Sonntag, 5. Januar 2020

Trinitätslehre auf dem Prüfstand — Brief XV. an Unitarier und Trinitarier - II: Die vollkommene Offenbarung Gottes in Christus ist etwas Neues

Trinitätslehre auf dem Prüfstand — Brief XV. an Unitarier und Trinitarier: Sind die Begriffe „Gott“ und „Vater“ als Titel (und nicht ontologisch) zu verstehen?

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II.

Die vollkommene Offenbarung Gottes in Christus ist etwas Neues

Seit Jesus Christus stellt sich nicht nur die Frage, wer er selbst genau war, sondern auch die, wer der ist, der ihn gesandt hat. Die eine Frage kann, seitdem Jesus Christus im Fleisch erschienen ist, nicht mehr ohne die andere angeschaut werden.

Angesichts Jesu wird deutlich, dass alles, was man zuvor über den Gott, von dem alles kommt, meinte, sagen zu können, vollends ins Wanken gekommen ist, auch der Monotheismus.
Zum Monotheismus, so verstanden, dass es nur einen Gott gibt, möchte ich die These aufstellen, dass er immer der Zielpunkt aller Religion gewesen ist, aber einen polytheistischen „Vorbau“ hatte, andererseits aber auch vor allem anderen ein menschliches Konstrukt mit positiven und negativen Folgen ist.

Es ist wichtig, sich klarzumachen, dass alles systematische oder analytische Reden von Gott menschliches Konstrukt ist und bleiben muss. Jede „Gotteslehre“ ist, wenn wir wirklich annehmen wollen, dass Gott Gott ist und alles, was ist, von ihm kommt und in seinem Überblick aufgehoben ist, der uns fehlt, fragwürdig. Gott ist keine Theorie, keine Zahlenrelation, kein Tangramspiel. Und es gibt keine „biblische“ Gotteslehre. In der Bibel wird uns von Gott berichtet, seiner Auseinandersetzung mit den Israeliten und denen, in deren Mitte sie lebten, und seiner sukzessiven und überraschenden Offenbarung an Menschen, die nach Jesus Christus eigentlich an Fahrt hätte aufnehmen sollen im „Geist der Weissagung“ und dem Charisma der Prophetie (dazu später). Es wird immer wieder von verschiedensten Lesern und Gläubigen schlicht formuliert, dass Gott der schlechthin „Andere“ sei. Wenn er in unser Leben tritt, kann nichts mehr so bleiben, wie es war, vor allem nicht unser Denken über ihn und die Welt. Wenn er der radikal Andere ist, müssen auch wir radikal anders werden. Dieses radikale Anderssein hat für uns seine vollkommene Gussform in Jesus erhalten.
Ein rationaler Monotheismus wird ihm nicht gerecht und entwürdigt ihn in die Begrenzungen unseres Denkens.

Nur die altägyptische Amarnazeit (unter Pharao Echnaton bzw Amenophis IV., 14. Jh v. Chr.), die vermutlich vor dem Exodus liegt, kannte einen solchen radikalen monotheistischen Gottesbegriff, von dem Unitarier, insbesondere die Muslime, bewusst oder unbewusst bis heute glauben, er sei der Ursprung des wahren Glaubens und drücke sich auch im AT aus.
Man kann vermuten, dass diese Reformen Echnatons mit dem Versuch zu tun haben, einer irgendwie belastenden und quälenden geistigen Verfassung damals zu entrinnen. Der Exodus wird im AT ebenfalls als Befreiung aus „der Schande Ägyptens“ erzählt. Die Rückwendung zu dem eigentlich einen Gott lässt anklingen, dass die Kulte der anderen Götter unerträglich geworden waren, entmenscht und pervers, oder aber leer. Warum sonst sollte man ihnen absagen? Die Radikalität des Monotheismus drückt vor allem aus, dass eine klare, unwiderrufliche Unterscheidung vorgenommen wird zwischen dem Alten und dem Neuen. In der Hand des Menschen artet solche Radikalität leicht in Grausamkeit und Brutalität aus. Und es ist fraglich, ob auf diesem Weg wirklich Neues erreicht wird. Mit dem exklusiven Monotheismus, dessen Grundstruktur meint “Ich habe den Richtigen, ihr den Falschen/ich bin richtig, ihr seid falsch (und müsst vernichtet werden)“,  kommt das blutige und grausame „Eifern“ für Gott auf.

Ohne ein Verständnis dieses einen Urgrundes und Schöpfergottes durch die Gestalt Jesu Christi muss der exklusive Monotheismus ebenso fehlgehen und entgleisen wie der inklusive Monotheismus mit seinen polytheistischen Emanationen. Aber selbst mit einer Bezugnahme auf Jesus Christus ist noch nicht sichergestellt, dass man nicht doch wieder den aggressiven religiös-politischen Irrungen erliegt, denen Jesus zum Opfer fiel.

Jan Assmanns Beobachtung, dass exklusiver Monotheismus — ich sage es mit meinen Worten etwas abgewandelt — in seiner Entstehungs- und Verbreitungszeit zu einer Herzlosigkeit führe und einer gewalttätigen Einstellung gegenüber Andersgläubigen und Politik und Religion zu einem einzigen abgrenzenden Herrschaftsanspruch formt, ist, wenn wir in die Realität schauen, nicht ganz unberechtigt. Die psychologische Haltung des „Alles oder Nichts“, des „Entweder die oder wir“, die darin schlummert, kann keinen inneren und äußeren Frieden finden. Sie ist traumatisiert von einer zuvor gemachten Erfahrung der Leere und Ausgeliefertheit ans Öde, Nichtige und Zwanghafte und anschließend — das ewige Manko des „Konvertiten“ — von dem Drang besessen, den anderen auf die eigene Linie zu zwingen, von der man glaubt, sie sei unabdingbar — der Projektion nach — zum Heil des anderen und zur eigenen Stabilität in der „Wahrheit“.[1] Der Kontakt mit Andersgläubigen oder nun „Ketzern“ und „Häretikern“ wird gefürchtet, weil sie einen zurückziehen könnten in das, was man als falsch erkannt hat.
Es gilt demgegenüber, wenn man wirklich „biblisch“ denken will:

„13 Wer hat den Geist des HERRN ermessen, und wer ist der Mann seines Rates, den er unterwiese? 14 Mit wem beriet er sich, dass er ihm Einsicht gegeben und ihn belehrt hätte über den Pfad des Rechts und ihn Erkenntnis gelehrt und ihn über den Weg der Einsicht unterwiesen hätte?“ (Jes 40)

Martin Buber übersetzt das folgendermaßen:

„Wer hat SEINEN Geistbraus begriffen,
ein Mann, dem seinen Ratschluß er kundgäbe?
mit wem hat er sich beraten,
der zu unterscheiden ihm hülfe,
der um den Pfad des Rechts ihn belehrte,
der Erkenntnis ihn lehrte,
der den Weg der Unterweisungen ihm kundgäbe?“[2]

Was wissen wir wirklich von Gott? Wir alle, auch die die meinen, sie hätten einen besonderen Zugang zu ihm?

Radikaler Monotheismus verkennt vor allem eine Tatsache:
Das gesamte Heidentum ging ebenfalls von einem Ein-Gott-Glauben aus, der aber häufig in einen Kosmotheismus oder auch Pantheismus eingekleidet war: Gott ist einer in allem. Es ist ein inklusiver, offener Monotheismus.
Man kann das analog zur Polygamie sehen: auch deren Vertreter wissen, dass im strengen Sinn ein Mann nur eine „echte“ Ehefrau haben kann. Nur gestehen sie ihm neben der „echten“ noch „Nebenfrauen“ zu, die aber im Haus als „rangniedriger“ gelten.

Ganz ähnlich ist es mit dem Polytheismus: er konnte und wollte das Bewusstsein dafür, dass es „eigentlich“ nur einen Gott gibt, niemals auflösen. Dafür stehen die bekannten antiken Formeln „hen to pan“ (Einer ist alles) bzw „hen kai pan“ (ein und alles). Es gab und gibt keinen absoluten Polytheismus. Aller Polytheismus meint am Ende die eine (oft unbekannte oder unbenennbare) Gottheit.
Alle noch aktiven polytheistischen Religionen weisen (wie antike Überlieferungen, die untergegangen sind) genau diesen Befund auf, besonders gut erkennbar in den bis heute sehr lebendigen Hindureligionen, die mit dem „Brahman“ diesen Urgrund meinen, in dem alles ist und von dem alles kommt, im Sanskrit die „heilige Rede“ bzw das „Urwort“ oder die „heilige Kraft“, die die Hypostasen der verschiedenen Götter ausbildet. Da kein Mensch diesen Urgrund ohne Vermittlung erfassen kann, werden uns in diesen Religionen abgeschwächte, fassbare Hypostasen oder auch Emanationen der verborgenen Gottheit gegeben. Was im Polytheismus mit persönlichem Gesicht erschien, gestaltete der Neuplatonismus dann in seiner Emanationslehre abstrakt.

Es ist mE all diesen polytheistischen und neuplatonischen Gedankenmodellen und Praktiken wesentlich, dass sie in die Sphäre Gottes eine Hierarchie oder Rangordnung projizieren. Die Vorstellung, dass der Gott, der in allem wirksam ist, dort „abgeschwächt“ wirkt bis hin zu seiner völligen Abwesenheit (dem „Bösen“), ist eigentlich undenkbar: wie kann sich etwas, das göttlich ist, „abschwächen“?
Zugleich zeigt uns aber die gefallene Welt überdeutlich, dass sie nicht mehr im selben Maß gut ist wie ihr Schöpfer, sondern ihm sogar entgegensteht. Aus diesem Dilemma kommt man gedanklich nicht heraus. Die polytheistischen Religionen haben das Böse daher als göttliche Energie gedeutet, die irgendwie in die unbegreifliche Größe Gottes gehöre.
Die Genesiserzählung gibt eine etwas andere Richtung vor: Der Geist Gottes schwebt über den Urfluten und dem Tohuwabohu, dem Chaos. Das bedeutet: er hat den Überblick, wird aber mit dem Chaos nicht identifiziert. Die „Erkenntnis von Gutem und Schlechtem“ ist uns zwar mit dem „Essen vom Baum der Erkenntnis des Guten und Schlechten“ als tägliche Erfahrung möglich geworden, nicht aber eine Überschau darüber. Auch die Schrift gibt uns keinen Zugang zu dieser Überschau, die in der Frage „Woher kommt das Böse“ beantwortet werden müsste. Alle Antworten, die wir erreichen, sind unzureichend geblieben und müssen unzureichend bleiben. Wir mühen uns täglich ab in der Bekämpfung des Schlechten, aber es ist unmöglich, es zu überwinden — eben weil wir keine Überschau darüber haben wie Gott und noch dazu geschwächt sind durch unser Begehren, es zu „erkennen“, also: selbst durch und durch zu erfahren und kennenzulernen.

Gerbers Neigung zum hierarchischen Argumentieren steht in einer alten Gefahr, die Gefallenheit der Dinge der Restaurierungsabsicht Gottes in einem verfestigten Rangdenken festzuhalten und aus ihnen einen Zugang zu Gott herstellen zu wollen.
Jesus Christus lässt jedoch kein Rangdenken mehr zu. Er hat es mehrfach gesagt oder fast satirisch konterkariert, wie schon seine Mutter im Magnifikat: Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhebt die Niedrigen, aber nicht so, dass nun die Rollen vertauscht werden, sondern alles vor Gott „eben“ wird, weil sonst Gott nicht eintreten kann zu uns:

„3 Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnt den Weg des HERRN! Ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!“ 4 Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden! Und das Unebene soll zur Ebene werden und das Hügelige zur Talebene!5 Und die Herrlichkeit des HERRN wird sich offenbaren, und alles Fleisch miteinander wird es sehen. Denn der Mund des HERRN hat geredet.“ (Jes 40)
Das „Hoch“- und „Niedrig“-Denken ist Hindernis für Gottes Einzug in unserer Mitte.

Daraus folgt natürlich nicht, dass Jesus „homoousios“ mit dem Gott ist, — das ist ebenfalls ein Rückfall ins projektive hierarchische Denken — aber in seiner erhobenen Gestalt zur Rechten Gottes wird das Rangdenken obsolet. Die trinitarische Formel hat an anderer Stelle wieder eine Entfremdung aufgerissen: zwischen Jesus als dem Ersten der Auferweckten, dem, der sich von Gott zu unserem vollständigen Heil einsetzen ließ — und uns anderen auf der Wesensebene.

Es ist dem Menschen offenbar fast unmöglich, ohne solches Denken auszukommen. Obwohl es ihn sein Leben lang quält, hält daran wie an einem Fetisch fest. Die ganze Menschheit seufzt unter der Ordnung der Welt in Ränge und Ausbeutung, symbolisch ausgedrückt in der „Sklaverei in Ägypten“ bis heute. Der politische und gott-lose Schachzug mancher Gleichmacherei heute ist nur eine Inversion des Rangdenkens und daher genauso verkehrt.

In der neutestamentlichen Formel „Einer achte den anderen höher als sich selbst“ (Phil 2,3) wird das Nächstenliebegebot noch überschritten und alle Forderungen nach der „Untertänigkeit anderer (unter mich oder den oder jenen)“ (denn darum geht es ja allen, die davon so gerne sprechen!) entlarvt. Es kann nicht darum gehen, dass man die, die einem gleichgestellt sind, etwa in einer „Bitte nach Ihnen“ - Höflichkeit, höflichkeits- oder formelhaft höher achtet, sondern dass man die, von denen man glaubt, dass sie einem „untergeordnet“, seien wirklich höher achtet als sich selbst und ernsthaft erkennt, dass sie einem nicht untergeordnet sind: Herren sollen also die Diener höher achten als sich selbst, Männer ihre Frauen, Eltern ihre Kinder. Dies aber natürlich mit Vernunft und ohne Sentimentalität. Diese Höherachtung soll, wenn es nicht anders geht (!), mitten im System dieser Welt mit ihren sozialen Hierarchien verwirklicht werden.

Die verschiedenen Kosmotheismen, die einen immanenten Monotheismus aufweisen, kennen alle eine „Verarbeitung“ des Bösen, die in den Kulten bestimmter Götter zu grausamen Tier- und Menschenopfern und schändlichen Ritualen geführt haben. Das Opferdenken setzt immer das Rangdenken voraus: weil die Götter über uns stehen, müssen wir sie abfinden.
Die Polemik und der Abscheu der Propheten im AT richten sich immer wieder gegen solche grausamen Opfer und Rituale. Israel installiert aber selbst ebenfalls einen grausamen Tier-Opferkult, dessen Sinn auf „Reinigung“ von Sünden abzuzielen scheint. In dieser Absicht stimmt er mit den Grausamkeiten der anderen überein. Jede Sühnopfertheorie muss daran scheitern, dass uns mehrfach gesagt ist, sowohl im AT als auch im NT, dass der Gott weder etwas nötig hat, noch bedient oder befriedigt werden muss.

Der Opferkult wird daher noch im AT immer wieder kritisch in Frage gestellt als etwas, das Gott eigentlich nicht wollte. Es ist nicht nur die genaue Intention altisraelischer Opfer bis heute unklar geblieben. Aufgrund archäologischer Funde nimmt man an, dass vor der Konzentration der Opfer im Tempel eine mehr oder weniger „wilde“ Opferpraxis üblich war, die von Gott weder geboten noch erwünscht war. Es muss angemerkt werden, dass es einen Fleischgenuss in der Antike niemals außerhalb von Opferkulten gab. Die Adventisten haben recht damit, wenn sie darauf hinweisen, dass der Fleischgenuss ursprünglich nicht für den Menschen vorgesehen war. Die gesamte Menschheit hat ihn daher nur im Rahmen solcher Kulte gewagt. Der Fleischkonsum ist ebenso wie die Praxis des Tieretötens Ausdruck der Sünde. Noch im NT wird jeder Fleischkonsum aufgrund eines Kultopfers verstanden. Daher wird den Christen wie schon den Israeliten der Konsum von Fleisch verboten, das anderen Göttern geweiht worden war.
Die Konzentration und gesetzliche Festlegung könnte man damit als Begrenzung und Eindämmung dieser altorientalischen Grausamkeiten deuten, von denen die Menschen nicht ablassen konnten. Die Klage der Israeliten in der Wüste und ihre Sehnsucht zurück an die „Fleischtöpfe Ägyptens“ erhält so eine Deutung, die uns etwas sagt darüber, was in diesem „Ägypten“, diesem „Sklavenhaus“ so schändlich war.
Die radikale Ablehnung blutiger Opfer, zB in Ps 40,6 oder 51,16, oder bei Jer 7,22f oder Amos 5,22 oder Micha 6,6, die es nicht aufnehmen können mit einem demütigen Geist, spricht eine deutliche Sprache:

„22 Denn ich habe nicht mit euren Vätern darüber geredet und ihnen nichts geboten über das Brandopfer und das Schlachtopfer an dem Tag, da ich sie aus dem Land Ägypten herausführte (…)24 Aber sie haben nicht gehört und ihr Ohr nicht geneigt, sondern sind nach den Ratschlägen und in der Verstocktheit ihres bösen Herzens gegangen; und sie haben mir den Rücken zugekehrt und nicht das Gesicht.“ (Jer 7)

Die ausführliche Gesetzes-Litanei über Opfer, die auf heutige Leser durchaus befremdlich wirken kann, im Buch Numeri wird damit in ein seltsames Licht getaucht: wie etwa das Verstoßungsrecht des Mannes gegen seine Frau, das Gott erlaubt habe, werden auch diese Opferpraktiken in die Nähe eines Zugeständnisses gerückt, weil die Menschen so verstockt und pervers waren, dass sie unfähig und unbelehrbar für ein einigermaßen angemessenes Gottesverständnis waren.

Die Auseinandersetzung Israels mit den Heiden drehte sich, wenn man die Schrift aufmerksam liest, nicht primär um eine Differenz darüber, ob es „einen Gott“ oder „mehrere Götter“ gebe, denn auch die Heiden glaubten an einen Allgott, einen „Allerhöchsten“, wie er auch in der Schrift immer wieder genannt wird.
Die Frage war vielmehr, wer dieser eine ist, der hinter allem steht, und wer mit ihm im Bund steht.
Dabei wird genau diese Frage im Buch Exodus vorläufig gar nicht beantwortet. Gott wird dort nicht als der Gott vorgestellt, sondern als ein spezieller Gott der Nachkommen Isaaks:
Mose hat sein Dornbuscherlebnis am Berg Horeb. Bei dieser Begegnung gibt sich Gott als der Gott des Ahnen, „deines Vaters“, als „der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“ zu erkennen (Ex 3,4ff). Es ist der Forschung bis heute unmöglich, die religions- und sprachgeschichtlichen Zusammenhänge, die bei genauer Betrachtung schillernd sind, zu erkennen.[3]
Mose erklärt dem Gott am Dornbusch, dass die Hebräer offenbar diesen Gott ihrer Väter nicht mehr kennen und von ihm werden wissen wollen, wie dieser Gott heiße. In dem Zusammenhang bekräftigt Gott, dass sein Name mit den Namen Abrahams, Isaaks, Jakobs für dieses Äon verbunden sei und in allen Generationen so bleibe, was im Kontext hier auf die Israeliten bezogen gilt. Es fällt der geheimnisvolle Name „Ich werde (da)sein, der ich (da)sein werde“, der tatsächlich im Tetragramm JHWH verborgen sein könnte (V 13f), aber vor allem angesichts des geplanten Exodus eine Beistandsformel ist. Das heißt im Klartext: die Hebräer folgten diesem Gott der Väter längst nicht mehr, waren ägyptisiert, hatten vergessen, was Abraham und Isaak und Jakob erfahren haben.
Gerne tradieren auch die Christen diese beeindruckende Erzählung und beziehen sich darauf bis heute. Aber wenige Abschnitte später heißt es ohne erkennbaren Anlass, Gott sei Mose auf dem Weg zum Pharao auf einem Rastplatz nachts entgegengetreten und habe ihn töten wollen (Ex 4,24). Mose wird vor Gott durch seine Frau errettet: Sie schneidet dem gemeinsamen Sohn die Vorhaut ab und bestreicht mit dem blutigen Stück Haut die Beine Moses. Gott lässt dann wieder von ihm ab. Diese Episode ist verstörend, und die meisten Christen haben noch nie von ihr gehört.
Der Pharao, dem Mose den Gott der Hebräer als „JHWH“ vorstellt, sagt später, er kenne diesen Gott gar nicht. Er hält die Behauptung Moses, dieser JHWH sei ihm begegnet und verlange eine Opferanbetung in der Wüste, für eine faule Ausrede, um sich vor der Arbeit zu drücken.
JHWH erscheint daher in diesem Kontext zunächst als einer der vielen Götter, die es gibt und nicht als der einzige echte Gott in einem später unterlegten monotheistischen Sinn.
Er ist hier der richtige Gott für ein Volk, das dieser Gott sich auswählt. (Es ist nicht umgekehrt.)
Im ersten Gebot des Dekalogs verlangt dieser Gott von denen, die er aus Ägypten geführt hat, dass sie keine anderen Götter mehr neben ihm haben (Ex 20,2-3):  

„Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt habe. Du sollst keine andern Götter haben neben mir.

Das bedeutet streng genommen nicht, dass es diese Götter nicht gibt, sondern dass JHWH der einzige Gott der Israeliten sein will. Ein radikaler, exklusiver monotheistischer Schluss ist auch hier nicht oder noch nicht möglich.
Die folgende Geschichte Israels dreht sich um eine ständiges Hin und Her zwischen JHWH-Verehrung und der Verehrung weiterer regionaler Götter oder sogar JHWH-bezogener Kultgegenstände wie dem Nechuschtan (2 Kön 18,4).[4] Israel scheitert an der JHWH-Verehrung das ganze AT hindurch und im NT, aber — und das ist wichtig zu bemerken — nachdem es sich einigermaßen „monotheisiert hat“, scheitert es dann am Messias dieses Gottes.
Das wirft ein kritisches Licht auf die Meinung, es hänge etwas an der theoretischen Definition, wie viele Gott sei. Auch im radikalen Monotheismus, den viele jüdische Gelehrte zur Zeit Jesu nun vertreten, kann man scheitern.

In der Rede Pauli auf dem Areopag tritt uns eine ganz andere Auffassung entgegen: Alle Gottesverehrung, sowohl die der Juden als auch der Heiden wurzelt generell und positiv gedeutet in der tastenden Suche nach dem einen Gott, von dem alle wissen und der niemandem fern ist. Die Zerstreuung in polytheistischen Glauben kann denselben Grad an Gottvergessenheit erzeugen wie ein radikalisierter Monotheismus, der auf seine Weise die Gottsuche nach menschlichem Maßstsab gestaltet und dabei auch noch anmaßend wird gegenüber allen anderen. In den Worten des Paulus wird deutlich, dass alle Suche um den „unbekannten Gott“ kreist und erst in Jesus Christus eine Erfüllung findet. Die Athener verlangen von ihm zuvor Rechenschaft, ob er etwa „fremde Gottheiten“ verkünde, weil er von Jesus spricht (Apg 17,18). Er sagt jedoch nicht: So, liebe Leute, ich verkünde euch jetzt endlich den einen Gott, sondern er sagt ihnen, dass der unbekannte Gott, den sie auch verehren, nicht mit den gängigen Mitteln religiöser Praktiken angemessen verehrt oder geglaubt werden kann. Dieser Gott kann vom Menschen weder bedient noch erfasst werden. Es konnte auch niemand für diesen Gott sprechen:

„30 Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle überall Buße tun sollen, 31 weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und er hat allen dadurch den Beweis gegeben, dass er ihn auferweckt hat aus den Toten.“ (Apg 17)

Zu beachten ist hier, dass der „Beweis“ der endgültigen und unwiderruflichen, nie mehr gefährdeten Gottessohnschaft für alle auch in dieser Aussage Pauli nicht in einer ominösen „Zeugung aus Maria“ oder des gleich wieder konterkarierten „Messiaszeugnisses“ durch Petrus besteht, sondern erst in der Auferweckung. Dass manchen Menschen wie Maria selbst, Johannes, Elisabeth, Zacharias, Joseph, Simeon und Hanna vorher aufgrund einer persönlichen Ansprache Gottes schon gezeigt wurde, dass dies der Erlöser sein werde, ist noch kein „Beweis für alle“. Und es fällt auf, dass Jesus nie wollte, dass Menschen, die ein „Gesicht“ hatten darüber, es vor der Zeit ausplauderten. Mir scheint es so zu sein, dass er selbst wusste, wie schwer sein Weg werden würde und den Tag nicht vor dem Abend gelobt sehen wollte. Wie man an der Szene im Garten Gethsemane sieht, hätte er auch im letzten Moment „Nein“ sagen können. Er musste erst — was ihn betrifft— sagen können: „Es ist vollbracht!“

Paulus predigt nicht über die Frage, ob es einen oder mehrere Götter gibt, sondern darüber, dass alle Zeit vor Jesus „Unwissenheit“ war. Die Zeit des Tastens und Suchens macht Paulus nicht nieder, sondern gesteht zu, dass auch diese Zeit in Gottes Gnade eingeschlossen war. Mit der Auferweckung Jesu aber ist diese Zeit der Unwissenheit vorbei, Jesus Christus ist der lebendige Aufruf zur Umkehr nun für alle, und der Gerichtstermin steht bereits an.

Diese Frage, wer Gott ist, ist unsere Frage bis heute. Es geht um den „echten Gott“ unter falschen Göttern, um den wirklichen Gott unter dispersiven Götzen und destruktiven Dämonen, aber auch inmitten eines himmlischen Heeres, von dem v.a. in Psalmen (Ps 24; 80; 84; 148) und an wenigen Prophetenstellen gesprochen wird. Er ist der „Höchste“ in dem Sinn, dass er der Schöpfer aller ist und alles von ihm stammt. Unser größtes Problem ist, dass wir ihn verwechseln mit solchen Göttern, von denen wir glauben, sie seien es.

Es ist inzwischen einigen gedämmert, dass wir nicht automatisch „an denselben Gott“ glauben nur deswegen, weil wir annehmen, es gäbe nur einen:
Der Atonglaube der Amarnazeit hat mit der mosaischen Offenbarung Gottes nur entfernt zu tun, auch mit dem „Hen“ der Neuplatoniker nicht, der koranisch-sunnitische Allah ist dem Gottesbild nach nur ganz entfernt verwandt mit einem menschlich vielleicht verzerrten JHWH, nicht aber — was uns bewegt — mit dem Vater Jesu Christi, der wiederum von Manichäern und Markioniten anders verstanden wird als von solchen, die sich jedem Gnostizismus gegenüber verschließen. Nicht zuletzt stieß die Offenbarung Gottes im AT von alters her vielen als völlig „anders“ als die des Vaters im NT auf, so sehr, dass sie meinten, es müsse sich doch um zwei verschiedene Götter handeln. Ihre Argumente sind keineswegs unbegründet oder unverständlich. Christliche Apologetik befasste sich auch gerade mit dieser Frage immer wieder aufs Neue bis heute.
Im Zentrum der theologischen Auffassungen vom „einen Gott“ steht aber übereinstimmend immer die Beziehung zum Menschen bzw zur Position des Menschlichen gegenüber dem oder im Göttlichen.

In den Eingott-Theologien, die die Gottheit der Schöpfung regelrecht exklusiv gegenüberstellen, liegt es nahe, Gott als den Titelchef und Herrscher (miss-) zu verstehen.
Aber damit wissen wir noch nichts über sein Wesen. Ein solch exklusives Verständnis scheint in der Schrift sukzessive überwunden zu werden, wie ich später zeigen will. Aktuell finden wir das am ehesten radikal gelebt im Islam, ultraorthodoxem Judentum und fundamentalistischen Formen des Christentums.

Jan Assmann schreibt:

„Natürlich war die Welt, wie jeder weiß, schon vor der Entstehung des Monotheismus voller Gewalt, Hass und Schuld. Ich konstatiere lediglich, daß der Monotheismus eine Religion ist, in deren kanonischen Texten die Themen Gewalt, Hass und Sünde eine auffallend große Rolle spielen und eine andere, nämlich spezifisch religiöse Bedeutung  annehmen als in den traditionellen,„heidnischen" Religionen. Dort gibt es Gewalt im Zusammenhang mit dem politischen Prinzip der Herrschaft, aber nicht im Zusammenhang mit der Gottesfrage. Gewalt ist von Haus aus eine Frage der Macht, nicht der Wahrheit.“[5]

Das Missverständnis, Gott sei wie ein irdischer Herrscher ein „Monarch“, ein absolutistischer „Chef“, der das Entweder-Oder für oder gegen ihn wahrnimmt und von uns einfordert, führt langfristig notwendig zur politischen Gewalt gegen alle, die sich nicht einem spezifischen Gottesbild „unterwerfen“. Dass sich im christlichen Glauben diese Tendenz erhielt, obwohl die Hinrichtung des einzigen Sohnes Gottes diese Tendenz konterkariert hat wie nichts sonst auf der Welt, ist die besondere Tragik des Christentums, die mit der Reformation (in allen westlichen Konfessionen) zunächst noch extremer auf diese schiefe Ebene geführt wurde.

Mit bloßem Biblizimus muss man irre werden an diesen Fragen. Die martialische Sprache des Eiferns für den einen wahren Gott etwa im Buch Deuteronomium ist teilweise noch schlimmer als alles, was an Martialischem im Koran steht. Wir glauben zwar derzeit zumeist, dass solche (wohl nur literarische) Gewalttätigkeit in Christus überwunden ist, aber sie liegt als Missverständnis und ständig lauernde Gefahr — wie wir im Islam sehen — immer schlummernd in unserem Unterbewusstsein. Wir lügen uns etwas vor, wenn wir glauben, das Christentum sei im Gegensatz zum Islam vor solchen Exzessen, die aus der Sprache in die Tat umgesetzt werden, gefeit. Die grausame Ermordung von Ketzern, Hexen und Missionsunwilligen in unserer Geschichte ist zu beschämend, als dass man sie einfach leugnen darf.

Die Reduktion der Gottesfrage darauf, ob er — nach irdischen Quantifikationsmethoden — konzentriert einer oder aufgefaltet mehrere ist, hilft so nicht, diesen einen Gott als den zu erkennen, der er ist. Letztendlich bedeutet die Abwehr des Polytheismus die These „Du darfst dir Gott nicht in einer anderen Gestalt ausgedrückt vorstellen“. Gott bleibt so unsichtbar und unserem Erkennen fern. Nun wird aber Jesus Christus immer wieder das ganze NT hindurch als perfektes Abbild und in der Gestalt Gottes bezeichnet, so, wie es allgemein vom Menschen ursprünglich gesagt wurde. Die Bannformel gegen den Polytheismus kann so folglich nicht greifen, weil man damit auch den Christus als den, in dem die ganze Fülle der Gottheit wohnt, wieder verliert.

Auch die Vorstellung, dass Gott den obersten Titel hat, ist lächerlich angesichts seines Urgrundseins, das absolut keine Rangtitel nötig hat, aber auch aufgrund der Theodizeefrage brüchig: die alte Frage danach, wie einer, der allmächtig und absolut gut ist, so viel Leid auch bei Unschuldigen zulässt, quälte schon Psalmisten und treibt bis heute zahlreiche Menschen um. Versuche, dies zu „erklären“, enden immer in noch quälenderen Vorstellungen, entweder in der islamischen Vorstellung eines voluntaristischen Herrscher-Gottes, der in seiner Herrlichkeit eben trotz der Behauptung, er sei „Allerbarmer“ doch aus der Sicht des betroffenen Menschen erbarmungslos und unberechenbar tut, was ihm aktual gefällt, oder einer manichäischen Vorstellung von einem mächtigen Widersacher Gottes, der gleich stark wie er sein muss, um so viel zerstören zu können, oder aber der Meinung, Gott sei auch irgendwie eine Art Teufel, oder einer Dämonisierung des Menschen, dem man alle Schuld für jegliches Leid der Welt zuschustert und selbst dem Frömmsten suggeriert, dass er irgendetwas getan haben muss, das sein Leid erklärt und aufs eigene Konto verbucht. Ähnlich gelagert scheint mir die Karmalehre, die die Zuschreibung eigener Ursächlichkeit am Leiden über mehrere Leben hinweg „entzerrt“, im Ziel aber das Leben selbst als Illusion oder Nichtigkeit entwertet.

All das befriedigt uns nicht, weil wir spüren, dass solche Modelle, so bestechend sie unter einem bestimmten Blickwinkel erscheinen, in konkreten Situationen ungerecht sind und so nicht der Wahrheit entsprechen können. Bis hier und heute reißt das Fragen des Menschen nicht ab, verstummt seine Klage über all dem nicht.

Was immer man dazu denken will, eines wird überdeutlich: Gott ist nicht in demselben wesenhaften Sinn „Herr“ wie man das von menschlichen Herren sagt und meint, die ihr Recht aufgrund einer ihnen entweder übertragenen oder selbst angemaßten Herrschaft durchsetzen.
Er ist auch nicht eine Art „Robin Hood“ oder „Rächer der Enterbten“ und insofern „Herr“, auch wenn die Exodus-Erzählung daran Anklänge zeigt, denn sie soll aus der „Knechtschaft in Ägypten“ führen und ihr ein exklusives Gottesvolk entgegensetzen, das sich damit legitimiert und auch kampfbereit macht. Die Gewalttätigkeit richtet sich weniger nach außen als nach innen: alle Mitglieder des Volkes werden intern auf etwas eingeschworen, ob sie wollen oder nicht. Wenn sie sich nur ansatzweise wehren, erfahren sie grausame Gewalt.[6]

Wie Meister Eckhart mE richtig bemerkte, ist dennoch der Gott Jesu so anders als alles, was wir begrifflich fassen können, dass nichts, was man von ihm sagen kann, einschließlich der Zählbarkeit, ihm gerecht werden kann.[7] Wenn die Rede von dem „einen Gott“ nicht eine bloße oberflächlich-mathematische Relation oder eine bloße Abgrenzung zu falschen anderen Göttern ausdrückt, aber auch keinen Kosmotheismus beinhaltet, den die Kirche immer verworfen hat, obwohl er im NT durchaus anklingt, wäre zu fragen, was es in der Tiefe heißen soll. Alle Rede von Gott kann für uns nur in Beziehung zu uns gedacht werden. Für alles andere fehlen uns die „Sensoren“ und die „Ausstattung“.

Gerbers Vorschlag, „Gott“ und „Vater“ als „Titel“ und Rangmarkierung aufzufassen, greift mE zu kurz angesichts der vorhandenen religionsgeschichtlichen und religionsphilosophischen Problematik, die auch in der Schrift selbst ausgefochten wird. Auch wenn es vielen nicht bewusst ist, bewegt sich die Frage danach, wie viele Gott ist/sind, auf philosophischem Terrain. Es reicht nicht, Bibelzitate zusammenzustellen, denn diese Zitate müssten ja interpretiert und verstanden werden. Dies bedarf aber der methodischen Hilfe durch die Philosophie, die Literaturwissenschaft, Rhetorik und Logik. Die Maxime, „rein biblisch“ argumentieren zu wollen, nach der Gerber vorgeht[8], gibt sich über diese Notwendigkeit keine Rechenschaft und führt langfristig zum islamischen Weg, der jedes Interpretieren ausschließt und in einer bloßen Koranrezitation hängenbleibt wie in einer endlosen Warteschleife, die zu keinem Ziel und keinem Verstehen mehr führt. Dass Schriftwort immer der Interpretation bedarf, zeigt uns eindrücklich die Geschichte vom Kämmerer aus Äthiopien, zu dem der Apostel Philippus geschickt wird, um ihm Interpretationshilfen zum Jesajabuch zu geben (Apg 8,26ff).

„Siehe ich mache alles neu!“ berichtet uns die Offenbarung Jesu Christi an Johannes einen Ausspruch Gottes (Apk 21,5). Dieses „alles“ umfasst auch das, was wir von Gott offenbart erhalten.
Mit der Erscheinung Jesu im Fleisch ist uns ein radikal neues Bild von Gott gezeigt worden, das einzige, das zum „Vater“ führt. Die radikal unitarischen Juden werden zurückgelassen: Ihr Weg ohne diesen Christus führt nicht zum Vater. Der Christus ist zentral, nur er führt zum Vater, er ist nach eigener Aussage „Weg, Wahrheit und Leben“ (Joh 14,6), Träger exklusiver göttlicher Attribute, er spiegelt die Fülle der Gottheit (Kol 1,15) und bietet insofern tatsächlich eine Identifikationsgestalt Gottes (s. I). Wenn wir von dem ausgehen, was in Christus sichtbar wurde (Dienstbarkeit, Hingabe), kann es sich bei Gott, bei diesem Gott, den der Christus vollkommen abbildet, nicht um einen Titelchef handeln.

Seine „Autorität“ ist, zugespitzt gesagt, eine alles menschliche Trachten brüskierende Nichtautorität, die aber keine Gleichgültigkeit ausdrückt, sondern größtmögliches Interesse und tiefste Liebe Gottes zum Menschen, was auch die Theodizeefrage in ein anderes Licht setzt.

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[1] Jan Assmann: Monotheismus und Gewalt. Originalveröffentlichung in: Peter Walter (Hrsg): Das Gewaltpotential des Monotheismus und der dreieine Gott (Quaestiones disputatae 216), Freiburg – Basel – Wien 2005, S. 18-38
[2] Bücher der Kündung. Verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig. Darmstadt 1985, S. 126
[3]  Der Wiki-Artikel gibt eine gute Zusammenfassung der Forschungsprobleme: https://de.wikipedia.org/wiki/JHWH
[5] A.a.O. Assmann, S. 3
[6] Die einschlägigen, martialischen und zutiefst bestürzenden Zitate aus dem AT hat Jan Assmann in seinem Artikel zusammengestellt. A.a.O.
[7] Meister Eckehart: Deutsche Predigten und Traktate. Hg. und übersetzt von Josef Quint. Zürich 1979. In der Armutspredigt, hier der Zählung nach Predigt 32, S. 303ff. In der Bulle Johannes XXII wird Eckhart zitiert mit: „Gott ist auf alle Weisen und in jedem betracht nur Einer, so daß in ihm selber keinerlei Vielheit zu finden ist, weder in der Vernunft noch außerhalb der Vernunft; wer nämlich Zweiheit oder Unterschiedenheit sieht, der sieht Gott nicht, denn Gott ist Einer außerhalb aller Zahl und über alle Zahl und fällt mit nichts in Eins zusammen. Daraus folgt: In Gott selbst kann demnach keinerlei Unterscheidung sein oder erkannt werden.“ S. 453
[8] A.a.O Gerber, S. 2

Kommentare:

  1. Nun, Jesus Christus selbst sprach immer "vom Gott Abrahmas, Isaaks und Jakobs", nicht des Moses.
    Und er rief am Kreuz zu Eli als dem gütigen Schöpfer und Vater "abba" als Gottesnamen usw. .

    Christuswege

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    1. Der erste Satz: richtig. Nur, er spricht sogar davon distanziert. "Euer Vater Abraham" sagt er den jüdischen Disputanten, und setzt sich davon ab - das fällt vielen nicht auf. Abraham nennt er nirgends als seinen eigenen Vater. Sein Vater ist alleine der Vater im Himmel. Gegenüber Mose tritt Jesus korrigierend auf (bzgl Schabbat, Auge um Auge, Frauenverstoßung, Feindesliebe). Man kann schon nachvollziehen, dass Markion daran zB irre wurde: wie kann das dann derselbe Gott sein (also der Gott Moses und der Vater Jesu Christi)? Oder anders: wie kann man denken, das Gesetz sei heilig und vollkommen, wenn Jesus es so klar und hart kritisiert in diesen "ihr habt gehört... ich aber sage euch"-Sätzen?
      Man merkt daran aber, wenn man "biblisch" bleiben will: Man kann unmöglich alles wörtlich und ahistorisch verstehen, man ist gezwungen zur Relativierung und auch Verwerfung bestimmter Sätze, muss eine Entwicklung annehmen, die manches hinter sich lässt, deren Zwischenstufen Zugeständnisse waren (wie Jesus es über die Frauenverstoßung sagt).

      Zum Tod am Kreuz: "Eli" heißt aram./hebr. "mein Gott" und ist hier aber ein Psalmzitat (Ps 22,2)
      Zu "abba": in Lk 23,34 sagt Jesus nicht "abba", auf Griechisch steht "pater", ebenso V46.

      Zur Thematik "Vater" komme ich noch - es ist dies in der Tat im AT NICHT Gottesname und auch nur ganz seltene Gottesmetapher. Erst Jesus hat diesen Begriff so stark eingesetzt, aber in einem Sinn, der der heidnisch-phallischen Vaterverehrung völlig entgegenläuft bzw mit ihr nichts mehr zu tun hat. Der Gott "El" war ein vorderorientalischer Gott, sein Name wurde ins hebräische übernommen von außen, von den Heiden. Auch das weist auf eine langsame Entwicklung hin.
      Ich habe zu "Vater/abba" aber noch ein Kapitel geschrieben, das ich aber erst demnach hier auf den Blog setze.

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