Sonntag, 27. Oktober 2013

Franziskus oder Die Welt ist eine Scheibe

Verbiegungen II:

Der Esel mit den drei Ohren

"Wir müssen aus uns herausgehen, um anderen entgegen zu gehen, uns an die Ränder der Existenz zu begeben, als erstes auf unsere Brüder und Schwestern zuzugehen, vor allem die Entfernten und Vergessenen." (domradio am 27.3.2013[1])




Franziskus spricht gerne von „Rändern“. Von „Rändern der Existenz“. Oder dem „Rand eines Gebotes“.
 „Ränder der Existenz“? Kann die „Existenz“ einen Rand oder mehrere „Ränder“ haben? Hat die „Existenz“ eine „Mitte“?
Existenz heißt Dasein.
In der Welt jedenfalls gibt es keine „Ränder“. Nirgends.
Warum? Die Erde ist rund. Nur eine Scheibe hat Ränder…
Gäbe es auf dem Globus „Ränder“, müsste man bestimmen, wo eine Mitte auf der Oberfläche sein kann. Ginge man vom Erdmittelpunkt aus, lebten alle Erdbewohner gleichermaßen auf dem „Rand“.
Man könnte vermuten, dass F. meint, die Mitte sei da, wohin die Aufmerksamkeit gerichtet ist. Die Ränder seien da, wo niemand hinschaut. Das wäre aber genau genommen nicht der Rand der Existenz, sondern der Rand des Fokus, des Brennpunktes, in versuchtem genauerem Deutsch des „Blickwinkels“. Aber wessen Blickwinkel eigentlich? Deiner? Meiner? Und der Blickwinkel worauf?
Wo ist „die“ Mitte „der“ fokussierten Welt?
Vom Blickwinkel welcher Personen und wohin also spricht er? Will er sagen, es gebe einen Mehrheitsblickwinkel? Vielleicht einen rein ökonomischen Fokus? Aber spielt der in der Kirche wirklich eine Rolle? Wenn ja, wo und seit wann? Oder meint er gar nicht die Kirche, sondern die Welt im allgemeinen? Wo und mit welchem Blickwinkel soll sich die Kirche in der Welt – womöglich sogar mit ihr verschmolzen – positionieren?
Hält nicht der stolze Mensch sich selbst stets für den Mittelpunkt der Welt und versucht, sich in seinem „sozialen Segment“ möglichst ins Zentrum der Macht zu rücken – die Strategie dazu sei einmal dahingestellt? Es sei aber nur soviel gesagt: Auch das feige Schweigen ist eine Form der Machtsicherung, und handle es sichdabei auch nur diekleine unbedeutende Macht des zähen Überlebens.
Aber was genau ist dieses „In-der-Mitte-Sein“? Manche halten sich, obwohl sie im Zentrum ihrer persönlichen Wahrnehmung stehen, doch für „Außenseiter in der Gesellschaft“ oder werden dafür gehalten. Oder finden es „schick“, eine „Ausnahmeexistenz“ zu sein. Es ist einfach so schrill und cool, eine „Minderheit“ zu sein, noch dazu, wenn es eine lobbyistisch etablierte Minderheit ist, die damit kokettiert, dass sie vielleicht in Wahrheit gar keine Minderheit, sondern der Normalfall sei. Mir fallen da spontan Personen mit – aus ihrer Sicht – schutzbedürftigen, „abweichenden“ sexuellen Orientierungen ein. Sie werden an den Rand gedrängt, sagt man. Bloß an welchen Rand? Sie stehen immerhin seit Jahrzehnten im Mittelpunkt der politischen und medialen Aufmerksamkeit. Damit meine ich, dass ihre Interessen statistisch überthematisiert werden. Was ihr großes Lebensdrama betrifft, steht allerdings eine handfeste, solide und redliche interdisziplinäre Beschäftigung am Rande der Diskussion über ihre Interessen. Man sollte die Randexistenz solcher Studien in die Mitte wissenschaftlicher, seriöser Forschung ebenso holen wie die Debatte über die „Orientierung“ der Randexistenzen selbst. Wir merken – das mit der Rede vom „Rand“ ist … sagen wir: schwer zu fassen.
Ist das etwa ein „Rand“, wie Franziskus ihn gemeint hat?
Wohl kaum, denn er mag das vernünftige Denken nicht besonders. In seinen Reden steht es grundsätzlich unter Verdacht. Schade. Seine beiden Vorgänger haben das ganz anders gelehrt. Vernünftige Einsicht in Geheimnisse mache immer (!) verrückt, behauptete Franziskus gestern.[2] Ja, was soll man da noch sagen… Ich könnte diesen Satz, der wohl seiner Selbsterfahrung entstammt, weder bei mir selbst noch bei anderen bestätigen. Merkwürdig. Vernünftiges Nachdenken entzaubert sentimentale Mythen, deckt vermeintliche Geheimnisse als Offensichtliches auf und bleibt respektvoll vor dem Göttlichen stehen, das alle Vernunft übersteigt.
Als ob Gott einen haltlosen, beeinflussbaren, auf die Irrationalität eingeschworenen Menschen wollte! Braucht Franziskus solche Menschen?
Ich muss tief durchatmen, denn ist wieder einmal nicht klar, was Franziskus meint, auch wenn es den Schulz-von-Thun-erprobten Zeitgenossen mit ihren großen kommunikationspsychologischen Eselsohren gut „reinläuft“. Der Esel mit den drei Ohren – dem Beziehungsohr, dem Appellohr und dem Selbstoffenbarungsohr. Ein viertes Ohr ist ihm abhanden gekommen, nämlich das Sachinhaltsohr. Es kommt nicht mehr drauf an, was man sagt, sondern wie man’s sagt. Der Ton macht die Musik. Aber welches Musikstück spielt uns Franziskus da vor?
Will man das Liedlein nachsingen, fällt einem nicht mehr ein, was er gerade geträllert hat. Es ist weg, verschwunden.
Denn vor allem anderen ist die Existenz kein Brennpunkt, kein Fokus, sondern das ganze Dasein. Und das Dasein im ganzen hat weder Rand noch Mitte. Es ist ohnehin zweifelhaft, ob die Existenz mit einem geometrischen Körper vergleichbar ist… Die Rede könnte höchstens von „existentiellen Rändern“ sein und dann könnte man klären, welche existierende Sozietät und deren Struktur man konkret meint. Derartige Präzision habe ich jedoch von Franziskus noch nie gehört.
Auf jeden Fall schürt das Reden vom „Aus-sich-Herausgehen an die Ränder der Existenz“, so unverständlich es ist, wenn man präzise und scharf denkt, die dumpfen und aggressiven Instinkte all jener, die nicht vernünftig zu denken gewohnt sind. Mehrere Schuldzuweisungen, die als Lügen angesehen werden müssen angesichts der Überfülle an Gegenbeweisen, werden hier auf Samtpfoten in den Raum gestellt:
a. Die Kirche sei zu sehr bei sich selbst und gehe nicht nach außen
b. Uns werden nicht weiter definierte Menschen, deren Merkmal ist, dass sie an diesem ominösen Rand stehen, als unsere „Brüder und Schwestern“ serviert – nach der Lehre sind jedoch nur unsere Glaubensgeschwister unsere Brüder und Schwestern. Alle anderen sind einfach andere Menschen.
c. Die Kirche kümmere sich nicht um die Armen und Vergessenen. Nichts anderes tut sie seit es sie gibt – aber sie tut es sekundär. Zuerst kommt die Mission als Proselytismus. Die aber lehnt Franziskus bekanntermaßen und ausdrücklich ab. [3]Jesus hat in seinem Missionsauftrag nicht befohlen, Schulen und Krankenhäuser zu bauen und den eigenen Glauben einzureihen in die vielen Glaubenstraditionen der Welt. ER hat befohlen, zu taufen (also „Proselyten zu machen“) und die Getauften zu lehren, das, was ER gelehrt hat, zu halten. Wundersamerweise haben solche Missionare stets auch Schulen und Krankenhäuser gebaut. F. widerspricht also unserem Herrn direkt und dreist.

Warum schürt Franziskus solche dumpfen Instinkte im Zwielicht verzerrender Behauptungen?
Fragen über Fragen. Unbehagen über Unbehagen.
Es hat etwas Demagogisches.

An einer anderen Stelle spricht Franziskus vom „Rand des Gebotes“: „Als ich ein Kind war, betrat man normalerweise nicht das Haus von Geschiedenen, schon gar nicht, wenn sie wieder geheiratet hatten. Heute ruft der Papst selbst diejenigen, die eine neue Bindung eingegangen sind, dazu auf, am kirchlichen Leben teilzunehmen. Er bittet sie zu beten, in den Pfarrgemeinden und bei karitativen Werken mitzuarbeiten. Ihre Taufe wird nicht, weil sie am Rande des Gebots stehen, aufgehoben. Ich gebe zu, dass der Rhythmus vielleicht nicht dem Tempo der gesellschaftlichen Veränderungen entspricht, doch die geistlichen Führer, die auf die Stimme Gottes hören sollen, müssen sich die erforderliche Zeit nehmen, um die Antworten allmählich zu finden.“[4]
Im Klartext: Menschen, die in schwerer Sünde leben, „stehen (…) am Rande des Gebotes“. Meint Bergoglio im Widerspruch zur Lehre der Kirche.
Ist ein göttliches Gebot auch eine Scheibe mit Mittelpunkt und Rändern? Im Mittelpunkt steht der, der das Gebot hält und am Rand der, der es nicht hält? Aber halten tun sie alle das Gebot, nur eben mehr oder weniger?
Welch ein absurdes Bild! Entweder ich halte ein Gebot oder ich breche es.
Lebe ich im Ehebruch oder nicht? Ja oder Nein? Oder begehe ich vielleicht ein bisschen Ehebruch? Oder bin ich gar nicht sicher, ob ich noch in meiner Ehe ohne Ehebruch lebe, auch wenn ich mit niemandem anderen schlafe?
Welch ein verwirrtes Denken spiegelt sich hier wider!
Das Kennzeichen einer schweren Sünde ist, dass sie immer von Gott trennt – auch dann, wenn man dem Sünder viel zugute halten mag, etwa mildernde Umstände. Aber nichts auf der Welt kann einen Glaubensabfall, einen Mord oder einen Ehebruch in seiner Schwere abmildern.
Wie kann ein Bischof im Ernst davon sprechen, ein Ehebrecher lebe am „Rande des Gebotes“?
Jahrtausendelang war eine gültige Ehe durch zwei Dinge gekennzeichnet: durch die Willenserklärung, die formelle und freiwillige Eheschließung und durch den Vollzug der Sexualität. Alles andere zählte nicht als spezifisches Merkmal einer Ehe. Eine Ehe galt dann als gebrochen, wenn man mit einem anderen Menschen als dem Ehepartner sexuell verkehrt. Die Angelegenheit war einfach. Und sie bedarf dieser Einfachheit, um die Menschen nicht verrückt zu machen.
Nach dem Vaticanum II. schwadronierte man auch in der Kirche – wie die säkulare Welt – von der Liebe, die alleine eine Ehe begründe. In der Welt wurde es üblich, im Verlust der „Liebe“ einen legitimen Scheidungsgrund zu sehen. Große Teile der Kirche folgten dem romantischen Modell und berieten die Gläubigen so, als sei die „bräutliche Liebe“ der erste Ehezweck. Die Kirche hat jedoch die Liebe in allen Beziehungen zwischen Christen stets vorausgesetzt – keineswegs nur in der Ehe. Eine Ehe entsprang einem nüchternen Entschluss und dem Ja zur Berufung, eine Familie zu gründen. Die Sexualität wurde niemals als Selbstzweck oder gar als Weg zur besonderen Begegnung angesehen. Weil sich zwei Menschen auch leiblich sehr nahe kommen, wächst die Verantwortung gegenüber diesem Menschen. Das ist aber kein Zeichen einer größeren Liebe.
Um Ehebrüche zu rechtfertigen, werden heute mannigfache Zweifel an einem bei der Eheschließung „echten“ Ehewillen ins Feld geführt.[5] Andersherum wird den Menschen nicht klar gemacht, dass beispielsweise ein Zusammenhausen ohne Trauschein keineswegs eine Ehe ist, denn es fehlt der Ehewille. Wäre er vorhanden, hätten die Betroffenen eine Ehe geschlossen. Wenn sie aber keine Ehe geschlossen haben, sind sie auch nicht verheiratet. Selbst wenn in einer solchen Verbindung Kinder gezeugt und geboren werden handelt es sich nicht um eine Ehe. Die Frage, ob die Betroffenen sich lieben, ist hinsichtlich der Frage, ob es sich hier um eine Ehe handelt, ebenfalls unerheblich. Jahrtausendelang hat niemand einer solchen Lebensweise die Würde einer Ehe zuerkannt. Denn die Würde der Ehe - wie gesagt – liegt wesentlich darin, dass ein Partner dem anderen willentlich und öffentlich in Form eines Rechtsvertrages den Status des Gemahls verleiht. Das ist eine ganz andere Sache und lässt auch heute noch, trotz der verworrenen und verdunkelten Denkweise, spüren, dass die Liebe und der Respekt voreinander vor allem darin zum Ausdruck kommt, dass man sich dem objektiven Recht stellt.
Die Rede vom „Leben am Rande des Gebotes“ entspringt dieser verworrenen und verfinsterten Denkweise, in der alles vermischt und verwischt worden ist. In der innerkirchlichen Debatte wird häufig behauptet, nach einer katastrophalen ersten Ehe sei es oft sinnvoller und besser, geordnet und gewissermaßen geläutert in einer Zweitehe zu leben. Man könne solche Verhältnisse doch nicht als objektive Unordnung bezeichnen. Die Betroffenen sind also insofern „am Rand“ der idealen christlichen Verhältnisse, aber doch nicht außerhalb dieser Ordnungen…. In einer subjektiven Deutung mag sich dies so ansehen. Aber objektiv leben sie ungeordnet. Sie haben einem Ehepartner in einer kirchlichen Eheschließung das Sakrament der Ehe gespendet und dies auch gewollt. Selbst das säkulare Recht zieht die Betroffenen hier vor allem in materieller Hinsicht noch zur Verantwortung. Die christliche Ehe ist jedoch nicht eine Einrichtung vom Menschen für den Menschen, sondern von Gott für Gott. ER stiftet die Ehe zwischen zwei Menschen. Der Mensch lebt die Ehe nicht für sich selbst und seine Befriedigung, sondern für Gott und dessen Schöpferwillen. Ebenso wie andere ein zölibatäres Leben nicht um ihrer selbst willen, sondern für Gott leben. In der Ehe sollen neue Menschen ins Leben gerufen und aufgezogen werden. Die Treue zum Ehegatten ist Ausdruck der Treue zu Gott. Zerbricht die gute Beziehung zum Ehegatten, ändert das nichts daran, dass er der Ehemann, die Ehefrau ist. In einer zerbrechenden Ehe wird der Schmerz Gottes erfahrbar, wenn wir von IHM abfallen. Gott kündigt seine unwiderrufliche Bindung an uns deswegen nicht auf. Aber es ist eindeutige Aussage der Heiligen Schrift und der Dogmen, dass derjenige, der im Abfall bleibt, verloren ist. Gott verzeiht zwar jedem bei der Umkehr und nimmt ihn in Ehren wieder auf. Aber ohne diesen Akt der Rückkehr geht der Mensch den selbstgewählten Weg in die Hölle. Die Aufgabe eines Menschen in einer anstrengenden oder belasteten Ehe ist nach katholischer Auffassung die, dieses Zeichen des Schmerzes Gottes zu leben und dem Partner, vor allem aber IHM treu zu bleiben. Mir ist klar, dass das heute unverständlich klingt. Es war aber Lehre der Kirche von Anfang an. Es wäre an der Zeit, die Brisanz dieser Lehre zu meditieren: nein, ER sagt nicht „Schwamm drüber“ und zelebriert nach all dem Leid auf Erden eine undifferenzierte Allversöhnung!
Andererseits sind im Christentum der Liebe – im Gegensatz zur Sexualität - keinerlei Grenzen gesetzt. Jeder ist dazu berufen, zu lieben. Vor allem Gott und daraus abgeleitet den Nächsten.
Die Rede vom ehebrecherischen „Stehen am Rande des Gebotes“ widerspricht fundamental dem katholischen Verständnis der Ehe. Es wundert daher nicht, dass Bergoglio etwas später hinsichtlich der liberaleren Umgangsweise mit wiederverheiratet Geschiedenen in der Kirche sagt: „Ich gebe zu, dass der Rhythmus vielleicht nicht dem Tempo der gesellschaftlichen Veränderungen entspricht, doch die geistlichen Führer, die auf die Stimme Gottes hören sollen, müssen sich die erforderliche Zeit nehmen, um die Antworten allmählich zu finden.“ Das klingt so, als halte er eine weitere Liberalisierung für offen.
Das Gebot also hat zwar eine Mitte, kann sich aber an den Rändern soweit ausdehnen, dass auch Ehebruch in vielen Formen immer noch als ein „Halten des Gebotes“ rechtfertigt werden kann.

Bergoglios Scheiben-Metaphorik ist Zeichen einer subjektivistischen Auffassung der Religion. Dazu passt sein Misstrauen gegenüber der Vernunft. Er sagt heute dies und morgen das. Manches klingt superfromm und manches fast agnostisch. Jeden Tag etwas Neues. Ich möchte nicht den Teufel an die Wand malen – aber diese Methode gehört zum uralten propagandistischen Handwerkszeug der Verführer und Tyrannen. Mit derselben Masche konnten die Nationalsozialisten die unterschiedlichsten Gruppierungen an sich binden. Die Nazis sprachen anfangs in vielen Zungen und jeder hörte, was er hören wollte. Pietisten hofften auf eine Instandsetzung der "positiven" protestantischen Theologie, Monarchisten auf die Abschaffung der Demokratie, Deutschnationale auf die Abwehr der Sozialdemokratie, Nationalisten auf eine antisemitische Politik, wirtschaftlich Gedemütigte auf die Rehabilitation Deutschlands und den Abwurf des "Schanddiktats" von Versailles, mancher Kleinbügrer auf ein nicht-marxistisches Durchgreifen gegenüber den Reichen, Industrialisierungsgegner und Romantiker auf eine Wiederbelebung des Handwerks etc. etc. Das Stimmengewirr verlor seine Mehrdeutigkeit aber, sobald die Macht gesichert war. Wir wissen alle, wie es weiterging. Und wir kennen diese Strategien im Kleinen. Wie viele von uns mussten schon erleben, wie auf diese Weise ganze Betriebe und Unternehmen, Vereine und Institutionen erst schleichend, dann brutal und unter permanentem Rechtsbruch zerstört und sämtliche Mahner weggemobbt wurden? 
Soll es in der Kirche, in der Kirche eine weltweite Verfolgung der Traditionsverbundenen geben?
Bekannt ist auch die Masche, all jene, die auf das objektive und präzise geltende Recht hinweisen, als „Legalisten“ zu beschimpfen, wie es Franziskus ungehemmt tut. Es ist jedes Mal wieder ein negatives Wunder, wie ein Großteil der Menschen solchen Charakteren verfällt und nach getaner Zerstörung von allem nichts bemerkt haben will.
Ja, die Erde ist aus dieser Sicht eine Scheibe mit Rändern. Es gibt nur noch zwei Dimensionen. Ist die Horizontalität diePosition der Feigheit und mangelnden Aufrichtigkeit?
Es ist gut, dass ER das alles richten wird.
ER ist „aufgefahren in den Himmel“ bekennen wir immer noch, und „von dort wird ER kommen, zu richten die Lebenden und die Toten“. Vertikal, es gibt Oben und Unten.
Während die Neue Kirche das Reich Gottes ausschließlich auf der scheibenförmigen Erde verwirklicht wissen will und sich selbst im permanenten Fortschritt („semper reformanda“) die Absolution für alles erteilen will, was ihr gerade opportun erscheint vor der Welt, glaubt(e) die wahre Kirche, die auf Jesus zurückgeht, an eine vertikale Anordnung. Es gibt den Himmel, die Erde und den Abgrund, die Hölle. Zahllose Heilige der Vergangenheit haben den Himmel offenstehen sehen (wie der Hl. Stephanus, der Hl. Paulus). Ebenso häufig hatten begnadete Heilige Höllenvisionen, die ihnen die Brisanz der notwendigen Bekehrung für jede Seele vor Augen führten (wie die Hl. Theresa von Jesus, Don Bosco, die drei Seherkinder in Fatima oder die Hl. Faustyna Kowalska). Es ist abwegig, all das nach 1900 Jahren selbstverständlicher Existenz im Glaubensgut als „zeitbedingt“ abzuschmettern.
Was ER von Anfang an gesagt hat, gilt in Ewigkeit und ist weder zweideutig noch zeitbedingt.
Zweideutig ist vielmehr unser falsches Herz, zeitverhaftet unser verdorbener Sinn.
Welche Beleidigung des Höchsten, diese sündhaften Wesenszüge auf IHN und den wahren Glauben zu projizieren! 


Unser Leben ist kurz. Wir alle müssen davon. Jeder wird vor IHM stehen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel verlangt. Auf wen wird das mehr zutreffen als auf Bischöfe und Päpste?
Relevant ist allein, was unser Herr von jedem von uns persönlich gewollt hat, was wir getan haben und wie er uns am Ende beurteilen wird.
Was wird sein, wenn wir sagen müssten:
„Beladen und tief gebeugt vom Ballast unserer Zeit und unserem Eigenwillen krochen wir auf der Erde und sanken immer tiefer in sie ein, bis sie uns fraß.
Die Tage sind um. Wir haben sie vertan. Begraben sind wir unter unserer Zeit“


Artikel erschien auch auf Katholisches.info

[2] http://www.kath.net/news/43370
[3] Interview von Eugenio Scalfari mit Franziskus, veröffentlicht in La Repubblica am 2. Oktober 2013
[4] Bergoglio/Skorka: Über Himmel und Erde – als E-Book, daher leider keine Seitenzahlen möglich, Kapitel 4 Über die Religionen
[5] Schockenhoff Eberhard: Kirche als Versöhnungsgemeinschaft. Herder Korrespondenz Sonderdruck 4/2012

Kommentare:

  1. Durchdachte Gedanken sind in diesen Tagen schon selten. Wir werden eher abgespeist mit Floskeln und Parolen; ach ja, auch mit frommen Allerweltsweisheiten. Für Ihre ausführliche Arbeit danke ich Ihnen; und für Ihren erhellenden Schreibstil. - Vergelts Gott!

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  2. Wenn du eine vernünftige Übersetzung der Papstworte zur Hand hättest, würde das Scheibenargument allerdings nicht ziehen. In dem Gespräch mit R. Skorka sagte Bergoglio in vernünftigem Deutsch Folgendes:

    "Vom ererbten Glauben her Antworten auf die neuen Fragen von heute zu geben, braucht Zeit; das gilt umso mehr, wenn sie Gewissensthemen betreffen. Als ich klein war, wurde das Haus einer Familie mit Geschiedenen im Normalfall nicht betreten, schon gar nicht, wenn der Betreffende erneut geheiratet hatte. Heute ruft selbst der Papst diejenigen, die in einer neuen Verbindung leben, dazu auf, am Leben der Kirche teilzunehmen. Er bittet sie zu beten, in den Pfarrgemeinden mitzuarbeiten und sich an karitativen Werken zu beteiligen. Durch die Tatsache, dass sie sich von einem Gebot entfernt haben, wird ihre Taufe nicht ausgelöscht.
    Ich gebe zu, dass das Tempo mit der Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Veränderungen nicht mithalten kann. Aber die heiligen Führer, also diejenigen, die die Stimme Gottes suchen, müssen sich die notwendige Zeit nehmen, um nach und nach die Antworten zu finden. Auch besteht die Gefahr der Vermischung mit anderen Interessen ökonomischer, kultureller oder geopolitischer Art. Man muss das zu unterscheiden wissen."

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  3. Schön - nur macht es diese Übersetzung auch nicht besser, weil sie sinngemäß dasselbe sagt. Wie "entfernt man sich von einem Gebot"?
    Entweder man hält es oder eben nicht - und dass Franziskus hier eine Suggestion aufbaut, man könne Gebote "teilweise halten", sich ihnen nähern oder von ihnen entfernen, - das wollte ich sagen. Lesen Se das noch mal genau! Ich habe F. auch nach Ihrer Übersetzung schon recht verstanden...
    Ehebruch ist jedoch etwas Konkretes, das man begangen hat oder eben nicht.

    Es ist schon ein Problem, dass die vielen unklaren und unsinnigen Äußerungen dieses Papstes von verschiedenen wohlmeindenden Leuten um jeden Preis als "falsche Übersetzungen", als Sätze, die er nicht überpüfen konnte etc. dargestellt werden, um ihn zu retten oder zu verteidigen. Das ist jedoch spekulativ, denn Franziskus lässt ja alles so stehen und hat noch nicht einmal Einspruch eingelegt.
    Benedikt z.B. hat das in solchen Fällen - wenn etwas missverständlich oder in den Medien verzerrt dargestellt wurde - gemacht.
    Also muss man davon ausgehen, dass F. das, was von ihm gedruckt wird, auch so gesagt und vor allem geschrieben hat.
    Tut mir leid - es hilft alles nix!
    Und bitte: bleiben wir beim Sie - ich kenne Sie nicht!

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  4. Nein, ich wollte die Äußerung des Papstes nicht vor Ihren Argumenten retten, mir war schon klar, dass Sie ihn auch so nicht verstehen wollen oder können. Nur das Bild mit den Rändern und der Scheibe hätte eben nicht funktioniert und Sie hätten nicht die falsche Behauptung aufgestellt, der Papst hätte gesagt, man könne Gebote "teilweise halten". Der Ausdruck "al margen de" heißt im Spanischen nicht "am Rand" von etwas stehen, sondern abseits stehen. Wer abseits einer Norm steht, ist außerhalb, hält sich nicht daran, auch nicht teilweise.

    Ich persönlich halte die Äußerungen des Papstes nicht für unsinnig oder schwer verständlich, das mag u.U. mit daran liegen, dass wir dieselbe Muttersprache haben, aber ich glaube nicht, dass das das Entscheidende ist. Ich versuche deshalb meist auch gar nicht, irgendwelche angeblichen Missverständnisse oder Widersprüche aufzuklären oder auszuräumen (nur bei diesem falsch übersetzten Zitat konnte ich nicht widerstehen). In der Regel verstehen ihn glaube ich auch seine Kritiker im Grunde ganz gut, nur wollen sie nicht wahrhaben, dass daran nichts Unkatholisches ist, und konstruieren dann irgendwelche "Missverständnisse". Auf keinen Fall trifft zu, was Sie geschrieben haben: "Er sagt heute dies und morgen das." Das ist Unsinn, Bergoglio ist in seinen Äußerungen sehr repetitiv und berechenbar, geradezu langweilig, und wiederholt sehr häufig dieselben Gedanken mit kleinen Variationen. Nur schmecken diese Gedanken eben nicht jedem.

    Leute, die nur ihre immer gegen die böse Welt ankämpfen und das für katholisch halten, begreifen das vielleicht nicht, oder es ist ihnen zuwider. Es ist ja auch tatsächlich so, dass viele maßgebliche Katholiken der vergangenen hundert Jahre Reaktionäre waren, da kann man leicht auf den Gedanken kommen, das müsste so sein. Muss es aber nicht.

    Was manchem widersprüchlich erscheinen mag, ist wohl vor allem, dass Papst Franz gleichzeitig weltoffen und fromm ist, keine grundsätzlichen Berührungsängste mit Abweichlern hat und ein im Kern optimistisches Menschenbild vertritt (auch wenn er oft vom Teufel redet, aber der verführt die Menschen seiner Ansicht nach eben gerade zu diesem destruktiven und ausgrenzenden Pessimismus, den Sie vertreten und für grundkatholisch halten). Er ist dem "anderen", dem "Fremden" gegenüber aufgeschlossen, und zwar ganz bewusst, weil eben dies der Kern der Jesusnachfolge und des christlichen Gottesbildes ist: Auf den anderen zugehen, bis es weh tut. Verständnis des anderen bis zum Geht-Nicht-Mehr. Auch bei Ignatius findet man das. Nur so lassen sich Seelen gewinnen und bekehren. Das ist auch die wichtigste spirituelle Verbindung zwischen Franziskus (dem Hl.) und Papst Franziskus: Den anderen durch das eigene Bsp. und schier unendliches Auf-ihn-Zugehen solange provozieren, bis die Güte auch aus dem härtesten Herzen herausbricht.
    Das funktioniert natürlich nicht immer (weil der Teufel dazwischenfunkt), aber es ist der einzige Weg zur Erlösung. Alle Gebote laufen genau darauf hinaus (wie Jesus in seiner singulären Formulierung des Doppelgebots deutlich macht und es in seinem Erlösungswerk selbst vollbringt). Nur wer sich in dieser Weise für das Gegenüber öffnet, kann an diesem Erlösungswerk Anteil haben.

    Die Tragik liegt dann darin, dass ausgerechnet die besonders Frommen bei dieser Aufgabe versagen und verschlossen bleiben, weil sie denken, sie wüssten besser, was Gott von den Menschen will. Wie sagte Gertrud von Le Fort: "Es sind nicht die Gottlosen, es sind die Frommen seiner Zeit gewesen, die Christus ans Kreuz schlugen."

    Leute, die immer nur gegen die bösen anderen und die verdorbene Welt ankämpfen wollen und das für katholisch halten, begreifen das vielleicht nicht, oder es ist ihnen zuwider. Es ist ja auch tatsächlich so, dass viele maßgebliche Katholiken der vergangenen hundert Jahre Reaktionäre waren, da kann man leicht auf den Gedanken kommen, das müsste so sein. Muss es aber nicht.

    (Forts. folgt)

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  5. (Forts. wg. Überlänge)

    Es ist im Wesentlichen ein falsches Gottesbild, das zu dieser Verschlossenheit des Herzens verführt. Ein exklusivistischer Kulturpessimismus verträgt sich nicht mit der Inkarnation und ist im Grunde heidnisch, vorchristlich. Wer sich auf das Abenteuer der Nachfolge nicht einlässt und sich von seiner eigenen egoistischen Heilsangst getrieben einen übersichtlichen Raum aus klaren Geboten zurechtzimmert, die ihm selbst die Erlösung ermöglichen sollen, während er den Mitmenschen sogar die Anrede als Bruder oder Schwester verweigert, scheitert an seiner eigenen Engstirnigkeit.
    Wer gerettet wird und wer nicht, ist klar und unmissverständlich geregelt: Derjenige, der dem anderen vergibt, dem wird auch selbst vergeben. So wie man die anderen beurteilt, wird man auch selbst gerichtet. Das ist im Prinzip alles, was man wissen muss.

    All das gilt in Ewigkeit und ist weder zweideutig noch zeitbedingt. Die Angstmache vor dem "Zeitgeist" ist ein Irrtum, es gab auch früher, zu allen Zeiten, gütige Menschen, die auf das Wesentliche schauten, und verschlossene, hartherzige oder verblendete Menschen, die ihr Heil in der Erfüllung von Regelwerken suchten.

    Sie werden mir jetzt vielleicht alles mögliche an den Kopf werfen oder mich für nicht katholisch erklären (was vergeblich wäre, denn ich gehöre nicht zu denen, die vor sich hin fabulieren und den Glauben nicht kennen) oder irgendetwas anderes dagegen sagen, aber ich denke, Sie haben mich gut verstanden. Und wenn Sie mich verstanden haben, haben Sie auch Papst Franziskus verstanden, denn er sagt im Prinzip dasselbe und denkt sehr ähnlich. Sie können also fürderhin nicht mehr sagen, der Papst rede Unsinn und Sie könnten ihn nicht verstehen.

    Selbstverständlich brauchen Sie diesen überlangen Kommentar (sorry, ich konnte nicht aufhören) auch nicht zu veröffentlichen, er ist in erster Linie für Sie persönlich gedacht. Aber ich habe natürlich auch nichts dagegen, wenn er hier erscheint.

    Liebe Hanna Jüngling, Gott befohlen und schönen Gruß nach Baden!

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  6. Es ehrt Sie, dass Sie den Papst verstehen wollen.
    Es spricht aber gegen Sie, dass Sie meinen triftigen Gründen, ihn zu kritisieren, böse Absicht ("mir war schon klar, dass Sie ihn auch so nicht verstehen wollen oder können") unterstellen und natürlich im Rundumschlag auch gleich noch Gottverschlossenheit .
    das ist ein gutes Beispiel für den Diskussionsstil aufseiten der "Papstversteher".

    Was Sie aufführen, ergeht sich in Allgemeinheiten und Unterstellungen, die Sie nicht beweisen können, sondern aus einem Eindruck, den Sie von mir haben, ableiten. Dieser Eindruck liegt aber in Ihrem Herzen, nicht in meinem. Prüfen Sie sich selbst und fragen Sie sich, woher Sie sich soviel Einblick in meinen Glauben und meine Beziehung zu IHM anmaßen können? Ihre verkürzte Lehre entspricht eben nicht der Lehre der Kirche. Eine Gewichtung, was von der Lehre am wichtigsten ist und was nicht, ist unerheblich, weil das weder Sie noch ich zu bestimmen haben...
    Auch ist es nicht meine Sache, Fremden ihre Sünden zu vergeben. Das kann nur ein Priester. Ich kann nur denen vergeben, die meine Schuldiger sind ("debitoribus nostris"). Im übrigen hat Jesus vergeben und aufgefordert, ab jetzt die Sünde zu unterlassen. So ist auch jede Beichte aufgebaut... Lesen Sie doch einfach mal im Katechismus.

    Auf kath.info, wo dieser Artikel auch erschien, habe ich einer anderen "Papstversteherin" folgendes geantwortet. Das gilt teilweise auch Ihrer Sprachakrobatik - daher setze ich es hier auch ein: (s.u.)

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    1. Nein, ich werfe Ihnen keine „böse Absicht“ vor, wohl aber überkritische Voreingenommenheit. Ich gehöre ich auch nicht zu den „Papstverstehern“, die irgendwelche „missverständlichen“ Aussagen des Papstes „retten“ oder „klarstellen“ wollen. Wie ich eigtl. schon gesagt hatte, halte ich die Aussagen des Papstes überhaupt nicht für missverständlich, sondern ich finde, man kann ihn sehr gut verstehen und er wird im Allg. auch richtig verstanden. Das beweisen ja auch Ihre Analysen. Was der Papst sagen will, erkennen ja auch Sie weitestgehend ohne Probleme. Er sagt in den meisten Fällen genau das, was Sie denken, dass er sagt. Ihr Fehler liegt halt nur darin, dass Sie das alles für „unvernünftig“ und nicht mehr richtig katholisch halten und seine Aussagen so uminterpretieren, dass sich irgendwelche vordergründigen Gegensätze zur kath. Lehre ergeben, die in Wirklichkeit gar nicht vorhanden sind.

      Wo der Schlüssel zu Ihren falschen Interpretationen liegt, habe ich Ihnen ja versucht klarzumachen: nicht „böse Absicht“ (dann bräuchte ich nicht mit Ihnen zu reden), sondern ein vorchristliches Gottesbild und eine im Kern selbstsüchtige Angst vor der Hölle, die Ihr Herz gegenüber Gott und den Mitmenschen verschließt. Wer sein Leben retten will und die Religion dazu missbraucht, für sich selbst eine persönliche Heilslehre zu konstruieren (und sich die dann auch noch als „sachlich“ oder objektiv wahr einredet), wird es verlieren. Wer sein Leben (und das meint das ganze Leben, nicht nur die irdische Existenz) um Jesu willen verschenkt, wird auch selbst in Ewigkeit beschenkt. So einfach ist das. Sich verschenken ist gut, andere ausgrenzen ist des Teufels. Das aber bedeutet radikale Offenheit für den anderen. Nix mit „Brüder sind aber nur die, die anderen nicht“, o.Ä. Damit haben Sie schon verloren. Der andere ist mir immer der Nächste, sei er nun Samaritaner oder Mohammedaner oder Traditionalist. Deshalb sagt der Papst, die Kirche muss aufbrechen „zu den Rändern“.

      Was die Geschichte mit der Übersetzung betrifft, haben Sie natürlich ganz recht; es ist eigtl. nebensächlich und ändert an der Aussage des Papstes im Grunde nichts. Was ich Ihnen ankreide, ist eben nur, dass Sie in eine so allgemeinverständliche und glasklare Aussage wie die zitierte des Papstes irgendwelche spitzfindigen Widersprüche hineininterpretieren und dann behaupten, der Papst rede unsinniges Zeug. Die Aussage, dass jemand, der eine Norm nicht oder nicht voll erfüllt (sich von der Vorschrift entfernt, abseits der Norm lebt oder von mir aus – was wie gesagt schlecht übersetzt ist – am „Rand des Gebotes“ steht), nicht von Gott verlassen ist, sondern barmherzig beurteilt wird (wie gesagt: Wer vergibt, dem wird vergeben; wer nicht vergibt usw.), ist überhaupt nicht schwer verständlich oder wirr, sondern genau im Sinne des Evangeliums. Nicht in äußerlicher Gesetzesobservanz liegt das Heil, sondern in innerlicher Reinheit des Herzens und Offenheit für Gott. Ganz leicht zu verstehen, wenn man nur will.

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    2. Langer Rede kurzer Sinn: Sie unterstellen mir, dass ich alles falsch verstehe - ich und viele andere übrigens, z.T. kluge Leute... Von welchem "vorchristlichen Gottesbild" sprchen Sie denn? Mein Gottesbild soll den Dogmen entsprechen (sehen Sie sich das einfach mal an, es gibt einen ganze Reihe von unverrückbaren Dogmane über Gott, die Trinität und Jesus. Es lohnt sich, die eigenen Argumente am vorhandenen Glaubensgut zu schärfen.
      Sie argumentieren nicht ad rem, haben zu den präzisen Sachen nichts zu sagen und werden stattdessen persönlich, ad personam ...
      Vergeben ist nach der Lehre etwas nur dann, wenn es bereut, gebeichtet, absolviert und anschließend auch gemieden wurde.
      Um es kurz zu machen: Sie kennen offenbar die einfachsten Normen der Kirche nicht. Das verzeihe ich Ihnen gerne - aber bitte plustern Sie sich dann nicht so auf und unterstellen mir, ich hätte mir etwas gebastelt. Nach wie vor sind Sie objektiv unwissend und dabei unglaublich anmaßend und beurteilen noch dazu mein Herz, was Ihnen nicht zusteht. Und noch mal: nicht Sie sind im Stande, dort barmherzig zu sein, wo ein Sünder Gott fortgesetzt beleidigt. Das geht uns gar nichts an. Allerdings verletzt er auf der objektiven Ebene Gott.

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  7. Was die Frage des Ehebruchs betrifft, sind das keine Pressemeldungen, sondern die Zitate stammen aus einem seiner Bücher (s.o.).
    Nun hat mir zwar ein gewisser Jorge auf meinem Blog mitgeteilt, dass die Wendung "am Rande des Gebotes" leben, nicht korrekt übersetzt sei. Erst übersetzte er selbst dann "sich vom Gebot entfernt haben". Als ich ihn darauf hinwies, dass dies die Sache aber vom Sinn her nicht besser mache, zitierte er die spanische Wendung direkt ("al margen de"), und die heiße "abseits stehen".
    Nun gut, ich habe die deutsche Übersetzung des Buches gelesen, von der ich annehmen darf, dass sie autorisiert ist.
    Ich habe natürlich die fragliche Wendung im Pons nachgeschaut: "estar al margen de la sociedad" steht da und es heißt im Pons auf Deutsch „am Rande der Gesellschaft stehen“.
    Tja, lieber Jorge, es hilft alles nichts – ich habe F. schon richtig verstanden und er wurde auch richtig übersetzt. Zumal die Folgesätze ja auch schlüssig aus dieser Übersetzung hervorgehen.
    Es hat schon etwas Verrücktes, dass F. permanent Dinge sagt, die nicht nur missverständlich, sondern eben auch im Gegensatz zur Lehre der Kirche stehen (und die ist eindeutig und fest, nichts, was ständig diskutiert werden könnte) und einige Gläubige nicht in der Lage sind, dies als Tatsache hinzunehmen. Alles wird beschönigt, als „falsche Übersetzung“, als etwas, was man dem armen Papst „untergeschoben“, „verzerrt dargestellt“ oder „verkürzt“ habe.
    Wenn so etwas einmal vorkommt – gut, Schwamm drüber!
    Aber wir müssen seit dem 13. März 2013 täglich „Richtigstellungen aus unberufenem Mund hören.
    Denn eines ist auch klar: F. selbst stellt gar nichts klar! Und das ist eine deutliche Geste. Er hat weder eine Anna, noch einen Jorge, noch einen Frischen Wind, noch eine Frau Lorleberg oder einen Herrn Schwibach beauftragt, seine grauenvollen Aussagen zu „korrigieren“.
    F. sagt, was er sagt, schreibt, was er schreibt, tut, was er tut. Und es ist inkonsistent und teilweise falsch. Punkt. Das muss man sagen dürfen. Ich mache nichts weiter, als diesen Mann ganz ernst und beim Wort zu nehmen.
    Sie dagegen und das ganze Heer der Papstversteher – ganz übel auch auf „Zenit“ – unterstellen F. „bereinigte“ Meinungen, die er aber eben so weder gesagt noch nachträglich im Sinne der Papstversteher korrigiert hätte.

    Ich kann nur jedem raten, endlich anzufangen, die Sachbotschaften aufzunehmen und nicht in die Papstworte etwas hineinzulegen, was er weder wörtlich noch sinngemäß gesagt hat.
    …Und glaubt mir alle – ich hätte auch lieber einen Papst, der glaubentreu und vernünftig argumentiert… ______________

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    1. Ich hoffe zwar immer noch., dass wir den Papst nur falsch verstehen, aber ich denke das tun wir nicht, er hat keine zugrundeliegende Hermeneutik , außer der,. dass die Menschen ja gut sind, und Gott auch und wenn man von so wenig merkt liegt es an den Rosenkranzzählern und Oberklassewagen fahrenden Reichen, wobei ja natürlich jeder der nicht arm ist per se böse ist und die Armen, egal wie böse sie sind per se die Guten sind.
      Das sind ja alles Irrtümer die die Söhne und Töchter der gehobenen Mittelschicht und auch der unteren Oberschicht in den Zeiten nach '68 "verbraten" haben, aber das ist a) lange her und der Papst ist kein pubertierender Jugendlicher mehr udn b) sollte man doch erwarten, das der Kontakt mit der Realität, von der es ja immer heißt das der Kardinal Bergoglio die habe, doch einige Vorurteile und naiven Sichtweisen geradegerückt haben.

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  8. Wir können es auch sehr gern anhand dieses Beispiels mit der Ehescheidung durchbuchstabieren. Jesus stößt die frommen Mitjuden vor den Kopf, indem er ihnen rundheraus verbietet, ihre Frau zu verstoßen. Das war ziemlich unerhört. Nicht wenige, gerade gesetzeskundige Männer werden gesagt oder gedacht haben: Der redet wirres Zeug und hat keine Ahnung von Gesetz und Tradition. Man dachte also genau so über Jesus, wie Sie heute über den Papst denken. Immerhin schien die Gesetzeslage klar: Scheidung war nach der damaligen Interpretation des mosaischen Gesetzes vollkommen legitim und dem Mann aus jedwedem Grund gestattet. Wenn Jesus etwas anderes sagt und Scheidung dann auch noch mit Ehebruch gleichsetzt, also einem ganz schlimmen Verstoß gegen die 10 Gebote, muss er irgendetwas falsch verstanden haben. Hatte er aber nicht. Er verbot die Ehescheidung, weil er diese Praxis, seine Frau einfach wegzuschicken, weil man keinen Bock mehr auf sie hat, als „hartherzig“ erkannte, nicht im Sinne Gottes, seines Vaters, des guten Schöpfers.

    Genau dasselbe passiert heute. Der Papst (u.v.a.) erkennt die Gesetzeslage, wonach Geschiedene, die nicht enthaltsam leben können, unbarmherzig verstoßen werden müssen, weil sie angeblich „dauerhaft“ gegen ein Gebot verstoßen, selbst wenn sie gar nichts dafür können oder ihre Schuld am Scheitern ihrer Ehe durchaus bereuen, dieses aber nicht rückgängig machen können, als „hartherzig“ und nicht im Sinne Jesu. Das ist ziemlich unerhört und stößt manche Gesetzeskundige vor den Kopf. Andere aber, die vllt. nicht so sehr auf die Logik des Gesetzes schauen, sondern auf die Logik der Vergebung, die dem Evangelium zufolge der Schlüssel zum Heil ist, finden es durchaus einleuchtend, solche „hartherzigen“ Praktiken zu lockern.

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    1. Ja, das ist blanker Unsinn! So können Sie als Nicht-Katholik argumentieren.
      Ein Katholik hält sich an das Verbot Jesu zur Ehescheidung. Ich habe zu dem Thema einiges geschrieben, was ich hier auf die Schnelle nicht einfügen kann. Vor allem in meiner Streitschrift "Schloss Mondésir" - hier auf dem Blo Leseprobe. Zu diesem Behufe könnten Sie auch mal einen Blick in die Evangelien tun. Jesu Aussage dazu ist so eindeutig, dass es einem Sakrileg gleichkäme, sie wieder einem Rückfall ins Vorchristliche auszuliefern.
      Jesus hat übrigens nicht einfach ein Gesetz aufgestellt, sondern eine Freidensordnung eingeschärft.
      Es ist zum Thema Ehe viel geschrieben worden. Sie können die Enzykliken von JPII, aber auch Paul VI. und Pius XI. dazu lesen und noch ältere Texte. Selbst die Konzilstexte des Vat. II sprechen eine andere Sprache, als das, was Sie hier proklamieren wollen.
      Übrigens hat Jesus die Ehescheidungspraxis - auch die, dass eine Frau den Mann verlässt, es ging also nicht bloß um die Vorrangstellung des Mannes - als Ausdruck der "Herzenshärte" angeprangert. Ebenso lesen Sie bitte die Worte des Hl. paulus zum Thema, die auch keineswegs darauf abzielen, nur die männliche Dominanz einzudämmen. Aber wie gesagt - mir scheint, dass Sie wenig gelesen haben und auch nicht wissen, warum die Ehe ein sakrament ist. Da helfen Diskussionen im luftleeren Raum nichts. Machen Sie sich auf einen langen Leseweg. prüfen Sie die Lehre der Kirche. Wenn Sie alles gelesen haben werden, was ich Ihnen empfohlen haben, können Sie mir wieder ad rem schreiben. So bringt das nix.

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  9. Herzlich willkommen!
    Soeben in die kath. Bloggerliste eingebaut:
    www.bloggerliste.blogspot.de

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