Montag, 4. November 2019

Trinitätslehre auf dem Prüfstand: Brief XIII an Unitarier und Trinitarier — Maskil: Wessen Sohn ist der Christus?

Trinitätslehre auf dem Prüfstand: Brief XIII an Unitarier und Trinitarier — Maskil: Wessen Sohn ist der Christus?


41 Als aber die Pharisäer versammelt waren, fragte Jesus sie 42 und sagte: Was haltet ihr von dem Christus? Wessen Sohn ist er? Sie sagen zu ihm: Davids. 43 Er spricht zu ihnen: Wie nennt David ihn denn im Geist Herr, indem er sagt: 44 "Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde lege unter deine Füße"? 45 Wenn nun David ihn Herr nennt, wie ist er sein Sohn? 46 Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, noch wagte jemand von dem Tag an, ihn weiter zu befragen. (Mt 22)

Eine Frage nach dem Christus (Messias) im Neuen Testament
Kaum eine Stelle im Neuen Testament trifft mehr ins Herz der Auseinandersetzung zwischen Trinitariern und Unitariern.
Sie ist vor allem deswegen so brisant, weil sie uns keine leicht erkennbare, eindeutige Antwort gibt. Sie lässt die Frage nach dem Christus offen. Wie eine Art Rätselspruch lässt sie den Leser und ganz offenkundig auch den damaligen Hörer zurück mit einer Frage, über die er nachdenken soll. Wenn also mancher dem Nachdenklichen damit kommt, er dürfe oder solle darüber nicht nachdenken, man müsse nicht alles wissen, dann ist diese Stelle in den Evangelien eine deutliche Zurechtweisung solcher Stimmen, denn immerhin stellt diese Frage hier der Herr selbst. Es ist NICHT die Frage hochmütiger Gelehrter, sondern etwas, was Jesus selbst den Menschen mit auf den Weg gibt. Denken wir also darüber nach!
Wie wichtig das Nachdenken über diese Frage sein dürfte, offenbart ein Satz aus dem sogenannten „hochpriesterlichen Gebet“ Jesu kurz vor seiner Hinrichtung:
„1 Dies redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche,2 wie du ihm Vollmacht gegeben hast über alles Fleisch, dass er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gebe!3 Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. (Joh 17)
Wenn das ewige Leben davon abhängt, dass wir erkennen, wer Vater und Sohn sind, dann darf niemand uns ein schlechtes Gewissen einjagen, wenn wir alles dran setzen, diese Frage immer wieder „in unseren Herzen bewegen“, wie es einst Maria tat, denn auch über sie wird immer wieder gesagt, sie habe dies getan, wenn es um die Frage danach ging, wer eigentlich ihr Sohn in Wahrheit ist!
Wie die damaligen Pharisäer empfinden wir, dass wir vor ein Rätsel gestellt werden, das niemand so leicht zu lösen vermag, das sich nicht über eine philosophische Spekulation erschließt, aber doch mit den inneren Augen erkannt werden kann, das uns aber vor die äußeren Augen hält, dass Jesus als Mensch etwas ist, das wir in äußerer Gedanklichkeit nicht erreichen können, obwohl doch auch wir Menschen sind. Wir spüren, dass die Frage nach seinem Menschsein mit uns viel mehr zu tun hat, als wir es spontan ertragen oder verstehen können.
Nach den Schriften der Israeliten wird der Messias der Sohn Davids sein, also ein konkreter Nachfahre König Davids. Konkret nach der Blutlinie, konkret nach jüdischem Verständnis aber auch der „Art“ nach, dem „Geist“ nach. Das Geschlecht Davids meint viel mehr als die Nachkommen seines physischen Samens, denn die werden uns schon im AT weitgehend als Abtrünnige gezeichnet. Es muss also um mehr gehen. Von David heißt es, er sei ein „Mann nach dem Herzen Gottes“ gewesen (1. Sam 13,14; Apg 13,22). Der Christus wird ihm darin entsprechen. Die leiblichen Nachkommen, ja sogar die geistigen Nachkommen Davids aber entsprechen ihm darin in aller Regel nicht. Nur wenige Ausnahmen führen am Ende zu der leiblichen Davidstochter Maria, die Jesu wirkliche Mutter war und ihn insofern auch zu einem wirklichen, leiblichen Nachkommen Davids qualifizierte, — abgesehen von der geistigen Prägung, die sie ihm gab — , und dem Davidssohn Josef, dem Ziehvater Jesu, der — ohne dem Samen nach sein Vater zu sein — geistig doch ganz und gar ein Sohn Davids war und insofern dem Jesuskind ein wahrer davidischer Vater sein konnte.

Maskil — Zum Unterschied von Weissagung (N’vuah) und verselbständigter Weisheit (Chochma)
Der zentrale Hinweis auf diese Qualität Davids als „Mann nach dem Herzen Gottes“ und des Bundes Gottes mit ihm erzählt Psalm 89. Dieser Psalm ist ein „maskil“, wie es zu Anfang heißt. Buber nennt dies „Eingebungsweise“ und deutet damit, subtil und feinsinnig den prophetischen Charakter an (s.u.). Im biblischen Kontext ist ein „maskil“ ein Lehrgedicht. Später wurde im Judentum aus dem „maskil“ ein Gelehrter, ein Verständiger, ein Philosoph, einer der weniger das Sagenhafte als das Logische und Erkennbare ins Licht hebt.[1] „Maskil“ kommt vom Wortstamm „s-ch-l“ und dort der Hifil-Form „hiskil“: zu deutsch bedeutet dies „Einsicht haben“, „verständnisvoll/verständig sein“. „Sechel“ ist der menschliche Verstand.[2]
Wir werden sehen, welche geistige Haarlinie sich in diesem Begriff des „maskil“ ausdrückt:
Ein „maskil“ also, eine Herausforderung unserer Erkenntnis und unseres Nachdenkens, gibt uns in Psalm 89 der Dichter Eitan, „Eitan, der Esrachiter“, der im Ersten Buch der Könige als einer der weisesten Männer benannt wird, dem nur König Salomo überlegen ist (1. Kön 5,11). Der „maskil“ hängt folglich mit der „chochma“, der Weisheit, zusammen. Was ist echte, lebendige Weisheit ist in diesem biblischen Zusammenhang? Sie ist nicht Geheimwissen oder Arkanlehre, sondern die Einsicht, die dem Menschen allgemein möglich ist, zu der jeder herausgefordert werden soll, der den Psalm liest. Die Einsicht stellt sich aber auf eine prophetische Weise ein, keine „logische“.
Doch was „lehrt“ uns dieser Psalm 89 oder besser: was „lehrt“ er mich?
Es ist ein eigentümlicher Text. Er beginnt mit dem Lobpreis der Treue Gottes zu dem Bund, den er mit David geschlossen hat. David ist bereits eine messianische (gesalbte) Gestalt. Menschen, mit denen Gott zuvor einen Bund schloss (Noach, Abraham, Mose etc.) erhielten zwar Berufung und Verheißung, aber keine Salbung. Die Salbung hat prophetischen und königlichen Charakter. Sie erfolgt mittels eines Salböls und/oder des Geistes Gottes.
Gepriesen wird nun die Größe Gottes, die unvergleichlich ist, unvergleichlich mit allem, was im „Luftraum“ („schachak“) ist, in dem die „bnei elim“ sind, die „Göttersöhne“, oder „Gottessöhne“, wie oft auch übersetzt wird. Gott begrenzt den Hochmut des Meeres, er hat das (mythische) Chaos-Ungetüm Rahav, das im Meer haust und ein Verwirrer, Bedränger und Durcheinanderbringer ist, durchbohrt. Rahav wird gelegentlich mit Ägypten identifiziert, aus dem Gott die Hebräer herausgeführt hat (Ps 87).
Dann zitiert Eitan die Visionen seiner Vorfahren:
„Hilfe (bzw eine Krone) habe ich auf einen Helden gelegt, ich habe einen Auserwählten erhöht aus dem Volk. 21 Ich habe David gefunden, meinen Knecht. Mit meinem heiligen Öl habe ich ihn gesalbt. 22 Meine Hand soll beständig mit ihm sein, und mein Arm soll ihn stärken. 23 Kein Feind soll ihn bedrängen und kein Sohn der Ungerechtigkeit ihn bedrücken. 24 Ich will seine Bedränger vor ihm zerschmettern. Die ihn hassen, will ich niederstoßen. 25 Meine Treue und meine Gnade sollen mit ihm sein, und durch meinen Namen soll sein Horn erhöht werden. 26 Ich will seine Hand auf das Meer legen, und seine Rechte auf die Ströme. 27 Er wird mich anrufen: Mein Vater bist du, mein Gott und der Fels meines Heils! 28 So will auch ich ihn zum Erstgeborenen machen, zum Höchsten unter den Königen der Erde. 29 Ewig will ich ihm meine Gnade bewahren, und mein Bund soll ihm festbleiben. 30 Und ich will seine Nachkommen einsetzen für immer und seinen Thron wie die Tage des Himmels.“ 
Hier fällt auf, dass diesem Davidssohn, dem „gibor“, dem „Helden“, begabt mit Kraft bis an die Grenzen des Menschlichen, der da kommen soll, etwas von der zuvor beschriebenen Macht Gottes gegeben wird: Wie Gott wird er das Meer beherrschen können. Aber es ist Gott, der seine Hand nimmt und auf das Meer legen wird. Die Stelle beschreibt keine göttliche Gestalt, die dies aus sich heraus vermag, sondern von Gott selbst dazu autorisiert und erhöht wird. Diese Erhöhung greift Jesus selbst immer wieder auf und bezieht sich auf sie (s.u.).
Und der gesalbte „gibor“ wird Gott als „awi“, als „mein Vater“ anrufen — im Alten Testament eine absolute Seltenheit. Von niemandem wird das berichtet, nicht von Adam und Eva, noch von Noach oder Abraham, noch Sara oder Jakob, auch nicht von Aaron, Mose oder Miriam. Diese Anrede ist außergewöhnlich.
Weder ein Feind noch der „ben avla“, der „Sohn der Deformation/Sünde“ darf ihn überwältigen; dieser Begriff kehrt im NT als „filius perditionis“ wieder und meint einmal den Verräter Judas, das andere Mal den Antichristen.
Nun folgt eine Klage darüber, dass Gott seinem „maschiach“, seinem Gesalbten, zürnt. Die Konfrontation könnte kaum eindringlicher beschrieben werden:
„40 Preisgegeben hast du den Bund mit deinem Knecht, hast zu Boden geworfen und entweiht seine Krone. 41 Du hast niedergerissen all seine Mauern, hast seine Burgen in Trümmer gelegt. 42 Es haben ihn alle ausgeplündert, die des Weges vorübergehen. Er ist zum Hohn geworden seinen Nachbarn. 43 Du hast erhöht die Rechte seiner Bedränger, hast erfreut alle seine Feinde. 44 Auch hast du zurückweichen lassen die Schärfe seines Schwertes und hast ihn nicht bestehen lassen im Kampf. 45 Du hast aufhören lassen seinen Glanz und zur Erde gestürzt seinen Thron. 46 Du hast verkürzt die Tage seiner Jugend, mit Schmach hast du ihn bedeckt. //“
Wie ist das möglich? Wie kann das sein? Gott hat doch einen Bund geschlossen?
Eitan hat zuvor schon eine Antwort aus der alten Vision gegeben:
„31 Wenn seine Söhne mein Gesetz verlassen und nicht wandeln in meinen Rechtsbestimmungen,32 wenn sie meine Ordnungen entweihen und meine Gebote nicht halten,33 so werde ich ihr Vergehen mit der Rute und ihre Ungerechtigkeit mit Schlägen heimsuchen. 34 Aber meine Gnade werde ich nicht von ihm weichen lassen und nicht verleugnen meine Treue. 35 Ich werde meinen Bund nicht entweihen und nicht ändern, was hervorgegangen ist aus meinen Lippen. 36 Einmal habe ich geschworen bei meiner Heiligkeit - wie könnte ich David täuschen!“
Es gibt David und die Mitte seiner Söhne. Sie haben den Bund gebrochen, und sie spüren die Folgen, aber Gott hat den Bund nicht gebrochen.
All diese Ungereimtheit, die wir erleben, hängt damit zusammen, dass Gott seinem Bund treu ist, aber wir nicht. Genau diese Ungereimtheit und Schmach liegt auf dem „maschiach“, dem „Gesalbten Gottes“, dem Sohn Davids. Er oszilliert zwischen der versprochenen Erhöhung und Befähigung und den irrlichternden Wahnwelten, die ihn umtosen und förmlich „umwerfen“ dürfen, weil er einer der Menschen ist, weil seine menschlichen Geschwister ihn in diese Lage bringen, die alle Menschen dem Tod aussetzt, auch den Gesalbten. Er wird für das geschlagen, was seine Brüder und Schwestern hervorgebracht haben: die Huldigung an Rahav, die Herausforderung der Meereswogen, die Kontaktaufnahme mit dem „ben avla“, dem Sohn des Verderbens, die verkehrte Wahl und den Hohn über die Wahrheit.
Eitan schließ mit der Anrufung Gottes, die Ihm vor Augen halten will, dass niemand aus dieser Verfangenheit kommen kann ohne die Hilfe des Allerhöchsten, die er David doch deswegen geschworen hat, eben weil keiner der „bnei adam“, der Menschenkinder, sich selbst helfen kann in dieser Not:
„49 Welcher Mann lebt und wird den Tod nicht sehen, wird sein Leben befreien von der Gewalt des Scheols? // 50 Wo sind deine früheren Gnaden, Herr, die du David zugeschworen hast in deiner Treue? 51 Gedenke, Herr, der Schmach deiner Knechte. In meiner Brust trage ich all die vielen Völker mit ihrem Hohn, 52 womit deine Feinde gehöhnt haben, HERR, womit sie gehöhnt haben die Fußspuren deines Gesalbten! 53 Gepriesen sei der HERR ewig! Amen, ja Amen!“
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass dies ein prophetischer Psalm eines weisen Mannes ist. Es verbindet sich die Gelehrsamkeit und Erkenntnis mit der Gabe der Prophetie, der Weis-sagung. Eine „gesunde“ oder „lebendige“ Weisheit außerhalb dieser Verbindung gibt es nicht und grenzt solche Verständigkeit ab von allem okkulten, verselbständigten Wissen. Hier spielt mit hinein, dass die Schlange Eva damit verführte, ihr solche „Weisheit“ in Aussicht zu stellen, „Wissen“, das Wissen um Gut und Böse, als sei es eine definierbare geistige Welt, in die man „eingeweiht“ werden könnte. Der Baum, so heißt es, habe Eva gefallen, weil er „verständig macht“, „lehaskil“. Wir haben hier wieder unseren Wortstamm „s-ch-l“ (Gen 3,6).
Die „Weisheit Ägyptens“ hat mit dem „maskil“ und der Weissagung deshalb nichts zu tun, weil das eine losgelöst von der Vitalität Gottes und statisch, als ein gigantisches Normengebilde verstanden ist, das andere an die Vitalität Gottes gebunden und von ihr in jedem Moment inspiriert.
Statische Weisheit ist nicht dasselbe wie dynamische Weisheit. In Salomo brach sich beides. Sie sind, obwohl gleichen Ursprungs, Kontrahenten wie Finsternis und Licht.[3] Das eine, die Weissagung, die „n’wuah“, die den „nawi“, den Propheten hervorbringt, ist nicht dasselbe wie die Weisheit, die als „chochma“ sich verselbständigt und den Weltweisen „chacham“, den Schriftgelehrten oder Weisheitslehrer im genauen Wortsinn, aber keinen Propheten, hervorbringt. Erstere ist ihrem Ursprung liebend zugewandt und in ihm schwingend, die andere kehrt den Ursprung in ein mechanistisches Gefüge, dem der Weise Leben verleiht durch sein Weise-Sein.

Herr 1, Herr 2 und Sohn
Doch zurück zu unserer Szene mit Jesus und den Pharisäern. Der Rätselspruch bringt den normalen menschlichen Sinn durcheinander, weil die hierarchischen Beziehungen in ihm ähnlich wie auf der „unmöglichen Treppe“, die der Mathematiker Penrose entwickelt hat, ins Wanken kommen. Man kann sagen, dass Jesus mit einem Handstreich unsere hierarchische Denkweise zusammenstürzen lässt. Was hier über den Messias gesagt wird, wirkt absurd angesichts unserer hierarchischen Logik, aber die Pharisäer spüren, so wie wir alle, dass nicht das Wesen des Messias absurd ist, sondern unser hierarchisches Denken …
Der Christus ist der Sohn Davids. Söhne sind immer den Vätern unterstellt nach der Logik der Menschen. Wie kann es dann sein, dass der Vater den Sohn als „Herrn“ anspricht?
„Wenn nun David ihn Herr nennt, wie ist er sein Sohn?“
Man könnte zunächst sagen, eine der Prämissen ist dann eben falsch: Er ist nicht der Sohn Davids, oder aber er ist nicht der Herr Davids. Nun wird aber letzteres ausgeschlossen durch die Bemerkung, dass der „Herr des Herrn“ jenen zu sich erhöht und auffordert, zu seiner Rechten Platz zu nehmen. Im Bild gesprochen sitzen da nun zwei auf dem Thron: der erste und eigentliche Herr und der zweite, den er zu sich erhöht. Dass dieser zweite Herr ein Sohn Davids sein wird, ist in der Schrift viele Male bezeugt, dem Glaubenden unmöglich zweifelhaft.
In der Tat überschneidet sich im zweiten Herrn, dem „Herrn 2“ der „Herr 1“, also der eindeutig als Gott gezeichnete Herr, mit David, dem königlichen Menschen. IST er darum aber, wie die Trinitätslehre es dogmatisch definiert, sowohl Gott als auch Mensch, ein „Gottmensch“? Oder ist nicht genau eine solche Lehre der Versuch, etwas, das nur in der lebendigen Weisheit Gottes verständlich ist, festzubannen in einen albernen menschlichen Satz, der in seiner „Weisheit zu Torheit“ wird?
Dem muss man in jedem Fall entgegenhalten: Was den „Herrn 2“ zu einem „Herrn“ macht, hat er übertragen bekommen und nicht aus sich selbst heraus. Dies geht eindeutig aus dem Zitat hervor, das in Mt 22 direkt aus Psalm 110,1 übernommen wird. Jeder schriftkundige Israelit kannte diese Stelle. Einer, der bereits wesensgleich mit Gott ist, muss von ihm nicht erhöht werden zu seiner Rechten. Gemeinhin entgegnet der traditionsbewusste Katholik diesem Argument, diese Sätze aus dem Psalm und den Evangelien seien ja nur „secundum hominem“ gemünzt, also nur hinsichtlich der Menschheit Christi, die nun mit-erhöht würde. Das Menschsein, das sich die Gottheit durch ihre Inkarnation angezogen habe, habe sie gewissermaßen „heruntergezogen“ in unsere Niederungen und müsse nun hinaufgehoben werden.
Ganz einsichtig ist das allerdings nicht, denn wenn einer „Gottmensch“ ist, ist er, bevor er Mensch ist doch unhintergehbar Gott und müsste aus eigener Macht auch die Erhöhung seines Menschseins schaffen. Andernfalls ist er eben doch nicht wesensgleich mit Gott. Man kann vermuten, dass die Arianer genau daran auch hängeblieben, nach menschlicher Denkweise ja völlig zu recht! Denn zum göttlichen Wesen gehört auch die Allmacht oder Machtfülle. Wir kenn die poetische Formulierung „Er entäußert sich all seiner Gwalt“ aus einem Kirchenlied — nur: wo steht das in der Schrift? Die Stelle in Philipper 2,6, die hier als Beleg angeführt wird, sagt genau dies allerdings nicht, sondern etwas anderes, worauf ich schon einmal eingegangen bin (Link—) und noch einmal eingehen werde an anderer Stelle. Die „Entäußerung der Gewalt“ ist bereits theologische Auslegung im Sinne der kirchlichen Dogmatik.
Man argumentiert hier so, als ob Gott einer „multiplen Persönlichkeitsstörung“ nahekomme, in sich selbst gewissermaßen Personen abgespalten, sich dissoziiert habe.
Ich muss zugeben, dass mich der Gedanke abstößt und in seiner Greulichkeit und Monstrosität in die Flucht schlägt: Kann das sein? Was immer sich um Gott herum bewegt an „z’waot“, an „Heerscharen“, wer immer im Luftraum und im Meer an „bnei elim“ oder „Rahav“, „Leviatan“, „Tannin“, Göttern, Engeln und Dämonen etc. unterwegs ist, wovon das AT ja durchaus deutlich Kunde gibt: Gott, der Allerhöchste, ist einer und spricht immer als einer.
Er ist eben nicht dieser seltsame Chamäleondrache, der ständig die Maske wechselt (und „persona“ heißt eigentlich „Theatermaske“!). Dass er sich im Menschen abgebildet hat bedeutet nicht, dass damit eine multiple Persönlichkeit gemeint ist. Dieser Rückschluss ist und bleibt selbst nach logischen Kriterien unzulässig. Man würde auch von keinem menschlichen Elternpaar sagen, sie drückten sich wegen ihrer zahlreichen Kinder in zahlreichen Personen aus, die aber alle „eins“ seien, nämlich sie selbst. Das ist absurd. Man gefällt sich zwar in dieser nebulösen Rede von den „allen“, die irgendwie „eins“ sind, aber man bleibt in diesem gedanklichen Sumpf auch so tief stecken, dass man in aller Regel nicht mehr vordringt zu der Frage, wer Vater und Sohn wirklich sind, der Frage, die ja nicht dogmatisch definiert werden sollte, sondern um die geistig gerungen werden müsste.
Müssten wir nicht täglich rufen: Wer bist Du, Gott, Vater? Wer bist Du, Herr Jesus, sein Messias und Sohn?
Aber ist es nicht gerade diese Frage, die wir Gott gar nicht mehr stellen, weil wir glauben, aufgrund einer kirchlichen Feststellung wüssten wir es schon ganz genau?
Nach dem Johannes-Evangelium ist aber genau dies die Frage aller Fragen des Glaubens (s.u.)!
Die Frage ist, wie diese Überschneidung zwischen Gott und Mensch zu deuten ist, gilt sie doch generell jedem Menschen von der Schöpfung her, die den Menschen grundsätzlich, ob Mann ob Frau, „im Bild Gottes“ bekennt und bezeugt, dass jeder und jede ursprünglich sogar „in der Gestalt Gottes“ ist (Gen 1). Die Misere der „bnei adam“ liegt darin, dass sie diesen Status verloren oder verwundet haben und sich den Ungeheuern ausgeliefert haben, etwa dem Rahav. Der „Herr 2“, wiewohl ein Mensch, weil er von einer leiblichen Nachfahrin Davids geboren wurde, die von besonderen Qualitäten ist, weil sie als solche Nachfahrin von Gott „mit höchster Gunst/Gnade erfüllt“ wird, als „kecharitomene“ (Lk 1,28), ist von dieser Verfangenheit jedoch ausgenommen. Die Außerordentlichkeit beginnt tatsächlich schon bei Maria, aber nicht nur bei ihr. Der „Sohn Davids“, der als „maschiach“ verheißen war, sollte nicht aus dem Schmutz davidischer Deformationen kommen, sondern von jemandem, der selbst eine gewisse davidische „Messianität“ aufwies. Es ist daher von Belang, dass auch Josef, der Mann Marias, als „Gerechter“, als „dikaios“ (was dem hebräischen „zaddik“ entspricht) beschrieben wird. Jesus wurde also von einer Frau hervorgebracht, die ebenfalls „nach dem Herzen Gottes“ war und geschützt von einem Mann, der den höchsten jüdischen Ehrentitel trug, der dasselbe bedeutet: einem Gerechten.
Dass in der „Heiligen Familie“ bereits die gängigen hierarchischen Strukturen gebrochen wurden, habe ich an anderen Stellen immer wieder beschrieben. Die protestantische Aversion gegen eine Seligpreisung Marias verweigert sich tatsächlich der Schrift, die solche ausdrücklich vorsieht, wenn auch nicht in der Verzerrung, die die Verehrung in der Kirche erfahren hat. Das soll uns hier aber nicht weiter beschäftigen.
Der „Hammer“ ist vielmehr die Konstellation vom Vater David, der seinen Sohn „im Geist“ (wie Jesus sagt) als „Herrn“ anspricht. Die typisch menschliche Reaktion zu sagen, dann müsse dieser Sohn irgendwie Gott sein, wobei man mit einer abenteuerlichen Argumentation über die Begriffe „adonai“ (für Gott) und „adoni“ (Christus, eigentlich „mein Herr“) in Psalm 110,1, in der LXX generalisiert mit „kyrios“ wiedergegeben, schließt, dann müssten folglich alle, die irgendwie mit „kyrios“ angesprochen werden, irgendwie auch Gott sein. Das ist nicht nur unkorrekt in Betrachtung des hebräischen Grundtextes, sondern auch sonst.
Inwiefen ist der „maschiach“, der Christus, ein „kyrios“, ein „adon“, ein „Herr“? Er ist es den Schriftstellen gemäß einzig und allein deswegen, weil Gott ihn dazu autorisiert hat. Und Gott kann erhöhen wen er will und weswegen er will.
Jeder Schluss, der darüber hinausgeht, ist außerhalb dessen, was wir wissen können.
Jesus wurde von Gott erhöht. David sah, dass einer seiner Nachkommen von Gott erhöht werden würde und dies für ewig, denn das wusste offenbar auch Eitan genau.
Jesus wiederum wusste es auch, und er wusste auch, dass er derjenige ist. Aber in der Diskussion mit den Pharisäern lag sein schmachvoller Weg, den Eitan beschrieben hatte, noch vor ihm. Jesus konnte zu diesem Zeitpunkt noch nichts weiter dazu sagen, aber alle anderen spürten, dass „etwas in der Luft lag“, dass eine gewaltige Bewegung auf sie zukam, die Erlösung verhieß oder Verderben, je nachdem, was der einzelne Mensch wählt.
Kurz vor seinem Tod aber ist uns das hochpriesterliche gebet Jesu überliefert, das viel mehr Auskunft gibt über die rätselhafte Stelle in Psalm 110 und den Evangelien:

„Ehe die Welt war“
Jesus spricht unter Worte:
„4 Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, das du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte. 5 Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war! 6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Dein waren sie, und mir hast du sie gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. 7 Jetzt haben sie erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist; 8 denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und haben geglaubt, dass du mich gesandt hast.“ (Joh 17)
Viele lesen aus diesen Sätzen ebenfalls die Trinitätshypothese ab. Sie fragen, was denn anders damit gemeint sein soll, dass Jesus betet „Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war!“ 
Sie verstehen diese Worte iS einer Präexistenz Jesu bei Gott. Und da er bei Gott und nicht irgendwo anders war, denken sie, er müsse ebenfalls Gott sein. Der Gedankengang ist nachvollziehbar, aber ist er tatsächlich das, was da steht?
In den wenigen Sätzen finden wir nicht nur den scheinbaren Hinweis auf eine Präexistenz Jesu bei Gott, sondern undeutlich auch eine Präexistenz der Seinen, die Jesus ihm wieder zuführen sollte, in Vers 6: „Dein waren sie…“. Man kann aber bei vorsichtiger Untersuchung nicht behaupten, dass hier von einer Präexistenz die Rede ist. Wir sind gewohnt, mit solchen Vorstellungen umzugehen und sind stets in der Gefahr der Projektion. Der Text sagt genau genommen nichts anderes als, dass Gott alles vorherweiß und vorherwusste, dass er alles vorhergesehen hat und alles umschlossen ist in seinem Plan. Er hatte vor aller Schöpfung schon seinen „maschiach“ vor Augen in aller Schönheit und genauso alle, die die Seinen sein würden. Wie genau sich dieses Vorherwissen Gottes gestaltet, können wir aus dieser Stelle nicht erfahren.
Wesentlich wichtiger aber ist, dass Jesus dem Vater sagt, er habe nun den Auftrag erfüllt, dem Vater die Seinen wieder zuzuführen. Sie sind wieder in die richtige Richtung „ausgerichtet worden“, haben die rechte „Peilung“ erfahren, präzise auf den Vater hin durch das, was Jesus ihnen vom Vater überliefert hat. Jesus sagt, sie hätten es dadurch erkennen können. Es wundert mich, dass diese so wichtige Feststellung Jesu völlig ins Hintertreffen kam vor der Spekulation über die Trinitätslehre.
Das lange Gebet Jesu umkreist die Einigkeit von Vater und Sohn, aus der die Einigkeit der Seinen folgen soll; erwähnt wird, dass die Kluft zum gegenwärtigen „kosmos“ sich so sehr vergrößern wird, dass die Seinen, wenn sie nun zurückbleiben und Zeugen Jesu sein werden, umhüllt und bewahrt werden müssen. Jesus sorgt sich um den „maskil“, dass er lebendiges Gotteserlebnis und Weissagung bleibe und nicht zu toter confessio werde, an der jeder lebendige Glaube zerbrechen wird, wie wir es nun jahrhundertelang erlebt haben. Wie Leopold Ziegler es in einem Aufsatz hellsichtig darlegte[4], störte nichts das lebendige Gottesverhältnis mehr als der Zwang zu Bekenntnissen, dem die Schwurformel „Wenn du nicht x glaubst, bist du ausgeschlossen“ zugrunde liegt und nicht der Jubel über die persönlich erfahrene Beseelung und die persönliche Hoffnung auf die Auferweckung.
Wir finden zurück zu der Unterscheidung von lebendiger Weissagung und Verständigkeit und toter Weisheit, dem Bewegtwerden von Gott, der vor aller Zeit um mich wusste in Christus, und dem Eingeweihtwerden in ein mechanistisches Geheimwissen ohne das „Abbild des unsichtbaren Gottes“ (Kol 1,15). Philippus bat Jesus einst: „Zeige uns den Vater!“ Jesus antwortete ihm: „Wer mich sieht, sieht den Vater!“ (Joh 14,8f) Auch in diesem Abschnitt geht es wieder um die dringende Notwendigkeit, den Vater durch den Sohn zu erkennen. Das alles heißt aber nicht, dass der Sohn Gott ist, sondern es heißt, dass er sein vollkommenes Abbild ist — das, was der Mensch eigentlich hätte sein sollen. Wir dürfen nicht — trinitarisch gebildet — Rückprojektionen in die ursprünglicheren Texte vornehmen. Präzise verstanden geben sie nicht das her, was die Kirche behauptet.
Das, was sie aber hergeben, ist brisant, weil davon das ewige Heil abhängt. Ich möchte uns alle dazu ermutigen, das NT im Hinblick auf diese Dinge neu zu lesen. Es ist nicht wichtig, sich in zeitbedingte Gemeindeordnungen zu vertiefen und seine Mitmenschen damit zu schikanieren, wie es so oft unter Christen geschieht. Davon hängt fast gar nichts ab.
Von der Erkenntnis darüber, wer der Sohn ist und wer der Vater, hängt alles ab.





[1] https://www.wortbedeutung.info/Maskil/
[2] Langenscheidt-Achiasaf, Handwörterbuch Hebräisch-Deutsch von Jaacov Lavy, Berlin München Tel Aviv 1975, S. 570
[3] Zu diesem Schluss sind andere Gelehrte gekommen. Das Online-Portal der Deutschen Bibelgesellschaft schreibt beispielsweise im selben Sinn unter dem Stichwort „Weisheit“:
„Weisheit blendet alles aus, was mit Gottes Handeln in der Geschichte seines Volkes zu tun hat. Zugang zur Geschichte könnte dort geschehen, wo das Königtum zur Sprache kommt, das aber nicht in konkreten geschichtlichen Verortungen, sondern in übergreifenden Aussagen zum Wesen des Königtums verhandelt wird (dazu Blumenthal mit einem Vergleich Ägypten – Israel). Parallel zur Ausblendung der Geschichte in der älteren Weisheit geht die Ausblendung der Prophetie. Weisheit und → Offenbarung erweisen sich so zunächst als alternative Konzeptionen für die alttestamentliche Weltsicht (von Rad; auch Crenshaw).“ https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/weisheit-at/ch/a1e1bd748bb6b5326fcf7c72780593a4/
Es ist daher auch fragwürdig, ob in der „Weisheit“ der „Logos“ vorgeformt sei, wie Trinitarier traditionell meinen und darin der Christus als „personifizierter Weisheit Gottes“. Manche übertragen dies auf Maria. Beides ist so betrachtet unplausibel: Der Christus ist eine einmalige menschliche Gestalt, die nicht in der Weisheit, auch nicht der Weisheitsliteratur, sondern ausdrücklich und ausschließlich in der Prophetie, der Weissagung vorgeformt wurde.
[4] Leopold Ziegler: Gotterlebnis oder Konfession. Online http://www.leopold-ziegler-stiftung.de/werke/6/gotterlebnis-oder-konfession

Kommentare:

  1. https://y-jesus.org/german/wwrj/3-ist-jesus-gott/6/

    https://y-jesus.org/german/more/jesus-behauptet-gott-zu-sein/

    Hat Jesus behauptet, Gott zu sein?

    Vor zweitausend Jahren setzte ein Mann namens Jesus Christus Fuß auf die Erde. Und seitdem ist nichts mehr so, wie es einmal war. Heute noch stellen sich viele die Frage: „Wer war dieser Mensch, der unsere Vorstellung von Gott und von uns selbst verändert hat?“ Zwar stellte Jesus radikale Behauptungen über seine Identität auf, aber er trat auch als mitfühlender, demütiger Diener mit dem Auftrag auf, uns vor der Sünde zu retten.

    Jesus war denen, die die ihn sahen und hörten, ein Mysterium. Für die Massen war er ein großer Arzt, der Blinde, Taube und Gelähmte heilte. Den Geknechteten und Ausgestoßenen brachte er Hoffnung. Für seine Feinde war er ein Hochstapler. Für seine Anhänger war er der verheißene Messias.

    Aber behauptete Jesus wirklich, Gott zu sein, so wie es die Christen glauben?

    Im Mittelpunkt des Christseins steht der Glaube, dass Gott in der Person seines Sohnes, Jesus Christus, auf die Erde kam. Diejenigen, die Jesus selbst sahen und über ihn schrieben, nannten ihn den Schöpfer des Universums. Ravi Zacharias, der in einer Religionsgemeinschaft aufwuchs, die viele Götter kennt, schreibt über Jesus Christus als einen vollständigen Menschen und einen vollständigen Gott.

    Hier also haben wir den Mann aus Nazareth, der behauptete, sein Ursprung liege im Himmel und sein Vater sei nichts weniger als Gott selbst – ein Sohn, der weder aus einem Geschlechtsakt noch aus der Notwendigkeit einer Gemeinschaft hervorgegangen sei, sondern der der höchste Ausdruck von Gott im Fleische sei und der eine ewige Gemeinschaft mit dem Vater bilde.[1]

    J. I. Packer erklärt es so: „Das Evangelium berichtet, dass unser Schöpfer unser Erlöser geworden ist.“[2] Weil diese Überzeugung ein zentrales Motiv des Christentums ist, ist die Verleugnung der Gottheit Jesu Christi ein Dolchstoß ins Herz der christlichen Botschaft.

    Aber hat Jesus wirklich behauptet, Gott zu sein, oder hat sich diese Lehre erst mit der Zeit entwickelt? Da Jesus Aramäisch (einen Dialekt des Hebräischen) sprach, müssen wir uns bewusst machen, was seine Behauptungen für seine Aramäisch sprechenden Zuhörer bedeuteten. Wie reagierten sie darauf?

    Da seine jüdischen Zuhörer zutiefst in den hebräischen Schriften bewandert waren, müssen wir die Behauptungen Jesu über sich selbst im Lichte ihrer Lehre von Gott verstehen.

    https://y-jesus.org/german/more/jesus-behauptet-gott-zu-sein/2/

    Hat Jesus den Namen Gottes für sich selbst benutzt?

    Als Jesus sein Wirken begann, lockten seine Wundertaten und seine radikale Lehre sofort riesige Menschenmengen an, die für helle Aufregung sorgten. Als seine Popularität in dem Maß zunahm, indem er die Massen anzog, begannen die Führer des jüdischen Volkes (Pharisäer, Sadduzäer und Schriftgelehrte), Jesus als eine Bedrohung wahrzunehmen. Und somit suchten sie auf einmal nach Möglichkeiten, um ihm eine Falle zu stellen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "Im Mittelpunkt des Christseins steht der Glaube, dass Gott in der Person seines Sohnes, Jesus Christus, auf die Erde kam. Diejenigen, die Jesus selbst sahen und über ihn schrieben, nannten ihn den Schöpfer des Universums."

      Nein - sie glauben nicht zwingend, dass "Gott in der Person seines Sohnes, Jesus Christus, auf die Erde kam". Erstens ist Gott kein Alien, der irgendwie "auf die Erde kommen" müsste, denn er ist schon längst da, nur sehen wir es eben nicht.

      Zweitens sollten Sie nachweisen, wo angeblich die, die Jesus sahen, behauptet haben sollen, er sei "der Schöpfer des Universums". Das ist eine ziemlich steile These. Bitte also nachweisen!

      Auch das hier ist unlogisch:

      "J. I. Packer erklärt es so: „Das Evangelium berichtet, dass unser Schöpfer unser Erlöser geworden ist.“[2] Weil diese Überzeugung ein zentrales Motiv des Christentums ist, ist die Verleugnung der Gottheit Jesu Christi ein Dolchstoß ins Herz der christlichen Botschaft."

      Das Evangelium berichtet nicht, dass "unser Schöpfer unser Erlöser GEWORDEN ist", sondern schon im AT wird immer wieder gesagt, dass Gott, der Schöpfer, auch der Erlöser und Retter ist. Wer immer Jesus ist: das Erlösungswerk geht vom Vater aus, und nichts anderes sagt er selbst darüber! das Gerede vom "Dolchstoß" kann sich also kaum auf das beziehen, was das NT überliefert, wohl aber auf die Lehren der Kirche. Man sollte beides unterscheiden.

      Löschen
  2. Eines Tages, als Jesus mit Pharisäern im Tempel ein Streitgespräch führte, sagte er ihnen plötzlich, er sei „das Licht der Welt“. Wenn man sich diese Szene bildlich vorstellt, wirkt es geradezu grotesk, dass ein nicht sesshafter Zimmermann aus der Tiefebene Galiläas diesen Religionswissenschaftlern erzählt, er sei „das Licht der Welt“. Da sie selbst Jahwe für das Licht der Welt hielten, entgegneten sie ungehalten:

    „Du bist doch wieder nur dein eigener Zeuge. Das beweist noch lange nicht, dass du die Wahrheit sagst.“ (Johannes 8:13 Hfa)

    Darauf sagte Jesus ihnen, dass einst, vor 2000 Jahren, Abraham sein Kommen vorausgesehen habe. Ihre Antwort zeugte von ihren Zweifeln:

    „Du bist noch nicht einmal fünfzig Jahre alt und willst Abraham gesehen haben?“ (Johannes 8:57 Hfa)

    Und dann schockierte Jesus sie mit seinen weiteren Worten, die kein gewöhnlicher Mensch jemals auszusprechen wagen würde:

    „Ich sage euch die Wahrheit: Lange bevor Abraham überhaupt geboren wurde, war ich da.“ (Johannes 8:58 Hfa)

    Aus heiterem Himmel behauptete dieser unorthodoxe Zimmermann, der auf keine religiöse Ausbildung verweisen konnte, schon immer existiert zu haben. Darüber hinaus verwendete er den Titel „Ich bin da“ (ego eimi), den heiligen Namen Gottes, für sich selbst! Diese Religionsexperten gingen ganz in den alttestamentlichen Schriften auf und erklärten einzig und allein Jahwe zu Gott. Sie kannten die Schrift in den Worten Jesajas:

    „Ich bin der einzige Gott. Es gibt keinen Gott, der vor mir da war, und es wird auch in Zukunft nie einen anderen geben.Ich, der Herr, bin der einzige Gott. Nur ich kann euch retten.“ (Jesaja 43:10, 11 Hfa)

    Man kann leicht den Zorn derer verstehen, denen bewusst wurde, dass Jesus von sich selbst als Gott sprach. Da die Strafe für Gotteslästerung Tod durch Steinigung lautete, griffen die jüdischen Wortführer nach Steinen, um Jesus damit umzubringen. An dieser Stelle hätte Jesus sagen können: „Wartet mal! Ihr habt mich falsch verstanden – ich bin nicht Jahwe.“ Aber Jesus nahm seine Aussage in keinen Teilen zurück, auch wenn er damit das Risiko einging, getötet zu werden.

    C. S. Lewis erklärt ihre Wut so:

    „Er sagt … ‚Ich bin der eingeborene Sohn des einen Gottes; ich war da vor Abraham‘. Sie müssen berücksichtigen, was die Worte ‚ich bin‘ auf Hebräisch bedeuteten. Sie waren der Name Gottes, der von keinem menschlichen Wesen ausgesprochen werden darf – der Name, dessen Äußerung den Tod bedeutete.“[6]

    https://y-jesus.org/german/more/jesus-behauptet-gott-zu-sein/2/

    https://y-jesus.org/german/more/jesus-behauptet-gott-zu-sein/3/

    AntwortenLöschen
  3. https://y-jesus.org/german/more/jesus-behauptet-gott-zu-sein/4/

    Was hat Jesus unter „eins mit Gott“ verstanden?

    Diejenigen, die Jesus zuhörten, seine moralische Vollkommenheit zur Kenntnis nahmen und Wunder wirken sahen, fragten sich, ob er der seit Langem verheißene Messias sei. Schließlich umringten ihn seine Gegner im Tempel und fragten ihn:

    „Wie lange lässt du uns noch im Ungewissen? Wenn du Christus bist, dann sag uns das ganz offen.“

    Jesus erwiderte: „All das, was ich im Auftrag meines Vaters getan habe, sollte als Beweis genügen.“ Er verglich seine Anhänger mit Schafen und sagte: „Ihnen gebe ich das ewige Leben, und sie werden niemals umkommen.“ Dann offenbarte er ihnen, dass „mein Vater […] stärker als alle anderen Mächte [ist]“ und dass er seine Taten „in Gottes Auftrag“ ausgeführt habe. Die Demut Jesu muss entwaffnend gewesen sein. Dann aber ließ er eine Bombe platzen und sagte ihnen (Johannes 10:25-30):

    „Ich und der Vater sind eins.“

    Manche meinen, Jesus habe damit nur zum Ausdruck bringen wollen, dass er mit Gott einig sei. Wenn Jesus aber lediglich sagen wollte, er stimme mit Gott überein, warum hoben die Juden dann Steine auf, um ihn damit zu töten? Ihr Verständnis der Behauptung Jesu, eins mit dem Vater zu sein, wurde im weiteren Verlauf des Gesprächs deutlich.

    Jesus fragte sie: „In Gottes Auftrag habe ich viele gute Taten vollbracht. Für welche wollt ihr mich töten?“

    Sie antworteten: „Nicht wegen einer guten Tat sollst du sterben, […] sondern weil du nicht aufhörst, Gott zu lästern. Du bist nur ein Mensch und behauptest trotzdem, Gott zu sein. (Johannes 10:33)

    https://y-jesus.org/german/more/jesus-behauptet-gott-zu-sein/4/

    https://y-jesus.org/german/more/jesus-behauptet-gott-zu-sein/5/

    War Jesus das Ebenbild Gottes?

    Als Jesus seine Jünger auf sein bevorstehendes Sterben am Kreuz und seinen Abschied vorbereitete, wollte Thomas wissen, wohin er gehe und wie man dahin komme. Jesus antwortete ihm:

    „Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben. Ohne mich kann niemand zum Vater kommen. Kennt ihr mich, dann kennt ihr auch meinen Vater.Von jetzt an kennt ihr ihn; ja, ihr habt ihn schon gesehen!“ (Johannes 14:5-9)

    Die Jünger sind verwirrt. Dann ergreift Philippus das Wort und bittet Jesus: „[Z]eig uns den Vater.“ Jesus antwortet Philippus mit diesen schockierenden Worten:

    „Ich bin nun schon so lange bei euch, und du kennst mich noch immer nicht, Philippus?Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen!“

    Eigentlich sagt Jesus also: „Philippus, wenn du den Vater sehen willst, dann must du nur mich ansehen!“ In Johannes 17 offenbart Jesus, dass sein Eins-Sein mit seinem Vater schon seit aller Ewigkeit besteht, „bevor die Welt erschaffen wurde“. Jesus zufolge hat es nie eine Zeit gegeben, während der er nicht an Gottes Herrlichkeit und Wesen teilnahm.

    Es waren nicht nur die Feinde Jesu, die angesichts dieser kühnen Aussage perplex waren. John Piper schreibt:

    „Die Freunde und Feinde Jesu waren angesichts dessen, was er sagte und tat, immer wieder erstaunt. Er ging, augenscheinlich wie ein ganz gewöhnlicher Mensch, die Straße entlang, um sich auf einmal umzudrehen und Dinge zu sagen wie ‚Lange bevor Abraham geboren wurde, war ich da‘ oder ‚Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen.‘ Oder er sagte, nachdem man ihn der Gotteslästerung bezichtigt hatte, mit ruhiger Stimme: ‚[D]er Menschensohn [hat] die Macht […], hier auf der Erde Sünden zu vergeben.‘ Zu den Toten sagte er einfach ‚Komm heraus‘ oder ‚Steh auf‘. Und sie gehorchten ihm. Zur stürmischen See sagte er: ‚Sei still!‘ Und einem Laib Brot gebot er: ‚Werde zu Tausenden von Mahlzeiten.‘ Und all das trug sich auf der Stelle zu.“[11]

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, das sind die gängigen Interpretationen, nur übersehen sie, dass Jesus selbst womöglich etwas anderes sagen will als das, was die Juden ihm dann unterstellen. Immerhin sind das Streitgespräche, in denen die Juden bereits Gründe suchen, ihn zur Strecke zu bringen, indem sie ihm ein todeswürdiges Vergehen unterstellen.

      Die Logik solcher Argumentatoren ist: Wenn also Jesus dieses todeswürdige Vergehen nach dem Gesetz begeht, aber doch sündlos war, dann muss in seinem Fall das vergehen kein vergehen sein, weil er tatsächlich Gott ist.

      Nur steht eben genau das in diesen Passagen, die Sie zitieren, nicht da!
      Sehen wir noch einmal genauer hin:

      "Jesus fragte sie: „In Gottes Auftrag habe ich viele gute Taten vollbracht. Für welche wollt ihr mich töten?“

      Sie antworteten: „Nicht wegen einer guten Tat sollst du sterben, […] sondern weil du nicht aufhörst, Gott zu lästern. Du bist nur ein Mensch und behauptest trotzdem, Gott zu sein. (Johannes 10:33)"

      Wir sind in aller Regel so tief indoktriniert von der Trinitätslehre, dass wir nicht mehr bemerken, dass Jesus elbst in keiner Weise, ja, nicht einmal andeutungsweise behauptet, er sei Gott - das unterstellen ihm die Juden, und sie tun es ja in der Absicht, ihn steinigen zu "dürfen".

      Jesus sagt ausdrücklich, dass er nicht Gott ist, sondern der Gesandte Gottes: "In Gottes Auftrag habe ich viele gute Taten vollbracht. Für welche wollt ihr mich töten?"

      Jesus fragt die Juden also, für welche SEINER TATEN sie ihn töten wollen. Aber er sagt, er habe sie IM AUFTRAG GOTTES getan. Er sagt also nicht "Ich bin Gott", sondern er sagt, dass Gott ihn gesandt hat. Er und Gott sind also nicht dasselbe.

      Nun ist schon das ein Hammer. Die Juden wissen ganz genau, dass Jesus diese GUTEN TATEN getan hat. Jeder in Israel wusste das und hat es sogar teilweise miterlebt. Sie wissen also, dass er mit göttlicher Autorität versehen ist, eben weil Gott ihm den Auftrag zu all dem gegeben hat und die Kraft.

      Wenn das so ist, hätten die Juden sofort aufhören müssen, ihn zu verfolgen und anzufeinden. Im Rahmen der Passionsgeschichte heißt es irgendwo, sie hätten ihn nur "aus Neid" zu Tode gebracht.

      Sie haben sich "auf den Stuhl des Mose" gesetzt, wie Jesus sagte, also sind nicht von Gott dorthin gesetzt worden, ihr Werk ist leer ("weiß angestrichene Gräber"), sie bewirken nur Krampf und Lieblosigkeit. Jesus bewirkt in Gottes Kraft lebendige Heilung und Befreiung. Er ist DER Konkurrent für die selbsternannten Lehrer Israels.

      Daher muss man seine Worte verdrehen, um ihn zu stürzen: Man unterstellt ihm die größtmögliche Lästerung, nämlich die, dass er sich mit Gott gleichsetzt.
      Genau das hat er aber nie getan.

      Löschen
    2. Die Aussage, wer den Vater sehe, sehe ihn, kann nicht einfach so lapidar damit erklärt werden, dass er dann "wesensgleich" mit dem Vater sei. Es gibt im gesamten AT und NT nirgends auch nur einen kleinen Hinweis auf diese Begrifflichkeit von der "Wesensgleichheit", ein Wort, dass es vor Nikaia (325) übrigens nicht in der gesamten bis dahin entstandenen griechischen Literatur gibt. Auch der Hellenismus war noch nicht zu so einem Begriff vorgedrungen, der Person und Wesen trennte!
      Ja, der Personbegriff existierte damals ebenfalls noch nicht in dieser Weise, wie wir ihn auffassen nach Jahrhunderten Trinitätslehre.

      Das Ebenbild Gottes ist und bleibt von Anbeginn der Schöpfung der Mensch als Mann und Frau. Dann kam der Absturz der Menschen im Paradies und die von Gott selbst gesetzte Feindschaft der Frau zur Schlange und die Hoffnung auf einen "Samen der Frau", der dieser Schlange den Kopf zertreten würde. Zugleich hielt man diesen Kommenden für den, der Israel wiederherstellen würde.

      Es ist doch wesentlich näherliegend, diesen "Gesalbten Gottes", diesen Gesandten für das zu halten, wie er sich selbst unentwegt selbst benannte: als "ben adam", als Menschenkind. Aber er war ohne Sünde und daher vollkommenes Ebenbild Gottes, anders als wir anderen.
      Nach Gen 1 sollte ursprünglich jeder Mann und jede Frau den Vater vollkommen abbilden. Der Blick auf jeden sollte zeigen, wer der Vater ist. Das wurde tief verwundet.
      Und damit auch das Gottesbild - wir verstanden unter Gott etwas anderes als das, was er war und ist und immer sein wird. Wir entwickelten Zerrbilder und verehrten am Ende böse Geister als Götter. Wir verzerrten unsere eigene Gestalt und missverstanden, wer wir vor Gott eigentlich sind.

      Jesus bricht wie ein Meteor in diese verzerrte, ver-rückte Welt ein und rückt mit einem Schlage diese Verrücktheit gerade. Und es ist leicht erkennbar. Man sieht es sofort. Einfachste Menschen Israels, Ungebildete und an den rand Gedrängte ebenso wie brave Bürger begreifen es, und nicht nur sie, sondern auch Samariter, Huren und Zöllner: Das ist er, der MENSCHENSOHN, der wie wir alle hätten sein sollen und nicht sind, er ist der, den Gott gesandt hat, damit wir durch ihn sehen, wie Gott ist und erlöst werden aus unserer Ver-rücktheit.
      Das konnte der Hochmut und Stolz der "Lehrer Israels" nicht ertragen. Er hätte sie mit einem Handstreich von ihren hohen Rössern gefegt. Das Volk hing Jesus an und hörte auf sie immer weniger. "Ihr geht selbst nicht ins Himmelreich und lasst auch die nicht hinein, die hinein wollen", sagt Jesus ihnen auf den Kopf zu.

      Er sagt nicht, dass er Gott ist, er sagt, dass er der Weg zum Vater ist. Und das, mit Verlaub, ist etwas erheblich anderes, wenn man präzise und aufrichtig liest.
      Warum hat man nun diese Lehre entwickelt, die den eigentlich für jeden Menschen so erhebenden Sinn wieder eindampft?
      Weil auch die Lehrer der Kirche nicht ertragen konnten, dass nicht sie die Herren sind, sondern der Herr selbst, der von Gott die Vollmacht erhalten hat, uns den Geist des vaters zu schicken, uns, d.h. jedem einzeln und ohne weitere Vermittlung durch die "Lehrer", von denen Jesus ausdrücklich gesagt hatte, dass es sie unter Christen nicht geben darf, weil nur ein einziger Lehrer da ist, nämlich er selbst, der Christus. "ihr aber seid alle Brüder".

      Löschen
    3. Korrektur Anfang letzter Kommentar: es muss heißen "wer ihn sehe, sieht den Vater..."

      Löschen
  4. https://y-jesus.org/german/more/jesus-behauptet-gott-zu-sein/5/

    Warum hat sich Jesus anbeten lassen?

    Es gibt in den hebräischen Schriften nichts Grundlegenderes als die Tatsache, dass Gott allein angebetet werden darf. Folglich lautet das erste der heiligen Zehn Gebote:

    „Du sollst außer mir keine anderen Götter verehren.“ (Exodus 20:3 Hfa)

    Die furchtbarste Sünde, die ein Jude begehen konnte, bestand darin, dass er ein anderes Wesen als Gott anbetete oder sich selbst anbeten ließ. Wenn Jesus also nicht Gott ist, käme es einer Gotteslästerung gleich, würde er sich anbeten lassen. Deshalb sind die Worte seines Jüngers Thomas so wichtig.

    Nach der Auferstehung Jesu erzählten die anderen Jünger Thomas, sie hätten den lebendigen Herrn gesehen. (Johannes 20:24-29). Der skeptische Thomas spottete darüber und meinte, er würde ihnen erst dann glauben, wenn er seine Finger in die Nagelwunden in den Händen Jesu und in seine durchbohrte Seite legen könne.

    Acht Tage später hatten sich die Jünger in einem verschlossenen Raum versammelt, als Jesus plötzlich vor ihnen erschien. Jesus blickte Thomas an und sagte ihm: „Leg deinen Finger auf meine durchbohrten Hände.Gib mir deine Hand und leg sie in die Wunde an meiner Seite.“

    Thomas brauchte keine weiteren Beweise. Er glaubte sofort und rief, an Jesus gewandt, aus:

    „Mein Herr und mein Gott!“

    Thomas hätte ihn einfach auch nur „Herr“ nennen können. Er nannte Jesus aber auch „Gott“ und betete ihn an. Wäre Jesus nicht Gott, hätte er Thomas sicherlich sofort zurechtgewiesen. Statt Thomas aber dafür zu tadeln, dass er ihn als Gott anbetete, lobte Jesus ihn und sagte:

    „Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Wie glücklich können erst die sein, die mich nicht sehen und trotzdem glauben.“

    Jeus ließ sich bei neun dokumentierten Anlässen anbeten. Im Kontext des jüdischen Glaubens bestätigt die Bereitschaft Jesu, sich anbeten zu lassen, seinen Anspruch auf Göttlichkeit. Das verstanden die Jünger aber erst nach der Himmelfahrt Jesu so richtig. Bevor Jesus die Erde verließ, trug er seinen Aposteln auf, neue Jünger „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ zu taufen (Matthäus 28:19), womit er sich selbst und den Heiligen Geist auf eine Stufe mit dem Vater anhob.[12]

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dieses "Mein Herr und mein Gott!" ist ein Ausruf. Wen Thomas damit anspricht, ist nicht eindeutig. Man kann sich diese Situation auch heute noch sprachlich ganz ähnlich vorstellen: Jemand sieht eine Erscheinung oder eine unerwartete Person und ruft "O mein Gott!"
      Damit meint er dann nicht den, den er sieht, sondern den, der es möglich macht, dass er ihn sieht.
      Die Stelle ist jedenfalls uneindeutig und darum kein Beweis.
      Oft wird kolportiert, Thomas sei doch vor Jesus niedergefallen - nur: das ist dazugedichtet iS der Trinitätslehre. Genau das tut er nämlich nicht! Thomas betete ihn definitiv nach der Schrift NICHT an, sondern glaubte nur jetzt, dass er wirklich auferstanden ist.
      Auch lobt Jesus ihn nicht dafür, dass er ihn "anbetete", sondern lediglich dafür, dass er nun glaubt. Bitte nicht das Schriftwort verdrehen!

      Ihre neun "dokumentierten Anlässe" bleiben Sie also auch weiterhin schuldig.

      Löschen
  5. Deuterocanonical References
    in the New Testament

    by James Akin

    I get a lot of requests for a list of the references the New Testament makes to the deuterocanonical books of the Old Testament. Unfortunately, giving a list is not such a simple affair since it is not always obvious whether something is a genuine reference.

    Hebrews 11:35 is an indisputable reference to 2 Maccabees 7, but many are not so clear as there may be only a single phrase that echoes one in a deuterocanonical book (and this may not be obvious in the translation, but only the original languages).

    This is the same with New Testament references to the protocanonical books of the Old Testament. How many New Testament references there are to the Old Testament depends in large measure on what you are going to count as a reference.

    As a result, many scholarly works simply give an enormous catalogue of all proposed references and leave it to the individual interpreter to decide whether a given reference is actual or not.

    I will follow the same procedure until I have time to sit down with the following references, sort through them, and decide which I can prove to be references are to deutercanonical books. If you find any you think are indisputable, email me, as it will help with the project of producing a shorter list of indisputable references.

    The following (huge) list is taken from pp. 800-804 of the Nestle-Aland Greek New Testament, 27th edition (Novum Testamentum: Graece et Latine, published by Deutsche Bibelgesellschaft).

    http://www.cin.org/users/james/files/deutero3.htm

    AntwortenLöschen