur "Mantilla": Mich würde es ja nicht mal stören, wenn manche Leute das eben machen, weil es ihnen so richtig vorkommt.
      Mich stört diese Verbissenheit und der Druck, der von den Verfechtern ausgeübt wird. Die Frage wird maßlos aufgebauscht.

      Sie sagen, es sei ein "schönes Zeichen".
      Ich frage mich: Zeichen wofür?
      Und dann wird es nämlich schwierig, weil eben doch der Zeichencharakter in aller Regel - genau wie beim Islam - mit einer Abwertung und einseitigen Unterordnung der Frau verbunden wird, die man ausschließlich ideologisch betrachten muss und die sich so zugespitzt im NT gar nicht findet, weil sie dort zweiseitig formuliert wird - wie es ja auch die besagte Stelle tut.
      Hier wird eben doch ein fragwürdiges Geschlechterbild propagiert. Wenn Sie sich dazu denken, dass viele Traditionalisten bereits schon wieder offen die Frauenbildung verweigern wollen, Frauen das Studieren und Lernen ausreden und die Anwesenheit der Frau in der Wissenschaft problematisieren, dann kann man diese unsägliche Polyestermantilla nicht mehr als losgelöstes "Zeichen" sehen.
      Sie steht in Zusammenhang mit all diesen weiteren ideologischen Abwertungen und Zurückdrängungen der Frauen, die doch von der Kirche so gar nie gefordert worden waren! Selbst wenn in Spanien dieses Tuch eben Brauch war ohne all diese Konnotationen – jetzt wird das Tuch dazu regelrecht missbraucht und daher auch mit dieser Vehemenz auch in anderen Regionen mit Druck und Propaganda „beworben“.
      Es ist eben nicht einfach Bestandteil der vollständigen Kleidung wie es früher eine Kopfbedeckung war, sondern ein total außerirdisches Accessoire, das im Rahmen der restlichen Kleidung total spacig wirkt, etwa so, als würde sich ein bayerischer Trachtler zu den Lederhosen und Haferln einen Turban binden.

      Ich finde das verklemmte, hausbackene und zugleich selbstfixierte Outfit vieler Piusfrauen einfach nur zum Davonlaufen und muss sagen, dass es mich anfangs wirklich schockiert hat, dass die angeblich besonders Frommen offenbar ihre Frömmigkeit noch mehr materialisiert und ideologisiert haben als die Progressiven. Eine schwüle Treibhausatmosphäre, die der Andacht eher abträglich ist und viele Menschen zutiefst abstößt und vielleicht dem Glauben noch mehr entfremdet.

      Das ist zombiehaft, und mit "Tradition" hat es null zu tun.

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  3. Noch ein paar Links, die darauf hinweisen, dass die Frauen nicht seit den 50ern des 20. Jh anfingen den Schleier gegen einen Hut zu tauschen, sondern der Hut auch vorher selbstverständlich war. Der Kopfputz der Frauen war auch in den Volkstrachten sehr unterschiedlich, in Deutschland meist aber kein Tuch, sondern ein Hut, eine Haube oder irgendein phantastisches Gebilde (wie bei einigen Schwarzwaldtrachten).

    http://www.jahrbuch-vulkaneifel.de/VT/hjb2006/hjb2006.30.htm (auch Txt drunter lesen)
    http://www.ansichtskartenhandel.at/images/produkte/341011.jpg (Das Bild heißt "Kirchgang"/Österreich)
    http://www.ansichtskartenhandel.at/ansichtskarten-motive-thematik/kuenstlerkarten/nach-kuenstler-sortiert/75913-wilhelm-list-kirchgang-tracht-hut-b-k-w-i-1338/a-398745/
    http://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/schulfernsehen/tracht-bautzen-pfingstprozession100~_v-img__16__9__xl_-d31c35f8186ebeb80b0cd843a7c267a0e0c81647.jpg?version=ce638 (spezielle Tracht mit einer Art in die Haare eingebundener Bänder)
    http://footage.framepool.com/shotimg/qf/272254921-kirchgang-radstadt-weihwasser-segnung.jpg

    "Großmutter hatte natürlich mehr als einen Hut. Je nach Jahreszeit und Anlass kamen unterschiedliche Exemplare zum Einsatz. Es gab den Hut für den Alltag, den für den sonntäglichen Kirchgang und den für Beerdigungen..." (http://www.kuewi.de/gut_behuetet.htm)

    http://www.ebay.at/itm/Am-Sonntag-Madchen-Kirchgang-Tracht-HOLZSTICH-von-1888-Trachtenkostum-/371231931537?pt=Grafiken&hash=item566f25bc91 (hier eine kleine Haube)

    http://www.almrauscher.de/unser-gwand-trachtenverein-almrauscher-tracht-tradition-brauchtum-berchtesgaden.html

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  4. Frau Zeitschnur,
    die "Tradi-Szene" ist auch manchmal die "Gothic Szene". Frauen tragen schwarze Mantillen, Männer (u.a Priester) tragen Talare - aber.... Bizarre Welt.
    C.

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  5. Die Frage ist hierbei ...aber ....ob etwas tatsächlich jüngere und weltweite Tradition in der Kirche war (vor dem Konzil). Dass Priester (nicht Talare! Hallo? Wir sind hier bei den Katholiken?!) schwarze Soutanen tragen, war jedoch tatsächlich mindestens in den letzten 200 Jahren Tradition, und dies immer und überall in der ganzen Kirche, also allgemein. Im übrigen hat der Priester ein formelles Amt und Versprechen abgelegt. Für die Laiin trifft das ebenso wenig zu wie für den Schleier! Sie hat keine formelle Rolle und der Schleier war nicht weltweit üblich!
    Und darum geht es!

    Ihr Hinweis auf die Gothic-Szene ist aber insofern richtig, als auch die Gothic-Szene plötzlich für beide Geschlechter solche bizarren Kopfbedeckungen, die gewissermaßen "out-of-recent-culture" sind, etablieren wollte, wenn auch nicht mit dieser Verbissenheit und Ideologie. Und Sie haben recht - die Frauen tragen auch dort Schleierhüte, den sogenannten "Hennin" (http://de.wikipedia.org/wiki/Hennin).
    Ein Unterschied ist auch, dass man sich dort komplett in einem Stil gewandet, sich also nicht diesen hausbacken-peinlichen Aufzug leistet, den sich die Tradi-Szene gibt. Selbst die protestantische Sekte der Hutterer und Amish kleidet sich dann wenigstens konsequent komplett in der Mode einer alten Zeit...

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  6. Frau Zeitschnur,
    danke für Ihre Antwort.
    Einige Traditionalisten sind auch "Gothics".
    C.

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    1. Darf ich fragen, was Sie damit nun ganz genau meinen?

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  7. = Gothics mit starken Bindungen an das traditionalistische Milieu (Der Grund dafür : Faszination für den liturgischen Ästhetizismus, für die gregorianische Form des Gesangs, für die Exorzisten usw) .
    = Traditionalisten (auch Priester) mit starken Bindungen an die Gothic-Szene. (Der Grund Dafür : Faszination für alles, was schwarz und bizarr ist).
    Es soll nicht Böse (!) klingen, es ist nur eine Feststellung.... und es passt zum Thema "katholische Zombies" ;)
    C.

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  8. Hallo, meine Oma trug in Ruhpolding in der Kirche einen schwarzen Tellerhut, den nur verheiratete Frauen tragen durften. Bei mir daheim (Nähe Altötting) trugen die alten Frauen ein Kopftuch oder für mich als Kind häßliche Filzhüte. Männer durften den Hut in der Kirche nicht aufsetzen.
    Ich hab übrigens mit 18/20 (bin 1957 geboren) sehr gerne Koptuch getragen im Sommer, da ich sehr windempfindlich war und beim Radfahren dann das Kopftuch vorne gekreuzt und dann im Nacken gebunden habe. Heute tragen bei uns nur die Bäuerinnen im Stall Kopftuch.
    Kümenris (Nickname) - nach einer Kapelle Näche Burghausen der hl. Kümmernis gewidmet

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    1. Das entspricht auch dem, was ich aus meiner Familie kenne... Mantillas gab es jedenfalls keine ... nirgends...

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    2. Meine Familie stammte übrigens auch aus Bayern, aus Pfarrkirchen, davor aus der Gegend von Zwiesel und Eisenstein. Nirgends gab es diese Mantilla, und meine fromme Großtante ging mit einem Trachtenhut in die Kirche, der zu ihrem Lodenmantel passte, als ich ein Kind war. Aber das war ohne Druck, sondern eben Brauch.

      Ich habe zu diesem Bhufe auch mal die Muttergottesdarstellungen genauer beachtet, wie sie hier in Baden sind, wo ich lebe und aufgewachsen bin: In der Spätmittelaltersammlung im Landesmuseum im Schloss sind so und so viele Marien mit langen offenen Haaren dargestellt. es gibt neben der Tradition, sie mit einem Tuch darzustellen mindestns die ebenso häufige Tradition, sie mit langen, schönen, etwas lockigen Haaren darzustellen.

      Am realistischsten sind die Selbstdarstellungen der Einheimischen auf Votovtäfelchen: durchweg tragen auch die badischen Frauen im 19. Jh und zu anderen Zeiten dort, wenn sie verheiratet sind, beim Gebet einen Hut, wenn sie ledig sind, keine Kopfbedeckung oder etwas anderes - aber nicht diesen speziellen Hut....die Männer haben den Kopf unbedeckt, tragen aber fast immer längere Haare...teilweise rührende Darstellung, z.B. von einem anbetenden Ehepaar, das der Gottesmutter für die Erfüllung eines Kinderwunsches dankte etc...

      Wer also was anderes behauptet über Süddeutschland, erfindet die Geschichte und die Gebräuche neu. es gab hier keine Mantillen!

      Und die Kopftücher, die auch ich damals noch trug, trug man ohne irgendeinen Druck oder Zwang ... oder halt auch nicht und v.a. als Schutz vor Kälte, Sonne und Regen.
      Erst die Muslime haben diese verkrampfte Haltung eingeführt und leider auch die Piusbruderschaft.
      Seither trägt in Deutschland kaum noch eine Frau ein Kopftuch, weil man nicht mit diesen Krampfern in einen Topf geworfen werden will, die aus einem Kleidungsstück eine Ideologie machen...

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  9. ganau, ich würde auch heute noch Kopftuch tragen, weil es praktisch wäre, aber leider ist das heute nicht mehr machbar. so muß man sich mit Schals behelfen.
    sie können als Name gerne Kümernis nehmen, ich weiß leider nicht, wie man das eingibt.
    war als Kind gerne in der Kapelle.

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  10. Marienzweig:
    Ich kenne diese Blogs nicht, auf denen um den Gebrauch der Mantilla gestritten wird und wusste bisher gar nichts davon.
    Vergangenes Jahr war ich einmal in einer hl. Messe der Pius-Bruderschaft, da ich um diesen Fahrdienst gebeten wurde.
    Die Messe war sehr gut besucht und nach meiner Erinnerung trugen nur eine Handvoll Frauen ein Kopftuch, eine allerdings die Mantilla.
    Aber natürlich bedeutet dieser einmalige Messebesuch keine gültige Aussage, wie es sonst an anderen Sonntagen gehandhabt wird.
    Was mich allerdings froh stimmte, war das Eintauchen in das Geschehen, wie es mir von Kindheit und Jugend an vertraut war.
    Thema sittsame Bekleidung: Eine Kommunionhelferin unserer Pfarrei -im übrigen eine sehr liebe und gläubige Person- lässt des öfteren eine gewisse Sensibilität in der Kleiderwahl vermissen. Miniröckchen, manchmal recht knallige Farben - manchmal tut es mir in den Augen und im Herzen weh.
    Mantilla - gegen Minirock und Stöckelschuhe. Beides müsste nicht sein!

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    1. Ja...so fällt man von einem Extrem ins andere...
      Man muss andererseits zugeben, dass "Sittsamkeit" nichts Statisches ist und die Meinungen darüber schon immer auseinander gingen, was auch die wechselnden Moden der verschiedenen Zeitalter beweisen.
      Nun gehörte aber ein Kopftuch niemals in den Bereich des Sittsamen in unserer Kulturregion. Man hat das getragen oder auch nicht, aus ästhetischen oder praktischen Gründen - ohne jegliche Ideologie oder "spirituelle" Bedeutung.

      Es bleibt also stehen, dass diese Mantilla wie ein Fremdkörper wirkt, keiner sie wirklich "einordnen" kann, weil sie hier nicht nur aufgesetzt und unüblich, sondern auch in einem möglichen Zeichencharakter unverständlich ist. Was im Orient oder in Südeuropa möglicherweise organisch wirkt, erscheint hier einfach nur spacig und dämlich - etwa so, wie wenn ein paar Esoterikerinnen aus spirituellen Gründen plötzlich mit Saris herumrennen und meine, das müsste unbedingt jede Frau machen.
      Obwohl ich letztere Kleidung ganz schön finde, ist sie eben doch hier in jedem Fall fremd und könnte niemals aufgezwungen werden - genauso wie die "Mantilla".

      Was die Blogs betrifft: gehen Sie nur mal spaßeshalber ins Archiv des P.O.Schenker-Blog. Dort verbindet sich der Mantillawahn zwanglos mit einer beispiellosen Frauenverachtung. Man windet sich angesichts dieser dümmlich-rabiaten Statements, die dort von Männern und manns-devot, wie Frauen im allgemeinen sind, auch von Frauen abgesondert werden.

      Dass heute der Bogen oft in eine andere Richtung überspannt wird, ist sicher wahr. Das empfinde ich auch so. Allerdings nur in NO-Messen. In einer alten Messe habe ich noch nie unschicklich gekleidete Männer oder Frauen gesehen.

      Es hilft alles nichts: ein "Schleier" kann angesichts der Tatsache, dass wir laut Paulus den "geistigen Menschen anziehen" sollen, nur ein ideologisiert eher abwegiges oder sogar magisches Zeichen sein.
      Vielleicht fällt das den Tradis ar nicht auf: aber das passt doch überhaupt nicht zu der geistigen Zielrichtung unseres Glaubens, sondern drängt ihn zurück ins rein Natürliche.

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  11. Vielleicht ist meine Ansicht zu dem Thema zu persönlich.
    Ich bin in den 60ger und 70ger Jahren in Südeuropa groß geworden, mit einem 99% katholischen Bevölkerungsanteil. Für mich war die Mantilla ein unverwechselbares Kennzeichen aller „gutbürgerlichen“ Katholikinnen, die außerhalb der Kirche barhäuptig herumliefen liefen. Nur „arme“ Frauen trugen auch in der Kirche die gleichen Kopftücher, wie sie bei der Arbeit trugen, wenn auch oft eines, was für die Kirche reserviert war. Meine erste Mantilla (weiß) habe ich als Vierjährige bei der Taufe der kleinen Schwester meiner Kindergartenfreundin tragen dürfen. Ich fand diesen „Brautschmuck“ ganz herrlich, bin ich doch als Tochter einer preussisch-praktisch denkenden und katholikenverachtenden Protestantin durchweg in Hosen und mit Kurzhaarschnitt großgeworden. Aus praktischen, beruflichen Gründen, habe ich viele Jahre im Alltag Hosen getragen, aber immer wenn es mir möglich war, Röcke und Kleider bevorzugt. Über Geschmack kann man allerdings lange streiten…
    Ich finde es wunderbar, in der Messe eine Mantilla oder eine andere Kopfbedeckung tragen zu dürfen, aber mich ärgert diese Diskussion seit dem ersten Tag, als ich mich, inzwischen konvertiert, für die alte Messe entschieden habe. In Pakistan tragen Frauen eine Tracht mit Hosen, die uns an einen Pyjama erinnert, und niemand findet das skandalös. Männliche Schotten tragen Röcke, ohne dadurch weiblich sein zu wollen. Es gibt Männer, die mit streichholzkurzen Haaren einfach bescheuert aussehen. Es gibt eben Dinge, die eine Frage des Anstands oder des Geschmacks und sonst gar nichts sind. Warum sollte eine Frau in Hosen ohne Kopfbedeckung schlechter beten können, als eine im langen Rock mit Kopfbedeckung? Solange die Kleidung eines Kirchenbesuchers (männlich oder weiblich) nicht aufreizend oder aufmerksamkeitsheischend ist, sollte man kein Wort darüber verlieren müssen.
    Es mag also sicher sein, dass es sich nicht um ein göttliches Gebot handelt, aber es war doch sehr lange ein kirchliches.
    Soviel ich weiß, war die Kopfbedeckung der Frauen durch das Kirchenrecht vorgeschrieben. Das Kirchenrecht von 1917 schrieb die Kopfbedeckung für Frauen in der Kirche noch zwingend vor. Erst 1976 (!) hat die Glaubenskongregation unter Paul VI. in der Erklärung INTER INSIGNIORES dieses Gebot offiziell aufgehoben. Das Kirchenrecht von 1983 erwähnt es nicht (mehr).
    Wenn man sich nun den Argumentationsstrang von INTER INSIGNIORES anschaut:
    http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19761015_inter-insigniores_ge.html
    wird einem allerdings schnell klar, warum Traditionalisten sehr misstrauisch werden, wenn man für die Abschaffung der Kopfbedeckung plädiert…
    Meine persönliche Meinung bleibt: Wir haben in der derzeitigen Lage wirklich andere Probleme, als uns über Rocklängen und Kopfbedeckungen von Katholikinnen den Kopf zu zerbrechen. Auch die Trennung der Geschlechter bei der Sitzordnung in der Kirche und strengere Fasten und Nüchternheitsgebote sind abgeschafft worden. Es mag Leute geben, die sich das eine oder andere aus persönlichen Geschmacksgründen zurückwünschen und das durch die Hintertür wieder einführen wollen. Vielleicht wäre es sogar in einzelnen Fällen ganz sinnvoll, aber es verpflichtet eben nicht mehr.
    Und wenn es zum Skandalon gegenüber meinem Mitkatholiken würde, werde ich lieber auf meine (inzwischen grau-schwarze) Mantilla verzichten, denn es ist immer der Gehorsam gegenüber der Kirche, der uns heilig macht, und nicht das Tuch auf dem Kopf.

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    1. Ich könnte Ihnen im Prinzip recht geben - mit Ausnahme des Hinweises auf "Inter insigniores". Ich verstehe nicht, was daran verdächtig sein soll im Hinblick auf eine spezielle Kopfbedeckung. Paul VI. bestätigt ja darin den Ausschluss der Frau vom Priesteramt (was ich aber nie so nennen würde).

      Mir ging es auch nicht darum zu sagen, niemand darf eine Kopfbedeckung tragen (bzw. keine Frau). Ich wollte sagen, dass die flächendeckende Einführung dieses speziellen Tuches einfach irreführend ist: denn so war es noch nie vorgeschrieben! Das ist, wie Sie selbst sagen, eine südeuropäische oder orientalische Sitte. Hierzulande gab es keine Mantillen. Das ist nun mal auch eine Tatsache.

      Ein Frage ist darüber hinaus, welche Konnotationen man mit dem Tuch verbindet, und da wird es ganz kritisch, v.a. wenn Leute damit eine handfeste Frauenverachtung verknüpfen, die sowohl Moses als auch Jesus selbst widerspricht in der Schöpfungsordnung, die die Frau selbstverständlich als Gottes Ebenebild vorsieht.
      Bei d e r Debatte werde nämlich ich hellhörig. Sie ist arianisch und antichristlich.

      Wenn einer ein schönes Tuch als Schmuck, als Zeichen feierlicher Kleidung und als Ehrenzeichen ansieht, sieht es wieder anders aus!
      Hierzulande war das Abnehmen der Kopfbedeckung, das man dem Mann abverlangte, durchaus kein Statussymbol, sondern im Gegenteil Zeichen der Demut: er lüftete den Hut vor jeder Frau, allen Ranghöheren und beim Eintritt in jedes Haus, gleich wer da gerade war.
      In meiner Kindheit gab es viele Erlebnisse mit älteren Männern, die aus Achtung selbst vor mir als Jugendlicher den Hut hoben.

      Nun musste ich aber in Tradikreisen feststellen, dass diese Debatte missbraucht wird, um durch die Hintertür der Frau a. die Schuld für all die männlichen Fehlentscheidungen in der Kirche in die Schuhe zu schieben und sie zur "Demut" unters Tuch zu zwingen und b. generell als zweitrangig und minderbemittelter darzustellen.
      M.E. wäre nämlich angesichts der Lage, die auf der lehramtlichen Ebene alleine vom Mann zu verantworten ist (keine Frau hat auch nur ein Steinchen zu diesem Desaster beigetragen, nicht zum Vaticanum II und auch nicht zu allem späteren), bevor man die Frau erneut zum zu demütigenden Sündenbock abstempelt, erst mal eine Bußaktion für den männlichen Stolz angesagt, der der Frau überdies von alters her ihren Raum eingeengt hat und bis heute dirigieren und pervertieren will - auch und vor allem in der nachkonziliaren Kirche, die wiederum immer noch alleine von Männern geführt wird. Aber bei den Tradis sieht es keinen Deut besser aus - von den stillen und guten Ausnahmen abgesehen, die sich naturgemäß auch nicht in den Vordergrund drängen mit solch flegelhaften und dümmlichen Auftritten.

      Mich stört es nicht, wenn Frauzen eine Kopfbedeckung tragen - im Gegenteil, ich trage sehr oft selbst welche. Aber ich sehe nicht ein, dass einem nun dieses durch die Piusbriderschaft ungut konnotierte Spezialtuch aufgezwungen werden soll. Darum ging es mir. Denn "Tradition" war es hier definitiv niemals.

      Und es war definitiv auch schon lange vor dem Konzil so, dass hierzulande Frauen nicht unbedingt eine Kopfbedeckung trugen. Und auch im vorkonziliaren Rom war das offenbar nicht wert, beachtet zu werden.

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    2. In "Inter Signiores" wird eine jahrhunderte alte Vorschrift in einem Nebensatz weggewischt, nur weil sie in der Praxis nicht mehr beachtet wurde. Da wird mit dem Zeitgeist, den "modernen" Zuständen begründet, eine theologische Begründung fehlt. Das ist das Bedenkliche daran.

      Wie Sie ja richtig eruiert haben, scheint sich in Deutschland in den letzten zwei Generationen niemand mehr um das Kirchengebot gekümmert zu haben. Deshalb ist das hierzulande auch unter "Traditionalisten" ein kontroverses Thema. In Frankreich und USA z.B. gibt es aber feste Kleiderordnungen für viele (nicht alle) Kapellen und man beruft sich dort auf das Kirchengebot vor dem Konzil, genauso wie bei der eucharistischen Nüchternkeit von drei Stunden auch. Die Männer werden allerdings auch in die Pflicht geholt (keine kurzärmeligen Hemden, etc...).
      In Frankreich erkennt man ganz klar, ob eine Gemeinde bei "Ecclesia Dei" akkreditiert ist (die Frauen tragen zu 50% Hosen in der Messe und zu 95% keine Kopfbedeckungen), während bei der FSSPX von den Frauen durchgängig Röcke und zu 80% Grand Foulard oder Mantilla getragen werden. Und da ist es auch mehr aus Trotz gegen die säkulare Gesellschaft, als um "demütig" zu sein das lassen sich Französinnen sowieso nicht bieten...)

      Ich kann ihr Problem mit dem vermeintlich "Missbrauch" dieser Debatte nicht so ganz nachvollziehen. Bisher habe ich in zehn Jahren im deutschsprachigen Raum noch keinen "Traditionalisten"-Priester erlebt, der dieses Thema von sich aus angeschnitten hätte, und fast alle die ich kennegelernt habe, waren bei der Piusbruderschaft: Ganz im Gegenteil, es gibt Patres, die eher amüsiert sind, dass die Laien sich über die Kleiderordnung so viele Gedanken machen. Einer der mir bekannten Prioren von der FSSPX hat einem Herrn mit Hausverbot gedroht, als dieser wiederholt junge Frauen beschimpft hatte, die in Hosen an der Messe teilnahmen. Und ein anderer Pius-Pater fragt grundsätzlich jede ihm noch nicht bekannte Frau mit Mantilla, warum sie sich denn freiwillig solche "Scheuklappen" aufsetzt. Meine Erfahrung ist auch, dass es eigentlich nie die Priester sind, die die "Tradi"-Frauen "demütig" haben wollen, sondern einiger derer (prospektiven) Ehemänner. Und wenn ich mir unserer jungen Frauen und deren Mütter so anschaue, kann man eigentlich nicht sagen, dass die sich das alle kampflos gefallen lassen. Ganz im Gegenteil: Die meisten Ehemänner haben eigentlich sehr wenig zu melden und diejenigen, die auf den vermeintlich katholischen Vorstellungen von "demütigen" Frauen herumreiten, gehen oft leer aus... (Was sie natürlich verbittert und noch aggressiver gegenüber selbstbewussten Frauen macht.)

      Solange der weitaus größere Teil (bei uns in der Kapelle der FSSPX sind es 90%) der Frauen aber gar keine Kopfbedeckung trägt, mache ich mir eigentlich keine Sorgen, dass Frauen durch die Mantilla in irgendeiner Form gedemütigt werden.

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    3. Vielleicht drückte ich mich nicht klar aus - ich meine: es gab auch vor dem Konzil dieses Kirchengebot nicht in der Form, dass Frauen mit diesem Tuch operieren hätten müssen. Es gab hierzulande keine Mantilla. Wie ich inzwischen nachgewiesen habe, trug man in Deutschland defintiv noch nie dieses Tuch. Dafür Hüte, die keineswegs wie oben einer behauptet, eine "Neuerung" in den 50ern waren, sondern tief auch in der Sonntagstrachtentradition verankert sind, die seit Jahrhunderten üblich waren und teilweise noch sind. Es gab auch schöne Tücher, aber keine Mantillen.

      Ginge es einfach um "Kopfbedeckung", wie es ja auch im CIC 1917 stand, könnte man ja ganz einfach die Kopfbedeckungen tragen, die hier üblich sind und waren.

      Aber genau das tun die Tradis nicht. Ich habe schon so viele Statements gerade junger Damen gelesen, die sich einbilden, das müssten sie nun tun, weil das ja sooooo traditionell ist. Dabei ist es außer in Südeuropa schlicht eine neue Mode!

      Ich hatte auch nicht gemeint, dass es die Priester sind, die auf dieser Sache herumreiten.

      Was das Hosenthema betrifft, halte ich dies für einen Stellvertreterdebatte. Viellecht wirklich Trotz.
      Es ist einfach albern, einer Frau zu unterstellen, sie drücke mit der Hose aus, keine Frau sein zu wollen. Ich kenne als 1963 geborene Frau unsere Welt nur mit Frauen in Hosen.

      Man mag darüber diskutieren, ob die heutige Kleidung schön und würdevoll ist - ganz allgemein, für Mann wie Frau. Dass Frauenkleidung, auch mit Hosen, in der Regel völlig anders "designed" ist als Männerkleidung, sollte eigentlich auch jedem halbwegs vernünftigen Menschen klar sein.
      Dazu kommt, wie Sie ja selbst sagen, dass es kulturell unterschiedliche Traditionen gibt. Die Frauenhose ist genauso uralte menschliche Kultur wie das Kleid und der Rock. Manche Kulturen kennen weder für Mann noch für Frau Hosen. Hosen trugen dagegen die Germanen und die Germaninnen. Was eindeutig auch klimatisch bedingt sein muss.
      Ohne Hosen wird man im Norden doch schlicht krank!
      Die Römer waren mit ihrem Gewänderstil auch nicht unbedingt gesund. Die Reicheren trugen Kohlenbecken mit sich herum und vielen hatten Nierenkrankheiten.

      Sehr enge Hosen und Röcke wirken aufreizend - auch beim Mann.
      Natürlich ist es nicht gut, so in die Hl. Messe zu kommen.

      Aber im Abendland gibt es die gesamte christliche Zeit über diese Neigung zu hautenger Kleidung. Das muss man auch ehrlich ansehen: der mittelalterliche Mann mit diesen obszön engen Hosen, die das Geschlecht auch noch auspolsterten und herausstreckten - ich will gar nicht dran denken. Die Damen, ab der Taille aufwärts knalleng, mit Decolleté auch schon vor Jahrhunderten.

      Es war hier tatsächlich das Morgenland, das wesentlich vernünftigere Kleidungskonventionen pflegte: weite Kleider, Pluderhosen für die Frauen, aber auch die Männer oder bei engerem Schnitt wieder ein weites Kleid drüber. Das Tuch war jedoch auch im Islam nicht in dieser Weise Vorschrift, wie es heute dort behauptet wird!

      Wir leben in einer Zeit, in der alles möglich ist.

      Erst bei den Traditionalisten habe ich diese Klamottendebatte in dieser Auswalzung überhaupt kennengelernt...

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  12. Ich persönlich trage den Kommunionschleier, oder hier auch Mantilla genannt, während der Hl. Messe!!
    Ich empfinde es als Tradition und zudem als besondere Verehrung unserer geliebten Hl. Maria. Vor allem am Tage der unbefleckten Empfängnis (8.Dezember) ist es ein schönes Zeichen, Matilla zu tragen.

    Da es aber doch jedem frei steht, Mantilla zu tragen oder nicht, finde ich diesen Komentar von Ihnen irgendwie doch etwas gemein denen gegenüber, die sich für das Tragen des Mantilla entschieden haben.
    Dieser Artikel von Ihnen gleicht ja fast einer "Hexenverfolgung" - als ob die Trägerinnen nicht schon genug Spott erfahren, wenn diese sich in einer normalen, also nicht traditionellen Messe mit dem Mantilla kleiden.

    Genauso wie es Spott gibt, wenn man in einer normalen Messe einmal mehr kniet, als wie es üblich scheint (Pharisäertum heißt es schnell).
    Nein, es ist Gottergebenheit - so wie es im Herzen ausschaut zeige ich es auch nach außen durch das Knien.
    UND der Kommunionschleir gehört für mich persönlich dazu.

    Deshalb finde ich es wahrlich gemein, dass Sie in Ihrem Blog das Tragen des Kommunionschleirs so dermaßen kritisieren.
    Würden Sie es auch kritisieren, wenn alle Frauen mit engen Hosen in der Messe erscheinen würden?
    Aber nein - denn es ist ja längst ein Fakt - die enge Hose in der Messe.

    Also bitte - lassen Sie doch die Mantillaträgerinnen ihr Mantilla tragen und die Damen mit den engen Hosen ihre engen Hosen tragen.

    Schlimmer als beides zusammen ist Ihr Artikel, der die Trägerinnen des Mantill doch irgendwie vernunglimpft.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Silke Andrea

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    1. Tut mir leid, wenn Sie das auf sich persönlich beziehen...
      Ich schrieb ja mehrfach, dass es für mich okay ist, wenn jemand das aus subjektiven Gründen macht.

      Sie schreiben, dass Sie das Tuch als Tradition "empfinden".
      Und da liegt auch schon der Hase im Pfeffer: was Tradition ist, bestimmt nicht mein Empfinden, sondern der objektive Tatbestand, ob etwas üblich war oder so speziell gelehrt wurde.

      Und hier muss man so ehrlich sein und zugeben, dass dieses spezielle Tuch nicht allgemeine Tradition war oder ist. Das ist ja der springende Punkt. Es ist hierzulande schlicht eine neue Mode. Es hilft alles nichts.

      Wenn der CIC einstmals eine Kopfbedeckung annahm für Frauen, war es "eine" Kopfbedeckung - nach Wahl und nach Landschaft und dem, was jeweils an einem Ort und in einer Zeit üblich ist.

      Leider wird bezüglich dieses Tuches ein erheblicher Druck ausgeübt. Und das finde ich "gemein" und anmaßend, denn keiner hat das Recht, für alle etwas zu fordern, was zuvor nun mal nicht für alle gefordert wurde. Was würden Sie denn sagen, wenn man allen Leuten den typisch bayrischen Sonntagshut für alle Frauen auf der Welt aufschwätzen wollte, weil das "Tradition" sei?
      Es ist üblich in Bayern, ja - aber anderswo?

      Diese Tücher sind nördlich der Alpen spacig und durch die Speziallehren der Piusbrüder eingeführt worden, die auch sonst noch so manche merkwürdige Meinungen verallgemeinern wollen.

      Das Knien ist im Gegensatz zu einem speziellen Kleidungsstück allerdings immer und überall in der Kirche, ja schon bei den Israeliten und auch in anderen Religionen ein eindeutiges und klares Zeichen der Gotthingabe.

      Hinzukommt, dass Ihre subjektive Begründung nicht der Begründung entspricht, die in aller Regel diskutiert wird. Ich habe das oben ja ausführlich diskutiert.

      Die Tatsache, dass ich ein paar vernünftige Rückfragen stelle und dies bestimmt und auch mit Argumenten, sollten Sie nicht als "Verunglimpfung" auffassen.

      Dieser Begriff ist fest belegt und bedeutet: Verleumdung, Affront, Beleidigung, Demütigung (hier: http://synonyme.woxikon.de/synonyme/verunglimpfung.php)

      Auch das ist ein großes Problem, dass man in Traditionalistenkreisen zwar unglaublich groß tönt und herablassend weiß, was jedermann zu tun und zu lassen hätte, aber geradezu mimosenhaft reagiert, wenn einem einer begründet nicht zustimmt oder sogar widerspricht.

      Ich habe diese Pseudotradition der Mantilla einfach nur scharf kritisiert. Mehr nicht.

      Und zum guten Schluss: ich habe nirgends engen Hosen das Wort geredet (Was ist übrigens mit engen Röcken, engen Blusen, engen T-Shirts? Warum diese ebenso spacige Fixierung auf Hosen, als ob die irgendwie eine esoterische Qualität hätten...?) Wenn Sie meinen Artikel aufmerksam gelesen haben, müsste Ihnen aufgefallen sein, dass ich zu enge Bekleidung weder für Mann noch Frau in der Hl. Messe für angemessen halte.

      Bleiben wir also sachlich und fair in der Argumentation...

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  13. Hallo

    Mein Kommentar ist jetzt leider reichlich spät, ich habe leider erst jetzt diesen Blog(beitrag) entdeckt, weil ich wissen wollte was diese komischen Tücher von gewissen Frauen in der Messe sind.
    Jetzt hätte ich noch eine Frage zu etwas was mir im Beitrag nicht ganz klar war. Sie schreiben von den Mantillas als keine Tradition bei uns (volle Zustimmung) und schreiben dann über die Exegese von 1. Kor. 11. Bei Paulus geht es jedoch nicht um Mantillas sonder um irgendeine Kopfbedeckung/schleier. Finden Sie jetzt die jegliche Kopfbedeckung für Frauen bei uns in der Kirche für falsch oder überflüssig? Oder nur die Mantillas? Um ehrlich zu sein käme ich mir in einer NO-Messe mit jeglicher Kopfbedeckung absolut deplatziert vor und in einer alten Messe wäre wohl nur das Mantilla angemessen, weil alle anderen auch nur Mantilla tragen. Folglich gehe ich Barhäuptig zur Messe.
    Nur noch schnell eine kleine Anekdote zum Thema zur aufheiterung und zur Bestättigung wie unpasaend Mantillas sind. Als ich vor kurzen das erste mal in der alten Messe war und diese Teiler bei einigen Frauen gesehen habe war ich total verwirrt "warum tragen diese Frauen da Tischtücher auf dem Kopf?" Etwas später war zwei Bekannte von mir mal dabei (er ist weit über 60ig) und auch ihm waren die Mantillas völlig unbekannt, er hat mich gefragt: "hat es viele Russinen hier?" - "Russinen?" - "Ja die mit diesen Soitzentüchern dass ist doch russisch oder?" Aber den Hammer hat seine protestantische Partnerin geboten: "du sag einmal wieso tragen diese Damen Negligées auf dem Kopf" ich hatte nachher einen Lachanfall und mich entschieden herauszufinden was es mit diesen Tüchern auf sich hat und jetzt bin ich hier lol

    Lg
    Tina

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    1. Wie gesagt gibt es für diese durchsichtigen Tücher im Stil einer Gardine hier überhaupt keine Tradition. Das gab es vorher in Portugal oder Südfrankreich (wenn überhaupt?) oder Spanien und Italien, gehörte aber dort in ein gesamtes Outfit, also eine Art Tracht.

      Nördlich der Alpen tragen Frauen seit Jahrhunderten zwar Kopfbedeckungen, auch die Männer (die sie in der Kirche abnehmen sollen), aber nicht diese speziellen "Mantillas". Sie können ja an den diversen Volkstrachten sehen, wie verschieden die Kopfbedeckungen der Frauen und Männer sind. Die Frauen gingen mit der Kopfbedeckung ihrer Tracht auch in die Kirche, wobei es an Festtagen noch einen besonderen Kopfputz gab.

      In Deutschland und Österreich war aber eine Kappe oder ein Hut die Hauptkopfbedeckung, an dem Bänder, schleifen u.ä. angebracht waren - bei der Frau, und das seit Jahrhunderten. Oben behauptet ein Poster, das sei erst seit den 50ern hier so.
      Das ist definitiv dummes Zeug - man muss nur in Kostümmuseen gehen oder eben die alten Bilder und Trachten ansehen.

      Wenn eine Frau sagt: Ich trage den Brautschleier, dann ist die Kopfbedeckung ein Zeichen der Zuordnung zu Christus und ein Ehrenzeichen. So ist es aber nicht gemeint - es geht in allen Argumentationen für die Mantilla eben nicht darum, sondern um die „Unterordnung der Frau“, um die Diskriminierung, wenn der Schleier "extra" oder "bewusst" getragen wird. Ausgenommen sind Nonnen, weil er dort wieder zur der gesamten Kleidung der Weltabgewandtheit und Hingabe an Jesus zählt und nicht "extra" in der Kirche getragen wird. „Extra“ wird dort eine Kukulle um den ganzen Körper getragen, auch von den Mönchen (!), die das vollständige Hingegeben- und Eingehülltsein in Christus ausdrückt

      Die merkwürdige Idee, die Frau bräuchte eine "potestas" (Macht), die ihr "im Nacken" sitzen müsse, und deshalb müsse sie verschleiert sein, die bei Paulus anklingt, ist rein negativ und widerspricht theologisch allem, was das NT sonst sagt - ja: nicht einmal das AT weist einen solch brutalen Satz auf.
      Die von Hieronymus verwendete Wendung bei der Übersetzung der Paulusstelle, diese "potestas" müsse der Frau "supra caput esse", müsse ihr also als Macht "im Nacken sitzen", suggeriert eindeutig, dass die Frau eine dämonische Kraft habe, die unterdrückt oder in Schach gehalten werden werden müsse.

      Nun ist weder die Dämonisierung der Frau vereinbar mit der gesamten Hl. Schrift noch wird sie von Paulus je an irgendeiner Stelle bestätigt. Er ist derjenige, der die Frau nach Jesus am meisten in ihr volles Recht setzt, auch wenn er vielleicht bei Gemeindeunruhen an einem bestimmten Ort einmal sagen konnte, die Frauen sollten in den Versammlungen am besten schweigen und zuhause ihre Männer fragen, wie sich das eine oder andere verhielte. Das sind eindeutig situationsbezogene "Anweisungen", die er niemals allgemein meinen konnte, eben weil er an anderen Stellen selbstverständlich davon ausgeht, dass Frauen reden oder öffentlich laut beten. Heute ergibt das keinerlei Sinn, weil Frauen Bildung erwerben (übrigens auch eine Idee, die aus der Kirche trotz aller Widerstände auch dort stammt!) sind und nicht weniger „wissen“ als die Männer, oft eher sogar umgekehrt…

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    2. Fortsetzung:

      Gerade der Hinweis des Paulus, die Frau habe doch einen natürlichen "Schleier" (das Kopfhaar) und bedürfe keines weiteren "Zwangsschleiers" aus Tuch, ist das, was bei ihm in der Auseinandersetzung unterm Strich stehenbleibt.

      Andererseits ist die Dämonisierung der Frau und überhaupt die abstruse Idee, diese "Dämonie" könne durch ein Stück Stoff gebannt werden, geradezu blasphemisch und heidnisch.
      Sie konterkariert und lästert das bereits vollzogene Erlösungsgeschehen und widerspricht der Tatsache, die Petrus und Paulus den Männern einschärfen an so vielen Stellen: die Frau ist ebenfalls Erbin des Reiches Gottes und von Christus befreit - nicht anders als der Mann.
      Von der Hochschätzung, die Jesus den Frauen entgegenbrachte einmal ganz zu schweigen.

      Nicht zuletzt führt uns der Islam doch vor, welch ein satanisches Denken hinter dem Zwangsschleier steckt. Im Irak hängen die Islamisten derzeit überall Plakate auf, auf denen Christenfrauen dazu aufgerufen werden, einen Schleier zu tragen, weil schließlich die Jungfrau Maria auch einen Schleier getragen habe.

      Die Muslime machen sich hier auf eine perfide und teuflische Art die verfehlten Argumente traditionalistischer Christen zu eigen, die sich nie vom Arianismus und von gnostischen und heidnischen Vorstellungen gelöst haben.

      An der Art, wie man die Frau sieht, offenbart sich, wo ein Glaube steht - nicht nur wenn es um den so vehement verteufelten "Feminismus" geht, sondern auch wenn es um das Gegenteil davon geht.
      Gerade die Gottesmutter, über deren Kleidung wir nichts wissen (!), ist als höchstes geschöpfliches Wesen nicht in der Situation, dass ihr eine "Macht im Nacken sitzen" müsste.
      Das aber wiederum glauben ja die Muslime nicht, dass sie Gottesmutter ist und über allen Engeln und Aposteln steht. Für sie ist Maria zwar eine Jungfrau, aber dennoch eine Frau, die immer noch „gebannt“ werden muss.

      Zum Schluss: natürlich tragen viele Menschen gerne oder aus klimatischen Gründen eine Kopfbedeckung, und Kopfbedeckungen sind auch Ehrenzeichen (Kronen u.a.). Wie gesagt trugen Frauen hierzulande Hüte und anderen, teilweise sehr edlen Putz. Das widerspricht wieder der Aufforderung, man solle als Frau nicht zuviel Wert auf Putz legen (Petrus).

      Es ist ein Unterschied, ob ich irgendeine Kopfbedeckung trage, weil ich es halt mache oder schön finde, oder ob man das "zwanghaft" verordnet wie eine spirituelle Uniform.

      Dass aber an einer Kopfbedeckung oder sonst Kleidung keinerlei geistlicher Wert hängen dürfte, sollte jedem klar sein, der ein bisschen geschulter ist im religiösen Denken. Man kleidet sich feierlich, weil man Jesus ehren will - aber nicht, um die eigene Dämonisierung und Unterdrückung zur Schau zu stellen. Wie man als Laie Jesus ehren will (und da hapert es bei vielen leider auch!) durch feierlichere Kleidung, das sollte man in einer Zeit, die da keine so genauen Vorschriften kennt, dann auch eher frei lassen, sonst wird es sektiererisch.

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    3. Danke für die ausführliche Antwort. Ich kann mich dem nur anschliessen. Irgendwie hat diese ganze Tradi-Kopftuchdebatte etwas richtig Kleinbürgerliches. Alsob Mantillas Heilsnotwendig wären. Der Vergleich mit dem Islam passt insofern auch sehr gut. Schaut man sich die (Kleider)vorschriften im Islam an, kriegt man den Eindruck Allah müsse ein kleinkarrierter deutscher Beamter sein. Es ist mehr als nur traurig wenn Leute auch so ein Bild von Christus haben.

      Noch was zum Mantilla, ich glaube dieser Trend kommt aus Amerika. Dort tragen in Tradikreisen fast alle Frauen Mantilla. Der Ursprung soll auf irgendeine Präsidentengattin zurückgehen. Anscheinend war es dort bis in die 60er Jahre nicht unüblich, dass Frauen ohne "Macht" auf ihrem Haupt die Kommunion verwehrt wurde. So gab es dann auch Frauen die sich zum Teil Taschentücher ins Haar steckten nur damit sie was auf dem Kopf hatten.

      Und wer weiss vielleicht werden Hüte mal wieder Mode bei uns. Ich zumindest finde Trachten mit entsprechenden Hauben etwas sehr schöne, was ich auch gerne mal in eine Messe tragen würde.

      Lg tina

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    4. ... ja sicher: wenn man das macht, um Jesus mit schöner Kleidung angemessen zu begegnen, dann ist das wunderbar.
      Was aber "schöne Kleidung ist, das ist sehr unterschiedlich und das NT mahnt uns doch, dem Thema nicht zuviel Bedeutung zu geben!
      Vor Gott ist es Schall und rauch.

      Wichtig ist nur, ob wir das Gewand der Gnade tragen!

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